Branchencheck

19.01.2017

Produktmärkte in Litauen 2017

Inhalt

EU-Fördermittel sorgen für Investitionen in vielen Branchen / Impulse durch neue Regierung erwartet / Von Marc Lehnfeld

Vilnius (GTAI) - Viele litauische Unternehmen erwarten gespannt die wirtschaftspolitischen Maßnahmen der neuen Regierung, unter anderem in der Energiepolitik, auf dem Kfz-Markt und in der Bauwirtschaft. Für einen Investitionsschub werden auch die EU-Fördermittel sorgen, zum Beispiel bei den Maschinenkäufen im Agrarsektor. Deutsche Unternehmen finden über Großprojekte interessante Einstiegsmöglichkeiten.

Maschinenbauindustrie: Maschinenmarkt in Litauen wird anspruchsvoller

Die Nachfrage an Maschinen und Ausrüstungen im größten baltischen Markt ist nach wie vor hoch. Neue EU-Fördermittel werden 2017 für weiteren Schwung sorgen. Nach Einschätzung des litauischen Verbands der Ingenieurbranchen Linpra rücken Automatisierungslösungen für produzierende Unternehmen immer mehr ins Blickfeld. Der Grund dafür sind die steigenden Löhne durch den abwanderungsbedingten Fachkräftemangel. Immer mehr Industrieunternehmen ersetzen daher fehlende Facharbeiter durch Maschinen. Bevorzugten litauische Unternehmen bis vor einigen Jahren noch preiswerte Anlagen, liegt der Fokus nun auf hochwertigeren Maschinen mit schnellem technischem Kundendienst.

Weitere Informationen: Branche kompakt - Maschinen- und Anlagenbau

https://www.gtai.de/GTAI/Navigation/DE/Trade/Maerkte/Branchen/Branche-kompakt/branche-kompakt-maschinen-und-anlagenbau,t=branche-kompakt-maschinen-made-in-germany-bei-litauischen-firmen-stark-gefragt,did=1582854.html

Gute Geschäftschancen für Maschinenbauer im Baltikum

http://www.gtai.de/GTAI/Navigation/DE/Trade/Maerkte/suche,t=gute-geschaeftschancen-fuer-maschinenbauer-im-baltikum,did=1595484.html

Chemieindustrie: Gute Konjunktur in der Erdölraffinerie

Die Erdölraffinerie des polnischen Konzerns Orlen im litauischen Mazeikiai konnte 2016 ihren Gewinn und ihre Auslastung erhöhen, trotz des niedrigen Ölpreises. Mit dem Anziehen der Ölpreise in 2017 wird die Raffinerie als größter Player der Branche und größtes Unternehmen im Land bei Modernisierungsprojekten für deutsche Anlagenbauer interessant. In der Düngemittelproduktion ist - wegen der Branchenzyklen - beim Unternehmen Lifosa im nächsten und übernächsten Jahr mit Verlusten und folglich niedrigeren Investitionen zu rechnen. Konkrete Investitionspläne in der Kunststoffindustrie sind derzeit nicht bekannt.

Energiewirtschaft: Neue Energiestrategie erwartet - ohne alte AKW-Pläne

Die Unternehmen im litauischen Energieverband erwarten die Energiestrategie der in 2016 gewählten Regierung. Für die Unternehmen ist der weitere Anschluss an die europäischen Energienetze ein wichtiges Thema. Im Zuge der neuen Energiestrategie ist zu erwarten, dass das AKW-Projekt Visaginas verworfen werden wird. Das deutsche Unternehmen Steinmüller Babcock Environment ist an der Planung eines neuen Heizkraftwerks in Vilnius beteiligt. Ein weiteres Heizkraftwerk in Kaunas, das ein Projektvolumen von 140 Mio. Euro hat, wird von Lietuvos Energija umgesetzt und befindet sich in der Planungsphase. Der Ausbau der Fernwärmenetze ist wegen der langwierigen Einigungsprozesse beim Anschluss von Mehrfamilienhäusern weiterhin schwierig.

Weitere Informationen: Baltische Staaten locken mit Großprojekten

http://www.gtai.de/GTAI/Navigation/DE/Trade/Maerkte/suche,t=baltische-staaten-locken-mit-grossprojekten-und-steigenden-anlageinvestitionen,did=1520342.html

Bauwirtschaft: Hotelprojekte und Rail Baltica im Fokus

Nach Einschätzung des litauischen Verbands der Immobilienentwickler ist die Stimmung der Branche ungebrochen gut. Zu den zahlreichen Bauprojekten von Geschäftsgebäuden kommen in den nächsten Jahren wegen der hohen Auslastung zusätzliche Hotels hinzu. Im Jahr 2017 soll in Vilnius mit dem Bau von bis zu 15 Hotels begonnen werden. Neben der Hauptstadt ist die Bauaktivität bei Geschäftsgebäuden auch in Kaunas und Klaipeda hoch. Im Tiefbau fließen die öffentlichen Fördermittel vor allem in den Ausbau der Rail Baltica-Strecke von Kaunas zur lettischen Grenze. Die Autobahnsanierung für die Strecke von Vilnius nach Utena soll als PPP-Projekt realisiert werden.

