Branchencheck

12.01.2018

Branchencheck Litauen (Dezember 2017)

Inhalt

Neue Energiestrategie setzt auf stärkere Unabhängigkeit / Rail Baltica löst hohe Investitionen aus / Von Marc Lehnfeld

Vilnius (GTAI) - Litauens Wirtschaftswachstum wird 2018 maßgeblich von der hohen Investitionstätigkeit getragen. Weil das Produktionsniveau und die Kapazitätsauslastung auf Rekordniveau liegen, müssen viele Unternehmen investieren, um neue Aufträge zu realisieren. Die neue Energiestrategie wird Projekte bei den Erneuerbaren, vor allem im Windbereich, auslösen. Deutsche Unternehmen finden in Großprojekten interessante Einstiegsmöglichkeiten.

Maschinenbauindustrie: Gute Absatzchancen für Automatisierungslösungen

Die Nachfrage nach Maschinen und Ausrüstungen im größten baltischen Markt bleibt hoch, weil das Rekordniveau bei Produktion und Kapazitätsauslastung Modernisierungsinvestitionen oder neue Anlagen verlangt. Verstärkt wird der Investitionsdruck durch den Fachkräftemangel, weshalb Automatisierungslösungen äußerst attraktiv sind. Wichtige Treiber sind 2018 und 2019 auch angekündigte Investitionen ausländischer Unternehmen. Beispiele sind die Produktionsstätten der Automobilzulieferer Hella und Continental, an denen insgesamt etwa 145 Millionen Euro investiert werden sollen.

Weitere Informationen:

Branche kompakt: Maschinen "Made in Germany" bei litauischen Firmen stark gefragt

http://www.gtai.de/MKT201611188010

Gute Geschäfte für Maschinenbauer im Baltikum

http://www.gtai.de/MKT201612128012

Chemieindustrie: Düngemittelhersteller Lifosa will kräftig investieren

Die Erdölraffinerie von Orlen konnte Gewinn und Auslastung 2017 mithilfe des steigenden Ölpreises und der umgesetzten Modernisierung erhöhen. Neue Investitionen werden 2018 allerdings nicht erwartet. Der große Düngemittelhersteller Lifosa will insgesamt 375 Millionen Euro investieren, davon 300 Millionen Euro in die Erweiterung der Produktionsanlagen. Wegen der niedrigen Weltmarktpreise für Düngemittel seien die finalen Investitionsentscheidungen aber noch nicht gefallen.

Energiewirtschaft: Windkraft im Fokus

Es wird erwartet, dass das litauische Parlament die neue staatliche Energiestrategie mit den politischen Zielen bis 2030 alsbald beschließt. Das Papier sieht vor, die Energieimporte bis zum Jahr 2030 zu halbieren, zudem sollen bis dahin 45 Prozent der Energieerzeugung aus erneuerbaren Quellen stammen. Hier steht dann die Windkraft im Fokus, die mehr als die Hälfte (55 Prozent) der regenerativen Energie liefern soll. Bis 2030 sollen auch 500.000 Privathaushalte kleine Energiemengen selbst erzeugen. Eine weitere Priorität ist die Synchronisation des Stromnetzes mit Westeuropa. Auch sollen die Stromleitungen zwischen den drei baltischen Staaten ausgebaut werden. Das staatlich kontrollierte Energieunternehmen ESO plant die Einführung von 1,8 Millionen intelligenten Strom- und 108.000 intelligenten Gaszählern.

Bauwirtschaft: Hohe Infrastrukturinvestitionen durch Rail Baltica und Schienenelektrifizierung

Mit dem regional bedeutenden, von der EU kofinanzierten, Schienenprojekt Rail Baltica werden in Litauen Investitionen von insgesamt 1,7 Milliarden Euro ausgelöst. Zusätzlich investiert die litauische Bahn Lietuvos Gelezinkeliai 250 Millionen bis 300 Millionen Euro in die Elektrifizierung der Strecke von Vilnius nach Klaipeda. Die Ausschreibung erfolgt zum Jahreswechsel 2017/18. In den Jahren 2018 und 2019 sollen sieben Hotels mit insgesamt 900 Zimmern gebaut werden. Der Wohnungsbau wird 2018 nicht mehr so stark wie 2017 zulegen. Die Branche erwartet die Zusage von EU-Mitteln und fordert ein größeres Engagement des Staates beim Thema Energieeffizienz.

