Branchencheck

26.03.2018

Branchencheck Algerien (Februar 2018)

Inhalt

Stärkeres Wachstum in der verarbeitenden Industrie zu erwarten / Von Fausi Najjar

Algier (GTAI) - Ziel der algerischen Regierung ist es, Importe zunehmend durch eine heimische Produktion zu ersetzen. Deswegen kann mit einer anziehenden Nachfrage bei Ausrüstungsgütern und Produktionsinputs gerechnet werden. Unsicherheiten schränken die an sich potenziell umfangreichen Lieferchancen ein. Mit den gestiegenen Staatsausgaben steigen die Realisierungschancen in der Petrochemie, bei der Infrastruktur und bei den erneuerbaren Energien.

Chemieindustrie: Petrochemie soll angeschoben werden

Der algerische Energiekonzern Sonatrach und die italienische Eni-Tochter Versalis haben im Januar 2017 eine Absichtserklärung für die Entwicklung eines Petrochemie-Komplexes unterschrieben. Jüngst beschlossen wurden eine Abmachung zur Vertiefung der Zusammenarbeit von Sonatrach mit dem französischen Energiekonzern Total und ein Beratervertrag mit der Engineers India Limited für die Modernisierung eines Ethylen-Komplexes im Wert von 150 Millionen US-Dollar (US$) in Skikda. Erst im Februar 2018 hat der staatliche Bergbaukonzern Manal mit zwei chinesischen Unternehmen Cetic und Wingfu ein Großprojekt zur Phosphatverarbeitung angekündigt. Im Januar 2018 hat die Sonatrach ihre Absicht bekräftigt, die Raffinerie von Algier modernisieren zu wollen und zwei neue zu bauen. Inwieweit angekündigte Projekt umgesetzt werden, ist offen.

Weitere Informationen:

Algerien setzt auf Industrialisierung

http://www.gtai.de/mkt201703248004

http://www.gtai.de/mkt201702158003

Energiewirtschaft: Beteiligungschancen bei erneuerbaren Energien

Mit Verzögerungen sind acht Kraftwerke auf Erdgasbasis mit einer Gesamtkapazität von rund 10.000 Megawatt im Bau. Algerien hat sich jedoch bislang nur schwach als Abnehmermarkt deutscher Geräte zur Stromerzeugung und -verteilung etabliert. Drei Ausschreibungen für Fotovoltaik-Flächenanlagen mit einer Nennleistung von 4,05 Gigawatt sind in Vorbereitung. Trotz bisheriger Verzögerungen ist die Umsetzung der Projekte realistisch. Die drei Ausschreibungen zu 1,35 Gigawatt werden eine vergütete Einspeisung von 20 Jahren umfassen, so Regierungsangaben 2017. Zu den Ausschreibungskriterien gehört auch der Aufbau einer lokalen Fotovoltaikproduktion. In der Diskussion ist außerdem der Ausbau der Windkraft. Die Energiekonzerne Eni (Italien) und Sonalgaz (Algerien) haben den Aufbau von Fotovoltaik-Flächenanlagen angekündigt.

Weitere Informationen:

Algerien will bei erneuerbaren Energien aufholen

http://www.gtai.de/mkt201706018007

Algerien mit neuen Ausschreibungen bei erneuerbaren Energien

http://www.gtai.de/mkt201702108000

Bauwirtschaft: Anlagen für die Baustoffindustrie gefragt

Der von Staatsaufträgen abhängige Bausektor hat im Jahr 2017 wegen Zahlungsausfällen weitaus mehr gelitten als von offizieller Seite bestätigt. Ab 2018 soll wieder mehr in den Bausektor fließen: 2,7 Milliarden Euro in die Infrastruktur (Straßenbau, Schienenverkehr und Staudämme) und rund 990 Millionen Euro in den Wohnungsbau. Angekündigt ist der Bau neuer Schulen und weiterer Bildungseinrichtungen. Ein Teil der Staatsgelder wird allerdings dazu dienen, Ausstände im Bausektor zu begleichen. Auch ist nicht mit einem schnellen Abfluss der Gelder zu rechnen. Die chinesische Regierung hat die Finanzierung eines Tiefseehafens (3,3 Milliarden US$) zugesagt. Im Zuge der Förderung einer heimischen Produktion sind Anlagen für den Aufbau einer Baustoffindustrie (Fertigteile, Betonwerke, Dämmstoffe) stark gefragt.

