Branchencheck

08.06.2018

Branchencheck - Vereinigte Arabische Emirate (Mai 2018)

Inhalt

Öffentliche Investitionen ziehen leicht an / Höhere Ölpreise helfen / Von Katrin Pasvantis

Dubai (GTAI) - Die Regierungen investieren wieder etwas mehr. Höhere Ölpreise und gestiegene öffentliche Einnahmen aus Steuern und Abgaben stützen die Haushaltskassen. Steigende Kosten für Unternehmen und Privatpersonen dämpfen jedoch die Nachfrage je nach Sektor. Die Abhängigkeit der Wirtschaft der VAE, insbesondere Abu Dhabis, vom Öl ist trotz Diversifizierungsbestrebungen hoch. Statt Rohöl wollen die Emirate künftig verarbeitete Produkte exportieren und investieren stark in die Downstreamindustrie.

Maschinenbauindustrie: Einfuhren decken Bedarf

Der Maschinenmarkt wird über Importe gedeckt. Informationen zur lokalen Industrie liegen mangels relevanter Masse nicht vor.

Chemieindustrie: Petrochemische Downstream Produktion wird ausgebaut

Die petrochemische Produktion soll bis 2025 von 4,5 Millionen Tonnen pro Jahr (mtpa) auf 11 mtpa steigen. Ein vierter Borouge Komplex von Adnoc und Borealis ist in der sogenannten Front- End-Engineering-Design-Phase (FEED) und soll 2023 fertiggestellt werden. Die Gebote für einen EPC-Auftrag zum Bau einer Polypropylen-Anlage im Borouge-3-Komplex werden evaluiert (Kapazität: 0,6 mtpa). Die Präqualifizierung für einen Benzin- und Aromatenkomplex von Adnoc läuft (4,2 mtpa Benzin, 1,6 mtpa Aromate). Die Vergabe für zwei weitere Abfülllinien in der Borouge Pelletieranlage in Ruwais (2,3 mtpa PE, 1,76 mtpa PP) ist noch nicht erfolgt, die Angebotsabgabe endete im Oktober 2017. In Abu Dhabis Industriezone Kizad plant Shaheen Chem Investments einen Chemiekomplex für 1 Milliarde US-Dollar, um EGAs Aluminiumraffinerie zu beliefern. Die VAE wollen ihre Downstreamproduktion ausbauen und setzen vor allem auf Kunststoffe. Adnoc produziert über 12,5 mtpa Naphtha, das als Feedstock eingesetzt werden könnte. Projekte sind neben Abu Dhabi auch in Fujairah oder Sharjah zu erwarten.

Energiewirtschaft: Erster Atomreaktor soll bald den Betrieb aufnehmen

Bis 2020 soll der Energiebedarf auf 40 Gigawatt steigen, in 2016 waren 29 Gigawatt installiert. Die wichtigste Stromquelle sind Gas- und Dampfturbinen. Den Mehrbedarf sollen vor allem Atom- und Solarenergie decken. Bis 2050 sollen Erneuerbare Energien 44 Prozent des Stroms erzeugen. Dubai will sogar 75 Prozent aus sauberen Energien gewinnen (2020: 7 Prozent, 2050: 75 Prozent). Dubais Energieversorger DEWA hat mit der dritten Phase (800 Megawatt) seines Solarparks die lokale Masdar und Frankreichs EDF betraut und mit der vierten (700 Megawatt) Shanghai Electric und die saudi-arabische ACWA Power. EDF hat auch den Beratervertrag für ein Pumpspeicher-Wasserkraftwerk (250 Megawatt) in Hatta. In Abu Dhabis Solarpark bauen Chinas Jinko Solar und Japans Marubeni für ADWEA eine Fotovoltaikanlage mit1.177 Megawatt. Der erste von vier 1.400-Megawatt-Reaktoren in Abu Dhabi ist fertig und erwartet die Freigabe.

Bauwirtschaft: Expo 2020 sorgt für lebhafte Investitionen

Die VAE sind mit Abstand der größte Projektmarkt der GCC-Länder. Aber die niedrigen Ölpreise bremsen die öffentlichen Investitionen, insbesondere in Abu Dhabi. Infrastrukturprojekte werden aufgeschoben und es herrscht teils ein Überangebot an Immobilien. Viele Unternehmen beklagen einen steigenden Konkurrenzdruck, sinkende Margen und Zahlungsverzögerungen. Starperformer bleibt Dubai. Fast ein Viertel des Werts aller in den GCC neu vergebenen Projekte entfiel 2017 auf Dubai. Die Projektpipeline ist auch für 2018 gut gefüllt. Dazu tragen Projekte im Vorfeld der Expo 2020 bei, wie der Metroausbau, Stadtentwicklungsprojekte wie Dubai Creek Harbour oder das Tourismusprojekt Marsa al-Arab. Abu Dhabi kündigte Investitionen zum Ausbau der Förderung von Öl und Gas sowie im Downstreamsektor an.

