Branchencheck

18.06.2018

Branchencheck Slowakei (Juni 2018)

Inhalt

Viele Bauprojekte für Wohnraum, Krankenhäuser und Infrastruktur / Fahrzeugindustrie legt eine Pause ein / Von Gerit Schulze

Bratislava (GTAI) - Die Automobilindustrie als treibende Kraft der slowakischen Wirtschaft ist aktuell wenig dynamisch. Das wird sich spätestens ab Ende 2018 wieder ändern. Impulse für die Konjunktur kommen aus der Bauwirtschaft und dem Informationstechniksektor. Solides Wachstum verzeichnet der Maschinenbau; Pharma- und Kosmetikhersteller profitieren von den steigenden Einkommen der Privathaushalte. In der Elektronikindustrie verlagert sich der Schwerpunkt von Fernsehgeräten hin zur Fahrzeugbeleuchtung.

Maschinenbauindustrie: Eigentumswechsel bei wichtigen Produzenten

Der Maschinenbau gehört weiterhin zu den dynamischsten Industriezweigen der Slowakei. Nach einem Plus von fast 5 Prozent im Jahr 2017 stieg die Produktion im ersten Quartal 2018 um weitere 3 Prozent. Auf ähnlichem Niveau legten die Ordereingänge zu. Die Branche profitiert von der Nachfrage nach Investitionsgütern im In- und Ausland. Auch der Trend zur Automatisierung der Fertigungsprozesse wirkt sich positiv aus. Beim Import sind besonders Arbeitsmaschinen für die Baubranche und für Weiße Ware gefragt. Einer der wichtigsten Maschinenbauer im Land, der Kompressorenhersteller Embraco, wird bis Anfang 2019 an die japanische Nidec verkauft. Beim Waggonbauer Tatravagonka hat die Budamar Logistics Group für 100 Millionen Euro einen 50-Prozent-Anteil erworben.

Weitere Informationen:

Branche kompakt: Slowakischer Maschinenbau profitiert vom Bedarf der Autoindustrie (Juli 2017): http://www.gtai.de/MKT201707138003

Chemieindustrie: Steigende Einkommen erfreuen die Pharmahersteller

In der Chemiebranche boomt zurzeit vor allem die Kunststoffproduktion dank der Nachfrage aus der Fahrzeugindustrie. Rückläufig ist der Ausstoß der Raffinerien. Hersteller von Chemikalien und Chemieprodukten gehören zu den Gewinnern des aktuellen Aufschwungs. Neben Bauchemie sind Kosmetika stärker gefragt, weil die Einkommen der Privathaushalte steigen. Von den höheren Löhnen profitiert ebenso die Pharmaindustrie. Ihr Produktionsindex lag zwischen Januar und März 2018 um 14 Prozent über dem Vorjahreswert. Pharmahersteller Saneca hat Anfang des Jahres seine Handcremesparte an die griechische Sarantis verkauft. Mit den Einnahmen von 8,5 Millionen Euro wollen die Slowaken die Arzneiproduktion modernisieren. Enviral plant in Leopoldov für 180 Millionen Euro eine Bioethanolfabrik.

Weitere Informationen:

Branche kompakt: Autobranche und Privathaushalte erhöhen Bedarf an Chemieprodukten in der Slowakei (Dezember 2016): http://www.gtai.de/MKT201612028001

Energiewirtschaft: Grüner Strom bekommt neue Chance bei Auktionen

Bis auf kleine solare Dachanlagen können erneuerbare Energiequellen derzeit in der Slowakei nicht an das Netz angeschlossen werden. Die Regierung plant allerdings ein neues Fördersystem. Grüne Stromerzeuger sollen künftig bei staatlichen Auktionen Angebote einreichen, zu welchem Preis sie bestimmte Energiemengen bereitstellen wollen. Zugleich ist geplant, 200 energieintensive Industriebetriebe von den Umlagen zur Förderung des Kohleabbaus und der erneuerbaren Energiequellen zu befreien. Polens Gasnetzbetreiber Gaz-System und die slowakische Eustream haben sich im Frühjahr 2018 auf den Bau der Pipeline Poland-Slovakia Gas Interconnection geeinigt. Sie soll Mittelosteuropa an den Flüssigerdgas- (LNG) Terminal in Swinemünde anbinden. Der Baustart für das 270 Millionen Euro teure Vorhaben erfolgt im 2. Halbjahr 2018.

