Branchencheck

18.07.2018

Branchencheck - Ukraine (Juli 2018)

Inhalt

Industrieproduktion steigt / Unsicherer wirtschaftlicher Ausblick belastet / Von Fabian Nemitz

Kiew (GTAI) - In den meisten Branchen in der Ukraine geht es weiter aufwärts. Die Industrieproduktion ist in den ersten fünf Monaten 2018 real um 2,6 Prozent gestiegen. Die Erholung der Binnenkonjunktur und steigende Exporte stützen die Unternehmen. Ein mögliches Ende der Zusammenarbeit mit dem Internationalen Währungsfonds birgt hohe Risiken für das makroökonomische Umfeld. Vermehrt klagen Firmen über Schwierigkeiten bei der Personalsuche wegen zunehmender Abwanderung.

Maschinenbauindustrie: Nach schwerer Krise dürfte sich Erholung fortsetzen

Dank zunehmender Investitionen und verstärkter Exporte in neue Märkte zeigt die Produktion im krisengeschüttelten Maschinenbau seit 2016 wieder nach oben. In den ersten fünf Monaten 2018 konnte die Branche ihren Ausstoß real um 6,9 Prozent steigern. Angesichts erwarteter weiterer Zuwächse der Bruttoanlageinvestitionen dürfte der Aufwärtstrend 2018 und 2019 anhalten. Die Ukraine verfügt über eine lange Tradition im Maschinenbau, ist in den meisten Bereichen aber auf Einfuhren angewiesen. Bei der Modernisierung ihres Fuhrparks arbeitet die staatliche Eisenbahn mit General Electric zusammen. Abgesehen von Kfz-Zulieferern sind in der Branche kaum ausländische Unternehmen als Produzenten tätig.

Weitere Informationen:

Branche kompakt: Ukrainischer Maschinenbau profitiert von steigenden Investitionen

http://www.gtai.de/MKT201803068002

Ukrainischer Markt für Nahrungsmittelmaschinen belebt sich

http://www.gtai.de/MKT201806158011

Chemieindustrie: Hohes Wachstum der Produktion

Die Produktion von Chemiewaren ist in den ersten fünf Monaten 2018 real um 41,6 Prozent gestiegen. Ein Grund für das hohe Wachstum ist die Wiederaufnahme der Fertigung in Werken des Düngemittelherstellers OSTCHEM im Sommer 2017. Die im März 2018 angekündigte Einführung eines Importstopps auf Mineraldünger aus Russland sowie der Rückzug des russischen Herstellers Eurochem aus der Ukraine stärken die dominierende Marktstellung von OSTCHEM. Die lokale Firma Grossdorf hat im Juni 2018 im Gebiet Tscherkassy ein Düngemittelwerk in Betrieb genommen. Von aktuell 35.000 bis 50.000 Tonnen pro Jahr könnte die Produktion künftig auf bis zu 150.000 Tonnen ausgeweitet werden. TerraTarsa baut eine Düngemittelfabrik im Gebiet Cherson. Nach mehrjährigem Stillstand hat das Petrochemiewerk KarpatNaftoChim 2017 den Betrieb wieder aufgenommen.

Weitere Informationen:

Chemieindustrie der Ukraine sieht Licht am Ende des Tunnels

http://www.gtai.de/MKT201611308000

Energiewirtschaft: Strommarktreform gestartet

Im Assoziierungsabkommen mit der Europäischen Union (EU) hat sich die Ukraine zu einer Reform des Stromsektors verplichtet. Kernelemente sind Marktliberalisierung, die Schaffung eines Kapazitätsmarktes und die Anbindung der Stromnetze an das europäische Verbundsystem (ENTSO-E). Hierfür sind Investitionen in die Modernisierung von Umspannstationen und den Netzausbau nötig. Unterstützung erhält die Ukraine von der Europäischen Investitionsbank (EIB). Dank attraktiver, in Euro fixierter Einspeisevergütungen boomen Investitionen in erneuerbare Energien. Wegen der steigenden Umlagekosten wird eine Umstellung der Förderung auf ein Auktionssystem diskutiert. Im Sperrgebiet von Tschernobyl soll eine Solaranlage mit bis zu 1.200 Megawatt Leistung entstehen. Ein Zwischenlager für abgebrannte Brennelemente befindet sich dort bereits im Bau.

