Branchencheck

20.06.2017

Produktmärkte in Nigeria (Juni 2017)

Inhalt

Konsumnahe Bereiche bleiben trotz Krise interessant / Von Carsten Ehlers

Abuja (GTAI) - Die Wirtschaftskrise in Nigeria führt in vielen Branchen zu einem Einbruch der Geschäfte. Im Ölsektor, dem Gesundheitsbereich sowie den verschiedenen Infrastrukturbereichen wurden die Aktivitäten heruntergefahren. Deutlich besser ist die Situation in Sektoren, die auf den Konsum setzen. Hierzu zählen die Landwirtschaft sowie die Nahrungsmittel- oder auch die Kosmetikindustrie. Fast 190 Mio. Einwohner bilden einen der größten und zudem unterversorgtesten Märkte weltweit.

Chemieindustrie: Beiersdorf startet Produktion in Nigeria

Die lange Jahre geplante Ölraffinerie von Dangote befindet sich inzwischen im Bau und soll 2019 fertiggestellt werden. Sie soll eine Kapazität von 650.000 Barrel pro Tag (bpd) erhalten und wird damit eine der größten weltweit sein. Auch deutsche Unternehmen wie MAN Turbo sind als Zulieferer beteiligt. Das mit 12 Mrd. US$ veranschlagte Projekt ist derzeit die mit Abstand größte Investition in Nigeria. Darüber hinaus baut Dangote nahe der Raffinerie eine Düngemittelfabrik. Erstmals in Nigeria fertigen wird der deutsche Körperpflegemittelhersteller Beiersdorf. Er hat im April 2017 seine Nivea-Produktionsstätte in Matori eröffnet. Nigeria ist mit seinen jetzt schon fast 190 Mio. Einwohnern einer der Zukunftsmärkte für die Körperpflegemittel- und Kosmetikindustrie.

Energiewirtschaft: Azura-Edo-IPP befindet sich im Bau

Das herausragende Energieprojekt in Nigeria wird zurzeit unter signifikanter Beteiligung deutscher Unternehmen realisiert: Das 450 MW-Gaskraftwerk Azura-Edo-IPP. Im Jahr 2018 soll das von Julius Berger Nigeria gebaute Kraftwerk ans Netz gehen. Siemens liefert die Turbinen und sorgt zudem für die Instandhaltung. Azura-Edo zeigt, wo unter anderem die Beteiligungschancen für deutsche Unternehmen im Energiesektor liegen: Bau, Zulieferung von Technologie, Instandhaltung und Beratung. Interessant sein könnten auch der Betrieb und die Finanzierung. Nigerias Stromsektor befindet sich in einem sehr schlechten Zustand. Nur etwa 4.000 MW bringen die zumeist maroden Kraftwerke an Kapazität. Benötigen würde Nigeria etwa das Zehnfache. Für den Ausbau von Überlandleitungen stellt die Weltbank etwa 800 Mio. $ zur Verfügung.

Bauwirtschaft: Baumaschinenlieferungen aus Deutschland sind eingebrochen

Die Lieferchancen für Baumaschinen oder hochwertige Werkzeuge dürften auf absehbare Zeit gering sein. Dem Bausektor geht es schlecht. Ausbleibende Öleinnahmen seitens der Regierung sowie die anhaltenden Devisenprobleme sorgen dafür, dass kaum noch Projekte durchgeführt werden. Der private Hochbau ist besonders stark in Mitleidenschaft gezogen. Etwas besser sieht es noch im Infrastrukturbereich aus. Allerdings hat der Staat den Projektumfang aufgrund fehlenden Geldes deutlich zurückschrauben müssen und beschränkt sich derzeit auf das Nötigste. Dementsprechend eingebrochen sind die deutschen Lieferungen von Baumaschinen nach Nigeria. Nach Angaben des Verbandes Deutscher Maschinen- und Anlagenbau e.V. (VDMA) lagen diese 2016 wertmäßig bei unter 10 Mio. Euro. Noch 2014 hatte der Lieferumfang 42 Mio. Euro betragen.

Weitere Informationen:

http://www.gtai.de/GTAI/Navigation/DE/Trade/Maerkte/Branchen/Branche-kompakt/branche-kompakt-bauwirtschaft,t=branche-kompakt-nigerias-bauwirtschaft-geraet-tiefer-in-die-krise,did=1593918.html

Gesundheitswirtschaft: Anschaffungen werden verschoben

Angesichts der Wirtschaftskrise halten sich auch die Investitionen im Gesundheitssektor in engen Grenzen. Insbesondere die Lieferungen von Medizintechnik dürften auf absehbare Zeit niedrig ausfallen. Krankenhausprojekte sowohl von privater als auch staatlicher Seite werden derzeit nicht durchgeführt. Wenn, dann geht es um die Modernisierung bestehender Einrichtungen. Allerdings werden Investitionen aufgrund der Devisenproblematik falls irgend möglich verschoben. Sämtliches medizintechnisches Gerät muss in Nigeria importiert werden. Der Markt für Medizintechnik dürfte 2017 nach Einschätzung von Experten einen Wert von um die 100 Mio. $ erreichen. In guten Jahren liegt der Lieferumfang bei über 150 Mio. $.

