Branchencheck

10.07.2018

Branchencheck Portugal (Juni 2018)

Inhalt

Hohe Investitionen in die Schieneninfrastruktur / Von Miriam Neubert

Lissabon (GTAI) - Die Zuversicht in der verarbeitenden Industrie, im Einzelhandels- und Dienstleistungssektor sowie die der Verbraucher fiel im 1. Quartal 2018 höher aus als ein Jahr zuvor, war aber niedriger als im Vorquartal. Mehr Ausrüstungsinvestitionen als 2017 planen die Wasser-, Entsorgungs- und Bauwirtschaft. Die Förderagentur AICEP verhandelte im April 2018 über Investitionsprojekte im Wert von 2,4 Milliarden Euro. Diese betreffen besonders die Holzverarbeitung, Chemieindustrie und den Tourismus.

Maschinenbauindustrie: Investitionen sollen 2018 zulegen

Portugals Maschinenbau (NACE 28) profitierte 2017 von der Investitionsstimmung. Dem Statistikinstitut INE zufolge stieg die Produktion unbereinigt um 0,6 Prozent gegenüber 2016. Einen Trendwechsel gab es bei den Umsätzen, die um 6,5 Prozent zunahmen. In den ersten vier Monaten 2018 stagnierten die Inlandsumsätze, so dass sich die Gesamtdynamik auf 4,2 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum abschwächte. Der Sektor hatte jüngsten Angaben zufolge 2016 rund 2,6 Milliarden Euro erlöst und 121 Millionen Euro Anlageinvestitionen getätigt. Die Branchenfirmen wollen 2018 mehr investieren als 2017. Es geht neben Erweiterungen vor allem um effizientere Maschinen, Digitalisierung und Innovationen, was von der Regierung etwa über den Plan Industrie 4.0 und Mittel der Europäischen Union (EU) unterstützt wird.

Weitere Informationen:

Branche kompakt: Solide Wachstumserwartungen sorgen in Portugal für steigende Investitionen in Maschinen

http://www.gtai.de/MKT201707278009

Chemieindustrie: Weniger Umsätze 2018

Portugals Chemiebranche (NACE 20) erlebte vor dem Hintergrund eines guten Wachstumsjahres 2017 von Januar bis April 2018 Rückgänge bei Produktion und Umsatz. Der Umsatz sank sowohl im Inlands- als auch im Exportgeschäft. Dafür lag die Produktion der Pharmabranche (NACE 21) um 7,1 Prozent über dem vergleichbaren Vorjahreszeitraum. Dank des sich erholenden Inlands- und eines kräftig wachsenden Auslandsgeschäfts nahm der Umsatz im Pharmabereich sogar um 12,9 Prozent zu. Die Hersteller chemischer Erzeugnisse hatten 2016 rund 4,3 Milliarden Euro erlöst und Anlageinvestitionen im Wert von 143 Millionen Euro getätigt. Auf die Pharmaindustrie entfielen davon 1,2 Milliarden beziehungsweise 105 Millionen Euro. Der Erdölkonzern Repsol investiert 2018 rund 60 Millionen Euro in seine Raffinerie im Hafen Sines.

Energiewirtschaft: Solarenergie und Forstbiomasse im Kommen

Dank Wasser- und Windkraft deckte Portugal im verregneten März 2018 seinen Strombedarf komplett aus erneuerbaren Quellen. Der Ausbau geht weiter. Priorität haben reife Technologien wie die Solarkraft, ohne Förderung. Für den Aufbau von mehr als 900 Megawatt an neuen Kapazitäten hat die Regierung Lizenzen erteilt. Die Anlagen, darunter der Solarkraftpark Morgavel in Sines (45 Megawatt, 25 Millionen Euro), müssen bis 2021 am Netz sein. Auch die vorteilhafte Regelung des Eigenverbrauchs schafft weiter Geschäft. Der Netzwerkbetreiber REN investiert in Ausbau und Stärkung der Übertragungsnetze, Sonorgas in den Gasnetzausbau. Nach den verheerenden Bränden 2017 sieht der Nationale Forstschutzplan eine Nutzung forstlicher Biomasse und neue kommunale Biomasseanlagen vor.

