Branchencheck

24.01.2018

Branchencheck Deutschland (Januar 2018)

Inhalt

Investitionsbelebung und Konsumwachstum / Von Guenter Maier

Berlin (GTAI) - Seit acht Jahren expandiert die deutsche Wirtschaft. Mittelfristig sind die Prognosen für Industrie und Handel günstig. Der deutsche Markt besitzt in Europa das größte Absatz- und Beschaffungspotenzial. Für alle nachfolgend skizzierten Produktmärkte hegen Unternehmen und Verbände beachtliche Wachstumserwartungen. Bedeutende Zukunftsfelder der deutschen Wirtschaft sind die Digitalisierung, Elektromobilität, Energieeffizienz und Nachhaltigkeit in der Produktion.

Maschinenbauindustrie: Branche spürt internationale Konjunkturbelebung

Der Maschinen- und Anlagenbau in Deutschland erwartet auch 2018 wieder ein wertmäßiges Produktionswachstum von 3 Prozent. Die Digitalisierung wird den Maschinenbau künftig noch stärker prägen, treiben doch die Maschinenbauer selbst die Digitalisierung und Vernetzung der Wirtschaft voran. Der Bereich Herstellung von Verbrennungsmotoren und Turbinen (ohne Motoren für Luft- und Straßenfahrzeuge) ist mit einem Jahresumsatz von über 35 Milliarden Euro das bedeutendste Segment. Die Produktqualität genießt international eine exzellente Reputation. Mit circa 5.300 Branchenunternehmen mit mehr als 20 Arbeitnehmern ist die Produktion hochgradig diversifiziert. Der Maschinen- und Anlagenbau ist mit 1,35 Millionen Erwerbstätigen der größte industrielle Arbeitgeber in Deutschland.

Chemieindustrie: Mittelfristig Wachstumsdynamik bei anhaltend hoher Nachfrage

Die Produktion in Deutschlands Chemieindustrie stieg 2017 um 2,5 Prozent. Der Umsatz wuchs um 5,5 Prozent auf circa 195 Milliarden Euro, wovon 74,4 Milliarden Euro (+4,5 Prozent) im Inland erzielt wurden. Für 2018 rechnet der Chemieverband VCI mit einem Produktionsplus von 2 Prozent und einem Umsatzanstieg von 3 Prozent. Ein Hauptproblem der Branche bilden energiepolitische Maßnahmen, die Strompreiserhöhungen bewirken. Mit rund 451.000 Arbeitnehmern steht die chemisch-pharmazeutische Industrie als drittgrößter Industriezweig am Anfang der industriellen Wertschöpfungskette. Sie produziert in circa 2.000 Unternehmen in Deutschland und 1.500 Betrieben im Ausland wesentliche Vorleistungsgüter. Nur 23 Prozent der Chemieprodukte gehen direkt an den Endverbraucher. Die Branche investiert circa 7 Milliarden Euro jährlich in Deutschland.

Energiewirtschaft: Effizienz und Ausbau der Erneuerbaren

Durch die deutsche Energiewende soll der Ausbau erneuerbarer Energien die Abhängigkeit von fossilen Brenn-, Kraft- und Heizstoffen vermindern und die Energieversorgung klimaverträglicher machen. Der Anteil erneuerbarer Energien am Stromverbrauch soll in Deutschland von 32 Prozent (2017) auf 40 bis 45 Prozent (2025) klettern. Windenergie an Land und auf See hat einen Anteil von rund zwölf Prozent an der deutschen Stromerzeugung. Das Erneuerbare-Energien-Gesetz 2017 (EEG) regelt, dass die Vergütung erneuerbaren Stroms durch Ausschreibungen am Markt ermittelt wird. In den ersten drei Ausschreibungsrunden gingen von 61 (67; 70) Zuschlägen im Bieterverfahren 60 (60; 65) Projekte an Bürgerenergiegesellschaften, 1 (7;5) Projekt/e an sonstige Akteure. Die Plattform SMARD informiert über aktuelle Entwicklungen am Strommarkt: http://www.smard.de

