Branchencheck

01.12.2017

Branchencheck Angola (November 2017)

Inhalt

Ausbau der Stromversorgung / Großinvestition im Diamantenbergbau / Von Heiko Stumpf

Johannesburg (GTAI) - Angola will die Elektrifizierungsrate deutlich erhöhen. Bei dem geplanten Ausbau sollen auch erneuerbare Energien zum Zuge kommen. Die Diamantenproduktion wird sich durch die Erschließung einer neuen Abbaustätte mehr als verdoppeln. Auch die Erdölproduktion kann zulegen, allerdings musste die verschuldete staatliche Ölgesellschaft Sonangol zwei lange geplante Raffinerieprojekte auf Eis legen. In der Landwirtschaft haben sich für einen Agrarpark im Norden neue Investoren gefunden.

Chemieindustrie: Unklarheit über die Zukunft von Raffinerievorhaben

Obwohl Angola in großen Mengen Rohöl fördert, ist das Land bei Mineralölerzeugnissen wie Kraftstoffen importabhängig. Die einzige Raffinerie in Luanda ist veraltet und kann mit einer Produktion von 44.000 Barrel pro Tag (bpd) nur ein Drittel des landesweiten Bedarfs decken. Der staatliche Ölkonzern Sonangol musste zwei seit Langem geplante Raffinerieprojekte in Lobito (120.000 bpd) und Soyo (200.000 bpd) aufgrund klammer Kassen aufschieben. Pressemeldungen zufolge sucht Sonangol bis Ende März 2018 einen internationalen Partner für den Bau einer Anlage. Pläne zur Errichtung einer Raffinerie verfolgt auch die russische Namref. Das Unternehmen hat 2017 bekanntgegeben, dass in Namibe für 12 Milliarden US-Dollar (US$) eine 400.000 bpd-Raffinerie entstehen soll.

Energiewirtschaft: Großes Ausbauprogramm bis 2025

Derzeit sind nur rund 30 Prozent der Bevölkerung Angolas an das Stromnetz angeschlossen. Bis 2025 soll eine Quote von 60 Prozent erreicht werden. Dazu müssen die installierten Kapazitäten von zurzeit 2.700 auf 9.900 Megawatt (MW) gesteigert werden. Mit den Wasserkraftwerken Cambambe (960 MW) und Lauca (2.070 MW) sowie der Gasanlage Soyo (750 MW) dürften bis 2018 bereits rund 6.300 MW erreicht werden. Die nächsten großen Vorhaben sind der Bau des von Chinesen finanzierten Caculo Cabaca-Staudamms (2.170 MW) sowie der Ausbau des Soyo-Kraftwerks (500 MW). Auch die Nutzung erneuerbarer Quellen wie Biomasse (500 MW), Solar (100 MW), Wind (100 MW) und Kleinwasserkraft (100 MW) ist geplant. Für den Bau weiterer Wasserkraftwerke steht ein hydroelektrisches Potenzial von 18 Gigawatt zur Verfügung.

Bauwirtschaft: Kriselnder Immobilienmarkt sorgt für Flaute

Angolas Bauwirtschaft erlebt schwierige Zeiten. Die schwache Konjunktur infolge des niedrigen Ölpreises lässt die Immobiliennachfrage einbrechen. Auf dem Büromarkt werden Leerstandsquoten von teilweise 20 Prozent beobachtet. Die Mietpreise sinken. Auch Hotels berichten über schwache Auslastung von zum Teil nur 40 Prozent. Die Zimmerpreise sind zuletzt deutlich gefallen. Appartementwohnungen finden ebenfalls keine Abnehmer mehr. Durch den Bauboom der vergangenen Jahre wurde der Immobilienmarkt stark aufgebläht. Infolgedessen gibt es derzeit keine neuen Vorhaben. In Luanda stehen die Arbeiten auf vielen Baustellen still. Im Infrastrukturbereich setzt die Regierung auf den weiteren Ausbau der Seehäfen, wie dem 1,5 Milliarden US$ teuren Tiefseehafen Barra do Dande.

Gesundheitswirtschaft: Neue Privatklinik geplant

In der Gesundheitsversorgung liegt noch einiges im Argen. Rund 50 Prozent der Bevölkerung dürften keinen ausreichenden Zugang zu Gesundheitseinrichtungen haben. Reiche Angolaner reisen zur Behandlung häufig nach Namibia. Im Jahr 2017 unterzeichnete die Regierung Investitionsverträge mit dem Unternehmen Tchittue Living One Business für den Bau der Medi-One Primary Medicine Clinic in Luanda. Das Privatkrankenhaus soll 120 Millionen US$ kosten und über ein Dialysezentrum verfügen. Zudem nannte das Unternehmen Pläne, weitere 375 Millionen US$ in den Bau von Provinzkrankenhäusern stecken zu wollen.