Weitere Informationen:

Portugal konnte Strombedarf im März 2018 mit erneuerbaren Energien decken

http://www.gtai.de/MKT201805258005

Portugal genehmigt immer mehr Solarparks ohne Subventionen

http://www.gtai.de/MKT201710268002

Bauwirtschaft: Investitionen in die Schieneninfrastruktur verdreifachen sich 2018

Die Zuversicht im portugiesischen Baugewerbe verbesserte sich im 1. Quartal 2018 weiter auf ein Niveau wie seit 2002 nicht mehr. Die Genehmigung neuer Wohnungen und Gewerbebauten (Zuwächse um mehr als ein Fünftel gegenüber dem 1. Quartal 2017) und höhere Tiefbauvergaben stimmen den Dachverband Fepicop optimistisch: Nach einer Steigerung der Bauproduktion um 5,9 Prozent auf 11,2 Milliarden Euro (2017) rechnet er 2018 mit einem Plus um 4,5 Prozent. Die Hauptimpulse kommen dabei vom Wohnungsbau (+7,0 Prozent; Tiefbau +4,0 Prozent). Nach der langen Bauflaute 2002 bis 2016 und einem kumulierten Rückgang um 52 Prozent braucht die Erholung Zeit. Bis 2020 sollen 7 Milliarden Euro in öffentliche Vorhaben fließen, darunter fünf Krankenhäuser, das Straßennetz, die Schienen- und Hafeninfrastruktur.

Weitere Informationen:

Branche kompakt: Wohnungsbau in Portugal erwartet kräftiges Wachstum

http://www.gtai.de/MKT201703088001

Touristenstrom sorgt in Portugal für Hotelinvestitionen

http://www.gtai.de/MKT201705178000

Gesundheitswirtschaft: Gesundheits- und Wellnesstourismus expandieren

Portugals öffentliche Gesundheitsausgaben werden bis 2020 auf 6,2 Prozent des Bruttoinlandsprodukts steigen, vor allem wegen der alternden Bevölkerung. Von fünf geplanten Krankenhäusern steckt Lisboa Oriental HLO (334,5 Millionen Euro) im Ausschreibungs- und Hospital Sintra im Vergabeprozess. Das Zentralkrankenhaus Alentejo (170 Millionen Euro) und das Hospital Madeira (314 Millionen Euro) sollen noch 2018 ausgeschrieben werden. Als Problem bleibt der Zahlungsverzug öffentlicher Kliniken bei Arzneimittel- und Medizintechniklieferanten (April 2018: 1,1 Milliarden Euro an offenen Rechnungen über 90 Tage). Auch private Betreiber investieren, etwa die Gruppe Mello Saúde. Neues Geschäft bringt der Gesundheits- und Wellnesstourismus. So wird an der Algarve 2019 ein Longevity Health&Wellness Hotel eröffnen.

Kfz/Kfz-Teile-Produktion: T-Roc treibt die Entwicklung 2018

Nach zwei negativen Jahren hat Portugals Kfz-Produktion 2017 gegenüber dem Vorjahr um 22,7 Prozent auf 175.544 Fahrzeuge angezogen. Jeder der vier Hersteller dort steigerte laut dem Automobilverband ACAP den Ausstoß. Weit über dem Durchschnitt war das der Fall bei Mitsubishi Fuso Truck Europe und VW Autoeuropa. Die hohe Auslastung durch das neue VW-Modell T-Roc treibt 2018 die Entwicklung. So stieg die gesamte Pkw-Produktion des Landes von Januar bis Mai um 123 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Die optimistischen 220 Kfz-Teilefertiger Portugals investieren. Ihrem Verband AFIA zufolge erzielten sie 2017 einen Umsatzrekord (+9,9 Prozent auf 10 Milliarden Euro). Rund 85 Prozent davon erwirtschaften sie im Export, der von Januar bis April 2018 gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 10 Prozent zunahm.

Umwelttechnik (Wasser und Abfall): Neue Klär- und Entsorgungstechnik erforderlich

Portugals Nachfrage nach Klär-, Entsorgungs- und Bewässerungstechnik steigt 2018 weiter. Das Programm Nachhaltigkeit und effiziente Ressourcennutzung POSEUR unterstützt bis 2020 Projekte der Entsorgungs- und Abwasserwirtschaft mit EU-Mitteln. Bei der Reduzierung von Siedlungsabfällen und Deponien sowie im Recycling haben Gemeinden noch zu tun. Ende 2017 wurden 75 Millionen Euro für Kommunalprojekte zur Mülltrennung und -behandlung freigegeben. Rund 460 Millionen Euro werden zur Erfüllung der Abwasserrichtlinie veranschlagt, was sich in vielen Kläranlagenprojekten zeigt. Ende 2017 billigte die Europäische Investitionsbank ein Darlehen von 200 Millionen Euro für Portugals Bewässerungsplan 2020, der 536 Millionen Euro für die Ausweitung und Erneuerung der Bewässerungssysteme in der Landwirtschaft vorsieht.

