Branchencheck

29.11.2018

Branchencheck - Ukraine (November 2018)

Inhalt

Höheres Wachstum der Industrieproduktion erwartet / Von Fabian Nemitz

Kiew (GTAI) - Die Ukraine erwartet 2019 ein Wachstum der Industrieproduktion von real 3 Prozent. Allerdings bergen die anstehenden Wahlen und der Konflikt mit Russland Unwägbarkeiten.

Maschinenbauindustrie: Erholung setzt sich fort, Vorkrisenniveau aber in weiter Ferne

Dank zunehmender Investitionen im Inland und Exporten in neue Märkte zeigt die Produktion im Maschinenbau seit 2016 nach oben, ist aber immer noch weit vom Vorkrisenniveau entfernt. In den ersten zehn Monaten 2018 konnte die Branche ihren Ausstoß real um 3,3 Prozent steigern. Die Exporte legten in den ersten drei Quartalen nominal um 14,4 Prozent zu. Angesichts erwarteter weiterer Zuwächse der Bruttoanlageinvestitionen dürfte sich der Aufwärtstrend fortsetzen. Die Ukraine verfügt über eine lange Tradition in einigen Bereichen des Maschinenbaus, ist größtenteils aber auf Einfuhren angewiesen.

Weitere Informationen:

Branche kompakt: Ukrainischer Maschinenbau profitiert von steigenden Investitionen

http://www.gtai.de/MKT201803068002

Ukrainischer Markt für Nahrungsmittelmaschinen belebt sich

http://www.gtai.de/MKT201806158011

Chemieindustrie: Antidumpingmaßnahmen führen zu Produktionssteigerungen

Die Produktion von Chemiewaren ist in den ersten zehn Monaten 2018 real um 24,4 Prozent gestiegen. Ein Grund für das hohe Wachstum ist die Verschärfung von Antidumpingmaßnahmen gegen russische Düngemittelhersteller, in deren Folge lokale Firmen, allen voran Markführer OSTCHEM, ihre Produktion hochgefahren haben. Die Schutzmaßnahmen führen dazu, dass die Preise für Mineraldünger in der Ukraine deutlich über dem Weltmarktniveau liegen. Nach Inbetriebnahme eines Düngemittelwerks in Tscherkassy im Sommer 2018 hat die Firma Grossdorf den Bau weiterer Fabriken angekündigt.

Weitere Informationen:

Branche kompakt: Chemieindustrie der Ukraine steigert die Produktion

http://www.gtai.de/MKT201810318000

Energiewirtschaft: Strommarktreform gestartet

Im Assoziierungsabkommen mit der Europäischen Union (EU) hat sich die Ukraine zu einer Reform des Stromsektors verpflichtet. Kernelemente sind Marktliberalisierung, die Schaffung eines Kapazitätsmarkts und die Anbindung der Stromnetze an das europäische Verbundsystem (ENTSO-E). Dank attraktiver, in Euro fixierter Einspeisevergütungen boomen Investitionen in erneuerbare Energien. Wegen der steigenden Umlagekosten ist eine Umstellung der Förderung auf ein Auktionssystem geplant. Bevor dies nicht erfolgt ist, wird die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung - wie im November 2018 angekündigt - keine Solarprojekte mehr finanzieren.

Weitere Informationen:

Erneuerbare Energien sind in der Ukraine auf dem Vormarsch

http://www.gtai.de/MKT201805148009

Ukraine plant Solarpark in Sperrzone von Tschernobyl

http://www.gtai.de/MKT201805098004

Ukrainischer Markt für Windenergie im Aufwind

http://www.gtai.de/MKT201805098005

Bauwirtschaft: Entwicklung 2019 ist unklar

In den ersten drei Quartalen 2018 ist die Bauleistung real um 5,4 Prozent gestiegen, nach einem Plus von 20,9 Prozent im Gesamtjahr 2017. Hinter dem Anstieg 2018 steht allein der Infrastrukturbau, der Gebäudebau stagniert derweil. Prognosen für 2019 sind wegen der Unsicherheit im Wahljahr schwierig. Spielt die Konjunktur mit, sind mehr Aktivitäten im Büro- und Gewerbebau zu erwarten. Auch die Investitionen in die Verkehrsinfrastruktur sollen steigen. Eckpunkte hierzu sind in der Strategie "Drive Ukraine 2030" festgelegt. Der neu gegründete Energieeffizienzfonds soll 2019 die Arbeit aufnehmen.