Bauwirtschaft: Mehr Digitalisierung, Wohnungsbau als treibende Kraft

Der Anteil der Bauinvestitionen am Bruttoinlandsprodukt (BIP) liegt bei etwa 10 Prozent. Im Jahr 2017 verzeichnete die Baubranche eine anhaltend steigende Nachfrage nach Bauleistungen. Der Wohnungsbau, die wichtigste Sparte mit rund 61 Prozent Anteil an den Bauinvestitionen, expandiert voraussichtlich auch 2018 überdurchschnittlich. Der Wirtschaftsbau macht 27 Prozent der Bautätigkeit aus, der öffentliche Bau knapp zwölf Prozent. Der Anstieg der Bauinvestitionen (real) wird für 2018 von den Instituten in Höhe von 2,9 bis 4,1 Prozent prognostiziert. Rund 61 Prozent der Bauunternehmen nutzen die neuen digitalen Technologien zur besseren Planung und Steuerung betrieblicher Abläufe. Nur 9 Prozent sehen sich als digital nahezu voll entwickelt. Hemmnisse bestehen für Bauunternehmen bei der Massendatenverarbeitung, dem 3D-Druck sowie vernetzten Prozessen und Produkten.

Gesundheitswirtschaft: Mikroelektronik und Produktvielfalt beleben das Geschäft

Die Gesundheitswirtschaft steht wegen des demografischen Wandels anhaltend unter Kostendruck. Außerordentliche Wachstumsmärkte sind Life Sciences und Digital Healthcare. Produktneuheiten sind gefragt. Kleine und mittlere Unternehmen geben 10 Prozent und mehr ihres Umsatzes für Forschung und Entwicklung aus. Im deutschen eHealth-Markt soll der Umsatz 2018 etwa 491 Millionen Euro betragen, bis 2020 dürfte er das Niveau von 662 Millionen Euro erreichen. Der Großhandelsumsatz mit pharmazeutischen, medizinischen und orthopädischen Erzeugnissen soll laut Statista von rund 120 Milliarden Euro (2016) auf 126 Milliarden Euro 2018 zulegen. Der Umsatzanstieg für medizinische und zahnmedizinische Apparate und Materialien (2016: 24 Milliarden Euro) wurde auf 25,1 Milliarden (2017) beziehungsweise 26 Milliarden Euro (2018) prognostiziert.

Elektronikindustrie: Schlüsselsektor der Wirtschaftsentwicklung

Der Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie (ZVEI) prognostizierte für den deutschen Markt für elektrotechnische und elektronische Erzeugnisse für 2018 eine Zuwachsrate von real 2 Prozent. Die Auftragslage in der deutschen Elektroindustrie verzeichnete in den ersten drei Quartalen 2017 ein um circa 10 Prozent höheres Niveau als 2016. Entwicklungen in der Messtechnik und Prozessautomation beschleunigen den digitalen Wandel. Die Nachfrage nach Industrie-4.0-Lösungen expandiert erheblich. Wachstumstreiber sind die Sparten Speichertechnologie und die hohe Nachfrage aus dem Automotive-Bereich. Der deutsche Halbleitermarkt expandierte 2017 um 15 Prozent auf nahezu 13 Milliarden Euro; für 2018 rechnet der ZVEI mit einem Wachstum am Inlandsmarkt von 4 Prozent. Die deutsche Elektroindustrie profitiert von mehr Aufträgen aus China, den USA und Europa.

Kfz-Industrie: Volle Fahrt in Richtung technologische Zukunft

Der Umsatz im Segment Automobile beträgt am deutschen Markt 2018 schätzungsweise 351,1 Milliarden Euro. Bis 2021 soll das Marktvolumen circa 374,5 Milliarden Euro erreichen. Die mittelfristige Geschäftslage für die deutsche Automobilzulieferindustrie gilt als günstig. Am Kraftfahrzeugmarkt wächst besonders die Nachfrage nach digitalen Lösungen (Connected car, Kfz mit Internetzugang etc.). Der Ausbau der Elektromobilität bleibt ein Thema von herausragender wirtschaftlicher Bedeutung. Laut Prognose von Statista wird die Herstellung von Kfz-Teilen wie Bremsen, Getrieben, Achsen, Sitzen voraussichtlich von circa 126 Milliarden (2016) auf 131 Milliarden Euro (2019) steigen. Die Herstellung elektrischer und elektronischer Ausrüstungen für Kfz soll sich im Zeitraum 2016 bis 2018 von 8,25 Milliarden auf etwa 8,39 Milliarden Euro erhöhen.

