Branchencheck

17.06.2019

Branchencheck - Türkei (Mai 2019)

Inhalt

Wirtschaftskrise trifft fast alle Industriezweige / Von Necip C. Bagoglu

Istanbul (GTAI) - Ob Bauwirtschaft, Elektronik- oder Kfz-Industrie: Fast alle Branchen in der Türkei sind von der Rezession betroffen. Erst ab 2020 soll sich die Wirtschaft wieder erholen.

Maschinenbauindustrie: Nachfrage nach Maschinen rückläufig

Der Maschinenbau leidet unter der schlechten Investitionskonjunktur, ausgelöst durch politische und wirtschaftliche Unsicherheiten in der Türkei. Die Maschinennachfrage ging 2018 real um fast 9 Prozent zurück. Für 2019 wird bestenfalls ein Nullwachstum erwartet. Manche Experten sagen sogar eine Schrumpfung von 5 Prozent voraus, bei Werkzeugmaschinen könnte es einen Einbruch um bis zu 30 Prozent geben. In der mittelfristigen Betrachtung stehen im Maschinenbau Investitionen in die Automatisierung/Digitalisierung im Vordergrund. Wichtige Branchenunternehmen sind Dener Group, Mert Makina, His Makina und Mekem Makina.

Weitere Informationen:

Türkische Regierung setzt auf den digitalen Strukturwandel

https://www.gtai.de/MKT201902278025

Chemieindustrie: Investitionen in Grundstofferzeugung

Die Investitionen in der Chemieindustrie konzentrieren sich auf die petrochemische Industrie, um die hohe Importabhängigkeit vor allem der Kunststoffindustrie bei Grundstoffen zu reduzieren. Mehrere staatlich geförderte Projekte zur Errichtung von neuen Werken werden vorbereitet. Aserbaidschans Ölgesellschaft Socar will in der Türkei zusammen mit British Petroleum (BP) für 1,8 Milliarden US-Dollar (US$) eine Anlage für reine Terephthalsäure (PTA) mit einer Jahreskapazität von 1 Million Tonnen bauen. In dem Werk, das bis 2023 fertiggestellt werden soll, sollen auch 840.000 Tonnen Paraxylen (PX) und 340.000 Tonnen Benzol produziert werden. Socar will außerdem in ihre 2018 eröffnete Ölraffinerie bei Izmir weitere 700 Millionen US$ investieren.

Weitere Informationen:

Branche kompakt: Türkische Chemieindustrie vermeldet deutliche Umsatzrückgänge

https://www.gtai.de/MKT201905038009

Energiewirtschaft: Geschäftschancen bei erneuerbaren Energien

Die Elektrizitätsproduktion ging in den ersten vier Monaten 2019 gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 1 Prozent auf 95 Milliarden Kilowattstunden zurück. Betroffen von der sinkenden Nachfrage sind vor allem Erdgaskraftwerke. Deren Anteil an der Stromerzeugung sank im genannten Zeitraum von 31 auf 17 Prozent. Wegen der Einnahmenausfälle und der Währungsabwertung können viele Betreiber ihre Auslandskredite nicht zurückzahlen. Geschäftschancen bieten dagegen erneuerbare Energien. Im Mai 2019 beteiligte sich die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung mit 100 Millionen US$ am Unternehmen für erneuerbare Energien IC Ictas. Die Obergrenze für die lizenzfreie Stromproduktion wurde von 1 auf 5 Megawatt erhöht.

Weitere Informationen:

Branche kompakt: Türkische Solarenergie hat hohes Wachstumspotenzial

https://www.gtai.de/MKT201904038007

Türkei investiert in die Energiegewinnung aus Biomasse

https://www.gtai.de/MKT201903128004

Türkei will geothermisches Energiepotenzial besser nutzen

https://www.gtai.de/GTAI/MKT201903088015

Bauwirtschaft: Branche in der Krise

Die Bauwirtschaft durchläuft eine schwere Krise. Es herrscht ein Überangebot im oberen Wohnungsbausegment, zudem sind die Kosten für Baustoffe deutlich gestiegen. Viele kleine Firmen stehen vor der Insolvenz. Fachleute schätzen, dass drei von vier Unternehmen, die Gläubigerschutz beantragt haben, Baufirmen sind. Die Baugenehmigungen sind rückläufig. Die Umsätze werden 2019 voraussichtlich um 10 bis 15 Prozent schrumpfen. Große staatliche Infrastrukturprojekte leiden unter Finanzierungsengpässen. Viele Vorhaben werden verschoben oder nur langsam umgesetzt.

