Branchencheck

28.05.2018

Branchencheck - Vereinigtes Königreich (Mai 2018)

Inhalt

Brexit sorgt für enorme Unsicherheiten / Von Annika Pattberg

London (GTAI) - Die britischen Industriesektoren sind unterschiedlich stark von den enormen Unsicherheiten im Zusammenhang mit dem für den 29. März 2019 geplanten Brexit betroffen. Der Automobilsektor sowie der Geschäfts- und Industriebau spüren deutlich negative Effekte. Die Pharmabranche erhält als Beruhigungspille Förderungen vom Staat. Der stark von Exporten abhängige Maschinenbau profitiert von dem schwachen Pfund-Sterling-Kurs. Gleichzeitig macht die schwache britische Währung deutsche Produkte teurer.

Maschinenbauindustrie: Produktion profitiert von hoher Exportnachfrage

Die britischen Maschinenbauer profitieren von der global guten Konjunktur, dem schwachen Pfund Sterling und einer dementsprechend starken Nachfrage aus dem Ausland. Rund 43 Prozent der auf der Insel hergestellten Maschinen gehen in den Export. Die Maschinenproduktion dürfte nach den jüngsten Schätzungen des Industrieverbandes EEF im Jahr 2018 um 5,1 Prozent zulegen (Stand: 01.03.2018). Für das Brexit-Jahr 2019 prognostiziert der Verband allerdings nur noch ein minimales Wachstum um 0,5 Prozent. Maschinen und Produkte "Made in Germany" haben auch in Brexit-Zeiten einen guten Ruf. Das schwache britische Pfund macht deutsche Produkte allerdings teurer. Siemens will Schienenfahrzeuge in Goole produzieren.

Weitere Informationen:

Branche kompakt: Britischer Maschinenbau startete dynamisch ins Jahr 2018

http://www.gtai.de/MKT201805148001

Brexit-Sonderseite

http://www.gtai.de/brexit

Chemieindustrie: Staat fördert Forschung und Entwicklung im Pharmasektor

Der Industrieverband EEF prognostiziert für die Chemiebranche (ohne Pharma) ein Produktionswachstum um 1,6 Prozent in 2018 und um 0,8 Prozent im Brexit-Jahr 2019. Croda International investiert in seine Polymer-Zusatzstoff-Produktion in Hull. Die Regierung steht hinter der Exploration von Schiefergas. Engagiert sind die beiden Fracking-Unternehmen Cuadrilla und Third Energy. Der Staat stellt der Pharmaindustrie umfangreiche Förderungen für F&E-Vorhaben zur Verfügung, um in Brexit-Zeiten den guten Ruf der Insel als Life-Science-Hub zu halten. Astra-Zeneca investiert in ein F&E-Zentrum in Cambridge, Novo Nordisk in ein Diabetes-Research-Center in Oxford und GSK in die Gen-Forschung. Qiagen plant einen eigenen Campus in Manchester und MSD (US-Konzern Merck) ein Zentrum für Early Stage-Forschung in London.

Weitere Informationen:

Brexit bereitet britischer Pharmabranche Schmerzen

http://www.gtai.de/vk-pharma

Brexit erschwert Absatz von Kosmetik und Körperpflegemitteln im Vereinigten Königreich

http://www.gtai.de/MKT201710308001

Energiewirtschaft: Briten setzen auf Wind- und Atomkraft sowie Fracking

Hinsichtlich der installierten Offshore-Windkapazität stehen die Briten seit Jahren weltweit auf Platz 1. Aktuell gebaut wird der Offshore-Windpark "Hornsea One" (Orsted, vormals Dong Energy; 1,2 GW). Außerdem wurde im August 2017 das ebenfalls 1,2 GW große Offshore-Windprojekt "East Anglia Three" (ScottishPower Renewables) genehmigt. Die Regierung unterstützt sowohl Atomkraft als auch Fracking. Aktuell laufen Fundamentarbeiten für das geplante AKW Hinkley Point C. In Planung sind außerdem das AKW Wylfa Newydd in Wales und das AKW Moorside in Cumbria. Das Fracking-Unternehmen Cuadrilla schloss im April 2018 eine erste Bohrung ab und plant weitere Probebohrungen. Ein weiteres Fracking-Projekt plant Third Energy in Kirby Misperton (Yorkshire), wo es allerdings zu Protesten der Anwohner kommt.