Umwelttechnik (Recycling): Umsetzung der Kreislaufwirtschaft gefordert

Verbände der Kreislauf- und Recyclingwirtschaft fordern von Politik und Öffentlichkeit den Ausbau der nachhaltigen Kreislaufwirtschaft. Die Unternehmen der Kreislaufwirtschaft bilden das Rückgrat der Green Economy in Deutschland. Sie stellen 250.000 Arbeitsplätze und erzielen eine Bruttowertschöpfung von 25 Milliarden Euro im Jahr. Ab 1. Januar 2019 gilt ein neues Verpackungsgesetz in Deutschland. Die von Industrie und Handel finanzierten dualen Systeme müssen höhere Recyclingquoten erreichen. Bei Kunststoffverpackungen steigt die Quote von 36 auf 63 Prozent bis 2022. Jeweils 90 Prozent sind für Wertstoffe wie Eisenmetalle, Aluminium, Glas, Papier, Pappe, Karton und Getränkekartons vorgeschrieben. Für Anbieter innovativer Recyclingtechnologien eröffnen sich Geschäftschancen bei Verpackungsmaterialien.

Nahrungsmittelindustrie: Gemäßigtes, solides Wachstum

Die Hersteller der deutschen Lebensmittel- und Getränkeindustrie beurteilen die mittelfristige Nachfrageentwicklung und Absatzperspektive mehrheitlich als günstig. In Deutschlands Ernährungsindustrie waren 2016 ungefähr 5.940 Betriebe (+2,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahr) mit insgesamt 580.030 Beschäftigten (+1,9 Prozent) aktiv. Rund 90 Prozent aller Betriebe sind kleine und mittlere Unternehmen. Es gibt in nahezu allen Produktsegmenten eine eigene Fertigung in Deutschland. Um wettbewerbsfähig zu bleiben, haben sich die Branchenfirmen zunehmend in globale Lebensmittelketten integriert. Der Herstellerumsatz der deutschen Ernährungsindustrie beträgt rund 176 Milliarden Euro (2017). Bei Investitionen achten die Produzenten zunehmend auf Umweltaspekte, Energieeinsparung, Rohstoffeffizienz und Nachhaltigkeit.

Nahrungsmittelmarkt: Extreme Konkurrenz und Marktmacht der Großanbieter

Deutschlands Nahrungsmittelmarkt ist stabil und weiter auf Expansionskurs. Die Verbraucher sind für Innovationen und gesundheitsbewusste Ernährung aufgeschlossen. Sie gaben 2016 rund 10,5 Prozent vom verfügbaren Einkommen für Nahrungsmittel und alkoholfreie Getränke aus. Hauptargumente für den Erwerb eines Produktes sind die Qualität, der Angebotspreis und individuelle Präferenzen. Der Umsatz im Lebensmitteleinzelhandel erreichte 2016 insgesamt 195,5 Milliarden Euro. Hoch ist die Konzentration auf der Anbieterseite: 72 Prozent der Marktanteile halten nur fünf Großunternehmen (Edeka-Gruppe, Rewe-Gruppe, Schwarz-Gruppe, Aldi-Gruppe und Metro-Gruppe). Bioprodukte sind ein Wachstumstreiber. Gefragt sind ferner: Superfoods, vegetarische/vegane Nahrungsmittel, gluten- sowie laktosefreie Produkte.

Dieser Artikel ist relevant für:

Deutschland Nahrungs- und Genussmittel, allgemein, Energie, Wasser, Wärme, allgemein, Bauwirtschaft, allgemein, Umweltschutz, Entsorgung, Klimaschutz, allgemein, Chemische Industrie, allgemein, Gesundheitswesen allgemein, Fahrzeuge, -zubehör, allgemein, Maschinen- und Anlagenbau, allgemein, Elektronik, allgemein

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