Weitere Informationen:

Branchenanalyse: Konjunktur in der türkischen Bauwirtschaft schwächt sich ab

https://www.gtai.de/MKT201811308015

Gesundheitswirtschaft: Private Krankenhäuser beklagen Patientenrückgang

Der Gesundheitssektor bleibt von der aktuellen Wirtschaftskrise nicht verschont. Der Verband der privaten Krankenhäuser OHSAD meldet für die ersten vier Monate 2019 einen Rückgang der Patientenzahl um 25 bis 30 Prozent. Die sinkenden Realeinkommen und die steigenden Kosten für Behandlungen und Medikamente führen zu Umsatzrückgängen. Das Regierungsprogramm zum Bau von 31 Stadtkrankenhäusern nach dem PPP-Modell (Public-private-Partnership) kommt wegen der Finanzierungsprobleme nur langsam voran. Wachstumsimpulse werden dagegen vom Gesundheitstourismus erwartet. Die Zahl der ausländischen Patienten soll von 850.000 (Schätzung 2018) in absehbarer Zeit auf 1 Million pro Jahr steigen.

Weitere Informationen:

Branche kompakt: Türkische Krankenhäuser brauchen moderne Medizintechnik

https://www.gtai.de/MKT201812078007

Nahrungsmittelindustrie: Hohe Preissteigerungen dämpfen Absatz

Die Preise für Lebensmittel steigen in der Türkei derzeit besonders stark (Jahresanstieg im April: Plus 32 Prozent). Durch die hohe Inflation sinkt zudem die Kaufkraft der Verbraucher, da die Löhne nicht im gleichen Umfang zunehmen. Nur wenige Nahrungsmittelhersteller investieren daher aktuell in neue Produktionsanlagen. Andererseits profitieren die Unternehmen von der steigenden Konsumentenzahl. In der Türkei leben mittlerweile 4 Millionen Geflüchtete, außerdem reisen wieder deutlich mehr Touristen ins Land. Das bekannte Milchunternehmen Sütas wird Pressemeldungen zufolge in Pakistan zusammen mit dem Unternehmen NAFL (Nishat Group) eine Fabrik für Molkereierzeugnisse errichten.

Weitere Informationen:

Nahrungsmittel in der Türkei werden immer teurer

https://www.gtai.de/MKT201902228006

Textil- und Bekleidungsindustrie: Neue Seidenstraße verstärkt Konkurrenz aus Fernost

Die Textil- und Bekleidungsindustrie ist eine Schlüsselbranche der türkischen Wirtschaft. Unternehmen fertigen sämtliche Vorprodukte, darunter Garne, Fasern und Stoffe. Die Produzenten bekommen jedoch zunehmend die Konkurrenz aus Fernost zu spüren. Trotz der hohen Anzahl an informell Beschäftigten sind die Löhne in der Türkei soweit gestiegen, dass sie nicht mit der geringen Bezahlung asiatischer Nähfabriken mithalten können. Der geografische Vorteil türkischer Unternehmen gegenüber chinesischen Konkurrenten steht wegen der neuen Seidenstraße und der Erschließung schnellerer Transportrouten auf dem Spiel.

Weitere Informationen:

Türkei bleibt wichtiger Markt für Textilmaschinen

https://www.gtai.de/MKT201902088009

Türkische Bekleidungshersteller kündigen Investitionen an

https://www.gtai.de/MKT201901108006

Kfz-/Kfz-Teile-Produktion: Trotz Fertigungsrückgang neue Projekte

Die Kfz-Industrie zählt zu den Branchen, die unter der Rezession am meisten leiden. Laut Automobilverband OSD ging die Pkw-Produktion in den ersten vier Monaten 2019 gegenüber dem Vorjahreszeitraum um rund 14 Prozent zurück. Die Nfz-Fertigung sank um 11 Prozent. Der Hersteller Fiat-Tofas will für die Weiterentwicklung des Modells Fiat Egea 225 Millionen US$ investieren. Die Sonderwirtschaftszone der Kfz-Zulieferindustrie TOSB in Gebze meldet Investitionen von sechs neuen Firmen im Gesamtumfang von 190 Millionen Euro an. Der Kfz-Hersteller Honda hat dagegen bekannt gegeben, dass er sein Werk (Pkw-Modell Civic) in der Türkei 2021 schließen wird.

