Branchencheck

13.05.2019

Branchencheck - Usbekistan (April 2019)

Inhalt

Liberalisierung und Marktöffnung treiben Projekte in vielen Branchen voran / Von Uwe Strohbach

Taschkent (GTAI) - In Usbekistan gibt es in fast allen Wirtschaftssektoren lohnendes Geschäftspotenzial. Haupttreiber dieser Entwicklung sind realisierte und noch geplante Reformen.

Maschinenbauindustrie: Landmaschinenbau wird gefördert

Usbekistans Maschinenbau ist schwach entwickelt. Mit einem Plan zur Förderung des Landmaschinenbaus (2020 bis 2024) will die Regierung die einst starke Maschinenbausparte wiederbeleben. In der Erntesaison fehlen bis zu 200.000 landtechnische Geräte. Neue Kooperationen mit ausländischen Partnern werden zurzeit vorbereitet oder geprüft. So will das Unternehmen FSM Traktor (Türkei) Traktoren in den Leistungsklassen 75 bis 150 PS und Zubehörteile herstellen. Der Landtechnikhersteller VELES (Russland) erwägt die Produktion von Maschinen für die Bodenbearbeitung.

Chemieindustrie: Branche hat ambitionierte Modernisierungs- und Ausbaupläne

Die Regierung kündigte im April 2019 den Verkauf staatlicher Aktienpakete an Chemiebetrieben zu Sonderkonditionen an. Ausländische Erwerber müssen sich im Gegenzug zu Modernisierungs- oder Ausbauinvestitionen verpflichten. Das neue Branchenprogramm für 2019 bis 2030 umfasst 31 Projekte für 12 Milliarden US-Dollar (US$). Bis 2023/2024 sollen Vorhaben für gut 4 Milliarden US$ umgesetzt werden, darunter zur Herstellung von Polymeren, PVC, synthetischem Kautschuk, Flüssigchlor und Polyacrylnitril. In acht freien Wirtschaftszonen für die Pharmaindustrie winken Investoren steuerliche und andere Vergünstigungen.

Energiewirtschaft: Elektrizitätswirtschaft steht vor Investitionsschub

In die Stromwirtschaft fließen mit die meisten Bruttoanlageinvestitionen. Die Projektliste umfasst unter anderem den Ausbau des Kraftwerks Talimardschan um zwei Gasturbinen (900 MW; 2019 bis 2023), die Modernisierung von sechs Blöcken des 3.000-MW-Kraftwerks Syrdarja (2018 bis 2022), den Bau von vier größeren und zwölf Kleinwasserkraftwerken für 2,6 Milliarden US$ (2020 bis 2024), die Errichtung von bis zu fünf 100-MW-Solarkaftwerken (2019 bis 2023) sowie die Modernisierung der Stromübertragung und -verteilung für 1,5 Milliarden US$ (2019 bis 2023/24). Im Jahr 2019 befinden sich 14 Projekte für 4,4 Milliarden US$ in unterschiedlichen Realisierungsphasen.

Bauwirtschaft: Infrastruktur- & Stadtentwicklungsprojekte und Wohnungsbau sorgen für zweistelliges Wachstum

Der Bausektor hat 2019 Chancen auf ein reales Wachstum von 10 Prozent und mehr. Die Prognose basiert auf dem Ausbau der Versorgungs- und Transportinfrastruktur, ambitionierten Stadtentwicklungsprojekten in der Region und Stadt Taschkent, in Buchara, Samarkand und Namangan sowie auf den steigenden Investitionen im Wohnungsbau. Auch der Bau von Industriebetrieben und Tourismuseinrichtungen trägt zur Marktbelebung bei. Das rege Baugeschehen sorgt für neue Projekte in der Baustoffindustrie, wie Produktion von Zement, Baustahl, Gipserzeugnissen, Gasbeton und Trockenbaumischungen.

Gesundheitswirtschaft: Marktöffnung kurbelt Investitionen an

Reformen im öffentlichen Gesundheitswesen, die Förderung des Privatsektors und die Umsetzung von Public-Private-Partnership-Projekten sind die Treiber am Gesundheitsmarkt. Geberbanken fördern die technische Ausstattung ländlicher Polikliniken und den Ausbau des Rettungsdienstes mit 145 Millionen US$. Deutsche Partner wollen sich beim Bau eines Allgemeinkrankenhauses und einer Krebsklinik engagieren (100 Millionen und 50 Millionen Euro). Die türkische Firma Kanimed Alles kündigte den Bau eines Hämodialyse- sowie eines Labor- und Diagnosezentrums an. Partner aus Südkorea wollen 80 Millionen US$ in ein Medizin-Cluster investieren (Region Namangan).

Landwirtschaft, Forstwirtschaft, Fischerei: Erste private ausländische Aktivitäten angekündigt

Agrarprojekte bieten wachsende Lieferchancen. Geber wie die Weltbank und die Asian Development Bank begleiten Vorhaben im Gartenbau mit 150 Millionen US$ (2017/2018 bis 2021/2022). Die Weltbank und der Staat fördern den Ausbau der Tierproduktion (2018 bis 2022) mit 200 Millionen US$. Die Regierung will 2019 bis 2021 das Leasing von Landtechnik in Kooperation mit internationalen Gebern mit jährlich 100 Millionen US$ unterstützen. Die Gujarat Agro Industries Corp. (Indien) plant den Aufbau eines Agroclusters in der Region Andischan (20.000 Hektar). Die Industrial Innovation Group (VAE) will 182 Millionen US$ in einen Komplex für Zellulose-haltige Kulturen investieren.