Weitere Informationen:

Slowakei will Energieerzeugung für den Eigenbedarf fördern (Februar 2018): http://www.gtai.de/MKT201802068000

Bauwirtschaft: Gute Auslastung und steigender Auftragsbestand

Nach einem schwachen Vorjahr geht es 2018 wieder aufwärts mit der Bauwirtschaft. In den ersten vier Monaten ist die Bauproduktion gegenüber der Vorjahresperiode um ein Zehntel gestiegen. Für das Gesamtjahr erwartet die Branche laut CEEC Research einen Zuwachs von 6 Prozent, für 2019 knapp 4 Prozent. Die Kapazitäten der Baufirmen sind zu 87 Prozent ausgelastet. Ein Drittel der Aufträge entfällt auf die öffentliche Hand. Im Durchschnitt sichert der Orderbestand Arbeit für acht Monate. Jede zehnte Baufirma nutzt bereits digitale Methoden zur Bauwerksplanung (BIM). Schwung bringen Großprojekte für Wohn- und Bürotürme in Bratislava, mehrere Krankenhausneubauten sowie Infrastrukturvorhaben. Allein 2018 sollen fünf Schnellstraßenabschnitte für 1 Milliarde Euro ausgeschrieben werden.

Weitere Informationen:

Die slowakische Hauptstadt Bratislava will hoch hinaus (August 2017): http://www.gtai.de/MKT201708298007

Slowakei investiert in den Ausbau des Radwegenetzes (September 2017): http://www.gtai.de/MKT201709218005

Gesundheitswirtschaft: Staat und private Betreiber bauen neue Krankenhäuser

Die Slowakei hat 2018 flächendeckend das E-Health-System gestartet. Patienten müssen nur noch ihren Ausweis zeigen, Ärzte bekommen mit den Daten Zugriff auf die elektronische Krankenakte. Rezepte können papierlos und online ausgestellt werden. Die Regierung realisiert Investitionen von 30 Millionen Euro in den Universitätskliniken von Bratislava, die Hälfte davon fließt in Medizintechnik. Außerdem will der Staat rund 260 Millionen Euro für den Weiterbau des Krankenhauses Bratislava-Razsochy bereitstellen, das bislang eine Investruine ist. Die private Klinikgruppe Agel hat in Kezmarok den Betrieb ihres nunmehr elften Krankenhauses übernommen und wird 3 Millionen Euro investieren (580 Betten). Ein anderer privater Klinikbetreiber, Penta, plant in Bratislava-Bory einen Krankenhausneubau für 200 Millionen Euro (400 Betten).

Kfz-/Kfz-Teile-Produktion: Warten auf den Start der vierten Autofabrik

Der wichtigste Industriezweig zeigt im Moment wenig Dynamik. Während der Produktionswert der Fahrzeugbranche 2017 stagnierte, legte er im 1. Quartal 2018 nur um 2 Prozent zu. Das Volumen der Ordereingänge blieb auf Vorjahresniveau. Die Flaute liegt zum einen an Modellwechseln bei Volkswagen Bratislava, zum anderen an weniger Nachfrage aus dem Ausland. Mehr Bewegung kommt erst ab September wieder in die Branche, wenn Jaguar Land Rover seine Fabrik in Nitra hochfährt. Außerdem gibt es weitere Investitionsvorhaben im Zuliefererbereich. Arca Capital baut eine Produktionslinie für Kunststoffpressteile in Topolcany auf, die schwäbische SAM Automotive errichtet in der Südslowakei ein Werk für Aluminiumkomponenten, Mubea plant eine Fertigungsstätte für Federn und Getriebeteile in Kezmarok.