Gesundheitswirtschaft: Bedarf ist da, geringe öffentliche Ausgaben bremsen

Die Gesundheitsausgaben werden BMI Prognosen zufolge 2018 um 6 Prozent auf 17,9 Milliarden US$ steigen, die Ausgaben für Medizintechnik um 7 Prozent auf 1,1 Milliarden US$. Die schwache Konjunktur und sinkende öffentliche Investitionen bremsen. Die Dubai Health Authority erwartet einen starken Nachfrageanstieg nach Telemedizin zur Patientenfernüberwachung und Koordinierung von Behandlungen. Priorität genieße die Primärversorgung, insbesondere regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen und Früherkennung. Der Trend gehe von stationären zu ambulanten Behandlungen und zur Nachsorge zu Hause. Gefragt seien auch Fachkliniken wie für Orthopädie oder Diabetes. Der Immobiliendienstleister JLL schätzt, dass Dubai und Abu Dhabi bis 2022 rund 2.400 neue Krankenhausbetten benötigen, nur um ihr Betten-pro-Kopf-Verhältnis zu halten.

Öl und Gas: Neuer Schwung für Upstream-Ausbau

Abu Dhabi hat 2017 die Aufträge für eine ganze Reihe von Projekten vergeben. Kritische Stimmen äußern noch Zweifel an der Umsetzung im avisierten Zeitplan. Abu Dhabi möchte seine Förderkapazitäten von 2,8 Millionen bis 2020 auf 3,5 Millionen Barrel pro Tag (bpd) erhöhen. Sogenannte Enhanced-Oil-Recovery-Techniken (EOR) dürften kritisch für den Ausbau werden, weil die Vorkommen bereits stark ausgeschöpft sind. Bis Ende 2018 begrenzt eine OPEC Vereinbarung die Förderung. Priorität hat auch der Ausbau der Gasproduktion, um die Importabhängigkeit zu mindern. Zudem wird der Ausbau der Petrochemie, vor allem Kunststoffe, angestrebt, um den steigenden Inlandsverbrauch zu decken und um den wachsenden asiatischen Markt zu beliefern.

Metallindustrie: Abu Dhabi plant Metall-Cluster

Abu Dhabi plant in Kizad ein Metall-Cluster. Emirates Global Aluminium (EGA; 2,4 Millionen Tonnen pro Jahr) baut dort neben der bestehenden Aluminiumhütte eine Raffinerie, die mit einer Kapazität von vier Millionen Tonnen pro Jahr in 2020 die größte weltweit wäre. In Kizad haben sich bereits Verarbeiter und Zulieferer angesiedelt und weitere Investitionen sind geplant. In der Stahlindustrie dürfte das Wachstum 2018 und 2019 schwach ausfallen. Die Produktion ist durch sinkende Preise infolge von chinesischen Billigimporten unter Druck und die Nachfrage hat wegen der schwächeren Konjunktur im Inland und in vielen Exportmärkten nachgelassen. Die angedrohten US-Zölle auf Stahl und Aluminium würden die emiratischen Exporteure treffen. Ausnahmeregelungen gelten als wahrscheinlich, zumal die USA einen großen Handelsüberschuss gegenüber den VAE haben.

Flugzeugbau: 3D-Druck für die Luftfahrt

Siemens arbeitet zusammen mit dem Flugzeugteilehersteller Strata in einem Pilotprojekt an Möglichkeiten zum Einsatz von 3D-gedruckten Teilen für den Innenausbau von Passagierflugzeugen von Etihad Airways. Entworfen, hergestellt und zertifiziert werden sollen die Teile in den VAE. Geplant ist auch der Druck eines Außenteils aus Metall. Ziel ist es, den Kunden stärker in das Design einzubeziehen sowie komplexe oder ausgelaufene Teile schneller auf Abruf produzieren zu können. Das Projekt spiegelt auch das Bestreben der VAE wider, die digitale Industrie als drittes Standbein der Wirtschaft neben Erdöl und Tourismus aufzubauen. Priorität genießt auch der Aufbau lokaler Produktion. Strata fertigt seit 2010 in Al Ain Teile für Airbus und Boeing. Mehr als die Hälfte von Stratas rund 480 Zulieferern sind lokal angesiedelt.

