Branchencheck

16.04.2019

Branchencheck - Turkmenistan (April 2019)

Inhalt

Projekte für Ausbau der Exportwirtschaft und Importsubstitution bieten Geschäftschancen / Von Uwe Strohbach

Aschgabat (GTAI) - Turkmenistan forciert die industrielle Nutzung seiner Öl- und Gasreserven und chemischen Rohstoffe. Zahlreiche Vorhaben gibt es auch in der Nahrungsmittel- und Textilindustrie.

Maschinenbauindustrie: Modernisierung der Bahnindustrie steht bevor

Der Maschinenbau spielt in der Wirtschaftsstruktur Turkmenistans keine Rolle. Produziert werden hauptsächlich Zentrifugalpumpen und Einzweckausrüstungen in sehr kleinen Stückzahlen sowie Ersatzteile für Öl-, Gas- und Landtechnik. Die Eisenbahn Turkmenistans startet im Jahr 2019 ein Programm für die Modernisierung von Maschinen und Ausrüstungen zur Wartung und Reparatur von rollendem Material und Gleisanlagen. Die bis 2024 geplanten Projekte umfassen auch die Erneuerung des Ausrüstungsparks, in dem Ersatzteile und sonstige Zulieferungen für die Bahninfrastruktur hergestellt werden.

Weitere Informationen:

Turkmenistan erneuert Investitionsprogramm für die Bahn

https://www.gtai.de/MKT201703148006

Chemieindustrie: Ausbauprojekte für die Düngemittel-, Jod- und Bromproduktion

Der Staatskonzern für Chemieindustrie Türkmenhimiya will zwischen 2018/19 und 2021/22 etwa 1 Milliarde US-Dollar (US$) in die Produktion von Phosphordünger, Natriumsulfat, granuliertem Ammoniumsulfat, Stickstoff-Sulfatdünger (Urea-ES), technischem Jod, Brom und Bromerzeugnissen, Epsomit, Bischofit, kaustischer Soda, Chlor und Chlorerzeugnissen investieren. Die Ölraffinerien in Turkmenbaschi und Seydi starten 2019 Modernisierungs- und Ausbauprojekte für mehr als 1,3 Milliarden US$, um die Produktion von Dieselkraftstoff zu modernisieren und eine Destillationsanlage für die Primärverarbeitung (Technologie ELOY-AT) zu errichten.

Weitere Informationen:

Turkmenistan investiert 20 Milliarden US$ in den Ausbau der Chemie und Petrochemie

https://www.gtai.de/MKT201604058014

Energiewirtschaft: Gaskraftwerke und Hochspannungsleitungen geplant

Turkmenistan baut die Stromwirtschaft weiter aus. Die jährliche Stromerzeugung soll bis 2024 auf 33 Milliarden Kilowattstunden steigen, gegenüber 24,9 Milliarden im Jahr 2017. Neue 120-Megawatt-Gaskraftwerke sind in Daschogus (2019 bis 2022) und Awaza/Turkmenbaschi (2022 bis 2024) für jeweils 185 Millionen US$ geplant. Die Unternehmen Sumitomo Corporation, Mitsubishi Hitachi Power Systems (Japan) und Rönesans (Türkei) errichten seit Ende 2018 in der Region Lebap ein 432-Megawatt-Gaskraftwerk. Von 2019 bis 2021/22 werden 220-Kilovolt-Leitungen auf den Trassen Ahal-Balkan (420 Kilometer), Balkan-Etrek (260 Kilometer) und Mary-Ahal (380 Kilometer) verlegt. Die Kosten betragen etwa 700 Millionen US$.

Weitere Informationen:

Turkmenistans Strombranche plant Projekte für 3,5 Milliarden US$

https://www.gtai.de/MKT201609098002

Bauwirtschaft: Straßen- und Wohnungsbau prägen das Baugeschehen

Das Baugewerbe setzt ab 2019 vier Schwerpunkte. Hierzu gehören der Bau der Autobahnen Aschgabat-Turkmenbaschi und Aschgabat-Turkmenabat, der Ausbau der Hauptstadt Aschgabat (16. Ausbaustufe: Wohnviertel, neuer Stadtbezirk Bagtyyarlyk, Konferenzzentrum), regionale Bauprogramme für Sozial- und Wohnungsbauten sowie die Errichtung einer neuen Gebietshauptstadt in der Region Ahal (2019 bis 2022). Auf der Projektliste steht der Bau von kleinen Flughäfen in Kerki (2019 bis 2021; 87 Millionen US$) und Garabogaz (2019 bis 2021; 60 Millionen US$) sowie eines Passagierterminals im Flughafen Galaymor (Landkreis Serhetabat, Region Mary).