Weitere Informationen:

http://www.gtai.de/GTAI/Navigation/DE/Trade/Maerkte/Branchen/Branche-kompakt/branche-kompakt-medizintechnik,t=branche-kompakt-flaute-am-markt-fuer-medizintechnik-in-nigeria,did=1599148.html

Kfz-/Kfz-Teile-Produktion: Wirtschaftskrise bringt Montage zum Erliegen

Die Hoffnung, dass sich Nigeria zu einem größeren Montagestandort entwickelt, muss vorerst aufgeschoben werden. Im Zuge der mangelnden Devisenverfügbarkeit ist auch die lokale Montage, die sich seit 2013 auf sehr niedrigem Niveau entwickelte, zum Erliegen gekommen. Nach Einführung des National Automotive Industry Development Plan (NAIDP) hatten einige Automobilhersteller mit lokaler Montage begonnen, jedoch in sehr geringer Stückzahl und Fertigungstiefe. Die 2015 neu gewählte Regierung verfolgt das NAIDP nicht weiter. Nigeria gilt als einer der vielversprechendsten und gleichzeitig unterversorgtesten Märkte bei Neuwagen. Sollte sich die Wirtschaft wieder erholen, ist es wahrscheinlich, dass Kfz-Produzenten zumindest wieder mit einer Fertigung in Nigeria liebäugeln.

Landwirtschaft: Investitionen nehmen an Fahrt auf

Die Wirtschaftskrise scheint wie erhofft zu einem Wiederaufleben der lokalen Nahrungsmittelproduktion zu führen. Absatzchancen für Landtechnik oder Agrochemie dürften in den kommenden Jahren daher tendenziell steigen. Negativ wirkt sich jedoch der Devisenengpass aus. Marktkenner berichten von diversen sehr professionellen privaten Investitionen im Norden, im Middle-Belt (Abuja, Kaduna, Jos) sowie im Großraum Lagos. Die Investitionen zielen vor allem auf die Versorgung des heimischen Marktes. Mit dem Management der Farmen werden unter anderem Bauern aus Südafrika oder Simbabwe beauftragt. Im Vordergrund steht dabei der Anbau von Mais, Kassava, Reis oder Tomaten. Ebenfalls viel Geld fließt in den Aufbau von Geflügelfarmen in der Nähe der Stadt Sokoto im Norden Nigerias.

Weitere Informationen:

http://www.gtai.de/GTAI/Navigation/DE/Trade/Maerkte/suche,t=optimismus-in-der-nigerianischen-nahrungsmittelindustrie,did=1743060.html

Nahrungsmittelindustrie: Weiter hohe Bestellungen an Maschinen

Trotz Wirtschaftskrise geht es der nigerianischen Nahrungsmittelindustrie vergleichsweise gut. Zwar leiden die Hersteller auch unter der mangelnden Devisenverfügbarkeit, aber die Bestellungen von Nahrungsmittel- und Verpackungsmaschinen aus Deutschland sind 2016 im Vergleich zum Vorjahr gestiegen. Nach Angaben des VDMA lagen sie 2015 bei etwa 50 Mio. Euro und 2016 bei 54 Mio. Euro. Durch die teuren Nahrungsmittelimporte ist die Bereitschaft zu lokalen Investitionen in der Lebensmittelindustrie generell hoch. Daher ist in den kommenden Jahren eher mit einem steigenden Liefergeschäft aus deutscher Sicht zu rechnen. Investiert wird insbesondere im Großraum Lagos seit einigen Jahren in Fertigungslinien für preisgünstige Nahrungsmittel.

Weitere Informationen:

http://www.gtai.de/GTAI/Navigation/DE/Trade/Maerkte/suche,t=optimismus-in-der-nigerianischen-nahrungsmittelindustrie,did=1743060.html

Öl / Gas: Investitionen bleiben vorerst aus

Investiert wird derzeit nicht in Nigerias Ölsektor. Dafür sind die Rahmenbedingungen (Ölpreis, fehlende Regulierung seitens der Regierung) zu schlecht. Aktuell sind die Ölfirmen bestrebt, die Kosten gering zu halten und geben nur das Nötigste aus. Chancen für Zulieferer und Dienstleister sind daher gering und dürften es bis auf Weiteres auch bleiben. Immerhin scheint die schwierigste Zeit überstanden. Mitte 2016 sorgten Sabotageakte an nigerianischen Ölpipelines für einen Abfall der Produktion auf 1,4 Mio. bpd. Diese hat sich inzwischen wieder auf ein "normales" Niveau von 2,0 Mio. bpd eingependelt. Dringend anpassen muss die neue Regierung den regulativen Rahmen für den Ölsektor. Dieser hält auch bei einem hohen Ölpreis Investoren von Nigeria fern.

