Branchencheck

15.08.2017

Produktmärkte in Aserbaidschan (August 2017)

Inhalt

Nichtölwirtschaft im Fokus der Regierung / Von Fabian Nemitz

Almaty (GTAI) - Staatliche Ausgabenkürzungen im Zuge des Ölpreisverfalls, die schlechte Binnenkonjunktur und die Krise im Bankensektor lasten auf der Branchenentwicklung in Aserbaidschan. Die Regierung verstärkt ihre Diversifizierungsbemühungen. Die Ziele für die wichtigsten Branchen sind in einer Reihe von Roadmaps festgelegt, die Ende 2016 verabschiedet wurden. Entwicklungspotenzial bieten vor allem die Landwirtschaft, die Nahrungsmittelindustrie und die Petrochemie.

Maschinenbauindustrie: Regierung will lokale Produktion von Landtechnik und Bohrausrüstungen steigern

Der Maschinenbau in Aserbaidschan ist wenig entwickelt. Das Gros der Maschinen und Anlagen muss die Kaukasusrepublik importieren. Schwerpunkt der lokalen Produktion liegt auf dem Bedarf der Öl- und Gasindustrie, wobei in den vergangenen Jahren nur wenig in den Maschinenbau investiert wurde. Der Staat möchte die lokale Herstellung jedoch ausbauen. Die Ende 2016 verabschiedete Roadmap für die Schwerindustrie und den Maschinenbau zielt auf eine Verringerung der Importe von Komponenten für die Produktion von landwirtschaftlichen Maschinen um 65% und für die Fertigung von Bohrausrüstungen um 45% bis 2020. Große Investitionen sollen in die Metallindustrie fließen. In Sumgait ist der Bau eines Metallurgiekomplexes für 1,2 Mrd. Euro bis 2019 geplant.

Weitere Informationen:

https://www.gtai.de/GTAI/Navigation/DE/Trade/Maerkte/Branchen/Branche-kompakt/branche-kompakt-maschinen-und-anlagenbau,t=branche-kompakt-abnehmende-nachfrage-im-maschinenbau-in-aserbaidschan,did=1442638.html

Chemieindustrie: Verhandlungen mit CNPC zum Bau eines Petrochemiekomplexes

Schwerpunkt der Chemieindustrie in Aserbaidschan ist die Petrochemie. In den ersten elf Monaten 2016 kam sie laut Wirtschaftsministerium auf einen Anteil von 30% am Ausstoß des verarbeitenden Gewerbes. Dank mehrerer Investitionsprojekte dürfte die Chemieproduktion künftig steigen. Die staatliche Ölgesellschaft SOCAR investiert in den Bau von Werken für Polypropylen, LD-Polyethylen und Harnstoff sowie die Modernisierung einer Raffinerie in Baku. Zum Bau des 4 Mrd. US$ teuren Komplexes für Petrochemie und Gasverarbeitung (GPC) laufen Verhandlungen mit dem chinesischen CNPC-Konzern. Im Chemieindustriepark Sumgait befinden sich mehrere Projekte in der Umsetzung. Die Anhebung der Benzinpreise um 30% im Juli 2017 erhöht die Rentabilität der lokalen Produktion.

Weitere Informationen:

https://www.gtai.de/GTAI/Navigation/DE/Trade/Maerkte/Branchen/Branche-kompakt/branche-kompakt-chemische-industrie,t=branche-kompakt-auslaendische-lieferanten-dominieren-den-chemiemarkt-in-aserbaidschan,did=1447008.html

Energiewirtschaft: ADB unterstützt Modernisierung der Stromnetze

Im Juli 2016 hat die Asiatische Entwicklungsbank (ADB) ein Finanzierungspaket für die Modernisierung der Stromnetze genehmigt. In drei Tranchen wird sie dem Stromnetzbetreiber Azerishiq je 250 Mio. $ bereitstellen. Die ADB berät Aserbaidschan zudem bei Sektorreformen. Im Rahmen der Reformen sollen unter anderem die Tarife erhöht werden, um bis 2022 Kostendeckung im Stromsektor zu erreichen. SOCAR und die deutsche Uniper bauen einen Dampfturbinengenerator für das Hauptwerk des Staatskonzerns. Azerenergy plant den Ausbau des Kraftwerks Sangachal für den wachsenden Bedarf im Großraum Baku. Zuständig für erneuerbare Energien (EE) ist die Agentur AREA (http://www.area.gov.az). Ziel ist, den EE-Anteil bis 2020 auf 20% zu steigern. Auf der Insel Pirallahi ist der Bau eines 200-MW-Windparks geplant. Im Juli 2017 wurde dort eine Solaranlage (1,1 MW) in Betrieb genommen. Solarpaneele fertigt Azgüntex in Sumgait.

