Branchencheck

13.11.2018

Branchencheck - Usbekistan (November 2018)

Inhalt

Tiefgreifende Wirtschaftsreformen sind Basis für neue Projekte / Von Uwe Strohbach

Taschkent (GTAI) - In zahlreichen Branchen setzen Unternehmer auf Zusammenarbeit mit ausländischen Partnern. Reformen der usbekischen Regierung machen viele Vorhaben einfacher möglich.

Maschinenbauindustrie: Usbekische Betriebe bringen Landmaschinenbau voran

Der Maschinenbau in Usbekistan ist schwach entwickelt. Gute Entwicklungschancen hat derzeit der Landmaschinenbau. Für die Jahre bis 2021 gibt es in allen sieben Betrieben dieser Sparte Investitionsprojekte. Allein 33 Millionen US-Dollar (US$) will das Werk für Landtechnik Chirchiq (Region Taschkent) in die Fertigung von Baugruppen und -teilen für die Produktion verschiedener landtechnischer Ausrüstungen investieren. Die belarussischen Unternehmen Minsker Traktorenwerk und Minsker Automobilwerk wollen künftig Kettenfahrzeuge wie Raupentraktoren und -schlepper sowie Spezialtechnik in Usbekistan fertigen. Das Unternehmen MODERN LIFT SYTEMS in Gulistan plant, die Produktion von Aufzügen und Rolltreppen zu starten.

Chemieindustrie: Projekte für mehr als 3 Milliarden US-Dollar geplant

Die Betriebe der Industriezweigvereinigung O´zkimyosanoat wollen 2017 bis 2021 gut 3 Milliarden US$ in etwa 40 Projekte investieren. Große Vorhaben gibt es in der Produktion von Ammoniak, Harnstoff, PVC, kaustischer Soda, Methanol, Salpetersäure und Düngemitteln. Chancen für Ausrüstungslieferungen bieten ebenso die Sparten synthetische und Azetatfasern, Farben und Lacke sowie Bohrreagenzien. Zudem kündigten ausländische Investoren mehrere Projekte für die Herstellung von Pharmaka und Pflanzenschutzmitteln an. In sieben freien Wirtschaftszonen für die Produktion von Arzneimitteln winken Investoren großzügige Steuervergünstigungen und andere Präferenzen.

Energiewirtschaft: Strombranche will gut zehn Milliarden US-Dollar investieren

Usbekistans Stromwirtschaft rüstet sich für die Zukunft. Von den in den Jahren 2018 bis 2022 vorgesehenen Projekten in einem Gesamtwert von circa zehn Milliarden US$ entfallen wertmäßig mehr als die Hälfte auf die konventionelle Stromerzeugung. Mindestens zwei Milliarden US$ will das Land in Photovoltaikvorhaben stecken und eine weitere knappe Milliarde US$ in bestehende beziehungsweise den Bau neuer Wasserkraftwerke. Weitere Gelder fließen unter anderem in Projekte der Stromübertragung und -verteilung sowie den Bau von Windkraftanlagen. Bei der Umsetzung kann sich das Land auf eine massive finanzielle Unterstützung internationaler Geberbanken und ausländischer Investoren stützen.

Weitere Informationen:

Usbekistan steckt Milliarden in die Energieversorgung (inklusive Projektliste)

http://www.gtai.de/MKT201810248002

Bauwirtschaft: Projekte in Wohnungsbau, Stadtentwicklung und Tourismus bringen Schwung

Die Baubranche legt 2018 und 2019 voraussichtlich um jeweils etwa acht Prozent zu. Wachstumstreiber sind der Wohnungsbau, größere Stadtentwicklungsprojekte und Ausbauvorhaben in der Tourismusbranche und im Transportsektor. Der gestartete Bau des auf 1 Milliarde US$ veranschlagten neuen Stadtteils Taschkent City gilt als zentrales Prestigeprojekt. Ausbauvorhaben von Privatunternehmen im Tourismussektor (Beschaffung von Ausrüstungen und Technologien für Hotels und andere Objekte) fördert der Staat seit 2018 mit einer Kreditlinie von 200 Millionen US$. Die EBRD stellt 150 Millionen US$ für die Modernisierung von Kultur- und Tourismuseinrichtungen zur Verfügung. Zudem investieren ausländische Unternehmen in Hotelprojekte. Für den Straßenbau gibt die Regierung von 2018 bis 2020 schätzungsweise 1,5 Milliarden US$ aus.

Weitere Informationen:

Tourismusbranche Usbekistans befindet sich im Aufbruch (inklusive Projektliste)

http://www.gtai.de/MKT201810168004

Gesundheitswirtschaft: Marktöffnung sorgt für neue Investitionen

In den Gesundheitsmarkt kommt viel Bewegung. Reformen und bemerkenswerte private Aktivtäten sind die Treiber. Die Asiatische Entwicklungsbank stellt 45 Millionen US$ für die technische Ausstattung ländlicher Polikliniken bereit. Im Jahr 2019 startet mit Unterstützung der Weltbank (100 Millionen US$) ein Projekt für die Erneuerung und den Ausbau des Rettungsdienstes. Im 4. Quartal 2019 soll mit Hilfe Schweizer Investoren das erste unabhängige und modern ausgerüstete klinisch-diagnostische Labor in Usbekistan seinen Betrieb aufnehmen. Bis 2021 ist die Errichtung von vier Hospizen geplant. Über den bei der Bank Asaka angesiedelten neuen Fonds für die Förderung privater medizinischer Einrichtungen unterstützt der Staat private Investoren beim Kauf von Medizintechnik (2018/19: 14 Millionen US$).