Umwelttechnik (Wasser und Abfall): Keine politische Priorität

(abs)Liefer- und Beratungschancen im nigerianischen Wasser-, Abwasser- und Abfallsektor bestehen für deutsche Unternehmen derzeit nur sehr vereinzelt. Aufgrund der Wirtschaftskrise ist die Staatskasse leer. Zudem genießen diese Sektoren nur geringe politische Priorität und liegen in der Verantwortung von äußerst maroden staatlichen Unternehmen,. Jedoch ist in allen Bereichen in den kommenden Jahren mit einem zunehmenden Engagement von Gebern zu rechnen. Im Abfallsektor sorgt das stark steigende Müllaufkommen in einem der am dichtesten besiedelten Länder der Welt für eine erhebliche Dringlichkeit. Insbesondere in den Bereichen Abfalltrennung und -verwertung sind Lösungen gefragt. Gleiches gilt für die Abwasserentsorgung in den zahlreichen Millionenstädten des Landes.

Weitere Informationen:

http://www.gtai.de/GTAI/Navigation/DE/Trade/Maerkte/Branchen/Branche-kompakt/branche-kompakt-recycling-und-entsorgungswirtschaft,t=branche-kompakt-abfallwirtschaft-in-nigeria-immer-noch-ohne-politische-prioritaet,did=1738342.html

(abs)

Nahrungsmittelmarkt: Der Preis zählt

Trotz zunehmender Investitionen in die lokale Nahrungsmittelproduktion bleibt Nigeria einer der weltgrößten Nahrungsmittelimporteure. Experten schätzen, dass das Land jährlich etwa 6,5 Mrd. $ für Nahrungsmitteleinfuhren ausgeben muss. In den kommenden Jahren wird die Nachfrage weiter bestehen, allerdings bei geringerer Kaufkraft der nigerianischen Bevölkerung. Für deutsche Nahrungsmittel gibt es dann einen Markt, wenn der Preis niedrig ist. Erst seit etwa zehn Jahren breitet sich in Nigeria ein formeller Einzelhandel mit Supermärkten (vor allem durch die südafrikanische Shoprite) aus. Ebenfalls zunehmend auf importierte Nahrungsmittel setzen in ihrer Produktpalette die E-Commerce-Anbieter Jumia und Konga.

Weitere Informationen:

http://www.gtai.de/GTAI/Navigation/DE/Trade/Maerkte/suche,t=optimismus-in-der-nigerianischen-nahrungsmittelindustrie,did=1743060.html

Kfz-Markt: Deutsche Oberklasse-Pkw verkaufen sich weiter

Nach einem bereits schlechten Neuwagenverkauf von etwa 20.000 Stück im Jahr 2015 sprachen Kfz-Hersteller von einem noch schlechteren Jahr 2016. Auch auf mittlere Sicht dürfte das Kfz-Geschäft schwierig bleiben. Industrie und Ölsektor haben ihre Bestellungen von Lkw deutlich reduziert und die nigerianische Mittelklasse reagiert ebenfalls sehr sensibel auf die Krise. Statt eines Neuwagens wird nun wieder auf Gebrauchtwagen ausgewichen. Deutsche Pkw-Hersteller haben mit Mittelklasse-Pkw in Nigeria ohnehin keinen Markt, weil sie zu teuer sind. Reiche Nigerianer kaufen sich aber deutsche Oberklasse-Pkw. Und diese Kundschaft kann sich den Erwerb auch in schwierigen Zeiten noch leisten.

Weitere Informationen:

http://www.gtai.de/GTAI/Navigation/DE/Trade/Maerkte/Branchen/Branche-kompakt/branche-kompakt-kfz-industrie-und-kfz-teile,t=branche-kompakt-nigerias-automobilsektor-faehrt-weiter-im-krisenmodus,did=1742260.html

Einen Ausblick auf die gesamtwirtschaftliche Entwicklung finden Sie unter: http://www.gtai.de/GTAI/Navigation/DE/Trade/Maerkte/Wirtschaftsklima/wirtschaftsausblick,t=wirtschaftsausblick-juni-2017--nigeria,did=1734918.html

Dieser Artikel ist relevant für:

Nigeria Land- und Forstwirtschaft, Fischerei, allgemein, Nahrungs- und Genussmittel, allgemein, Energie, Wasser, Wärme, allgemein, Bauwirtschaft, allgemein, Umweltschutz, Entsorgung, Klimaschutz, allgemein, Chemische Industrie, allgemein, Gesundheitswesen allgemein, Straßenfahrzeuge, allgemein, Öl, Gas

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