Landwirtschaft, Forstwirtschaft, Fischerei: Agrarpark zieht Investitionen an

In Angola schlummert ein gigantisches Anbaupotenzial. Rund 35 Millionen Hektar eignen sich für den Ackerbau, wovon zurzeit lediglich 14 Prozent genutzt werden. Ein Großteil ist durch einfache Subsistenzlandwirtschaft geprägt. Der Mechanisierungsgrad ist noch gering, landesweit dürften nur rund 100.000 Hektar maschinell bearbeitet werden. Im Jahr 2017 wurden aber einige Großinvestitionen in den Agro-Industrial Complex Capanda bekanntgegeben. Die Unternehmen Cimagro, Odebrecht Angola, APB und Sagia wollen insgesamt 310 Millionen US$ investieren. Auf einer Fläche von 35.000 Hektar ist der Anbau von Getreide, Gemüse und Obst geplant. Die französische Castel-Gruppe hat vor, auf 4.500 Hektar Getreide für die lokale Bierproduktion anzubauen. Bereits im Betrieb befindet sich eine Zuckerrohrplantage von Biocom mit 40.000 Hektar.

Bergbau: Großinvestition in Diamantenmine

Bislang konzentriert sich die Bergbauindustrie auf den Abbau von Diamanten. Die Jahresproduktion von circa 9 Millionen Karat wird zu 75 Prozent durch die Catoca Mining Company erzeugt, einem Joint Venture zwischen der staatlichen Endiama und der russischen Alrosa. Zusammen planen die Partner bis 2020 den Bau der Luaxe-Diamantenmine für 1 Milliarde US$. Die Abbaustätte soll 10 Millionen Karat pro Jahr fördern und den Gesamtoutput verdoppeln. Nach Angaben von Alrosa lagern im Boden Angolas noch Diamantenvorkommen von 1 Milliarde bis 1,5 Milliarden Karat, was eine Reihe weiterer Investitionen auslösen könnte. Zudem plant die brasilianische Vale Fertil und auch die australische Minbos Resources den Abbau von Phosphat. Rift Valley Resources entwickelt das Ozango-Projekt für seltene Erden und Kupfer.

Öl/Gas: Erdölproduktion soll zulegen

Angola dürfte die Erdölproduktion von rund 1,7 Millionen bpd (2017) auf etwa 2,1 Millionen bpd (2022) steigern. Wichtigstes Vorhaben ist die Erschließung des Kaombo-Feldes durch Total. Dieses soll ab 2018 rund 230.000 bpd produzieren, wofür etwa 16 Milliarden US$ investiert werden. Eni konzentriert sich auf die weitere Erschließung des Blocks 15/06. Die Produktionsleistung soll um 50.000 Barrel auf insgesamt 200.000 bpd gesteigert werden. BP nannte Pläne, die Förderung bis 2020 von derzeit rund 300.000 auf 480.000 bpd zu erhöhen. Aufgrund des niedrigen Ölpreises wurde die Vergabe von acht Explorationslizenzen in den Onshore-Blöcken des Kwanza-Beckens 2017 jedoch ausgesetzt. Insgesamt werden in Angola Erdölreserven von circa 10 Milliarden Barrel vermutet.

Nahrungsmittelindustrie: Fokus liegt auf der Getränkeherstellung

Der Bedarf an Nahrungsmitteln kann in vielen Bereichen nur zu 10 bis 20 Prozent aus inländischer Produktion gedeckt werden. Es mangelt insbesondere an lokalen Wertschöpfungsketten, so müssen Molkereibetriebe Milch aus Neuseeland einführen. Über nennenswerte Kapazitäten für die Eigenversorgung verfügt bislang nur die Getränkeindustrie. Zu den großen Getränkeherstellern zählen Refriango, Cuca und Sodiba. Im Jahr 2017 kündigte die Grupo Sun Ocean Investitionen von 50 Millionen US$ an. Die Anlage mit einer Kapazität von 80 Millionen Liter pro Jahr soll unter anderem Fruchtsäfte produzieren. Fortschritte gab es bei der Fischverarbeitung, die Unternehmen Pes-Sul und Nova Vida eröffneten neue Betriebsstätten. Pes-Sul produziert Dosenfisch und plant die Herstellung von Fischpaste.