Weitere Informationen:

Erneuerbare Energien sind in der Ukraine auf dem Vormarsch

http://www.gtai.de/MKT201805148009

Ukraine plant Solarpark in Sperrzone von Tschernobyl

http://www.gtai.de/MKT201805098004

Ukrainischer Markt für Windenergie im Aufwind

http://www.gtai.de/MKT201805098005

Bauwirtschaft: Investitionen in Infrastruktur steigen

Das Wachstum der Bauwirtschaft hat sich abgeschwächt. In den ersten fünf Monaten 2018 ist die Bauleistung real um 1,8 Prozent gestiegen, nach einem Plus von 20,9 Prozent im Gesamtjahr 2017. Mittelfristig könnte sich der Wohnungsbau abkühlen. Spielt die gesamtwirtschaftliche Konjunktur mit, sind dagegen mehr Aktivitäten im Büro- und Gewerbebau zu erwarten. Künftig sollen auch die Investitionen in die Verkehrsinfrastruktur steigen. Die Eckpunkte hierzu sind in der Ende Mai 2018 verabschiedeten Strategie "Drive Ukraine 2030" festgelegt. Dank des Anfang 2018 eingerichteten Straßenbaufonds erhöhen sich die Mittel für den lange vernachlässigten Straßenbau. Das Thema Energieeffizienz rückt in den Fokus. Ende 2017 wurde ein Energieeffizienzfonds gegründet. Geberorganisationen unterstützen die energetische Sanierung von Universitäten.

Weitere Informationen:

Branchenanalyse: Infrastrukturprojekte geben der ukrainischen Bauwirtschaft positive Impulse

http://www.gtai.de/MKT201806088006

Kiewer Infrastruktur braucht Milliardeninvestitionen

http://www.gtai.de/MKT201802238006

Ausbau von U-Bahn-Strecken in der Ukraine startet

http://www.gtai.de/MKT201802058006

Gesundheitswirtschaft: Gesundheitsreform gestartet

Die Ukraine hat eine große Gesundheitsreform gestartet, mit der die Effizienz des Sektors gesteigert werden soll. Schwerpunkt der ersten Umsetzungsphase liegt auf der Erstversorgung. Hierzu werden landesweit neue Ambulatorien eingerichtet, darunter 500 bis Ende 2018. Eine wichtige Rolle für die Versorgung im ländlichen Raum soll die Telemedizin spielen. Die Einführung einer Krankenversicherung zur Finanzierung des Gesundheitssystems wird diskutiert. Der private Gesundheitssektor wächst. Firmen wie Dobrobut investieren in den Bau und Ausbau von Einrichtungen in Kiew sowie künftig auch in Charkiw und Odessa. Der Entwicklungsplan der Stadt Kiew sieht 2018 bis 2020 die Modernisierung mehrerer Gesundheitseinrichtungen vor. Mit der International Finance Corporation (IFC) will die Stadtverwaltung künftig Projekte im Rahmen öffentlich-privater Partnerschaften umsetzen.