Kfz-Industrie: Ashok Leyland baut Produktion aus

Dubai setzt stärker auf umweltfreundliche Busse im öffentlichen Nahverkehr. Die lokale Busproduktion könnte darauf reagieren. Es gibt bislang nur ein paar wenige Werke zur Busproduktion und in diesen werden Fahrzeuge Großteils aus sogenannten Completely-Knocked-Down-Kits (CKD) montiert. Der indische Bushersteller Ashok Leyland plant 2018 die Fertigung in seinem Werk in Ras Al Khaimah von etwa 4.000 auf 5.000 Busse zu erweitern und die Lokalisierung der Produktion auszubauen (2017: 40 Prozent). Ashok Leyland eröffnete das Werk 2010. Etwa die Hälfte der Produktion ist für den Export bestimmt. Autos und leichte LKW (SUV, Pick-up etc.) werden bis auf Ausnahmen wie gepanzerte Fahrzeuge nicht lokal gefertigt. Die VAE sind eine wichtige Handelsdrehscheibe für Re-Exporte von Kfz und -teilen in die GCC-Region, nach Afrika und zunehmend auch andere Teile der Welt.

Kfz-Markt: Es geht weiter abwärts

Die privaten Haushalte zeigen sich zurückhaltend und die Unternehmen streichen ihre Fuhrparks zusammen oder setzen auf bescheidenere Fahrzeugmodelle. Vorgezogene Käufe wegen der neuen Mehrwertsteuer sorgten im Dezember kurzfristig für einen kräftigen Absatzanstieg. Im ersten Quartal 2018 setzte sich dem Vernehmen nach aber die Abwärtsspirale fort. In 2017 gingen die Neuregistrierungen von Pkw, SUVs, Pick-ups um 15 Prozent zurück (2016: -23 Prozent ). Die Kfz-Teilehersteller profitieren, es wird mehr in den Erhalt der Fahrzeuge investiert. Dubai will mehr Elektrofahrzeuge auf den Straßen sehen. Bis 2021 sollen zehn Prozent aller Neuwagenkäufe Elektro- oder Hybridmodelle sein. Bislang ist die Nachfrage gering. Branchenkennern zufolge könnten eine stärkere monetäre und nicht-monetäre Förderung den Absatz ankurbeln.

Nahrungsmittelmarkt: Junge, trendbewusste Kundschaft

Der Konsum soll bis 2021 auf 59 Millionen Tonnen ausgehend von 48 Millionen in 2017 steigen. Die Nachfrage treiben eine wachsende Bevölkerung, zunehmender Tourismus und steigende Einkommen an. Dabei trägt vor allem Kundschaft mit hohen Einkommen den Markt für verarbeitete Lebensmittel. Viele Kunden sind jung und trendbewusst. Medien und eine stete Expansion des Einzelhandels fördern die Nachfrage, vor allem nach Produkten im Premiumbereich. Die Einführung der Mehrwertsteuer (VAT) zum Jahresanfang und insgesamt steigende Lebenshaltungskosten dämpfen den Konsum. Der Sektor Restaurants und Catering hat ein schwaches Jahr hinter sich. Wachsende Kosten und Überangebot verschärfen den Wettbewerb. KPMG erwartet 2018 ein niedriges Wachstum, bevor die Nachfrage im Vorfeld der Expo 2020 ab 2019 anziehen soll.

Einen Ausblick auf die gesamtwirtschaftliche Entwicklung finden Sie unter: http://www.gtai.de/GTAI/Navigation/DE/Trade/Maerkte/Wirtschaftsklima/wirtschaftsausblick,t=wirtschaftsausblick--vae-mai-2018,did=1923140.html

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Vereinigte Arabische Emirate Nahrungs- und Genussmittel, allgemein, Energie, Wasser, Wärme, allgemein, Bauwirtschaft, allgemein, Chemische Industrie, allgemein, Metallerzeugung, -verarbeitung, allgemein, Gesundheitswesen allgemein, Medizintechnik, allgemein, Fahrzeuge, -zubehör, allgemein, Maschinen- und Anlagenbau, allgemein, Öl, Gas, Luftfahrzeuge

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