Weitere Informationen:

Branche kompakt: Vereinigtes Königreich ist weltweit wichtigster Offshore-Windenergiemarkt

http://www.gtai.de/vk-erneuerbare-energien

Bauwirtschaft: Infrastrukturprojekte und Wohnungsbau

Der Baustoffverband Construction Products Association (CPA) prognostiziert für die britische Bauwirtschaft ein Wachstum um 0,2 Prozent in 2018 und um 1,7 Prozent in 2019. Der Industrie- und der Geschäftsbau leiden deutlich unter der schlechten Auftragslage vor dem Brexit. CPA rechnet für den Geschäftsbau mit einem Minus um 5 Prozent in 2018 (2019: -1,4 Prozent). Für den Industriebau prognostiziert CPA ein Nullwachstum für 2018 (2019: -1,1 Prozent). Deutlich zulegen soll der Infrastrukturbau mit 6,3 Prozent in 2018 (2019: 11,1 Prozent). Der Staat investiert in die Schnellzugverbindung London-Birmingham-Manchester/Leeds (HS2), den Schienennetzausbau im Großraum London (Crossrail 2) und in die Londoner U-Bahn. Denkmalschutzprojekte bieten Geschäftschancen für deutsche Handwerksbetriebe.

Weitere Informationen:

Britischer Bausektor ist besonders vom Brexit betroffen

http://www.gtai.de/MKT201711108004

Briten planen den Bau neuer Städte und Gemeinden

http://www.gtai.de/MKT201701108008

Broschüre "Chancen für Handwerker - Gebäudesanierung und Denkmalschutz im Vereinigten Königreich", kostenlos abrufbar unter:

http://www.gtai.de/vk-denkmalschutz

Gesundheitswirtschaft: Zahlreiche neue Krankenhäuser sind geplant

Für das staatliche Gesundheitssystem National Health Service (NHS) werden aktuell das Midland Metropolitan Hospital in Smethwick, das Royal Sussex County Hospital in Brighton, das Grange University Hospital in Wales und das Bloomsbury Hospital in London gebaut. Private Investoren (Deutschland/USA) bauen die Schoen Clinic und die Cleveland Clinic in London sowie das Nuffield Health Hospital in Manchester. NHS setzt auf Digitalisierung und Telemedizin, was allerdings schon zu großen Problemen geführt hat (Computerausfälle). In London praktizieren auch deutsche Allgemein-, Zahn- und Hautärzte. Der Staat fördert die Forschung in den Bereichen mentale Gesundheit, Demenz, Taubheit, Antibiotika-Resistenz sowie die Früherkennung und Behandlung von Hirntumoren und Prostatakrebs.

Weitere Informationen:

Branche kompakt: Britische Medizintechnikbranche leidet unter dem geplanten Brexit

http://www.gtai.de/MKT201711088007

Kfz-/Kfz-Teile-Produktion: Hersteller setzen auf E-Mobility und autonomes Fahren

Für die international stark verflochtene britische Autobranche ist der Brexit eine extreme Herausforderung. Kfz-Teile überschreiten mehrmals europäische Grenzen, bevor sie eingebaut werden. Sollte der Handel zwischen der EU und dem Vereinigten Königreich künftig auf die Konditionen der Welthandelsorganisation (WTO) zurückfallen, würden für Kfz-Teile Zölle in Höhe von 4,5 Prozent anfallen. Einige Unternehmen erweitern aufgrund drohender Lieferverzögerungen ihre Lagerkapazitäten. E-Mobility bleibt Top-Thema. Nissan baut seit Jahren das E-Modell LEAF. Künftig wollen alle anderen Produzenten vor Ort folgen, darunter BMW mit dem E-Mini (ab 2019), Geely und Aston Martin. Der Staat fördert sowohl die Ladeinfrastruktur als auch die Entwicklung von Batterietechnik. Unter anderem Jaguar-Land Rover testet fahrerlose Modelle.