Weitere Informationen:

Branche kompakt: Automobilsektor der Slowakei legt auf dem Weg zu neuen Rekorden eine Pause ein (Februar 2018): http://www.gtai.de/MKT201802278011

Elektronikindustrie: Weniger Fernseher, mehr Fahrzeugbeleuchtung

Die einst starke Elektronikindustrie mit dem Fokus auf Flachbildfernseher befindet sich in einem Schrumpfungsprozess. Der Auftragseingang bei elektronischen Erzeugnissen ist 2017 um 14 Prozent gesunken, im 1. Quartal 2018 um ein Drittel. Da die Lohnkosten steigen und Personal knapp ist, ziehen sich internationale Produzenten zurück. Nachdem Bildschirmhersteller UMC 2015 seine Fertigung nach Polen verlagert hat, schließt Samsung 2018 seine Fabrik in Voderady. Teile der Produktion werden an den zweiten slowakischen Standort Galanta verlagert. Die Elektronikindustrie bleibt aber ein wichtiger Wirtschaftszweig, ihr Schwerpunkt verlagert sich in die Automobilbranche. Schon jetzt gehören Hersteller von Fahrzeugbeleuchtung wie Hella oder ZKW zu den größten Elektronikunternehmen des Landes.

Metallindustrie: Auswirkungen der US-Zölle sind bislang überschaubar

Während die Metallerzeugung stagniert, verbuchen die Metallverarbeiter hohe Zuwächse. Die US-Zölle auf Aluminium und Stahl dürften sich lediglich gering auf die Branche auswirken, da nur ein Bruchteil der Produktion in die USA geht. Indirekt könnte der Schaden größer sein, falls auch die Kfz-Industrie als wichtiger Stahlkunde mit Zöllen belegt wird. Überraschend zurückgezogen hat die chinesische He Steel Group ihr Kaufangebot für das Stahlwerk U.S. Steel Kosice. Die Amerikaner bleiben vorerst Eigentümer. Mit Geldern der Europäischen Union (EU) wird dort weiterhin in die Senkung des Schadstoffausstoßes investiert. Der zweitgrößte Metallurgiebetrieb des Landes, Slovalco, modernisiert für 150 Millionen Euro die Fertigung. Der Spezialist für Ferrolegierungen, OFZ, errichtet einen Plasmaofen mit komplett neuer Technologie.

Informations- und Kommunikationswirtschaft: IT-Dienstleistungen gefragt

Die IT-Branche befindet sich auf dem Höhenflug. Das gilt besonders für Software, Datenverarbeitung und Hosting. In diesen Segmenten sind die Umsätze 2017 und im 1. Quartal 2018 jeweils zweistellig gestiegen. Dynamisch entwickeln sich die Business Service Center, in denen IT-Dienstleistungen für große Unternehmen erbracht werden. Laut Wirtschaftsministerium hat sich deren Zahl in den letzten drei Jahren auf über 60 verdoppelt. Sie beschäftigen bereits mehr als 30.000 Arbeitnehmer. In Trnava plant die Schweizer Swiss Optotune den Aufbau eines Technologiezentrums für die Entwicklung von Software, Firmware und Verfahrenstechnik. In der Telekommunikation haben drei große Mobilfunkprovider angekündigt, innerhalb von drei Jahren alle Gemeinden mit Hochgeschwindigkeits-Internetanschlüssen zu versorgen.

Weitere Informationen:

Slowakei will Produktionsbasis im Land intelligenter machen (Januar 2017): http://www.gtai.de/MKT201701308003

Slowakei macht Tempo bei Digitalisierung der Behörden (Februar 2017): http://www.gtai.de/MKT201702018010

Dieser Artikel ist relevant für:

Slowakei EDV-, Telekommunikationsdienstleistungen, allgemein, Energie, Wasser, Wärme, allgemein, Bauwirtschaft, allgemein, Chemische Industrie, allgemein, Metallerzeugung, -verarbeitung, allgemein, Gesundheitswesen allgemein, Medizintechnik, allgemein, Fahrzeuge, -zubehör, allgemein, Maschinen- und Anlagenbau, allgemein, Elektronik, allgemein

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