Branchencheck

04.12.2018

Branchencheck - Vereinigtes Königreich (November 2018)

Inhalt

Die verarbeitende Industrie bereitet sich auf den Brexit vor / Von Robert Scheid

London (GTAI) - Der Brexit trifft viele Kernbranchen ins Mark. In der Automobilindustrie brechen die Investitionen ein. Pharma- und Nahrungsmittelhersteller horten Vorprodukte, die importiert werden müssen.

Maschinenbauindustrie: Rückgang der Produktion im Brexit Jahr erwartet

Der britische Maschinenbau entwickelt sich besser als der Durchschnitt der verarbeitenden Industrie. Im Jahr 2017 konnte die Produktion der Branche laut Industrieverband EEF um 9,3 Prozent zulegen. Gründe für diese Entwicklung sind das das schwache Pfund Sterling und der Anstieg der Nachfrage aus dem Ausland. Die Maschinenproduktion dürfte nach jüngsten Schätzungen des Verbandes im Jahr 2018 um 5,1 Prozent zulegen. Für Jahr 2019 wird eine Umkehr des positiven Trends erwartet. Prognostiziert ist ein Produktionsrückgang von 2,0 Prozent. Maschinen aus Deutschland haben einen guten Ruf, das schwache britische Pfund macht deutsche Produkte teuer.

Weitere Informationen:

Branche kompakt: Britischer Maschinenbau startete dynamisch ins Jahr 2018

http://www.gtai.de/MKT201805148001

Chemieindustrie: Pharmaunternehmen horten vor dem Brexit Medikamente

Der Industrieverband EEF prognostiziert für die Chemiebranche ein Minus der Produktion um 1,9 Prozent im Jahr 2018 und ein Wachstum von 0,3 Prozent im Brexit-Jahr 2019. Die Pharmaindustrie steht mit einem Produktionsplus von 3,1 Prozent im Jahr 2018 und weitere 0,8 Prozent im Folgejahr besser da. Die großen multinationalen Pharmakonzerne im Land, darunter AstraZeneca, Merck, Novartis, Pfizer und Sanofi, haben angekündigt, in Vorbereitung auf den Brexit den Lagerbestand von wichtigen Arzneimitteln zu erhöhen. Unternehmen sind besorgt, weil die Auswirkungen des Brexit auf Chemikalienprüfungen und Zertifizierungen sowie auf die Zulassung von Arzneimitteln noch offen sind.

Weitere Informationen:

Brexit bereitet britischer Pharmabranche Schmerzen

http://www.gtai.de/vk-pharma

Brexit erschwert Absatz von Kosmetik und Körperpflegemitteln im Vereinigten Königreich

http://www.gtai.de/MKT201710308001

Energiewirtschaft: Briten setzen auf Wind- und Atomkraft

Hinsichtlich der installierten Offshore-Windkapazität stehen die Briten bereits jetzt weltweit auf Platz 1. Bis 2030 soll sich die Energieerzeugungskapazität durch milliardenschwere Investitionen in Offshore-Windkraft verdoppeln. Der größte Offshore-Windpark der Welt (Hornsea Project One) ist im Bau. Bereits im Jahr 2022 wird er voraussichtlich durch ein Nachfolgeprojekt an der Spitze der Rankings abgelöst werden. Großprojekte im Bereich der Atomkraft sind geplant. Aktuell laufen Arbeiten an den Fundamenten für das Atomkraftwert Hinkley Point C. Auch Schiefergas-Fracking ist im Vereinigten Königsreich von Bedeutung, ist aber durch das jüngste Erdbeben im Rahmen der Testbohrungen von Cuadrilla in Lancashire wieder in die Kritik geraten.