Gesundheitswirtschaft: Pharmasektor expandiert

Im Jahr 2018 wird die Nachfrage bei der Krankenhausausrüstung zurückgehen. Anfang 2017 waren sieben Krankenhäuser mit 1.778 Betten im Bau. Bei der Krebsdiagnostik und -behandlung gibt es weiterhin Bedarf. Mit einem Anteil von 6,7 Prozent (2013 bis 2016) bei radiologischen und elektrodiagnostischen Apparaten bleibt Deutschland als Lieferland hinter den USA, Japan, China und Frankreich zurück. Angekündigt ist eine Großbestellung von Ambulanzen. Mittelfristig will die Regierung bei Pharmaprodukten eine heimische Versorgungsquote von 70 Prozent erreichen. Zahlreiche internationale Unternehmen produzieren mit lokalen Partnern vor Ort. Weitere Investitionen sind zu erwarten. Ein Instrument zur Steigerung der Selbstversorgung ist das Importverbot für Medikamente, die bereits lokal produziert werden.

Weitere Informationen:

Algerien setzt auf Industrialisierung

http://www.gtai.de/mkt201703248004

Algeriens Markt für Medizintechnik vorerst stabil

http://www.gtai.de/mkt201609268008

Bergbau: Abbau von Phosphat soll steigen

Im Bergbau sind positive Marktsignale zu verzeichnen, doch ist bei der Umsetzung mit Abstrichen zu rechnen. In der Region Tabessa ist der Abbau von jährlich sechs Millionen Tonnen Phosphat geplant und dessen Verarbeitung ist ebenfalls avisiert. Im Gespräch sind dabei chinesische Unternehmen. Ebenso soll noch 2018 der Abbau von Blei und Zink beschleunigt werden. Weitere Projekte, die 2018 starten sollen, sind die Installation von Anlagen für die Behandlung von Baryte (30.000 bis 40.000 Tonnen pro Jahr, Ichmoul), Diatomit (50.000 Tonnen im Jahr, Sig, Mascara) und Bentonite (120.000 Tonnen im Jahr in Boughara; Tlemcen). Eine Machbarkeitsstudie für den Eisenerzabbau in Ghar Djbilet ist in Arbeit. Von den Vorkommen in Ghar Djebilet gelten 1,7 Milliarden Tonnen als abbaufähig.

Weitere Informationen:

Hohe Investitionen in Algeriens Phosphatindustrie

http://www.gtai.de/mkt201608298004

Kfz-/Kfz-Teile-Produktion: Andrang bei der inländischen Montage

Kfz-Hersteller erwägen reihenweise eine Montage in Algerien. Dies aufgrund von Auflagen und Einfuhrbeschränkungen. Nach der Pkw-Montage von Renault und Hyundai sind im Oktober 2017 die ersten VW-Fahrzeuge in Algerien vom Band gegangen. PSA Peugeot-Citroën plant 2018 den Start einer Montage. Die Herstellung weiterer Kfz-Marken (zum Beispiel Suzuki, Renault Trucks) sind in der Diskussion. Die algerische Regierung strebt mittels der Ansiedlung von Kfz-Zulieferindustrien eine Fertigungstiefe von 40 bis 50 Prozent an. Eine Beteiligungsgrenze von 49 Prozent für ausländische Unternehmen, fehlende technische Kompetenzen und geringe Fertigungszahlen werden eine zügige Expansion begrenzen. Dennoch ist mit einer wachsenden Nachfrage bei Ausrüstungsgütern zu rechnen.

Weitere Informationen:

Deutsche Investoren im Maghreb zum Teil unterrepräsentiert

http://www.gtai.de/mkt201801118005

Ansiedlung von Kfz-Werken in Algerien soll heimischen Input steigern

http://www.gtai.de/mkt201606028000

Landwirtschaft: Im Fokus der algerischen Umbaupläne

Die algerische Regierung hat sich das Ziel gesetzt, den Agrarsektor zu einem tragenden Pfeiler der algerischen Wirtschaft zu machen. Vor allem bei Getreide oder bei Milch ist die Selbstversorgung angestrebt. Rund eine Million Hektar sollen zusätzlich bewässert werden. Mit dem zum Jahresbeginn gültigen Einfuhrverbot von Fleisch, Gemüse, Milch, Zucker, verschiedener Gemüsesorten und Mehl will die algerische Regierung die heimische Agrarproduktion fördern, auch durch die Ansiedlung von Feldtechnikherstellern, die dann mittels Importzöllen geschützt werden sollen. Deutsche Anbieter haben von diesem Modell jüngst nicht profitieren können. Die algerische Regierung bezuschusst den Erwerb von Maschinen und Düngemitteln sowie die Inwertsetzung brachliegenden Landes.