Weitere Informationen:

Branchenanalyse: Infrastrukturprojekte geben der ukrainischen Bauwirtschaft positive Impulse

http://www.gtai.de/MKT201806088006

Kiewer Infrastruktur braucht Milliardeninvestitionen

http://www.gtai.de/MKT201802238006

Ausbau von U-Bahn-Strecken in der Ukraine startet

http://www.gtai.de/MKT201802058006

Gesundheitswirtschaft: Gesundheitsreform gestartet

Die Ukraine hat eine große Gesundheitsreform gestartet. Schwerpunkt der ersten Umsetzungsphase ist die Erstversorgung. Hierzu werden 2018 und 2019 landesweit 1.000 Ambulatorien neu gebaut oder modernisiert. Die Umstrukturierung der Notfallhilfe soll 2019 beginnen. E-Health-Dienste werden ausgebaut. Der weitere Fortgang der Reformen hängt allerdings vom Ausgang der Wahlen ab. Der private Gesundheitssektor wächst. Firmen wie Dobrobut investieren in Einrichtungen in Kiew sowie künftig auch in Charkiw und Odessa. Der Staat stellt 2019 Gelder für den Bau einer Krebsklinik in Charkiw bereit.

Landwirtschaft: Rekordernte, aber Engpässe im Transportsektor

Dank des guten Wetters konnten die ukrainischen Bauern 2018 eine Rekordernte einfahren. Engpässe bei der Eisenbahn bereiten allerdings Schwierigkeiten beim Abtransport. Nach hohen Zuwächsen 2016 und 2017 hat sich die Landtechniknachfrage abgekühlt. Besonders kleine und mittlere Betriebe haben weiter einen großen Modernisierungsbedarf, doch es fehlt an Finanzmitteln. Die saudi-arabische SALIC hat die Übernahme der ukrainischen Agrarholding Mriya im November 2018 abgeschlossen. Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte hat das seit 2002 bestehende Moratorium über den Verkauf von Agrarflächen im Mai 2018 verurteilt.

Weitere Informationen:

Ukraine könnte zur Kornkammer für die Welt werden

http://www.gtai.de/MKT201803288006

Ukraine hat hohen Bedarf an moderner Landtechnik

http://www.gtai.de/MKT201806078001

Internationale Geber fördern Bioenergieprojekte in der Ukraine

http://www.gtai.de/MKT201805148004

Öl/Gas: Regierung strebt Selbstversorgung mit Erdgas an

Laut British Petroleum verfügt die Ukraine mit 1,1 Billionen Kubikmetern über die drittgrößten Erdgasvorkommen in Europa nach Russland (35 Billionen Kubikmeter) und Norwegen (1,7 Billionen Kubikmeter). Die Vorkommen liegen größtenteils in den Gebieten Charkiw und Poltawa. Ziel der Regierung ist eine Ausweitung der Förderung auf 27,6 Milliarden Kubikmeter bis 2020 gegenüber 20,5 Milliarden Kubikmetern im Jahr 2017, um sich künftig selbst mit Gas zu versorgen. Die Kosten hierfür werden auf 6 Milliarden US-Dollar (US$) geschätzt. Allerdings bleibt die Umsetzung bislang hinter den Plänen zurück. Die EBWE stellt UkrGasVydobuvannya einen Kredit über 52 Millionen Euro zur Verfügung.

Nahrungsmittelindustrie: Produktion 2018 rückläufig, langfristig Wachstum erwartet

Die Nahrungsmittelindustrie ist der wichtigste Industriezweig der Ukraine. Dank der riesigen Agrarressourcen verfügt die Branche über ein großes Potenzial. In den ersten zehn Monaten 2018 ist der Ausstoß allerdings wegen Rückgängen in der Pflanzenölproduktion real um 1,7 Prozent gefallen. Bis 20. September 2019 müssen alle Nahrungsmittelhersteller über HACCP-Zertifikate verfügen. Dank günstiger Produktionskosten nutzen globale Player ihre Werke im Land vermehrt für Exporte. Kernel will bis 2021 rund 540 Millionen US$ in die Speiseölproduktion und Hafeninfrastruktur investieren.