Weitere Informationen:

Gesundheitsreform in Usbekistan beflügelt Investitionen

http://www.gtai.de/MKT201810168005

Landwirtschaft: Obst- und Gemüseanbau und Tierzucht werden bevorzugt gefördert

Der Ausbau des Agrarsektors hat wirtschaftspolitische Priorität: Landwirte bauen mehr denn je Obst und Gemüse auf Flächen an, die nicht mehr für die Baumwollproduktion geeignet sind. Die Weltbank und die Asiatische Entwicklungsbank fördern Projekte im Gartenbau (inklusive Kühlung/Lagerung und Verarbeitung) mit 500 Millionen US$ (2018 bis 2022) beziehungsweise mit 154 Millionen US$ (2017 bis 2021). In den Bau regionaler Logistikzentren für den Export von Obst und Gemüse fließen 200 Millionen US$ (2018 bis 2020). Die Weltbank stellt im Bereich Tierzucht 150 Millionen US$ bereit (2018 bis 2022). Die Berliner Sparkasse fördert den Import von Ausrüstungen für den Agrarsektor sowie von Zuchtvieh mit 30 Millionen Euro. Zudem fördert die Regierung den Weinanbau.

Weitere Informationen:

In Usbekistans Weinbranche bricht eine neue Ära an

http://www.gtai.de/MKT201810198000

Bergbau: Lieferchancen bei Großprojekten in der Metallurgie

Die branchenbestimmenden Bergbau- und Hüttenkombinate in Nawoi und Almalyk starteten 2017 Investitionsprogramme mit einem Projektwert von 5,5 Milliarden US$. Für die Jahre 2019 und 2020 sind Erneuerungs- und Ausbauvorhaben für die Förderung und Verarbeitung von Gold-, Kupfer- und Polymetallerzen von jeweils gut 300 Millionen US$ geplant. Die Usbekische Eisenbahn erstellt bis Ende 2018 eine Machbarkeitsstudie für den Bau eines großen Bergbau- und Aufbereitungskomplexes für die Gewinnung und Verarbeitung der Eisenerze aus der Lagerstätte Tebinbulak. Mehrere ausländische Firmen kündigten Investitionen in die geologische Erkundung von Gold-, Kupfer-, Molybdän-, und Wolframlagerstätten an.

Weitere Informationen:

Usbekistan baut Erzbergbau und Hüttenwesen massiv aus

http://www.gtai.de/MKT201811078013

Öl/Gas: Investitionsprogramm umfasst Vorhaben für neun Milliarden US$

Das Staatsunternehmen für die Öl- und Gasindustrie O`zbekneftgaz plant in den kommenden Jahren in Kooperation mit ausländischen Partnern und Kreditgebern die Umsetzung von gut einem Dutzend Projekte für etwa 9 Milliarden US$. Ganz oben auf der Liste stehen der Bau einer Ölraffinerie in Dshisak, die Errichtung einer großen Anlage für die Herstellung von synthetischen Kraftstoffen, der Ausbau der Produktion von Polyethylen und Polypropylen sowie Investitionen in die weitere Erschließung von Öl- und Gaslagerstätten. Der größte ausländische Investor in der Öl- und Gasbranche, das russische Unternehmen Lukoil, investiert 2019 und 2020 300 Millionen bis 400 Millionen US$ in die Umsetzung seiner beiden PSA-Vereinbarungen für die industrielle Nutzung von Gaslagerstätten.

Nahrungsmittelindustrie: Branche zieht mehr ausländische Investitionen an

In die Nahrungsmittelbranche fließen wieder mehr ausländische Investitionen. Im zentralen Investitionsprogramm für 2019 sind sieben Projekte für 480 Millionen US$ gelistet. Es geht um Vorhaben für die Herstellung von Obst-, Gemüse-, Fleisch- und Wursterzeugnissen sowie von Bio-Nahrungsmitteln. Darüber hinaus gibt es zahlreiche weitere Vorhaben, die ausländische Firmen mit lokalen Partnern 2019 umsetzen wollen, so in den Produktgruppen Zucker, Trockenobst und -gemüse, Obst- und Gemüsekonserven, Geflügelerzeugnisse und Erfrischungsgetränke. In Taschkent entsteht für 80 Millionen US$ ein Cluster für die Süßwarenindustrie (Unternehmen Alimov). Die Gründung eines Verbandes der Nahrungsmittelbetriebe (Oziqovqatsanoat) auf freiwilliger Basis ist fest geplant.