Bergbau: Investitionen von bis zu 4 Milliarden US$ in Bunt- und Edelmetalle

In den usbekischen Flaggschiffen der Bergbau- und Hüttenindustrie, den Kombinaten AGMK (Almalyk) und NGMK (Nawoi), sind zwischen 2019 und 2022 Projekte im Wert von bis zu 4 Milliarden US$ geplant. Diese fließen unter anderem in die Ertüchtigung und den Ausbau der Anlagen für die Kupfererzgewinnung und -aufbereitung, die Modernisierung der Kupferschmelze, den forcierten Ausbau der Förderung von Edelmetallen (Gold und Silber), Zink und Blei sowie Uran. Die jährlichen Kapazitäten für die Kupfererzförderung sollen von derzeit rund 40 Millionen Tonnen bis 2028 auf bis zu 58 Millionen Tonnen ausgebaut werden.

Öl und Gas: Projektportfolio umfasst Vorhaben für 19 Milliarden US$

Vom langfristig geplanten Projektvolumen einschließlich aller mit ausländischen Partnern vereinbarten Vorhaben werden 2019 und 2020 Investitionen mit einem Volumen von jeweils 2,5 Milliarden bis 2,8 Milliarden US$ realisiert. Diese konzentrieren sich auf den Bau einer großen Anlage für synthetische Kraftstoffe, die weitere Erschließung und geologische Erkundung von Öl- und Gaslagerstätten, die Errichtung von Kapazitäten für die Produktion von marktfähigem Gas und Olefinen. Der bedeutendste ausländische Investor in der Branche, der russische Mineralölkonzern Lukoil, investiert in beiden Jahren jeweils mehr als 300 Millionen US$.

Nahrungsmittelindustrie: Ausländisches Engagement nimmt zu

Das große Ausbaupotenzial in der Branche trifft auf eine wachsende Resonanz in- und ausländischer Investoren. Die bisher bekanntgegebenen Projekte mit guten Realisierungschancen umfassen ein Investitionsvolumen von 0,8 Milliarden US$. Geplant sind vor allem Vorhaben zur Herstellung von Obst- und Gemüseerzeugnissen (einschließlich Trockenobst und -gemüse), Fleisch- und Wurstwaren (inklusive Geflügelerzeugnisse), Bio-Nahrungsmittel, pflanzliche Speiseöle und Wein. Die Weinherstellung erlebt gegenwärtig einen überdurchschnittlichen Aufschwung.

Textil- und Bekleidungsindustrie: Vervierfachung von Produktion und Exporten geplant

Die Branche erlebt einen großen Aufschwung. Das Land forciert die Errichtung von Clustern der Baumwoll-, Textil- und Bekleidungsindustrie. Die Exporte sollen sich bis 2024 gegenüber 2018 auf 7 Milliarden US$ nahezu vervierfachen. Die Regierung erwartet für 2019 bis 2022 einen Kapitalzufluss von gut 2 Milliarden US$. Das Investitionsprogramm der zentralen Planer für 2019 umfasst 13 Branchenprojekte unter Beteiligung ausländischer Direktinvestitionen (Projektwert: mehr als 0,7 Milliarden US$). Die Investoren kommen vorrangig aus der Türkei, Südkorea, China und Singapur.

Kfz- und Kfz-Teile-Produktion: Kleinere Ausbauprojekte in Sicht

Der usbekische Pkw-Hersteller GM-Uzbekistan investiert 2019 vorrangig in die Produktion und Markteinführung von zwei neuen Geländewagenmodellen (Gesamtausstoß 2018: 220.667 Einheiten). Das usbekisch-japanische Montagwerk für Busse und Lkw kündigte einen Kapazitätsausbau an (Ausstoß 2018: 904 Busse und 2.466 Lkw). Das usbekische Unternehmen Foton Dostlik Servis plant mit seinem chinesischen Partner Foton Motor die Montage von Lkw und Bussen unter der Marke UzFoton. Die Investitionen in das Projekt werden auf 14 Millionen US$ veranschlagt. Vorgesehen ist eine monatliche Produktion von zunächst 500 bis 1.000 Fahrzeugen.

Umwelttechnik: In den Wassersektor sollen bis zu 1,5 Milliarden US$ fließen

Geberbanken wie ADB und Weltbank unterstützen die regionale Wasserver- und Abwasserentsorgung im Zeitraum 2019 bis 2023/2024 mit etwa 350 Millionen US$. Die Verwaltung der Hauptstadt Taschkent erarbeitet zurzeit ein Programm für Wasser- und Abwasserprojekte. Die geplanten Vorhaben in der Stadt und ihrem Umland sollen bis 2022 umgesetzt werden. Bis zu 300 Millionen US$, darunter 84 Millionen US$ ausländische Kredite und Fördergelder, fließen 2019 in die Bodenbewässerung. Der Import von Technik für die Tröpfchenbewässerung ist bis 2021 von Einfuhrzöllen befreit.

Weitere Informationen zu Wirtschaftsausblick, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll und Ausschreibungen in Usbekistan sind unter http://www.gtai.de/usbekistan erhältlich.

Dieser Artikel ist relevant für:

Usbekistan Land- und Forstwirtschaft, Fischerei, allgemein, Nahrungs- und Genussmittel, allgemein, Energie, Wasser, Wärme, allgemein, Bauwirtschaft, allgemein, Textilien, Bekleidung, Leder, allgemein, Umweltschutz, Entsorgung, Klimaschutz, allgemein, Chemische Industrie, allgemein, Gesundheitswesen allgemein, Medizintechnik, allgemein, Maschinen- und Anlagenbau, allgemein, Öl, Gas, Erze, Luftfahrzeuge

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