Branchencheck

07.03.2018

Branchencheck Katar (Februar 2018)

Inhalt

Spannungen mit GCC-Ländern und niedrige Gaspreise dämpfen das Geschäftsklima / Katrin Pasvantis

Dubai/Doha (GTAI) - Katar ist in den meisten Sektoren stark importabhängig. Seit Beginn der Handelsblockade durch unter anderem Saudi-Arabien und die VAE mussten neue Handelswege und Lieferanten gefunden werden. Außerdem stößt die Blockade Investitionen in lokale Fertigungen an. Die Projekttätigkeit hat infolge der niedrigen Energiepreise aber nachgelassen. Priorität bei staatlichen Vorhaben genießen Infrastruktur in Zusammenhang mit der WM 2022 und der Ausbau der Gasförderung.

Kfz-Markt: Talfahrt geht weiter

Der Neuwagenmarkt ist von Januar bis November 2017 im Vorjahresvergleich um 24 Prozent auf 47.402 Autos zurückgegangen, meldet der Informationsdienst "BestSellingCars". Damit setzt der Automarkt die 2016 begonnene Talfahrt (-26 Prozent auf 72.312) fort. Die Aussichten für 2018 sind kaum besser. Niedrige Energiepreise und die Handelsblockade dämpfen das Wirtschaftswachstum und den Konsum. Das Bevölkerungswachstum hat nachgelassen, zahlreiche ausländische Arbeitskräfte haben das Land verlassen. Marktführer im PKW-Segment von Januar bis November 2017 bleibt Toyota, obwohl der Absatz im Vorjahresvergleich um 30 Prozent eingebrochen ist (Marktanteil: 32 Prozent), gefolgt von Nissan (16 Prozent) und Mitsubishi (8 Prozent). Unangefochtener Bestseller war Toyotas Land Cruiser (13 Prozent). Katars Fahrzeugbestand dürfte bei rund 1 Million liegen.

Maschinenbauindustrie

Der Maschinenmarkt wird über Importe gedeckt. Informationen zur lokalen Industrie liegen mangels relevanter Masse nicht vor.

Chemieindustrie: Keine größeren Investitionen geplant

Der blockierte Warenverkehr mit und über die GCC-Partner VAE, Saudi-Arabien und Bahrain beeinträchtigt auch die Chemieindustrie Katars. Große Nachfragerückgänge blieben dem Vernehmen nach aber aus. Unabhängig von der Krise erwartet BMI Research bis 2023 keine neuen Kapazitäten bei Basischemikalien oder Polymeren. Niedrige Ölpreise und ein Überangebot in wichtigen Exportmärkten schmälern die Wettbewerbsfähigkeit und machen zusammen mit höheren Kapitalkosten neue Projekte unwirtschaftlich. Eine Steigerung der Gasförderung im North Field könnte längerfristig den Ausbau der Petrochemie begünstigen. Katars Chemieindustrie hatte laut dem Fachverband GPCA 2014 eine Kapazität von 18,3 Millionen tpa und exportierte 13,8 Millionen tpa. Katar ist nach Saudi Arabien der zweitgrößte Chemieexporteur des GCC.

Energiewirtschaft: Stromerzeugung wird ausgebaut

Katars staatlicher Strom- und Wassererzeuger Kahramaa evaluiert Gebote für den Bau der Anlage E des "Umm Al Houl Combined Power Plant". Das als IWPP geplante Kraftwerk für rund 3 Milliarden US-Dollar (US$) soll eine Kapazität von 2.000 bis 2.500 MW haben und 2020 fertiggestellt werden. Siemens gehört zu den dreizehn präqualifizierten Firmen. Anlage D soll 2018 komplett ans Netz gehen; Siemens liefert die Turbinen und Generatoren. Der private Strom- und Wassererzeuger QEWC erwarb hat im September 2017 Land für den Bau einer 500 MW Solaranlage, die Gesamtinvestition beläuft sich voraussichtlich auf 500 Millionen US$. Die Kapazität aller Kraftwerke des Landes betrug 2016 etwa 8,8 GW (Spitzenlast: 8,2 GW). Katars Stromverbrauch stieg Kahramaa zufolge zwischen 2006 und 2016 um durchschnittlich 7,7 Prozent pro Jahr.

Bauwirtschaft: Befürchtete Engpässe blieben aus

Verzögerungen bei Schlüsselprojekten durch Engpässe bei Baumaterialien und Ausrüstung infolge der Blockade konnten dem Vernehmen nach durch Lagerbestände und den Aufbau neuer Lieferketten weitgehend gemildert werden. Laufende Projekte werden in der Regel fortgeführt und auch neue ausgeschrieben. Allerdings verlor die Projekttätigkeit seit Einbruch der Energiepreise 2014 beträchtlich an Schwung, und für das laufende Jahr zeichnet sich bei anhaltend niedrigen Ölpreisen keine Besserung ab. Priorität genießen Projekte, die für die WM 2022 als erforderlich erachtet werden, wie die Erweiterung der Doha Metro und größere Straßenbauprojekte. Der Projektdatenbank Meed zufolge wurden 2017 Aufträge im Wert von rund zehn Milliarden US$ vergeben (2016: 15 Milliarden US$; 2015: 29 Milliarden US$; 2014: 36 Milliarden US$).