Nahrungsmittelindustrie: Steigende Maschinenimporte zu erwarten

Im Juli 2017 hat die algerische Regierung ein Einfuhrstopp für eine Reihe von Lebensmitteln erlassen und zum Jahresbeginn ein vorläufiges Einfuhrverbot von Fleisch, Gemüse, Milch, Zucker, verschiedener Gemüsesorten und Mehl. Gerade bei Ausrüstungsgütern für die Nahrungsmittelverarbeitung sind deswegen stark steigende Importe möglich. Bislang ist aber ein Importboom bei den Ausrüstungsgütern noch nicht zu erkennen. Die schwache Konsumentwicklung und gegebene Schwierigkeiten bei der Importabfertigung könnten hier bremsen. Investoren in die Nahrungsmittelverarbeitung können unter Umständen in den Genuss einer fünfjährigen Befreiung von der Körperschaft- und Gewerbesteuer kommen sowie von ermäßigten Einfuhrzöllen und Kreditzinsen profitieren.

Weitere Informationen:

Ziel der algerischen Regierung ist Agrarimporte größtenteils zu substituieren

http://www.gtai.de/mkt201801168002

Importstopp für ausgewählte Nahrungsmittel in Algerien

http://www.gtai.de/mkt201711218002

Öl und Gas: Wachsende Erdgasförderung

Wegen eines steigenden Eigenverbrauchs und fallender Förderraten bei Öl und Gas haben sich die Exportmengen in den letzten Jahren verringert. Mit der Umsetzung seit langem geplanter Investitionen konnte Algerien 2016 die Förderung und die Ausfuhrmengen bei Erdgas steigern. 2018 wird die Erdgasproduktion von 92 auf 96 Milliarden Kubikmeter zulegen und 2020 bei rund 105 Milliarden Kubikmetern liegen.

Bei Erdöl dürften die Förderraten in Zukunft weniger fallen. Nach nur mäßigem internationalem Interesse für neue Erschließungen wird für Juni 2018 ein neues Energiegesetz mit besseren Rahmenbedingungen erwartet. Algerien gilt sowohl Off- als auch Onshore als wenig erkundet. Die als weltweit drittgrößten geltenden Schiefergasvorkommen in Algerien sind verkehrstechnisch schwer zu erschließen.

Umwelttechnik: Regierung will auf Halt gesetzte Projekte wieder anschieben

Der Minister für Wasserressourcen Hocine Necib hat umgerechnet 450 Millionen Euro für die Finanzierung neuer Projekte in der Trinkwasserversorgung, Bewässerung und der Wasseraufbereitung zu Verfügung. Für die Fortsetzung auf Halt gesetzter Wasserprojekte stehen 303 Millionen Euro zur Verfügung. Hinzu kommen umgerechnet eine Milliarde Euro in Form von Krediten. Die Investitionspläne könnten zu überehrgeizig sein. Die algerische Regierung plant für Zeralda (Algier) und El Tarf die Ausschreibung zweier Meerwasserentsalzungsanlagen mit einer Tageskapazität von 300.000 Kubikmetern. Weil Hausmülldeponien in den kommenden Jahren ihre Kapazitätsgrenze erreichen und wegen bestehender Lücken stehen neue Projekte an. Die niedrige Recyclingquote soll nach dem Willen der algerischen Regierung steigen.

Elektronikindustrie: Hohe Dynamik bei heimischer Produktion

Für 2018 ist in der kleinen Elektronikindustrie eine besondere Dynamik zu verzeichnen. Breit aufgestellt sind die algerischen Unternehmen Condor und Cevital, die Investitionen bei Smartphones, weiteren Elektronik- und Haushaltsgeräten angekündigt haben. Samsung hat ein Montagewerk für Smartphones eröffnet. Vijai Electricals (Indien) und die staatliche AEI planen die Herstellung von Transformatoren, während der Platinenhersteller Bomare in die Zulieferung für die Kfz-Industrie einsteigen und seine Ausfuhren ausbauen will. Der Kabelhersteller Elsewedy Electric meldet im Januar 2018 positive Exportzahlen, während LG eine Produktionserhöhung von Fernsehern und Smartphones und der Elektrotechnikkonzern Schneider Electric Algerié den Bau zweier Werke angekündigt haben.

Einen Ausblick auf die gesamtwirtschaftliche Entwicklung finden Sie unter: http://www.gtai.de/GTAI/Navigation/DE/Trade/Maerkte/Wirtschaftsklima/wirtschaftsausblick,t=wirtschaftsausblick-februar-2018--algerien,did=1885410.html

(F.N.)

Dieser Artikel ist relevant für:

Algerien Land- und Forstwirtschaft, Fischerei, allgemein, Nahrungs- und Genussmittel, allgemein, Energie, Wasser, Wärme, allgemein, Bauwirtschaft, allgemein, Umweltschutz, Entsorgung, Klimaschutz, allgemein, Chemische Industrie, allgemein, Bergbau / Rohstoffe, allgemein, Gesundheitswesen allgemein, Fahrzeuge, -zubehör, allgemein, Elektronik, allgemein, Öl, Gas

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