Weitere Informationen:

Drei Hauptstädte in vier Stunden

http://www.gtai.de/GTAI/Navigation/DE/Meta/Presse/Markets/Markets-international/Ausgaben-2017/markets-international-ausgabe-2017-04,t=drei-hauptstaedte-in-vier-stunden,did=1754856.html

Gesundheitswirtschaft: Hoher Reformbarf

Trotz zahlreicher Investitionen in den letzten Jahren bleibt der Reformbedarf im litauischen Gesundheitssektor hoch. Das Gesundheitsministerium hält sich indes mit Informationen zu Krankenhausinvestitionen und Medizintechnikbeschaffungen bedeckt und verweist auf den Ausschreibungsplan 2018, der im März veröffentlicht werden soll. Die Analysten von BMI Research erwarten, dass der Medizintechnikmarkt bis 2021 pro Jahr durchschnittlich um 8,2 Prozent wachsen wird. Derweil stockt die 40 Millionen Euro teure E-Health-Einführung im Land. Eine Antikorruptionskommission des Parlaments soll Unregelmäßigkeiten bei der Auftragsvergabe überprüfen.

Weitere Informationen:

Branche kompakt: Medizintechnikmarkt in Litauen wartet auf EU-Förderung

http://www.gtai.de/MKT201612168011

Augenoptikmarkt profitiert von der Konsumfreude in Litauen http://www.gtai.de/MKT201611248002

Landwirtschaft: Biomassekraftwerke und Möbelindustrie sorgen für steigende Holznachfrage

Der Holzbedarf in Litauen steigt, weil die Möbelindustrie wächst und sich durch die in Bau befindlichen Biomasse-Kraftwerke die Nachfrage nach Holzabfällen erhöhen wird. Die Branchenunternehmen versuchen daher, die Einschlagquoten zu erhöhen, um eine Kompensation über Importe abzuwenden. Forstmaschinen treffen damit auf ein hohes Absatzpotenzial. In der Landwirtschaft werden Investitionen in Maschinen nicht mehr staatlich gefördert. Trotzdem investieren Landwirte in neue Technologien und finanzieren die Anschaffungen über Leasing. In der Möbelindustrie entsteht ein Cluster, das bis 2023 Investitionen von 500 Millionen Euro anziehen soll.

Gas: Neues LNG-Cluster will Flüssiggas-Technologie voranbringen

Die drei baltischen Staaten wollen bis 2020 einen einheitlichen Gasmarkt schaffen, der von zahlreichen Investitionen begleitet wird. Dazu gehört die strategisch wichtige polnisch-litauische Gaspipeline GIPL, die das Baltikum an das westeuropäische Netz anschließt. Die 558 Mio. Euro teure Pipeline wird unter anderem mit Hilfe von EU-Mitteln kofinanziert und voraussichtlich im Jahr 2021 fertiggestellt. Eine wichtige Rolle nimmt auch der Flüssiggasimport über den einen im Hafen von Klaipeda liegenden LNG-Tanker ein. Entsprechend baut die litauische Energiewirtschaft Kompetenzen in dem Feld auf und gründete das LNG-Cluster, um die Branchenakteure zu vernetzen und Innovationen anzustoßen.

Weitere Informationen:

Estland, Lettland und Litauen wollen einen gemeinsamen Gasmarkt http://www.gtai.de/MKT201704188005

Kfz-Markt: Stärkstes Wachstum 2017 in der EU bei Pkw-Neuzulassungen

Litauen ist zwar mit knapp 23.900 neu registrierten Pkw von Januar bis November 2017 ein kleiner, aber mit einem Anstieg von 26,4 Prozent gegenüber der Vorjahresperiode der in der EU am schnellsten wachsende Absatzmarkt. Der litauische Verband der Kfz-Unternehmer (Lietuvos autoverslininku asociacija) prognostiziert das Wachstum der Neuanmeldungen 2018 auf etwa 15 Prozent. Das Absatzpotenzial bleibt wegen der niedrigen Fahrzeugdichte und dem hohen Durchschnittsalter der Fahrzeuge von 16,7 Jahren hoch. Das niedrige Kaufkraftniveau und fehlende staatliche Anreize schwächen die Verkaufschancen von Elektrofahrzeugen.

(Ma.Le.)

Dieser Artikel ist relevant für:

Litauen Land- und Forstwirtschaft, Fischerei, allgemein, Energie, Wasser, Wärme, allgemein, Bauwirtschaft, allgemein, Chemische Industrie, allgemein, Gesundheitswesen allgemein, Medizintechnik, allgemein, Fahrzeuge, -zubehör, allgemein, Maschinen- und Anlagenbau, allgemein, Öl, Gas

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