Gesundheitswirtschaft: Krankenhausprojekte gestoppt

Die Nachfrage nach Medizintechnik schwächelt, neue Krankenhausprojekte kommen langsam voran. BMI Research bleibt aber bei seiner Prognose, dass der Absatz von Medizintechnik von 2015 bis 2020 auf 360 Millionen US$ steigen wird (CAGR: 6 Prozent). Importe decken den Großteil der Nachfrage. 2016 gingen die Einfuhren um 14 Prozent auf 222 Millionen US$ zurück, erste Daten für 2017 deuten auf weiter rückläufige Einfuhren hin. Bei den beiden wichtigsten Lieferländern ist das Bild geteilt: während die USA für Januar bis August 2017 ein Plus von 13 Prozent auf 20 Millionen US$ melden, gingen deutsche Lieferungen um 7 Prozent auf 16 Millionen Euro zurück. Katar will die Anzahl der staatlichen Krankenhausbetten bis 2022 auf 4.700 ausbauen (Schätzung 2015: 2.707 Betten in 11 staatlichen und 284 Betten in 4 privaten Hospitälern).

Öl / Gas: Milliardeninvestitionen in der Pipeline

Die Öl- und Gasexporte in die Blockade-Länder laufen weiter. Katar kündigte im Juli 2017 an, seine Kapazitäten an Flüssigerdgas (Liquefied Natural Gas, LNG) bis 2025 von 77 Millionen Tonnen pro Jahr (Jato) auf 100 Millionen Jato zu erhöhen. Das Emirat ist der weltgrößte LNG-Exporteur, baute die Exportkapazitäten aber seit 2011 nicht weiter aus. Investiert wird in neue Förderkapazitäten, besonders im mit Iran geteilten North Field, und in die Steigerung der Effizienz bestehender Projekte. Zurzeit sind 14 Verflüssigungsstränge in Betrieb. Das sogenannte Debottlenecking soll zusätzliche zwölf Millionen Jato ermöglichen. Die japanische Chiyoda Corporation arbeitet an einer Studie. Die erste Phase des Barzan Gas Projects wurde 2016 fertig gestellt, die zweite Phase ist on-hold. Der Zusammenschluss von Qatargas and RasGas zu Qatargas wurde Anfang 2018 abgeschlossen.

Umwelttechnik (Wasser und Abfall): Wasserprojekte in der Planung

Die Evaluierung der Gebote für den Bau der Anlage E des IWPP "Umm Al Houl Combined Power Plant" läuft. Geplante Fertigstellung ist 2020 mit einer Kapazität von 60 bis 100 Millionen Gallonen Wasser pro Tag. Siemens gehört zu den dreizehn präqualifizierten Firmen. Kahramaa diskutiert mit Monsson Energy AB und Sweco AB aus Schweden den Bau einer nur mit Wind und Solarkraft (jeweils 200 MW) betriebenen Entsalzungsanlage (2 Milliarden US$). Die Pläne für eine Entsalzungsanlage in Ras Abu Fontas (A4) wurden aufgegeben. Bewegung scheint in die Vergabe des Beraterauftrags für die South Wakraj Pumping Station von Ashgal (150 Millionen US$) zu kommen. Bis 2026 sollen 40 Trinkwasserreservoirs mit einer Gesamtkapazität von 3.800 Millionen Gallonen entstehen. Teils ist der Bau weit fortgeschritten, teils verzögert sich die Auftragsvergabe erheblich. Zwischen 2006 und 2016 legte Katars Wasserverbrauch Kahramaa zufolge um durchschnittlich acht Prozent pro Jahr zu.

Nahrungsmittelindustrie: Lokal produziert statt importiert

Der Aufbau einer eigenen Lebensmittelindustrie hat seit der Blockade deutlich Schwung aufgenommen. Saudi Arabien zählte zu den wichtigsten Lieferländern. Vor allem zu Beginn der Blockade kam es zu Engpässen, insbesondere bei Milcherzeugnissen, die größtenteils vom saudischen Großproduzenten Almarai stammten. Katar organisierte innerhalb weniger Tage Lebensmittelimporte auf dem Luftweg aus der Türkei und flog beispielsweise Kühe aus Deutschland zum Aufbau einer eigenen Milchproduktion ein. Die Nahrungsmittelindustrie wird weiter im Fokus der Initiativen zum Aufbau lokaler Produktion stehen. Private Investitionen werden gefördert und seit Blockadebeginn sind zahlreiche Projekte angestoßen worden.

Einen Ausblick auf die gesamtwirtschaftliche Entwicklung finden Sie unter: http://www.gtai.de/GTAI/Navigation/DE/Trade/Maerkte/Wirtschaftsklima/wirtschaftsausblick,t=wirtschaftsausblick-februar-2018--katar,did=1882318.html

Dieser Artikel ist relevant für:

Katar Nahrungs- und Genussmittel, allgemein, Energie, Wasser, Wärme, allgemein, Bauwirtschaft, allgemein, Umweltschutz, Entsorgung, Klimaschutz, allgemein, Chemische Industrie, allgemein, Gesundheitswesen allgemein, Medizintechnik, allgemein, Fahrzeuge, -zubehör, allgemein, Maschinen- und Anlagenbau, allgemein, Öl, Gas

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