Branchencheck

23.07.2019

Branchencheck Slowakei (Juli 2019)

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Die Kraftfahrzeugindustrie ist aktuell treibende Kraft / Von Miriam Neubert

Bratislava (GTAI) - Die slowakische Industrie hatte von Januar bis April 2019 deutlich mehr Aufträge als im Vorjahreszeitraum. Dahinter steht aber vor allem die dominante Transportmittelbranche.

Maschinenbauindustrie: Industrie 4.0 als Chance

Der Maschinenbau bleibt 2019 ein Motor der slowakischen Industrie. Nach einem Plus von fast 9 Prozent 2018 stieg die Produktion von Januar bis April 2019 um 23 Prozent. Der Auftragseingang nahm um 1,6 Prozent zu (2018: +6,2 Prozent). Zu schaffen machen Personalmangel und Lohnwachstum. Investitionen in die Industrie 4.0 sind Herausforderung und Chance. Spinea, Hersteller von Präzisionsgetrieben, die auch in Robotern eingesetzt werden, startete im Juni 2019 sein neues Werk. Presseberichten zufolge plant Porsche Werkzeugbau ein Technologiezentrum für robotisierte Fertigungslinien.

Weitere Informationen:

Branche kompakt: Slowakischer Maschinenbau profitiert vom Bedarf der Autoindustrie http://www.gtai.de/MKT201707138003

Chemieindustrie: Gedrückte Auftragslage, neue Projekte

Die Chemieproduktion ging nach 2018 von Januar bis April 2019 weiter zurück. Die Aufträge stagnierten. Anders die Arzneimittelherstellung, die trotz Produktionssteigerung 2018 um 27 Prozent mit 5 Prozent weiter zunahm. Die Petrochemie boomte Anfang 2019, da Slovnaft vor einer Raffineriewartung die Produktion steigerte. Duslo eröffnete im Herbst 2018 ein Werk für die Ammoniakfertigung für 310 Millionen Euro. Messer Tatragas will Argon aus den Emissionen der Duslofabrik erzeugen. Enviral plant eine Bioethanolfabrik. Seneca Pharmaceuticals investiert in eine Linie für Injektionslösungen.

Weitere Informationen:

Branche kompakt: Autobranche und Privathaushalte erhöhen Bedarf an Chemieprodukten in der Slowakei http://www.gtai.de/MKT201612028001

Energiewirtschaft: Lokale Energiequellen als neue Player

Mit gut 12 Prozent des Verbrauchs von 31 Terrawattstunden erreichte der Stromimport 2018 seinen Höhepunkt. Das ändert sich, wenn bis März 2020 der dritte Meiler des Kernkraftwerks Mochovce in Betrieb geht. In die Sicherheit der älteren Meiler fließen 153 Millionen Euro. Im Herbst 2018 startete der Bau der Poland-Slovakia Gas Interconnection (Anbindung an die Flüssigerdgas-Häfen der Ostsee). Erneuerbare Quellen haben eine Chance durch die Erweiterung des Eigenverbrauchs auf lokale Energiequellen bis 500 Kilowatt. Deren Gesamtkapazität wurde 2019 auf 31 Megawatt (MW) begrenzt, 2020 auf 19 MW.

Weitere Informationen:

Slowakei will Energieerzeugung für den Eigenbedarf fördern http://www.gtai.de/MKT201802068000

Bauwirtschaft: Auslastung zu 92 Prozent

Im Jahr 2018 stieg die Bauproduktion markant um 8,6 Prozent auf einen Wert von 5,5 Milliarden Euro. Obwohl sie von Januar bis April 2019 um 1,8 Prozent schrumpfte, sind die Firmen für das Gesamtjahr optimistisch und rechnen laut Marktforscher CEEC Research mit einem Plus von 3,6 Prozent; 2020 soll es nur 1 Prozent sein. Die Kapazitäten sind zu 92 Prozent ausgelastet. Im 1. Quartal 2019 stieg der Auftragseingang um 5,8 Prozent, im Nichtwohnungs- und Tiefbau sogar zweistellig. Dafür sank er im Wohnungsbau. Große Wohn- und Bürohäuser sind in Planung. Projekte zu Schienen, Straßen, Häfen laufen an.

