Branchencheck

27.11.2018

Branchencheck - Ungarn (November 2018)

Inhalt

Wachstum der Industrieproduktion bleibt in den meisten Zweigen hoch / Von Waldemar Lichter

Budapest (GTAI) - Die ungarische Industrieproduktion hält ihr hohes Wachstumstempo. Aufgrund der guten Konjunktur und steigender Investitionen bestehen gute Lieferchancen für deutsche Unternehmen.

Maschinenbauindustrie: Schwächere Auslandsnachfrage drückt die Stimmung

Die Branche konnte die 2017 eingeleitete Wende 2018 nicht fortsetzen. Sowohl Produktion als auch Umsätze waren in den ersten acht Monaten 2018 stark rückläufig (-9,7 - 7,0 Prozent). Diese Entwicklung war vor allem auf die schwache Auslandsnachfrage (-8,4 Prozent) zurückzuführen. Die Inlandsumsätze legten leicht um 0,5 Prozent zu. Die hohe Kapazitätsauslastung und gute Auftragslage in der Industrie lassen Investitionen und damit eine höhere Nachfrage nach Maschinen und Ausrüstungen erwarten. Für die Ausrüstungsinvestitionen sagt die Europäische Kommission für 2019 einen Anstieg von 5,6 und für 2020 von 5,0 Prozent voraus.

Weitere Informationen:

Branche kompakt: Ungarns Maschinenmarkt wieder im Aufwärtstrend

https://www.gtai.de/MKT201607288014

Chemieindustrie: Trendwende 2018 eingeleitet

Nach zwei negativen Jahren 2016 und 2017 drehte die Produktion in der chemischen Industrie 2018 wieder ins Plus. In den ersten acht Monaten nahmen die Erzeugung und die Umsätze um 9,7 Prozent zu. Dazu trugen in fast gleichem Maße die Auslands- wie die Inlandsnachfrage bei. Ein umfangreiches Investitionsprogramm von 4,5 Milliarden US$ bis zum Jahr 2030 hat der Mineralölkonzern MOL eingeleitet. Investitionen sind in der Pharmaindustrie zu erwarten. Die Regierung möchte deren Anteil am Bruttoinlandsprodukt (BIP) um zwei Prozentpunkte auf 8 Prozent erhöhen und ihr Exportpotenzial steigern.

Weitere Informationen:

Branche kompakt: Ungarns Chemiemarkt wächst weiter

https://www.gtai.de/MKT201707038017

Energiewirtschaft: Ausbau der Kernkraft im Fokus

Der Ausbau des Kernkraftwerks Paks2 (2x1.200 Megawatt) wird die Entwicklung im Energiesektor in nächster Zeit dominieren. Die Arbeiten sollen Ende 2019 beginnen, die Inbetriebnahme ist für 2026/2027 geplant. Die Investitionen werden auf 12 Milliarden Euro geschätzt. Davon werden 10 Milliarden Euro durch einen russischen Kredit gedeckt. Die Regierung will die Abhängigkeit von Erdgasimporten aus Russland reduzieren, Lieferverträge mit anderen Ländern abschließen und Gastransportkapazitäten ausbauen. In jüngster Zeit ist ein starker Anstieg von Investitionen in Photovoltaik- und Solarenergiekapazitäten festzustellen.

Bauwirtschaft: Boom hält 2018 weiter an

Nach einem Plus von 30 Prozent 2017 nahm die Bauproduktion in den ersten acht Monaten 2018 um weitere 22,6 Prozent zu. Dazu tragen zum einen (EU-kofinanzierte) Investitionen im Infrastruktursektor bei. Zum anderen erhält der Wohnungsbau durch staatliche Fördermaßnahmen Wachstumsimpulse, etwa das CSOK-Programm zur Unterstützung des Wohnungserwerbs durch kinderreiche Familien. Das Programm wird nun für einen größeren Nutzerkreis (Familien mit zwei, statt bisher drei Kindern) erweitert. Seit dessen Einführung 2015 sollen mehr als 90.000 Familien umgerechnet 780 Millionen Euro CSOK-Förderung erhalten haben.