Gesundheitswirtschaft: Gesundheitssektor braucht Reformen

Trotz zahlreicher Investitionen in den letzten Jahren bleibt der Reformbedarf im litauischen Gesundheitssektor hoch. Die Analysten von Espicom erwarten; dass der Medizintechnikmarkt bis 2019 jahresdurchschnittlich um nominal 6,7% wachsen wird. EU Fördermittel sorgen für Impulse bei den Investitionen und den Beschaffungen der öffentlichen Hand. Bis zum Jahr 2020 wird die Regierung vor allem in die Verbesserung der Versorgung auf dem Land investieren. Private Zusatzversicherungen könnten in Zukunft eine größere Rolle spielen. Auch im Augenoptikmarkt erwarten Analysten in den kommenden Jahren steigende Umsätze, dies vor dem Hintergrund der wachsenden Konsumfreude im Land.

Weitere Informationen: Branche kompakt - Medizintechnik

http://www.gtai.de/GTAI/Navigation/DE/Trade/Maerkte/Branchen/Branche-kompakt/branche-kompakt-medizintechnik,t=branche-kompakt-medizintechnikmarkt-in-litauen-wartet-auf-eufoerderung,did=1599146.html

Augenoptikmarkt profitiert von der Konsumfreude in Litauen

https://www.gtai.de/GTAI/Navigation/DE/Trade/Maerkte/suche,t=augenoptikmarkt-profitiert-von-der-konsumfreude-in-litauen,did=1586332.html

Landwirtschaft: Biotreibstoffe und Hanfverarbeitung liegen im Trend

Nach Ansicht der litauischen Landwirtschaftskammer ist die Stimmung in der Branche durchschnittlich. Die für den Maschinenmarkt wichtigen Landwirtschaftsbetriebe werden 2017 und 2018 hauptsächlich mithilfe von EU-Fördermitteln investieren. Markttrends sind die Entwicklung von Treibstoffen aus Biomasse und die Verarbeitung von Hanf. In der Branche leidet die Milchwirtschaft nach Einschätzung der Kammer noch unter den russischen Einfuhrsanktionen, der Getreidesektor verzeichnete eine schlechte Ernte in 2016 und die Schweinezucht kämpft mit den Folgen der Schweinepest.

Gas: Ausschreibung für Pipelineverbindung nach Polen

Bis 2021 soll basierend auf hohen Investitionen und der Zusammenarbeit der Regierungen in den baltischen Staaten ein einheitlicher Gasmarkt im Baltikum entstehen. Über die polnisch-litauische Gaspipeline GIPL wird das Baltikum dann an das europäische Netz angeschlossen. Die 558 Mio. Euro teure Pipeline wird unter anderem mit Hilfe von EU-Mitteln co-finanziert und voraussichtlich im Jahr 2021 fertiggestellt. Die Ausschreibung für den Bau der litauisch-polnischen Gaspipeline GIPL wird in 2017 veröffentlicht, nachdem Änderungen am Streckenverlauf auf polnischer Seite das Projekt um ein Jahr verschoben haben.

Nahrungsmittelmarkt: Lidl investiert weiter

Nach dem erfolgreichen Markteintritt 2016 wird der deutsche Lebensmitteleinzelhändler Lidl in 2017 weitere rund 60 Mio. Euro in den Ausbau des Filialnetzes investieren. Aus dem Stand erreichte der Händler nach Medienberichten bereits einen Marktanteil von 8,4%. Der Biotrend im Lebensmitteleinzelhandel entwickelt sich in Litauen langsam. Obwohl sich die Bevölkerung für gesunde Ernährung interessiert, besteht nach Einschätzung des Verbands der litauischen Lebensmittelindustrie nur ein geringes Vertrauen in Öko- und Bioabzeichen. Der Verband zeigt sich über die Nettoabwanderung besorgt, die bereits zu einer leichten Marktschrumpfung führt.

Weitere Informationen: Steigende Löhne treiben Einzelhandel in Estland, Lettland und Litauen

https://www.gtai.de/GTAI/Navigation/DE/Trade/Maerkte/suche,t=steigende-loehne-treiben-einzelhandel-in-estland-lettland-und-litauen,did=1462530.html

Kfz-Markt: Hohes Wachstums beim Kfz-Absatz in 2017

Der Kfz-Markt in Litauen ist zwar klein, doch das Wachstumspotenzial ist groß, weil die Fahrzeuge im Durschnitt 15 Jahre alt sind. Er wird erwartet, dass die Regierung in 2017 bekannt gibt, wie sie den Absatz von Kfz fördern will. Nach Einschätzung des litauischen Verbands der Kfz-Händler wird der Fahrzeugabsatz in 2017 um etwa 10% zulegen, nach 20% im Jahr zuvor. Die Neuregistrierungen von Pkw sind zwischen Januar und November 2016 im Vergleich zum entsprechenden Vorjahreszeitraum um 19% gestiegen. In der Elektromobilität soll die Ladesäuleninfrastruktur auf 300 Stationen ausgebaut werden.

Dieser Artikel ist relevant für:

Litauen Land- und Forstwirtschaft, Fischerei, allgemein, Nahrungs- und Genussmittel, allgemein, Energie, Wasser, Wärme, allgemein, Bauwirtschaft, allgemein, Chemische Industrie, allgemein, Gesundheitswesen allgemein, Medizintechnik, allgemein, Fahrzeuge, -zubehör, allgemein, Maschinen- und Anlagenbau, allgemein, Öl, Gas

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