Branchencheck

15.01.2018

Branchencheck Liberia (Januar 2018)

Inhalt

Wirtschaftlicher Niedergang bietet Chancen in Nischenmärkten / Von Carsten Ehlers

Monrovia (GTAI) - Liberias Wirtschaft ist in vielen Teilen in schlechtem Zustand. Schon seit Jahren geht der Trend weg von der lokalen Produktion hin zum Import selbst einfachster Produkte. Beim Handel bestehen Geschäftschancen auch für deutsche Unternehmen. Selbst der Import ist jedoch schwierig, weil die größeren Handelsvertretungen seit Jahren schlechte Geschäfte verzeichnen und ihre Kapazitäten herunterfahren.

Energiewirtschaft: Mount Coffee Wasserkraftwerk verbessert Stromversorgung

Chancen bestehen beim Verkauf von Dieselgeneratoren, unter Umständen mit Solarzusatz. Die Stromversorgung in Monrovia ist besser und billiger geworden, seitdem das Mount Coffee Wasserkraftwerk (80 Megawatt) wieder Strom produziert. Mit deutscher Beteiligung (KfW) wurde das Kraftwerk Ende 2016 wieder ans Netz gebracht. Auch versuchen die Geber, den nationalen Stromversorger Liberia Electricity Corporation (LEC) zu kommerzialisieren. Mit 60 Millionen US-Dollar (US$) finanziert die Weltbank das Liberia Accelerated Electricity Expansion Project (LACEEP). Auch Deutschland unterstützt mit 15 Millionen Euro das Verlegen von Stromanschlüssen im Großraum Monrovia. Mit nur etwa zwei Prozent liegt die Anschlussrate in Liberia auch für afrikanische Verhältnisse sehr niedrig.

Bauwirtschaft: Deutsches Gerät hat bei Verleih Einsatzchancen

Angesichts der schlechten Lage des liberianischen Bausektors dürften Geschäftschancen vor allem beim Verleih von Gerät bestehen oder beim Kauf gebrauchter Maschinen. Neues hochwertiges Gerät können sich die Unternehmen derzeit kaum leisten. Im bauintensiven Bergbau wird derzeit kaum investiert. Private Bauvorhaben bei Wohnungen, Hotels, Büros oder Supermärkten gibt es nur wenige. Dominiert wird der Markt von kleineren libanesischen und chinesischen Baufirmen, deren Professionalisierungsgrad gering ist. Beschafft werden oft minderwertige Baumaschinen und Werkzeuge. Im Rahmen von geberfinanzierten Projekten kommen vereinzelt Baufirmen für die Durchführung eines Projektes ins Land (Japaner für den Bau des Somali-Drive, Italiener für den Bau des Executive Mansion).

Gesundheitswirtschaft: Aufbau des Nötigsten

Lieferchancen im Gesundheitssektor bestehen, da viel Gebergeld in diesen Bereich fließt. Nachdem die Ebola-Epidemie fast überstanden scheint, haben sich viele Organisationen auf den Aufbau des während des Bürgerkriegs (1989 bis 2003) weitgehend zerstörten Sektors konzentriert. Im Mittelpunkt steht die Ausbildung von medizinischem Personal sowie die Versorgung und Wartung von Medizin- und Labortechnik. Eines der großen Geberprojekte ist das 2015 von USAid initiierte "Collaborative Support for Health" für 57 Millionen US$. Auch die Weltbank engagiert sich mit 15 Millionen US$ im Rahmen des Projektes "Liberia Health Systems Strengthening". Mit dem Jackson F Doe Memorial Hospital in Tappita wurde ein neues Krankenhaus gebaut. Bestehende Krankenhäuser wie das große John F. Kennedy Center in Monrovia werden renoviert.

Landwirtschaft: Kaum Investitionen aufgrund der Instabilität

Trotz großen Potenzials gibt es in der Landwirtschaft nur geringe Aktivitäten. Für den lokalen Bedarf werden vor allem Reis und Kassava in der Regel von Kleinbauern angebaut. Kakao, Kaffee, Palmöl und Kautschuk werden für den Export auf größeren Plantagen produziert, die jedoch seit Jahren kaum Investitionen erfahren. Im Rahmen des Smallholder Agricultural Productivity Enhancement and Commercialization Project (SAPEC) finanzieren Geber Reisverarbeitungsmaschinen, die Kleinbauern zur Verfügung gestellt werden sollen. Außer Bananen werden kaum Tropenfrüchte angebaut, die in den Supermärkten Monrovias verkauft werden können. Papaya und Ananas müssen aus Côte d'Ivoire importiert werden. Liberia verfügt über keinerlei Hühnerfabriken. Eier werden aus Übersee eingeführt.

Bergbau: Niedriger Eisenerzpreis sorgt für Flaute

Kaum Aktivitäten sind derzeit im Bergbau zu verzeichnen. Für deutsche Zulieferer von Bergbautechnik und Baumaschinen dürfte Liberia erst wieder interessant werden, wenn die Eisenerzpreise deutlich ansteigen. Nur dann ist mit umfangreichen Investitionen zu rechnen. Insbesondere der Eisenerzbergbau ist wichtig für das Land, aufgrund der niedrigen Weltmarktpreise investieren die beiden großen Mineneigner China Union (Bong-Mine) und ArcelorMittal kaum noch. Im Jahr 2016 ging die erste Goldmine namens New Liberty durch die britische Aureus Mining in Betrieb. Aureus hat die Mine inzwischen an einen türkischen Eigner verkauft.

