Branchencheck

19.12.2018

Branchencheck - Vereinigte Arabische Emirate (Dezember 2018)

Inhalt

Von Katrin Pasvantis

Dubai (GTAI) - Die Emirate investieren wieder mehr. Risiken für die künftige Entwicklung bleiben die Ölpreisentwicklung, geopolitische Spannungen und ein schwacher Immobilienmarkt.

Maschinenbauindustrie: Importe decken Bedarf

Der Maschinenmarkt wird über Importe gedeckt. Informationen zur lokalen Industrie liegen mangels relevanter Masse nicht vor.

Chemieindustrie: Ausbau Ruwais Raffinerie geplant

Adnoc will 45 Milliarden US-Dollar (US$) in den Ausbau des integrierten Raffinerie- und Petrochemiekomplexes in Ruwais investieren. Mit der neuen Raffinerie (600.000 Barrel pro Tag) würden sich die petrochemischen Kapazitäten des Landes bis 2025 von 4,5 auf 14,4 Millionen Tonnen jährlich verdreifachen. Die Studie für einen LAB Komplex von Adnoc und Cepsa läuft (600 Millionen US$; 150.000 Tonnen pro Jahr). Die FEED-Ausschreibung (Front end engineering and design) für einen vierten Borouge Komplex (4,5 Milliarden US$) von Adnoc und Borealis wird erwartet. Die Evaluierung der technischen Gebote für einen Benzin- und Aromaten-Komplex von Adnoc läuft (2,5 Milliarden US$). Shaheen Chem Investments plant in der Khalifa Industrial Zone Abu Dhabi (KIZAD) einen Chemiekomplex, um EGAs Aluminiumraffinerie zu beliefern.

Energiewirtschaft: VAE setzen auf Atom- und Solarenergie

Die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) wollen ihre installierten Kapazitäten bis 2020 auf 40 Gigawatt erhöhen (2016: 29 Gigawatt). Hohe Investitionen sind auch in Stromübertragung und -verteilung erforderlich. Bislang sind Gas- und Dampfturbinen die wichtigste Stromquelle. Den Mehrbedarf sollen vor allem Atom- und Solarenergie decken. Die ersten beiden 1,4-Gigawatt-Reaktoren sollen 2019 ans Netz gehen. Erneuerbare Energien sollen bis 2050 rund 44 Prozent des Stroms der VAE erzeugen. Dubai will sogar 75 Prozent aus sauberen Energien gewinnen. Die vierte Phase von Dubais Solarpark ist im Bau (950 Megawatt). Abu Dhabi plant eine zweite Solaranlage (1,5 Gigawatt, Fotovoltaik, als Betreibermodell-IPP). Die erste, Sweohan, soll 2019 fertig gestellt werden soll.

Bauwirtschaft: Lebhafte Bautätigkeit erwartet

Die Branche erwartet 2019 ein Anziehen der Bautätigkeit, um zahlreiche Projekte noch passend zu Expo 2020 fertig zu stellen. Zuletzt hatte sich die Umsetzung von Projekten stark verlangsamt. Die VAE sind zwar weiter der größte Projektmarkt der Region, aber die Finanzierung ist schwieriger geworden. Unternehmen beklagen Zahlungsverzögerungen, größeren Konkurrenzdruck, geringere Margen und Nachverhandlungen. Dubai bleibt der größte Projektmarkt. Der Gesamtwert der Projekte, bei denen der Hauptauftrag in den ersten elf Monaten 2018 vergeben wurde, betrug 24 Milliarden US$ (-9 Prozent). Damit entfielen mehr als ein Viertel des GCC-Projektmarkts (88 Milliarden US$) auf Dubai.