Metallindustrie: Produktion von Roheisen gestartet

In Angola entsteht eine lokale Metallindustrie. Das Unternehmen Companhia Siderurgica do Cuchi (CSC) realisierte 2016 ein Vorhaben zur Herstellung von 96.000 Tonnen Roheisen pro Jahr. Die Investitionssumme wird mit 200 Millionen US$ angegeben. In der 2. Phase des Vorhabens ist ein Kapazitätsausbau auf 420.000 Tonnen/Jahr vorgesehen. Versorgt wird das Werk aus einer dazugehörigen Eisenerzmine in Cutato. CSC ist ein Joint Venture der staatlichen Ferrangol, der Cuando Cubango Mining Company sowie der brasilianischen Modulax-Gruppe. Das produzierte Roheisen kann über die sanierte Mocamedes-Eisenbahnlinie und den Hafen in Namibe exportiert werden. Im Jahr 2017 kündigte Ferrangol an, die Entwicklung der Cassinga-Eisenerzmine wieder aufnehmen zu wollen. Die Mine soll pro Jahr 1,8 Millionen Tonnen produzieren.

Nahrungsmittelmarkt: Zollerleichterungen für bestimmte Nahrungsmittel

Der Aufbau einer breit aufgestellten Nahrungsmittelindustrie wird noch viele Jahre in Anspruch nehmen, sodass Angola über lange Sicht von Importen abhängig bleibt. Die Regierung arbeitet derzeit an einer Reform der Zolltarife, um die Einfuhr von bestimmten Lebensmitteln zu vereinfachen. Die hohen Einfuhrabgaben hatten zuletzt die Inflation beschleunigt. Profitieren sollen unter anderem alkoholische Getränke, Obst, Gemüse, Pflanzenöl und Schaffleisch. Der Einzelhandel wird noch zu etwa 80 Prozent durch den informellen Sektor abgewickelt. Die größten Supermarktketten sind Nosso Super, Shoprite, Maxi Cash n Carry und Kero. Die südafrikanische Shoprite will in den kommenden fünf Jahren insgesamt 570 Millionen US$ in Angola investieren und 22 neue Geschäfte eröffnen.

Kfz-Markt: Freier Fall der Absatzzahlen könnte 2018 gestoppt werden

Der Kfz-Absatz in Angola steckt in der Krise. Noch 2014 wurden insgesamt 44.536 Fahrzeuge verkauft. In den Jahren 2015 und 2016 erfolgte mit Verkaufszahlen von 20.471 beziehungsweise 9.149 Fahrzeugen ein massiver Einbruch. Ursache ist neben der schwachen Wirtschaftslage die Abwertung der Landeswährung Kwanza, beispielsweise gegenüber dem US$ um 27 Prozent (2016). Im Jahr 2017 dürfte sich der Abwärtstrend weiter fortsetzen, der Absatz könnte auf etwa 5.400 Einheiten sinken. Für 2018 hofft der lokale Automobilverband auf eine leichte Trendwende: Insgesamt könnten wieder rund 6.250 Kfz verkauft werden. Seit 2014 dürfen nur noch Gebrauchtwagen, die nicht älter als drei Jahre sind, nach Angola eingeführt werden. Im Rahmen einer geplanten Zollreform könnte es Tariferleichterungen für Kfz geben.

Einen Ausblick auf die gesamtwirtschaftliche Entwicklung finden Sie unter: http://www.gtai.de/GTAI/Navigation/DE/Trade/Maerkte/Wirtschaftsklima/wirtschaftsausblick,t=wirtschaftsausblick-november-2017--angola,did=1825316.html

Dieser Artikel ist relevant für:

Angola Land- und Forstwirtschaft, Fischerei, allgemein, Nahrungs- und Genussmittel, allgemein, Energie, Wasser, Wärme, allgemein, Bauwirtschaft, allgemein, Chemische Industrie, allgemein, Metallerzeugung, -verarbeitung, allgemein, Bergbau / Rohstoffe, allgemein, Gesundheitswesen allgemein, Medizintechnik, allgemein, Fahrzeuge, -zubehör, allgemein, Öl, Gas

Funktionen

Kontakt

Edith Mosebach

‎+49 228 24 993 288

Suche / Mann mit Lupe | © GettyImages/BernardaSv

Suche

Recherchieren Sie aktuelle Marktanalysen, Wirtschaftsdaten, Zoll- und Rechtsinformationen, Projekte und Ausschreibungen aus über 120 Ländern.

Zur Suche