Weitere Informationen:

Ungarns Bausektor boomt:

http://www.gtai.de/MKT201809198003

Ungarn will Schnellstraßen und Bahnstrecken ausbauen: http://www.gtai.de/MKT201806258001

Gesundheitswirtschaft: Hohe Investitionen in der Region Budapest geplant

Die Qualität des ungarischen Gesundheitssystems wird schlechter bewertet als in den meisten anderen Nachbarländern. Im Health Care Index der Datenbank Numbeo belegt das Land nur den 72. Rang von 76 untersuchten Ländern. Die Regierung will die Investitionen im Gesundheitssektor der Region Budapest verstärken. Geplant ist, in nächsten Jahren rund 2 Milliarden Euro in den Bau und die Modernisierung von drei Zentral- und 32 Spezialkrankenhäusern zu investieren. Nach Schätzungen von Business Monitor International (BMI) wird der Markt für Medizintechnik bis 2022 um 7,3 Prozent pro Jahr wachsen und dann ein Umsatzvolumen von rund 1,3 Milliarden US$ erreichen. Die Nachfrage wird zunehmend vom expandierenden privaten Gesundheitssektor angetrieben.

Weitere Informationen:

Branche kompakt - Ungarn investiert in Krankenhäuser: https://www.gtai.de/MKT201805258014

Kfz-/Kfz-Teile-Produktion: Kräftiger Ausbau der Kapazitäten

Die Kfz-Industrie ist der wichtigste Zweig des verarbeitenden Gewerbes. Deren Gewicht wird infolge zahlreicher neuer Vorhaben weiter wachsen. 2017 wurden in Ungarn mehr als 505.000 Straßenfahrzeuge produziert. Prognosen zufolge werden es 2027 mehr als 958.000 sein. Daneben gewinnen die Zukunftsthemen wie Elektromobilität und autonomes Fahren immer mehr an Bedeutung. Audi Hungaria hat in Györ bereits die Produktion von E-Motoren aufgenommen. BMW wird im geplanten neuen Werk in Debrecen auch Hybrid- und Elektroautos bauen. Mehrere Vorhaben zum Bau von Werken für Antriebsbatterien für Elektroautos werden derzeit realisiert.

Weitere Informationen:

Branche kompakt - Autobauer erweitern Produktionskapazitäten in Ungarn: https://www.gtai.de/MKT201808038007

Informations- und Kommunikationswirtschaft: Software und Dienstleistungen mit stärkstem Wachstum

Der Markt für Informationstechnik (IT) wird Prognosen von Business Monitor International (BMI) zufolge bis 2022 um 6,4 Prozent pro Jahr wachsen und dann einen Wert von umgerechnet 5,0 Milliarden Euro erreichen. Überdurchschnittlich stark werden die Sparten Software und IT-Dienstleistungen zulegen, schwächer dagegen die Hardware-Verkäufe. Die Regierung unterstützt den Ausbau von Hochgeschwindigkeitsmobilnetzen (4G, 4G+, 5G). Ungarn soll nach ihrem Willen zum Vorreiter bei der Einführung des neuen Mobilfunkstandards 5G werden.

Weitere Informationen:

Ungarn stärkt die Industrie 4.0: http://www.gtai.de/MKT201803128005

Kfz-Markt: Stark steigende Nachfrage nach Pkw

Der Pkw-Markt wächst seit 2015 zweistellig. 2017 wurden 116.265 neue Pkw zugelassen - ein Plus von 20,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr. In den ersten neun Monaten 2018 stieg die Zahl der Neuregistrierungen bereits um 26,5 Prozent. Die Nfz-Nachfrage hat die Delle von 2017 (-6,5 Prozent) wieder überwunden. In den ersten acht Monaten 2018 stieg die Zahl der neu zugelassenen Nfz um 21,2 Prozent. Der Markt für Elektro- und Hybridfahrzeuge ist zwar noch klein, nimmt aber stark zu. Die Regierung hat das Subventionsprogramm für diese Fahrzeuggruppe im Oktober 2018 verlängert.

Dieser Artikel ist relevant für:

Ungarn EDV-, Telekommunikationsdienstleistungen, allgemein, Energie, Wasser, Wärme, allgemein, Bauwirtschaft, allgemein, Chemische Industrie, allgemein, Gesundheitswesen allgemein, Fahrzeuge, -zubehör, allgemein, Maschinen- und Anlagenbau, allgemein

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