Bauwirtschaft: Erst ab 2018 wieder leichtes Wachstum erwartet

Die Bauwirtschaft leidet unter den niedrigen Ölpreisen, stark gekürzten staatlichen Investitionen, der gesunkenen Kaufkraft der Bevölkerung und der Krise im Bankensektor. Nach dem Einbruch um real 28% im Jahr 2016 könnte die Bauleistung 2017 nach Einschätzung der ADB um weitere 10% zurückgehen. Erst 2018 wird wieder von einem leichten Wachstum um 1% ausgegangen. Positiv dürfte sich ab 2018 die schrittweise Erholung der Wirtschaft und die Umsetzung des Programms zum sozialen Wohnungsbau auswirken. Hierzu hatte die Regierung im April 2016 die Agentur MIDA gegründet. Beim Wohnungsbau zeigte sich im 1. Halbjahr 2017 bereits ein Aufwärtstrend. Die fertiggestellte Wohnfläche stieg um 9% auf 838.100 qm. Chancen bietet die Umsetzung von Projekten im Industrie- und Infrastrukturbereich. Der Zementhersteller Norm investiert in Technik deutscher Hersteller.

Weitere Informationen:

http://www.gtai.de/GTAI/Navigation/DE/Trade/Maerkte/Branchen/Branche-kompakt/branche-kompakt-bauwirtschaft,t=branche-kompakt-bauwirtschaft-in-aserbaidschan-leidet-unter-oelpreisverfall,did=1593920.html

http://www.gtai.de/GTAI/Navigation/DE/Trade/Maerkte/suche,t=aserbaidschan-modernisiert-sein-bahnnetz,did=1662890.html

http://www.gtai.de/GTAI/Navigation/DE/Trade/Maerkte/suche,t=aserbaidschan-tritt-beim-strassenbau-auf-die-bremse,did=1659168.html

Gesundheitswirtschaft: Arzneimittelhersteller siedeln sich in Industriepark an

Die gesunkene Kaufkraft und staatliche Ausgabenkürzungen drosseln die Nachfrage nach Produkten der Gesundheitswirtschaft. Der Markt für Medizin- und Labortechnik sowie für Arzneimittel ist bislang ein reiner Importmarkt. Künftig soll jedoch der 2016 gegründete Industriepark Pirallahi zu einem wichtigen Zentrum der lokalen Produktion von Pharmazeutika werden. Aktuell laufen die Arbeiten am Bau der Werke Hayat Pharm (Partner: R-Pharm, Russland), Caspian Pharmed (Tamin Pharmaceutical Investment Company (TPICO), Iran) und VPS Healthcare (Vereinigte Arabische Emirate). Sun Pharma (Indien) plant den Bau einer Fabrik im Chemieindustriepark Sumgait. Im Februar 2017 wurde in Pilotregionen eine Krankenversicherung eingeführt. Neben dem Staat engagiert sich auch die Ölgesellschaft SOCAR beim Import von Medizintechnik. Baku Clinic will Spritzen produzieren und sucht nach Lieferanten.

Kfz-/Kfz-Teile-Produktion: Iranisches Unternehmen baut Autofabrik

Einziger Pkw-Hersteller in Aserbaidschan ist bislang die Firma NAZ, die in Nachitschewan Autos der Marke Lifan (VR China) montiert. Im Sommer 2016 haben der iranische Hersteller Iran Khodro und der aserbaidschanische Partner Azeurocar in Neftchala mit dem Bau einer Pkw-Fabrik begonnen. Ab Herbst 2017 sollen dort pro Jahr 10.000 Pkw vom Band laufen. Ganja Automobile Plant montiert Landtechnik und Nfz russischer und belarussischer Hersteller. Für Ende 2017 plant Ganja die Montage von Eurabus-Elektrobussen.

Landwirtschaft: Sektor soll 2017 und 2018 im Schnitt um 3,5% wachsen

Die aserbaidschanische Regierung möchte die Agrarproduktion steigern und hierfür unter anderem große Landbetriebe schaffen. Aktuell laufen die Arbeiten am Aufbau der Agroparks Yalama und Shamkir. Weitere 36 Parks mit Farmen und Werken zur Erst- und Weiterverarbeitung von Agrargütern sollen laut Wirtschaftsminister Shahin Mustafayev folgen. Im Nichtölsektor bietet die Landwirtschaft das größte Exportpotenzial. Die ADB rechnet für 2017 und 2018 mit einem realen Wachstum des Agrarsektors um durchschnittlich 3,5% pro Jahr. Obwohl laut Weltbank 38% aller Arbeitskräfte in der Landwirtschaft beschäftigt sind, trägt der Sektor nur etwa 6% zur BIP-Entstehung bei. Die staatliche Gesellschaft Aqrolizing fördert die Beschaffung von Landtechnik. NPC Agro unterstützt Aserbaidschan bei der Einrichtung einer Zertifizierungsstelle für Bioprodukte.