Gesundheitswirtschaft: Langfristig soll Nachfrage wieder stärker steigen

Die schwache Konjunktur und sinkende öffentliche Investitionen bremsen Projekte. Der

Immobiliendienstleister JLL schätzt, dass Dubai und Abu Dhabi bis 2022 rund 2.400 Krankenhausbetten benötigen, nur um ihr Betten-pro-Kopf-Verhältnis zu halten (Dubai 2017: 1,8 Betten/1.000). BMI prognostiziert einen Anstieg der Gesundheitsausgaben 2018 um 6 Prozent auf 18 Milliarden US$ und für Medizintechnik um 7 Prozent auf 1 Milliarde US$. Die Dubai Health Authority erwartet einen starken Nachfrageanstieg bei Telemedizin zur Patientenfernüberwachung und Koordination von Behandlungen. Priorität genieße die Primärversorgung, insbesondere Vorsorgeuntersuchungen und Früherkennung. Der Trend gehe von stationären zu ambulanten Behandlungen und zur Nachsorge zu Hause.

Öl und Gas: ADNOC investiert wieder

Abu Dhabi hat in diesem Jahr einige Aufträge und Konzessionen für Megaprojekte im Ölsektor inklusive Downstreamindustrie vergeben. Wintershall beteiligt sich an der ADNOC Ghasha Konzession. Der Ausbau der Gasproduktion genießt ebenfalls Priorität. Im November meldete ADNOC einen neuen Öl- und Gasfund (15 Billionen cbf Gas, 1 Milliarde Barrel Öl). In der Pipeline sind unter anderem der Ausbau der Shah Gasanlage, die Entwicklung des Bu Hasa Onshore Ölfelds und das Belbazem Offshore Feld (Al Yasat Petroleum). Den Auftrag für die erste Phase zur Entwicklung des Haliba Ölfelds erhielt Indiens L&T. Seit April 2018 ist ADNOCs In-Country-Value-Programm (ICV) zur Bewertung der lokalen Wertschöpfung bei Beschaffungen und Auftragsvergaben in Kraft.

Metallindustrie: Abu Dhabi plant Metall-Cluster in der Kizad

Das Wachstum in der emiratischen Stahlindustrie dürfte 2018 und 2019 schwach ausfallen. Chinesische Billigimporte und eine konjunkturbedingt geringere Nachfrage drücken die Produktion. Den Inlandsbedarf an Betonstahl schätzt der lokale Stahlhändler Alam Steel für 2018 auf rund 3 Millionen Tonnen (VAE Produktion 2016: 3,1 Millionen Tonnen). Dem Vernehmen nach sind derzeit keine neuen Projekte in der Metallindustrie in der Planung. Kurz vor der Fertigstellung sind im Dubai Industrial Park der Ausbau des Assent Stahlwerks und ein Lagerhaus von Dana Steel Industry. In der Kizad soll im ersten Halbjahr 2019 eine Aluminiumraffinerie von EGA den Betrieb aufnehmen (Kapazität: 4 Millionen Tonnen). EGA hat bereits eine Aluminiumhütte in der Kizad (2,4 Millionen Tonnen).

Landwirtschaft: Wassersparende Technologien gesucht

Emirates Flight Catering und die US-amerikanische Crop One Holdings kündigten im Juni 2018 an, gemeinsam 40 Millionen US$ in den Bau einer neuen vertikalen Farm in Dubai investieren zu wollen. In Dubai betreibt Badia Farms seit Ende 2017 die erste Hydrokultur der GCC, die ohne Sonnenlicht und Erdreich auskommt. Etwa 85 Prozent der Lebensmittel werden importiert. Gefragt sind Anbautechniken mit geringem Wasserverbrauch. Zudem sind nur etwa sieben Prozent der Landesfläche urbar. Erdlose Agrartechniken, neue Treibhausgas Technologien, moderne Bewässerungssysteme und Hydrokulturen stehen im Fokus. Seit einigen Jahren ist ein Trend zum Bioanbau zu beobachten. Es gibt über 40 ESMA (Emirates Authority for Standardisation and Metrology) zertifizierte Bio-Farmen.