Nahrungsmittelindustrie: ECOWAS-Zollunion sorgt für mehr Konkurrenz

Lieferchancen für deutsche Ausrüster bestehen, sobald die wenigen lokalen Akteure ihre Anlagen modernisieren. Derzeit wird kaum in die Nahrungsmittelindustrie investiert, die sich ohnehin auf einem äußerst niedrigen Niveau befindet. Auch die Aussichten auf neue Projekte sind gering. Eine vor wenigen Jahren von Libanesen errichtete Keksfabrik (Tiba) läuft nicht, weil im Rahmen der ECOWAS-Zollunion nun Nahrungsmittel zollfrei aus anderen westafrikanischen Staaten eingeführt werden können. Die Kekse und anderes kommen daher aus dem nächstgelegenen Industriezentrum Abidjan in Côte d'Ivoire. Da die Landwirtschaft nicht liefern kann, basieren die wenigen Fabriken auf importierten Rohstoffen, wie die Weizenmühle, die das importierte Mehl nur noch verpackt oder die Brauerei Monrovia Breweries.

Umwelttechnik: Zunehmendes Umweltproblem im Großraum Monrovia

Wenige Liefer- und Beratungschancen bietet derzeit der Umweltbereich, da er mit Ausnahme der Wasserversorgung keine Priorität bei den Gebern genießt. In sehr schlechtem Zustand befindet sich die größtenteils mit deutscher Technik errichtete städtische Wasserinfrastruktur in Liberia. Der städtische Wasserversorger Liberia Water & Sewer Corporation (LWSC) ist marode und mit den anstehenden Aufgaben überfordert. Geberprogramme sollen für Besserung sorgen. Größtes Projekt ist das Ende 2015 von der Millennium Challenge Corporation (MCC) beschlossene Compact über 257 Millionen US$. Weitere Geber wie die EU, die Weltbank und die Afrikanische Entwicklungsbank (AfDB) engagieren sich. Abfall- und Abwasserentsorgung findet kaum statt.

Informations- und Kommunikationswirtschaft: Fiberoptikkabel werden verlegt

Hoher Wettbewerb zwischen den beiden etwa gleichstarken Mobilfunknetzbetreibern MTN und Orange sorgte dafür, dass in den vergangenen Jahren die Preise für Mobilfunknutzung auf ein sehr niedriges Niveau gesunken sind. Die Netze sind in den Städten gut ausgebaut. In den Städten kann 3G genutzt werden. Internationale Bandbreite ist durch die Verbindung zu mehreren entlang der westafrikanischen Küste verlaufenden Unterseekabeln kein Problem. Investitionsbedarf besteht noch bei Fiberoptikkabeln auch in den Städten. Google verlegt in Monrovia ein Metrofibre-Kabel. Auch ist die 3G-Abdeckungsrate in ländlichen Gebieten Liberias noch recht gering. Auch hier dürfte es zu weiteren Investitionen kommen, damit Dienstleistungen wie Mobile Banking zunehmend genutzt werden können.

Nahrungsmittelmarkt: Internationale Organisationen fragen Produkte nach

Es gibt viele Marktnischen in diesem Bereich. Da in Liberia kaum etwas produziert wird, müssen fast sämtliche Nahrungsmittel eingeführt werden, selbst Eier und Tropenfrüchte. Ein in Liberia lebender deutscher Geschäftsmann importiert regelmäßig deutsche Nahrungsmittel wie Bockwürste in Dosen, Marmelade oder Fischkonserven. Durch die zahlreichen internationalen Organisationen ist der Bedarf vorhanden. Die Preise, welche verlangt werden können, sind äußerst hoch. Da die Waren in den überwiegend libanesischen Supermärkten Monrovias in US-Dollar verkauft werden, besteht ein geringes Währungsrisiko. Gut vernetzt sollte man sein, um die Ware in den Supermärkten platzieren zu können, denn die Libanesen wickeln auch den Großteil der Importgeschäfte selber ab.

Kfz-Markt: Überschwemmt von gebrauchten Fahrzeugen

Die Geschäfte laufen schlecht. Seit den 1990er Jahren dominiert Toyota in Liberia den Markt, vor allem geprägt durch den Absatz von SUV und Pick-ups. Auch Ford verzeichnet in diesem Segment noch gute Absatzzahlen, weil größere US-Institutionen im Land Ford kaufen. Mercedes-Limousinen wurden vor allem von staatlicher Seite gekauft, unter der Regierung von Präsidentin Johnson Sirleaf aber als unnötiger Luxus angesehen. Zuletzt kamen verstärkt chinesische Marken auf den Markt. Offizielle Händler haben das Problem, dass selbst staatliche Stellen lieber den inoffiziellen Weg beim Kraftfahrzeugkauf gehen. Lastkraftwagen verkaufen sich kaum noch neu, da es wenige private Abnehmer gibt. Früher waren die Holzplantagenbesitzer die großen Käufer von hochwertigen Trucks. Dieses Geschäft ist fast zum Erliegen gekommen.

Einen Ausblick auf die gesamtwirtschaftliche Entwicklung finden Sie unter: http://www.gtai.de/GTAI/Navigation/DE/Trade/Maerkte/Wirtschaftsklima/wirtschaftsausblick,t=wirtschaftsausblick-januar-2018--liberia,did=1848378.html

Dieser Artikel ist relevant für:

Liberia Land- und Forstwirtschaft, Fischerei, allgemein, Nahrungs- und Genussmittel, allgemein, EDV-, Telekommunikationsdienstleistungen, allgemein, Energie, Wasser, Wärme, allgemein, Bauwirtschaft, allgemein, Umweltschutz, Entsorgung, Klimaschutz, allgemein, Bergbau / Rohstoffe, allgemein, Gesundheitswesen allgemein, Fahrzeuge, -zubehör, allgemein

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