Landwirtschaft: Nach hohen Zuwächsen 2018 rückläufige Landtechnikimporte

Die Landwirtschaft spielt eine enorme Rolle in der Ukraine. Fast 40 Prozent der gesamten Exporte entfielen 2017 auf Agrargüter und Nahrungsmittel, das Gros davon aber auf Waren mit einer geringen zusätzlichen Wertschöpfung. Die großen Agrarholdings investieren in neue Pflanzenölwerke, Getreidespeicher, die Geflügelzucht, Biogasanlagen und den Ausbau der Hafeninfrastruktur. Geberorganisationen wie IFC und EBWE unterstützen Projekte, darunter ein Vorhaben von Nibulon zum Ausbau der Infrastruktur zum Getreidetransport auf dem Dnjepr und Südlichen Bug. Nach starken Zuwächsen 2016 und 2017 könnte die Nachfrage nach Landtechnik 2018 zurückgehen. Bislang bleibt die Landwirtschaft deutlich unter ihrem Potenzial. Das Moratorium auf den Verkauf von Agrarflächen hemmt die effektive Nutzung der Ressourcen und langfristiges Wirtschaften.

Weitere Informationen:

Ukraine könnte zur Kornkammer für die Welt werden

http://www.gtai.de/MKT201803288006

Ukraine hat hohen Bedarf an moderner Landtechnik

http://www.gtai.de/MKT201806078001

Internationale Geber fördern Bioenergieprojekte in der Ukraine

http://www.gtai.de/MKT201805148004

Nahrungsmittelindustrie: Investitionen in exportorientierten Bereichen

Die Nahrungsmittelindustrie gilt als einer der Hoffnungsträger der ukrainischen Wirtschaft. Die Investitionsbelebung in der Branche setzt sich fort. Für das 1. Quartal 2018 meldet das Statistikamt einen Anstieg der Kapitalanlagen um nominal 56,2 Prozent. Investitionsprojekte sind vorrangig auf den Export ausgerichtet. Dank günstiger Produktionskosten nutzen internationale Player ihre Werke in der Ukraine vermehrt für Lieferungen in andere Länder. Das vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft geförderte Projekt Agritrade Ukraine unterstützt lokale Firmen bei der Erschließung des EU-Markts.

Weitere Informationen:

Ukrainische Nahrungsmittelindustrie erschließt neue Exportmärkte

http://www.gtai.de/MKT201802238005

Ukrainische Lebensmittelindustrie hat großes Potenzial

http://www.gtai.de/MKT201805258018

Textil- und Bekleidungsindustrie: Viele Standortvorteile für die Lohnveredelung

Nach einem Plus von 6,3 Prozent im Gesamtjahr 2017 ist die Produktion in der Textil- und Bekleidungsindustrie in den ersten fünf Monaten 2018 real um 1,1 Prozent gesunken. Die Exporte indes stiegen in den ersten vier Monaten nominal um 23,5 Prozent auf 272 Millionen US-Dollar (US$). Das Freihandelsabkommen mit der EU, günstige Produktionskosten und die Nähe zum europäischen Markt bieten Chancen. Viele Firmen sind in der Lohnveredelung tätig. Herausforderung bleibt der Aufbau eigener Exportmarken und die Erhöhung der Wertschöpfung, Risiko ist die Abwanderung von Fachkräften. Der Sportartikelhersteller HEAD hat im Mai 2018 angekündigt, in drei Etappen 80 Millionen Euro in den Bau eines Werks zur Produktion von Ski sowie Skischuhen und -halterungen in Winnyzja zu investieren.

Metallindustrie: EBWE unterstützt ArcelorMittal bei Investitionen in Krywyj Rih

Die Metallindustrie leidet unter der seit Frühjahr 2017 laufenden Handelsblockade im Donbass und der Unterbrechnung von Lieferketten. Hinzu kommt der Wegfall traditioneller Absatzmärkte im GUS-Raum. Nach einem Produktionsrückgang von 0,4 Prozent im Jahr 2017 konnte die Branche ihren Ausstoß in den ersten fünf Monaten 2018 wieder um 1,6 Prozent steigern. Wegen der höheren Weltmarktpreise legten die Exporterlöse in den ersten vier Monaten sogar um fast ein Drittel auf rund 4 Milliarden US$ zu. Der weitere Ausblick hängt von der Entwicklung der Weltkonjunktur ab. Metinvest verfolgt ein fast 9 Milliarden US$ umfassendes Investitionsprogramm bis 2030. Die EBWE unterstützt ArcelorMittal bei der Modernisierung des Standorts Krywyj Rih. Interpipe arbeitet bei der Produktion von Rohren künftig mit Vallourec zusammen.