Weitere Informationen:

Britische Automobilindustrie bereitet sich auf den Brexit vor

http://www.gtai.de/MKT201711228001

Elektromobilität Vereinigtes Königreich: Regierung strebt Weltmarktführung bei Batterietechnik an

http://www.gtai.de/MKT201803128007

Elektromobilität Vereinigtes Königreich: Staat fördert Ladeinfrastruktur

http://www.gtai.de/MKT201803128011

Informations- und Kommunikationswirtschaft: Internet of Things ist omnipräsent

Die britische Bevölkerung gilt als sehr technikaffin. Immer mehr internetbasierte Lösungen vereinfachen den Alltag. Auch gilt das Land als Testmarkt für neue Entwicklungen. Die Regierung ist bestrebt, die Entwicklung und Einführung der fünften Mobilfunkgeneration (5G) zu fördern. Die staatlich finanzierten "Digital Catapult"-Center in London, Brighton, North East & Tees Valley und Nordirland arbeiten in den Bereichen Digitalisierung und "Internet of Things". Die beiden IKT-Cluster Tech City UK und Tech North fusionierten im Mai 2018 unter dem neuen Namen "Tech Nation". In der Industrie steigt das Bewusstsein für "The Fourth Industrial Revolution" (Industrie 4.0). Dabei engagiert sind das Manufacturing Technology Centre (MTC) in Coventry, der Industrieverband EEF, der Automobilverband SMMT und Siemens.

Weitere Informationen:

Vereinigtes Königreich rüstet sich für die digitale Zukunft

http://www.gtai.de/MKT201612298003

Wirtschaft Digital - Trends von Industrie 4.0 bis E-Health

http://www.gtai.de/Digitalisierung

Nahrungsmittelmarkt: "Frei von"-Produkte sind sehr gefragt

Ein stark wachsender Markt sind "frei von"-Produkte (weizen-, gluten-, zucker-, milchfrei). Nicht nur in der schnelllebigen Hauptstadt gibt es eine große Nachfrage nach Convenience Food. Bio-Läden (Whole Foods, "As nature intended" etc.), Aldi, Lidl und Londoner Feinkostläden führen ein recht großes Sortiment deutscher Produkte. Absatzchancen bieten auch Weihnachtsmärkte und bayerische Kneipen (vor allem in London). Das schwache Pfund Sterling macht britische Importe allerdings teurer. Deutsche Anbieter sollten sich bewusst sein, dass vor Ort ein viel aggressiveres Marketing üblich ist (kostenlose Probieraktionen etc.). Der vom Export abhängige Reis-Fertigprodukte-Hersteller Tilda plant eine Produktionsverlagerung außerhalb des Vereinigten Königreiches, sollte das Land die Zollunion verlassen.

Weitere Informationen:

Branche kompakt: Die Ernährungswirtschaft im Vereinigten Königreich ist offen für neue Produkte

http://www.gtai.de/MKT201604258008

Kfz-Markt: Staat fördert seit Jahren E-Mobility

Die britischen Haushalte spüren die inflationsbedingt gesunkenen Reallöhne und zögern mit größeren Anschaffungen. Auch die Unternehmen halten sich vor dem Brexit mit Investitionen zurück. Die Neuwagenverkäufe sanken daher 2017 um 5,7 Prozent. Die Neuregistrierungen von mit Diesel betriebenen Pkw brachen sogar um 17,1 Prozent ein. Demgegenüber legten die Verkäufe von alternativen Antrieben um 34,8 Prozent zu. Der Marktanteil alternativer Antriebe lag 2017 mit 4,7 Prozent so hoch wie noch nie. Der britische Staat fördert seit vielen Jahren den Kauf von Pkw und Vans mit Elektroantrieb sowie schadstoffarme Plug-in-Hybride. Noch relativ neu sind weitere Kaufanreize für elektrisch angetriebene Motorräder, Scooter, Lkw, Taxis und Leihwagen.

Weitere Informationen:

Branche kompakt: Britische Automobilindustrie setzt auf Elektromobilität http://www.gtai.de/MKT201709058001

Britische Automobilindustrie bereitet sich auf den Brexit vor

http://www.gtai.de/MKT201711228001

Elektromobilität Vereinigtes Königreich: Regierung fördert E-Mobility schon seit 2011

http://www.gtai.de/MKT201803128004

Dieser Artikel ist relevant für:

Vereinigtes Königreich Nahrungs- und Genussmittel, allgemein, EDV-, Telekommunikationsdienstleistungen, allgemein, Energie, Wasser, Wärme, allgemein, Bauwirtschaft, allgemein, Chemische Industrie, allgemein, Gesundheitswesen allgemein, Fahrzeuge, -zubehör, allgemein, Maschinen- und Anlagenbau, allgemein, Brexit

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