Weitere Informationen:

Branche kompakt: Bedarf an Straßen und Wohnungen kurbelt slowakische Bauwirtschaft an http://www.gtai.de/MKT201810048000

Aktuelle Brückenbauprojekte in Tschechien und der Slowakei http://www.gtai.de/MKT201808318003

Gesundheitswirtschaft: Mehr Geld für Austausch von Medizintechnik

Die Slowakei führte 2018 ihr E-Health-System ein, an dem zwei Drittel der Gesundheitsdienstleister teilnehmen. Spätestens 2022 sollen alle Bürger über den Personalausweis mit Chip Zugang haben. In die Erneuerung der Medizintechnik seiner Kliniken investiert der Staat 2019 fast 100 Millionen Euro. Ein Problem ist die Verschuldung vieler staatlicher Krankenhäuser (2018: 1,5 Milliarden Euro). Der Personalmangel wird durch die private Konkurrenz verschärft. So hat die Penta-Gruppe mit dem Bau eines 400-Betten-Hospitals in Bratislava-Bory begonnen, in das sie 240 Millionen Euro bis 2021 investiert.

Weitere Informationen:

Branche kompakt: Investitionen beflügeln Gesundheitsinvestitionen in der Slowakei http://www.gtai.de/MKT201812058000

Kfz-/Kfz-Teile-Produktion: Hohe Dynamik durch neues Autowerk

In der slowakischen Kfz-Produktion läuft das Jahr 2019 rund. Jaguar Land Rover, das vierte Autowerk des Landes, plant, im Herbst eine zweite Schicht einzuführen und mit dem Land Rover Defender zu starten. Dies könnte die Autoproduktion auf eine neue Rekordmarke von 1,15 Millionen Kfz heben, schätzt Autoverband ZAP (2018: 1,08 Millionen). Auch sind Zulieferer mitgezogen. Im Juni 2019 eröffnete Spaniens Gestamp ein Werk in Nitra. Neue und Erweiterungsinvestitionen werden umgesetzt. So schloss die Förderungsagentur Sario 2018 Investitionsverträge mit über einem Dutzend Zulieferern.

Weitere Informationen:

Branche kompakt: Automobilsektor der Slowakei rüstet sich für Elektromobilität http://www.gtai.de/MKT201902268001

Metallindustrie: Stahlkonkurrenz in Folge der US-Zölle

Während die slowakische Metallverarbeitung Auftragszuwächse verbucht, spürt die Stahlbranche die Umlenkung von Handelsströmen als Folge der US-Stahlzölle. Ihr Auftragseingang lag bis April 2019 um 8 Prozent unter dem Vorjahreszeitraum. Als Reaktion tritt der größte Hersteller U.S. Steel Kosice kürzer (Viertagewoche, Abschaltung eines Hochofens). Zugleich will das Unternehmen in eine neue Linie zur Herstellung nichtkornorientierter Elektrostahlbleche 130 Millionen Euro investieren - für elektrische Autos und Generatoren. ArcelorMittal Gonvarri plant in Nitra ein Presswerk für Kfz-Blechteile.

Umwelttechnik (Wasser/Abfall/Luft): Energetische Verwertung im Kommen?

Die Umweltqualität bleibt eine Herausforderung für die Slowakei. Niedrige Recyclingraten, ökologische Altlasten, sinkende Grundwasserspiegel erfordern langfristige Investitionen. Die Regierung will mit 140 Millionen Euro die Dürre bekämpfen, etwa durch Rückhalteinfrastrukturen. Bei den Siedlungsabfällen hat sich durch hohe Deponieraten Druck aufgebaut. Ihre energetische Verwertung verspricht Geschäft. Ewia hat bis 2035 den Bau von fünf Kreislaufzentren angekündigt, die Strom aus Müllverbrennung generieren sollen. Slot will 100 Millionen Euro in eine Anlage investieren.

Weitere Informationen zur Slowakei finden Sie unter http://www.gtai.de/slowakei

Dieser Artikel ist relevant für:

Slowakei Energie, Wasser, Wärme, allgemein, Bauwirtschaft, allgemein, Umweltschutz, Entsorgung, Klimaschutz, allgemein, Chemische Industrie, allgemein, Metallerzeugung, -verarbeitung, allgemein, Gesundheitswesen allgemein, Fahrzeuge, -zubehör, allgemein, Maschinen- und Anlagenbau, allgemein

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