Weitere Informationen:

Usbekistans Nahrungsmittelindustrie vor Investitionsschub

http://www.gtai.de/MKT201806078011

Textil- und Bekleidungsindustrie: Errichtung von Textilclustern genießt Priorität

Usbekistan setzt in der Textilindustrie auf die Errichtung von Clustern der Baumwoll-, Textil- und Bekleidungsindustrie. Ziel dieser Initiative ist, die jährlich produzierten Baumwollfasern (1,1 Millionen bis 1,2 Millionen Tonnen) vollständig im Land zu verarbeiten. Insgesamt sollen in den Jahren 2018 bis 2021 etwa 2,5 Milliarden US$ in die Modernisierung und den Ausbau der Textil- und Bekleidungsindustrie investiert werden. Das zentrale Regierungsprogramm für 2019 umfasst unter der Rubrik ausländische Direktinvestitionen in der Textil- und Bekleidungsbranche zehn Projekte mit einem Wert von 620 Millionen US$. Die Investoren kommen vorrangig aus der Türkei, aus Südkorea, China und Singapur.

Kfz-/Kfz-Teile-Produktion: Ausländische Unternehmen mischen Usbekistans Automobilbau auf

Das Investitionsprogramm des Fahrzeugkonzerns O´zavtosanoat für die Jahre 2018 bis 2021 umfasst zehn Projekte mit einem Wert von fast 300 Millionen US$. Die Gelder fließen vorrangig in die Produktion von Transportfahrzeugen (in Kooperation mit PSA, Frankreich), die Montage neuer Pkw-Modelle (GM-Uzbekistan) und in den Ausbau der Zulieferindustrie. Das Anlagevolumen könnte auf bis zu 500 Millionen US$ steigen, wenn jüngst avisierte Projekte mit ausländischen Partnern - darunter der südkoreanische Fahrzeugbauer Hyundai (Lkw und Busse). - hinzugezählt werden. Einen Kapazitätsbau planen auch die Montagefabrik für Lkw und Busse SamAwto (Usbekistan/Japan) und der Newcomer in der Lkw-Montage KAMAZ (Russland).

Weitere Informationen:

Usbekistan investiert 300 Millionen US-Dollar in Kfz-Industrie

http://www.gtai.de/MKT201810118003

Kfz-Markt: Usbekistan öffnet Markt für Nutzfahrzeuge

Über viele Jahre schottete Usbekistan seinen Kfz-Markt von Importen nahezu gänzlich ab. Jetzt lässt sich zumindest bei Lkw eine Marktöffnung beobachten. Laut einer Präsidialverordnung vom 6. März 2018 soll der Lkw-Bestand im Zeitraum 2018 bis 2021 deutlich erweitert werden - und zwar durch mehr Importe als auch durch eine höhere inländische Produktion. Spediteure und Leasingfirmen, die in die Beschaffung von Lkw investieren, erhalten steuerliche Vergünstigungen. Die Senkung der Verbrauchsteuer für die Anschaffung neuer und gebrauchter Nutzfahrzeuge belebt zudem das Marktsegment. Die Regierung schätzt den aktuellen Nachholbedarf für die Erneuerung und Erweiterung des Lkw-Bestands auf bis zu 56.000 Fahrzeuge.

Umwelttechnik (Wasser/Abfall/Luft): Großprojekt für Wasserversorgung gestartet

In der Wasser- und Abwasserwirtschaft stehen große Projekte an. Die Asiatische Entwicklungsbank fördert im Zeitraum 2019 bis Mitte 2024 mit 145 Millionen US$ ein auf 172 Millionen US$ veranschlagtes Projekt für die Wasserversorgung in der Republik Karakalpakistan. Analoge Vorhaben im Ferganatal unterstützen die Weltbank mit 145 Mio. US$ (Umsetzung: 2018 bis 2023/24) und die EBRD mit 60 Mio. US$ (Umsetzung ab 2019). In der Region Qashqadaryo (Kaschkadarja) wird zurzeit ein 130-Millionen-US$-Vorhaben für die Bewässerung auf 402.000 Hektar Böden realisiert. In der Region Dshisak ist der Bau eines großen Speichers (Bewässerung von 20.000 Hektar Böden) und neuer Meliorationsanlagen angelaufen. Der Import von Technik für die Tröpfchenbewässerung ist bis 2021 von Einfuhrzöllen befreit.

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll und Ausschreibungen sind unter http://www.gtai.de/usbekistan abrufbar.

Dieser Artikel ist relevant für:

Usbekistan Land- und Forstwirtschaft, Fischerei, allgemein, Nahrungs- und Genussmittel, allgemein, Energie, Wasser, Wärme, allgemein, Bauwirtschaft, allgemein, Textilien, Bekleidung, Leder, allgemein, Umweltschutz, Entsorgung, Klimaschutz, allgemein, Chemische Industrie, allgemein, Bergbau / Rohstoffe, allgemein, Gesundheitswesen allgemein, Medizintechnik, allgemein, Fahrzeuge, -zubehör, allgemein, Maschinen- und Anlagenbau, allgemein, Öl, Gas

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Dominik Vorhölter

‎+49 228 24 993 219

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