Weitere Informationen:

Branche kompakt: Vereinigtes Königreich ist weltweit wichtigster Offshore-Windenergiemarkt

http://www.gtai.de/vk-erneuerbare-energien

Branche kompakt: Megaprojekte im britischen Infrastrukturbau geben Impulse

http://www.gtai.de/MKT201811218011

Bauwirtschaft: Große Infrastrukturprojekte bieten Chancen

Der Baustoffverband Construction Products Association (CPA) prognostiziert für die britische Bauwirtschaft ein Wachstum um 0,1 Prozent in 2018 und um 0,6 Prozent in 2019. Vor allem der Geschäftsbau leidet deutlich unter der schlechten Auftragslage vor dem Brexit. Für den Industriebau prognostiziert CPA wiederum ein Wachstum von 10,1 Prozent in 2018 (2019: 0,4 Prozent). Der Infrastrukturbau dürfte im kommenden Jahr mit einem Plus von 8,7 Prozent rechnen. Der Staat investiert massiv in neue Schienenverbindungen, im Vordergrund steht die Eisenbahnschnellfahrstrecke HS2 zwischen London, Birmingham, Manchester und Leeds. Die entsprechenden Ausschreibungen für neue Züge laufen, Siemens befindet sich in der engeren Auswahl.

Weitere Informationen:

Branche kompakt: Megaprojekte im britischen Infrastrukturbau geben Impulse

http://www.gtai.de/MKT201811218011

Britischer Bausektor ist besonders vom Brexit betroffen

http://www.gtai.de/MKT201711108004

Briten planen den Bau neuer Städte und Gemeinden

http://www.gtai.de/MKT201701108008

Broschüre "Chancen für Handwerker - Gebäudesanierung und Denkmalschutz im Vereinigten Königreich", kostenlos abrufbar unter:

http://www.gtai.de/vk-denkmalschutz

Gesundheitswirtschaft: Fördermittel für das staatliche Gesundheitssystem

Das staatliche Gesundheitssystem National Health Service (NHS) verantwortet etwa 85 Prozent der Gesundheitsversorgung. Im aktuellen Haushalt der britischen Regierung sind für das unterfinanzierte NHS in den nächsten fünf Jahren circa 20,5 Milliarden Pfund Sterling, rund 23,2 Milliarden Euro, zusätzliche Finanzmittel vorgesehen. Der Bau von mehreren Krankenhäusern verzögert sich um mehrere Jahre. Dies aufgrund der Insolvenz von Carillion, dem zweitgrößten Bauunternehmen im Land. Andere Projekte sind eingefroren, vor allem aufgrund der rückläufigen Nachfrage im privaten Gesundheitssektor. Themen wie Digitalisierung und Telemedizin gewinnen an Bedeutung. Einzelne Forschungsgebiete, wie etwa die Früherkennung von Prostatakrebs, erhalten gezielt öffentliche Mittel.

Weitere Informationen:

Branche kompakt: Britische Medizintechnikbranche leidet unter dem geplanten Brexit

http://www.gtai.de/MKT201711088007

Kfz-/Kfz-Teile-Produktion: Investitionen brechen vor dem Brexit ein

Für die international stark verflochtene britische Autobranche ist der Brexit eine extreme Herausforderung. Kfz-Teile übertreten oft mehrmals europäische Grenzen, bevor sie im Vereinigten Königreich eingebaut werden können. Die Investitionen der Branche brechen ein. Die deutsche Schaeffler-Gruppe schließt zwei ihrer drei britischen Werke. BMW hat angekündigt, die für den Sommer übliche Schließung des Mini-Werks in Oxford auf Anfang April 2019 vorzuziehen. Jaguar Land Rover (JLR) hat 1.000 Mitarbeiter entlassen und eine Dreitagewoche eingeführt, auch Ford, Toyota, Bentley (VW-Gruppe) und die PSA-Gruppe sind vom Brexit betroffen.