Nahrungsmittelindustrie: Anhebung der Zollsätze auf Lebensmittelimporte stützt Branche

Die Nahrungsmittelindustrie kam in den ersten elf Monaten 2016 laut Wirtschaftsministerium auf einen Anteil von 36% am Ausstoß im verarbeitenden Gewerbe. Die heimischen Produzenten profitieren von der durch die Währungsabwertung gestiegenen Wettbewerbsfähigkeit gegenüber Importwaren. Exportchancen bieten sich wegen der Sanktionen gegen westliche Lieferanten auf dem russischen Markt. Zusätzliche Unterstützung erhielt die Branche im Herbst 2016 durch die Anhebung der Zollsätze auf eine Reihe importierter Lebensmittel. Das im September 2016 geschaffene Portal http://www.azexport.az soll die Absatzmöglichkeiten aserbaidschanischer Firmen im Ausland verbessern. Der Fokus liegt dabei besonders auf kleinen Nahrungsmittelproduzenten. Laut dem Betreiber des Portals wurden seit Gründung Bestellungen im Wert von 100 Mio. $ entgegen genommen.

Öl/Gas: Ab 2018 steigende Gasproduktion dank Förderstart an Shah Deniz 2

Der Öl- und Gassektor ist die wichtigste Branche und Hauptanlagesektor in Aserbaidschan. Er steht für mehr als 85% der Exporte, rund die Hälfte der Staatseinnahmen und ein Drittel des Bruttoinlandsproduktes. Während die Ölförderung in den vergangenen Jahren gesunken ist (2010: 50 Mio. t; Prognose für 2017: 40 Mio. t), wird die Gasförderung künftig steigen. Hauptgrund hierfür ist die für 2018 erwartete Inbetriebnahme des Gasfeldes Shah Deniz 2 mit geschätzten Gesamtkosten von rund 26 Mrd. $. Nach voraussichtlich 28,5 Mrd. cbm im Jahr 2017 könnte die Gasförderung bis 2020 auf 44,5 Mrd. cbm steigen. Gemeinsam mit Total bereitet SOCAR die Erschließung des Offshore-Gasfelds Abscheron vor. Die Kosten für die erste Projektphase werden auf 1 Mrd. $ geschätzt. Das erste Gas könnte 2019 fließen.

Umwelttechnik: Internationale Geber helfen bei Finanzierung von Projekten

Hauptgeschäftsfelder im Bereich Umwelttechnik sind Wasser-, Bewässerungs- und Abfallwirtschaftsprojekte sowie die Sanierung von Seen auf der Halbinsel Abscheron. Eine wichtige Rolle bei der Umsetzung von Projekten spielen internationale Geberorganisationen. Die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung erwägt die Vergabe eines Kredits über 39 Mio. $ an den Kommunalbetrieb Tamiz Shahar zur Verbesserung der Abfallwirtschaft im Großraum Baku. Das Unternehmen ist Betreiber des Abfallzentrums Balakhani. Die Förderung der Weltbank für das Projekt läuft Anfang 2018 aus. Der staatliche Versorger Azersu investiert in die Verbesserung der Wasserwirtschaft. Unterstützung erhält er von der KfW (Projekte in Ganja und Scheki) und der ADB. Die Starnberger Econ Industries unterstützt SOCAR bei der Aufbereitung von Bohrschlamm.

Textil- und Bekleidungsindustrie: Textilindustriepark in Mingachevir im Aufbau

Die Textilindustrie stand in den ersten elf Monaten 2016 nur für 0,9% der Produktion im verarbeitenden Gewerbe. Die Regierung hegt jedoch große Pläne für den Sektor. Der Baumwollanbau und die Zucht von Seidenraupen sollen stark ausgeweitet werden. Hierzu erhalten die Produzenten staatliche Förderung. Der im September 2016 gegründete Industriepark Mingachevir soll zu einem Zentrum der Textilindustrie werden. Die Arbeiten am Bau des Werks Mingachevir Tekstil mit einer geplanten Kapazität von 20.000 t Garn pro Jahr haben begonnen. Acht weitere Fabriken könnten folgen.

Einen Ausblick auf die gesamtwirtschaftliche Entwicklung finden Sie unter: http://www.gtai.de/GTAI/Navigation/DE/Trade/Maerkte/Wirtschaftsklima/wirtschaftsausblick,t=wirtschaftsausblick-august-2017--aserbaidschan,did=1769390.html

Dieser Artikel ist relevant für:

Aserbaidschan Land- und Forstwirtschaft, Fischerei, allgemein, Nahrungs- und Genussmittel, allgemein, Energie, Wasser, Wärme, allgemein, Bauwirtschaft, allgemein, Textilien, Bekleidung, Leder, allgemein, Umweltschutz, Entsorgung, Klimaschutz, allgemein, Chemische Industrie, allgemein, Gesundheitswesen allgemein, Medizintechnik, allgemein, Maschinen- und Anlagenbau, allgemein, Straßenfahrzeuge, allgemein, Öl, Gas

Funktionen

Kontakt

Katrin Kossorz

‎+49 228 24 993 268

Suche / Mann mit Lupe | © GettyImages/BernardaSv

Suche

Recherchieren Sie aktuelle Marktanalysen, Wirtschaftsdaten, Zoll- und Rechtsinformationen, Projekte und Ausschreibungen aus über 120 Ländern.

Zur Suche