Weitere Informationen:

Branche kompakt: Bauwirtschaft hat großen Anteil an der Wirtschaftsleistung Turkmenistans

https://www.gtai.de/MKT201804198000

Gesundheitswirtschaft: Investitionen konzentrieren sich auf regionale Projekte

Das Programm "Gesundheit" (2016 bis 2025) und regionale Entwicklungspläne (2019 bis 2025) skizzieren das künftige Projektgeschehen im Gesundheitswesen. In der Region Daschogus errichtet das private Unternehmen Ajayyp-gurlusyk im öffentlichen Auftrag bis Ende 2021 ein Mehrprofil-Krankenhaus mit 450 Betten und eine Onkologie-Klinik mit 150 Betten. In der Region Lebap gibt es Pläne für den Bau einer Poliklinik in der Stadt Seydi und die Modernisierung von Krankenhäusern in den Städten Turkmenabat und Kerki sowie im Landkreis Garabekewül. In Aschgabat sollen 2019 und 2020 fünf Häuser der Gesundheit (Polikliniken) eröffnet werden.

Landwirtschaft, Forstwirtschaft, Fischerei: Tierzucht und Gewächshäuser gedeihen

Geschäftschancen bieten von privaten Firmen geplante Projekte zur Produktion von Fleisch, Geflügel, Milch, Obst und Gemüse. Die Gesellschaft Sowuk göz errichtet im Landkreis Gökdepe (Region Ahal) einen großen Agrarbetrieb für die Erzeugung und Verarbeitung von 360.000 Tonnen Fleisch und Geflügel, den Anbau und die Verarbeitung von 15.000 Tonnen Wein sowie von Obst und Gemüse (in Gewächshäusern). Mehrere Unternehmen errichten im Staatsauftrag bis Ende 2020 neue Tierzuchtanlagen. Einige kürzlich privatisierte Geflügelfarmen sollen modernisiert werden. In allen Regionen ist geplant, die Gewächshauswirtschaft auszubauen. Zum 1. Januar 2019 gab es über 100 größere Gewächshäuser mit einer Gesamtfläche von 900 Hektar.

Öl/Gas: Weitere Erschließung des Gasfelds Galkynysch bleibt Hauptprojekt

In die Förderung und Verarbeitung von Öl und Gas fließen nach Regierungsangaben von 2019 bis 2021 geschätzte 12 Milliarden US$. Etwa 8 Milliarden US$ will der Gaskonzern Türkmengas investieren. Das Gros dieser Investitionen ist für die weitere Erschließung des Gasfelds Galkynysch einschließlich der Produktion von marktfähigem Gas und die Vorbereitung neuer Gaschemie-Projekte bestimmt. Jeweils etwa 80 Millionen US$ steckt der Konzern in die Erschließung des Gasfelds Zentralkarakum und ein Projekt zur Produktion von Flüssiggas (LNG) in der Region Daschogus (70.000 Tonnen pro Jahr). Der Ölkonzern Türkmennebit plant den Ausbau seiner Gasförderung in der Region Balkan (Körpeje/Landkreis Esenguly).

Weitere Informationen:

Turkmenistan investiert 46 Milliarden US-Dollar in die Öl- und Gaswirtschaft

https://www.gtai.de/MKT201712208010

Nahrungsmittelindustrie: Branche ist auf Importsubstitution ausgerichtet

Der Verband der Industriellen und Unternehmer Turkmenistans kündigte neue Projekte an. Die Gesellschaft Hyzmatdaslar errichtet für 57 Millionen US$ eine Zuckerfabrik (Kapazität: 150.000 Tonnen/Jahr) in der Region Balkan. Das Unternehmen Myradym plant den Bau einer Fabrik für die Verarbeitung von jährlich bis zu 10.000 Tonnen Reis in Kerki. Die Firmen Gündogar und Kämilligin gözbasy wollen 2019 Fabriken für Sonnenblumenöl mit einer Gesamtkapazität von 24.000 Tonnen in Betrieb nehmen. In Gökdepe soll Mitte 2019 der Bau einer Fabrik für Baumwollspeiseöl starten (300 Tonnen/Tag). Geplant sind auch der Bau von drei neuen und die Modernisierung bestehender Fabriken zur Herstellung von Süßwaren.