Weitere Informationen:

Branche kompakt: Ungewissheiten belasten Autohersteller im Vereinigten Königreich

http://www.gtai.de/MKT201811238000

Kfz und -Teile: Briten liefern Waren im Wert von 21 Milliarden Euro in die EU

http://www.gtai.de/MKT201805308014

Elektromobilität Vereinigtes Königreich: Regierung strebt Weltmarktführung bei Batterietechnik an

http://www.gtai.de/MKT201803128007

Informations- und Kommunikationswirtschaft: London weiterhin die europäische High-Tech-Drehscheibe

Die britische Bevölkerung gilt als technologiefreundlich. Das Land ist ein beliebter Testmarkt für neue Entwicklungen sowie ein europäisches Drehkreuz für innovative Start-up-Unternehmen, allen voran für Fintech-Unternehmen, Softwareentwicklungen und die Gamingindustrie. Die Regierung fördert die Entwicklung der fünften Mobilfunkgeneration (5G). Die staatlich finanzierten "Digital Catapult"-Center an verschiedenen Standorten arbeiten in den Bereichen Digitalisierung und "Internet of Things". Die Informations- und Kommunikationstechnologie-Cluster Tech City UK und Tech North fusionierten im Mai 2018 unter dem Namen "Tech Nation". Beim Thema Industrie 4.0 engagiert sind vor allem das Manufacturing Technology Centre (MTC) in Coventry, der Industrieverband EEF, der Automobilverband SMMT und Siemens.

Weitere Informationen:

Vereinigtes Königreich rüstet sich für die digitale Zukunft

http://www.gtai.de/MKT201612298003

Wirtschaft Digital - Trends von Industrie 4.0 bis E-Health

http://www.gtai.de/Digitalisierung

Nahrungsmittelmarkt: Convenience und "frei von" Nahrungsmittel auf dem Vormarsch

Ein stark wachsender Markt sind "frei von"-Produkte (weizen-, gluten-, zucker-, laktosefrei). Immer häufiger wird auch zu vorgefertigten Produkten, zu sogenanntem Convenience Food gegriffen. Bio-Läden (Whole Foods, As Nature Intended), Aldi, Lidl und Londoner Feinkostläden führen ein großes Sortiment deutscher Produkte, die großen britischen Supermarktketten wiederum gelten als schwierig zu erschließen. Das schwache Pfund Sterling macht Importe teurer. Einzelne Hersteller im Vereinigten Königreich horten bereits Zutaten und Produkte für einen noch immer möglichen "harten Brexit".

Weitere Informationen:

Branche kompakt: Die Ernährungswirtschaft im Vereinigten Königreich ist offen für neue Produkte

http://www.gtai.de/MKT201604258008

Kfz-Markt: Pkw-Nachfrage bricht vor dem Brexit ein

Die britischen Haushalte spüren die inflationsbedingt gesunkenen Reallöhne und zögern vor dem Brexit mit größeren Anschaffungen. Die Neuwagenverkäufe sanken 2017 um 5,7 Prozent. Zwischen Januar und September 2018 nahm die Nachfrage im Vergleich zum entsprechenden Vorjahreszeitraum um weitere 7,5 Prozent ab. Der Verkauf von Dieselautos bricht stark ein. Positiv entwickeln sich der Absatz von Fahrzeugen mit alternativen Antrieben, die entsprechenden Marktanteile sind aber noch sehr gering. Der britische Staat fördert seit vielen Jahren den Kauf von Elektrofahrzeugen, allerdings wurden die Anreize im Oktober 2018 reduziert und Hybrid-Autos von der Förderung ausgeschlossen.

Weitere Informationen:

Branche kompakt: Ungewissheiten belasten Autohersteller im Vereinigten Königreich

http://www.gtai.de/MKT201811238000

Britische Automobilindustrie bereitet sich auf den Brexit vor: http://www.gtai.de/MKT201711228001

Elektromobilität Vereinigtes Königreich: Regierung fördert E-Mobility schon seit 2011: http://www.gtai.de/MKT201803128004

Weitere Informationen zum Land finden Sie unter http://www.gtai.de/vk

Dieser Artikel ist relevant für:

Vereinigtes Königreich Nahrungs- und Genussmittel, allgemein, EDV-, Telekommunikationsdienstleistungen, allgemein, Energie, Wasser, Wärme, allgemein, Bauwirtschaft, allgemein, Chemische Industrie, allgemein, Gesundheitswesen allgemein, Fahrzeuge, -zubehör, allgemein, Maschinen- und Anlagenbau, allgemein, Kfz-Teile, -Zubehör (ohne Brennstoffzellen), Brexit, Digitalisierung

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