Nahrungsmittelmarkt: Junge, trendbewusste Kundschaft

Das Wachstum dürfte 2018 gering ausfallen und könnte im Vorfeld der Expo 2020 ab 2019 anziehen, prognostiziert KPMG. Die Einführung der Mehrwertsteuer (VAT) Anfang 2018 und steigende Lebenshaltungskosten dämpfen den Konsum. Steigende Kosten und Überangebot verschärfen den Wettbewerb. Angetrieben wird die Nachfrage von einer wachsenden Bevölkerung, Tourismus und steigenden Einkommen. Der Lebensmittelumsatz wird 2016 auf 329 Milliarden US$ geschätzt; etwa 85 Prozent werden über Importe gedeckt. Der Markt für verarbeitete Lebensmitteln wird vor allem von Kundschaft mit hohen Einkommen getragen. Viele Kunden sind zudem jung und trendbewusst. Medien und eine stete Expansion des Einzelhandels fördern die Nachfrage, vor allem nach Produkten im Premiumbereich.

Flugzeugbau: Mit 3D-Druck zu individuellen Produkten

Siemens arbeitet zusammen mit dem Flugzeugteilehersteller Strata am Einsatz von 3D-gedruckten Teilen beim Innenausbau von Passagierflugzeugen für Etihad Airways. Entworfen, hergestellt und zertifiziert werden sollen die Teile in den VAE. Geplant ist auch der Druck eines Außenteils aus Metall. Mit 3D sollen Kundenwünsche beim Design stärker berücksichtigt werden und komplexe oder ausgelaufene Teile schneller auf Abruf produziert werden können. Das Projekt spiegelt auch das Bestreben der VAE wider, die digitale Industrie als drittes Standbein der Wirtschaft neben Erdöl und Tourismus aufzubauen. Priorität genießt auch der Aufbau einer lokaler Luftfahrtindustrie. Strata fertigt seit 2010 in Al Ain Teile für Airbus und Boeing. Mehr als die Hälfte von Stratas rund 480 Zuliefern sind lokal angesiedelt.

Kfz-Industrie: Erste Elektrobusse im Einsatz

Dubai setzt stärker auf umweltfreundliche Busse im öffentlichen Nahverkehr. Die lokale Busproduktion könnte darauf reagieren. Ende 2017 wurden die ersten Ladestationen in Dubai für aus China importierte Elektro-Schulbusse installiert. Die lokale Kfz-Produktion beschränkt sich auf die Montage von Bussen aus "Completely-Knocked-Down" (CKD) Komponenten. Indiens Ashok Leyland will die Fertigung in seinem Werk in Ras Al Khaimah von etwa 4.000 auf 5.000 Busse erweitern und die Lokalisierung der Produktion erhöhen (2017: 40 Prozent). Etwa die Hälfte der Busfertigung ist für den Export bestimmt. Autos und leichte LKW (SUV, Pick-up etc.) werden abgesehen von Ausnahmen, wie gepanzerte Fahrzeuge, nicht lokal gefertigt.

Kfz-Markt: Es geht weiter abwärts

Der Abwärtstrend setzt sich fort. Private Käufer zeigen sich zurückhaltend und die Unternehmen streichen ihre Fuhrparks. Den psychologischen Effekt der Einführung der VAT zum Jahresanfang ist Branchenvertretern zufolge gravierend. In 2017 gingen die Neuregistrierungen von Pkw, SUVs, Pick-ups etc. um 15 Prozent zurück (2016: -23 Prozent). Die Kfz-Teilehersteller profitieren, es wird mehr in den Erhalt der Fahrzeuge investiert. Ein Wachstumssegment könnten Elektrofahrzeuge sein. Bis 2021 sollen zehn Prozent aller Neuwagenkäufe in Dubai Elektro- oder Hybridmodelle sein. Noch ist die Nachfrage gering. Die deutschen Lieferungen von Kfz gingen in den ersten acht Monaten 2018 um ein Viertel zurück, ausgehend von einem bereits niedrigeren Niveau.

Dieser Artikel ist relevant für:

Vereinigte Arabische Emirate Land- und Forstwirtschaft, Fischerei, allgemein, Nahrungs- und Genussmittel, allgemein, Energie, Wasser, Wärme, allgemein, Bauwirtschaft, allgemein, Chemische Industrie, allgemein, Metallerzeugung, -verarbeitung, allgemein, Gesundheitswesen allgemein, Medizintechnik, allgemein, Fahrzeuge, -zubehör, allgemein, Maschinen- und Anlagenbau, allgemein, Öl, Gas

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