Textil- und Bekleidungsindustrie: Neue Projekte für 300 Millionen US$

In die Branche fließen von 2019 bis 2022 bis zu 300 Millionen US$. In Kaka und Babadayhan entstehen bis 2021 Anlagen für die Produktion von jährlich 6.950 Tonnen Bauwollgarn, 32 Millionen Quadratmeter Stoffen und 4,7 Millionen Stück Fertigwaren. Das Bauministerium plant ab Mitte 2019 den Bau einer Fabrik in Gökdepe. Diese soll jährlich 30.000 Tonnen Rohbaumwolle entkernen und 4 Millionen laufende Meter nichtgewebte Materialien herstellen. Eine Weberei (Baherden), eine Textilfabrik (Daschogus) und eine Baumwollspinnerei (Tahtabazar) werden modernisiert. Bis 2020 soll die jährliche Ernte von Rohbaumwolle von etwa 1 Million auf 1,25 Millionen Tonnen steigen.

Umwelttechnik (Wasser/Abfall/Luft): Über 500 Millionen US$ für Bodenbewässerung

In die Bewässerungswirtschaft plant das aride Turkmenistan von 2018 bis 2024 etwa 560 Millionen US$ zu investieren. Davon sind bis zu 170 Millionen US$ für den Ausbau des großen Sammelwasserbeckens Turkmenischer See bestimmt. Weitere Gelder fließen unter anderem in die effiziente Nutzung der Wasserressourcen des Karakum-Kanals und in Bewässerungsprojekte in den Regionen Daschogus und Ahal (Fläche 41.000 Hektar und 25.000 Hektar). Mehrere Vorhaben gibt es in der Trinkwasserversorgung und Abwasserwirtschaft. In Aschgabat ist der Bau von zwei Abwasseranlagen geplant (Kapazität: 250.000 Kubikmeter pro Tag und 150.000 Kubikmeter pro Tag).

Weitere Informationen:

Turkmenistan modernisiert seine Bewässerungstechnik

https://www.gtai.de/MKT201701258000

Elektronikindustrie: Regierung sucht weitere Partner für Joint Ventures

Die Regierung startete 2015 ein Programm für den Aufbau einer eigenen Elektronikindustrie. Bei der Umsetzung der Projekte kooperieren lokale Firmen mit ausländischen Partnern. Als Koordinator tritt das Ministerium für Industrie und Kommunikation auf. Die Projektliste umfasst die Produktion von Transformatorstationen (Unternehmen Sowatly gurlusyk), elektronischen Anzeigetafeln (Tehniki serisdelriniö serwisi/Promyschlennyje technologii), LED-Lampen und Lernnotebooks (Aydyn gyjeler). Geplant ist ferner die Produktion von Halbleiterelementen, Fotovoltaikausrüstungen und von Automatisierungstechnik für die Öl- und Gasindustrie.

Informations- und Kommunikationswirtschaft: Internet soll schneller werden

Die Islamische Entwicklungsbank gewährt ein Darlehen über 273 Millionen US$ für ein Entwicklungsprogramm der Branche. Es umfasst die Beschaffung von 550 NGN-Stationen für das Festnetz, 600 Basisstationen für den Mobilfunk (4G, 3G, 2G; darunter 126 4G-Stationen für die Hauptstadt Aschgabat), den Austausch digitaler Stationen durch die IMS-Technologie in Aschgabat (80.000 Anschlüsse) sowie Investitionen in das Internet, den FM-Radioempfang, Kontrollstrukturen für den Datenverkehr und die Nutzung von Frequenzen. In Aschgabat soll die Netzgeschwindigkeit von bis zu 20 Gigabit pro Sekunde auf bis zu 100 Gigabit pro Sekunde und in den regionalen Hauptstädten auf bis zu 40 Gigabit pro Sekunde steigen.

Weitere Informationen:

Turkmenistan plant Ausbau von Mobilfunk und Internet

https://www.gtai.de/MKT201804208000

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll und Ausschreibungen in Turkmenistan sind unter http://www.gtai.de/turkmenistan erhältlich.

Dieser Artikel ist relevant für:

Turkmenistan Land- und Forstwirtschaft, Fischerei, allgemein, Nahrungs- und Genussmittel, allgemein, EDV-, Telekommunikationsdienstleistungen, allgemein, Energie, Wasser, Wärme, allgemein, Bauwirtschaft, allgemein, Textilien, Bekleidung, Leder, allgemein, Umweltschutz, Entsorgung, Klimaschutz, allgemein, Chemische Industrie, allgemein, Bergbau / Rohstoffe, allgemein, Gesundheitswesen allgemein, Maschinen- und Anlagenbau, allgemein, Elektronik, allgemein, Öl, Gas

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