Weitere Informationen:

Portugal investiert in Trennung und Behandlung von Abfällen

http://www.gtai.de/MKT201612148008

Informations- und Kommunikationswirtschaft: Cisco als Digitalisierungspartner der Regierung

Die Erholung in Portugals IKT-Servicesektor, der 2016 über 9 Milliarden Euro erlöste, verläuft unterschiedlich. Nach dem Index des Statistikamtes haben die Umsätze der Telekomdienste 2017 stagniert (1. Quartal 2018: -4,4 Prozent). IT-Dienste legten dagegen um 9,1 Prozent zu (1. Quartal 2018: +3,2 Prozent). Dank wachsender Exportleistung schließt der Außenhandel positiv. Die Perspektiven sind gut, da der digitale Transformationsdruck Portugals Firmen und Verwaltung investieren lässt. Im April 2018 unterzeichnete die Regierung ein Kooperationsabkommen mit Cisco, um die Digitalisierung voranzutreiben. Auch die Ansiedlung von Technologiezentren ist ein Treiber. Impulse kommen zudem von Tech-Start-ups, deren größte Konferenz in Europa, Web Summit, im November 2018 zum dritten Mal in Lissabon stattfinden wird.

Nahrungsmittelindustrie: Hoher Modernisierungsbedarf

Portugals Nahrungsmittel- und Getränkeindustrie steigerte 2017 Produktion und Export. Bei den Lebensmittelherstellern legten die Umsätze gegenüber 2016 um 5,8 Prozent zu (Januar bis April 2018: +4,0 Prozent). In der Getränkeproduktion war es ein Plus von 5,8 Prozent (1. Quartal 2018 dank der dynamischen Inlandsnachfrage +12,3 Prozent). Die umsatzstärkste Industriebranche (jüngste Angabe 2016: 15,6 Milliarden Euro) ist zugleich ein wichtiger Investor (548 Millionen Euro). Der Trend geht zu gesunder Ernährung. Seit 1. Januar 2017 wird in Portugal eine Zuckersteuer auf Softdrinks erhoben. Unter den rund 11.100 Betrieben besteht ein hoher Bedarf an Modernisierung und Kosteneinsparung, wozu auch erneuerbare Energien und Energieeffizienzmaßnahmen gehören.

Bergbau: Vermutete Lithiumvorkommen beflügeln Investitionseifer

Portugal möchte seine Lithiumreserven beziffern und in einer Wertschöpfungskette nutzen. Eine entsprechende Strategie wurde im Januar 2018 verabschiedet und soll dem wachsenden Interesse an Prospektions- und Explorationsrechten Rechnung tragen. Die Bergbaugesellschaft Savannah Resources hat im Mai 2018 nach Lithiumerkundungen in Mina do Barroso ihre Schätzungen um 52 Prozent nach oben korrigiert auf 14 Millionen Tonnen Festgestein-Lithium und erwägt eine Investition von 93 Millionen Euro. In einem Konflikt über Lithiumexplorationsrechte in Montalegre stehen Novo Litio und Lusorecursos. Die Bergbaufirma Somincor will mit 250 Millionen Euro den Zinnabbau in der Region Alentejo verdoppeln. Das Staatsunternehmen zur Bergbauentwicklung EDM plant Prospektionsaktivitäten im Pyritgürtel Baixo Alentejo.

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Portugal Nahrungs- und Genussmittel, allgemein, EDV-, Telekommunikationsdienstleistungen, allgemein, Energie, Wasser, Wärme, allgemein, Bauwirtschaft, allgemein, Umweltschutz, Entsorgung, Klimaschutz, allgemein, Chemische Industrie, allgemein, Bergbau / Rohstoffe, allgemein, Gesundheitswesen allgemein, Maschinen- und Anlagenbau, allgemein, Straßenfahrzeuge, allgemein

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