Weitere Informationen:

Branche kompakt: Türkischer Kfz-Markt bricht ein

https://www.gtai.de/MKT201902268004

Umwelttechnik (Wasser/Abfall/Luft): Chancen bei Recycling

Im Umweltsektor besteht ein hoher Nachholbedarf. Landesweit arbeiten knapp 1.700 lizensierte Abfallentsorgungs- und Wiedergewinnungsbetriebe mit einer jährlichen Verarbeitungskapazität von 77,2 Millionen Tonnen. Gute Geschäftschancen bietet die Recyclingindustrie. Hier führen mehrere Unternehmen Projekte durch, für die moderne technische Ausrüstungen benötigt werden. Das Papierunternehmen SEKA in Balikesir investierte zum Beispiel 140 Millionen Euro in die Wiedergewinnung von täglich 1.200 Tonnen Altpapier. Das Kupferunternehmen Eti Bakir (Cengiz Holding) investiert in ein Metallrückgewinnungsprojekt (Eisen, Zink) im Kupferbergbau, wobei aus den Bergwerksabfällen auch seltene Erden wie Kobalt gewonnen werden sollen.

Elektroindustrie: Weniger Binnenabsatz aber höhere Exporte

Der Fachverband für weiße Ware Türkbesd erwartet bei elektrischen Haushaltsgeräten für 2019 einen weiteren Verkaufsrückgang, trotz anhaltender Mehrwertsteuerbefreiung. In den ersten vier Monaten ging der Umsatz um 10 Prozent zurück. Bereits im vergangenen Jahr brach der Absatz um 17 Prozent auf 6,2 Millionen Geräte ein. Die Verluste am Inlandsmarkt werden teilweise durch höhere Exporte ausgeglichen. Eine ähnlich ungünstige Entwicklung ist in der Unterhaltungselektronik zu beobachten. Der US-Branchenriese Whirlpool hat inzwischen seine Vertriebsorganisation in der Türkei aufgelöst und fertigt Kühlschränke und Waschmaschinen nur noch für den Export.

Informations- und Kommunikationswirtschaft: 5G-Mobilfunkstandard bis 2020

Die Türkei plant in den kommenden Jahren ihr Glasfasernetz auszubauen und zahlreiche neue Basisstationen für den Mobilfunkverkehr zu errichten. Wichtige Akteure beim Netzausbau sind das ehemalige Staatsunternehmen Türk Telekom (TT) sowie die Mobilfunkunternehmen des Landes. Allein die Investitionen für den Netzausbau werden auf umgerechnet mehr als 8 Milliarden Euro geschätzt. Bis Ende 2020 will die Regierung den 5G-Mobilfunkstandard einführen. Im November 2018 absolvierte der größte türkische Mobilfunkbetreiber Turkcell gemeinsam mit Samsung einen ersten 5G-Testlauf.

Weitere Informationen:

Türkische Konzerne investieren in Big Data Analyse

https://www.gtai.de/MKT201812038010

Kfz-Markt: Verkaufszahlen eingebrochen

Der gesamte inländische Kfz-Absatz ging in den ersten vier Monaten 2019 gegenüber dem Vorjahreszeitraum trotz staatlicher Konjunkturprogramme um 48 Prozent auf 123.155 Fahrzeuge zurück. Die Importe sanken um 54 Prozent. Ursächlich für diese Entwicklung sind vor allem die Kaufkraftverluste und die spürbare Erhöhung der Fahrzeugpreise infolge der starken Währungsabwertung. Es gibt keine Anzeichen, dass sich die Lage im Laufe des Jahres 2019 verbessert.

Weitere Informationen:

Branche kompakt: Türkischer Kfz-Markt bricht ein

https://www.gtai.de/MKT201902268004

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll und Ausschreibungen in der Türkei sind unter http://www.gtai.de/tuerkei abrufbar.

Dieser Artikel ist relevant für:

Türkei Nahrungs- und Genussmittel, allgemein, EDV-, Telekommunikationsdienstleistungen, allgemein, Energie, Wasser, Wärme, allgemein, Bauwirtschaft, allgemein, Textilien, Bekleidung, Leder, allgemein, Umweltschutz, Entsorgung, Klimaschutz, allgemein, Chemische Industrie, allgemein, Gesundheitswesen allgemein, Fahrzeuge, -zubehör, allgemein, Maschinen- und Anlagenbau, allgemein, Elektronik, allgemein

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