Kfz-/Kfz-Teile-Produktion: Kfz-Teile stehen für ein Viertel der deutschen Importe aus der Ukraine

Während der Fahrzeugbau als Industriezweig kaum mehr eine Rolle spielt, gewinnt die Kfz-Zulieferindustrie immer mehr an Bedeutung. Dies gilt besonders für die Westukraine. Viele deutsche Unternehmen nutzen die Nähe zur EU und günstige Produktionskosten für arbeitsintensive Produktionsschritte. Rund ein Viertel der deutschen Importe aus der Ukraine entfällt auf Waren wie Kfz-Elektrik, Kabel und Sitzbezüge. Mit der zunehmenden Abwanderung von Arbeitskräften in Länder in Ostmitteleuropa wird Personal im niedrigen Lohnsegment zunehmend knapper. Dies zwingt die Zulieferer zu Lohnsteigerungen. Bei der Suche nach neuen Standorten richten Hersteller ihren Blick vermehrt auf die Zentralukraine. Die schwedische SKF will 2018 rund 10 Millionen US$ in ihr Werk in Luzk investieren.

Weitere Informationen:

Branche kompakt: Nachholeffekte auf ukrainischem Automobilmarkt lassen nach

http://www.gtai.de/MKT201802278012

Umwelttechnik: EBWE unterstützt Abfallwirtschaftsprojekt in Lwiw

Die moderne Abfallwirtschaft ist in der Ukraine noch kaum entwickelt. Vor dem Hintergrund des Assoziierungsabkommens mit der EU und wachsender Umweltprobleme rückt das Thema stärker auf die Agenda. Im November 2017 hat die Regierung eine Abfallwirtschaftsstrategie verabschiedet. Konkrete Handlungspläne müssen aber erst noch erarbeitet werden. Die EBWE unterstützt die Sanierung einer Deponie und den Bau eines Müllverarbeitungswerks in Lwiw mit 35 Millionen Euro. Aus Mitteln der "Exportinitiative Umwelttechnologien" der deutschen Bundesregierung wird eine Machbarkeitsstudie für die Sanierung der Deponie Nr. 5 in Kiew finanziert. Für die Modernisierung der Großkläranlage Bortnizka Stanzija Aerazii in Kiew stellt die japanische JICA umgerechnet rund 1 Milliarde US$ bereit.

Weitere Informationen:

Ukrainische Regierung verabschiedet Abfallwirtschaftsstrategie

http://www.gtai.de/MKT201711158011

Dieser Artikel ist relevant für:

Ukraine Land- und Forstwirtschaft, Fischerei, allgemein, Nahrungs- und Genussmittel, allgemein, Energie, Wasser, Wärme, allgemein, Bauwirtschaft, allgemein, Textilien, Bekleidung, Leder, allgemein, Umweltschutz, Entsorgung, Klimaschutz, allgemein, Chemische Industrie, allgemein, Metallerzeugung, -verarbeitung, allgemein, Gesundheitswesen allgemein, Medizintechnik, allgemein, Fahrzeuge, -zubehör, allgemein, Maschinen- und Anlagenbau, allgemein

Funktionen

Kontakt

Verena Saurenbach

‎+49 228 24 993 283

Suche / Mann mit Lupe | © GettyImages/BernardaSv

Suche

Recherchieren Sie aktuelle Marktanalysen, Wirtschaftsdaten, Zoll- und Rechtsinformationen, Projekte und Ausschreibungen aus über 120 Ländern.

Zur Suche