Weitere Informationen:

Ukrainische Nahrungsmittelproduzenten bauen Kapazitäten aus

http://www.gtai.de/MKT201809188025

Ukrainische Lebensmittelindustrie hat großes Potenzial

http://www.gtai.de/MKT201805258018

Metallindustrie: Metinvest und ArcelorMittal investieren in Modernisierung

Die Metallindustrie konnte ihre Produktion in den ersten zehn Monaten 2018 real um 1,6 Prozent steigern. Dank der hohen Weltmarktpreise legten die Exporterlöse in den ersten drei Quartalen um ein Viertel auf 9 Milliarden US$ zu. Die weitere Entwicklung hängt von der Weltkonjunktur ab, denn der größte Teil der ukrainischen Stahlproduktion geht in den Export. Antidumpingmaßnahmen der EU belasten die Hersteller. Der Transport von Metallen über die Häfen Mariupol und Berdjansk leidet unter den Spannungen im Asowschen Meer. Metinvest und ArcelorMittal verfolgen milliardenschwere Investitionsprogramme.

Kfz-/Kfz-Teile-Produktion: Autoteile stehen für ein Viertel der deutschen Importe

Während der Fahrzeugbau in der Ukraine kaum mehr eine Rolle spielt, haben sich in der Westukraine in den vergangenen Jahren zahlreiche Kfz-Zulieferer angesiedelt, darunter viele aus Deutschland. Rund ein Viertel der deutschen Importe aus der Ukraine entfällt auf Waren wie Kfz-Elektrik, Kabel und Sitzbezüge. Die Abwanderung von Arbeitskräften ist eine große Herausforderung für die Firmen und bremst Neuinvestitionen. Chancen für die Ukraine sehen Branchenvertreter in der Verknüpfung von IT und Elektromobilität. Für die Entwicklung der Kfz-Industrie fehlt es an einer konsequenten Industriepolitik.

Weitere Informationen:

Branche kompakt: Ukrainischer Neuwagenmarkt wächst schwächer

http://www.gtai.de/MKT201809188009

Umwelttechnik: Modernisierung von Kiewer Großkläranlage beginnt 2019

Im Umweltsektor steht die Ukraine vor gewaltigen Herausforderungen. Der Investitionsbedarf in der Wasserwirtschaft wird allein für die dringendsten Aufgaben auf 20 Milliarden US$ geschätzt, der Gesamtbedarf auf 40 Milliarden US$. Investitionen können die Wasserwerke angesichts nicht kostendeckender Tarife kaum stemmen. Wichtig ist daher die Unterstützung internationaler Geber. Die japanische JICA stellt rund 1 Milliarde US$ für die Modernisierung der Großkläranlage Bortnizka Stanzija Aerazii in Kiew bereit. Die Arbeiten sollen 2019 beginnen. Die EBWE fördert ein Abfallprojekt in Lwiw mit 35 Millionen Euro.

Ukrainische Regierung verabschiedet Abfallwirtschaftsstrategie

http://www.gtai.de/MKT201711158011

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll und Ausschreibungen in der Ukraine sind unter http://www.gtai.de/ukraine abrufbar.

Dieser Artikel ist relevant für:

Ukraine Land- und Forstwirtschaft, Fischerei, allgemein, Nahrungs- und Genussmittel, allgemein, Energie, Wasser, Wärme, allgemein, Bauwirtschaft, allgemein, Textilien, Bekleidung, Leder, allgemein, Umweltschutz, Entsorgung, Klimaschutz, allgemein, Chemische Industrie, allgemein, Metallerzeugung, -verarbeitung, allgemein, Gesundheitswesen allgemein, Fahrzeuge, -zubehör, allgemein, Maschinen- und Anlagenbau, allgemein, Öl, Gas

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