Made in Germany: Das Erfolgslabel auf dem Prüfstand

13.08.2018

"Made in Germany" steht in Australien für Verlässlichkeit

Guter After-Sales-Service ist wichtig / Von Werner Kemper

Sydney (GTAI) - "Made in Germany" lässt in Australien die Kassen klingeln. Deutsche Produkte erfreuen sich großer Beliebtheit. In vielen Sektoren stieg ihr Anteil an den Importen in den letzten Jahren an. Besonders geschätzt werden Qualität, Verlässlichkeit und das Design. Ein gut funktionierender After-Sales-Service ist aber unverzichtbar. Die enger werdenden politischen Beziehungen zwischen Deutschland und Australien stärken das ohnehin hohe Ansehen Deutschlands sowie den Absatz deutscher Produkte.

Deutsche Produkte genießen in Australien einen ausgezeichneten Ruf. Auf dem fünften Kontinent verbindet man mit ihnen eine hohe Qualität, extreme Zuverlässigkeit und ein ansprechendes Design.

In den letzten Jahren sind die bilateralen Beziehungen zwischen Deutschland und Australien enger geworden. Trotz der großen geografischen Distanz sind sich beide Länder politisch und kulturell nahe. Das gute Verhältnis spiegelt sich im engen politischen Austausch mit häufigen Treffen wider, etwa dem Besuch der Bundeskanzlerin anlässlich des G20-Gipfels in Brisbane 2014 oder dem Auftritt des Bundespräsidenten bei der Asia-Pacific Regional Conference in Perth im November 2017. Darüber hinaus besuchen Tausende junge Deutsche Australien im Rahmen eines Work-and-Travel-Aufenthaltes für sechs bis zwölf Monate. Sie verstärken den vorhandenen Eindruck, dass Deutsche fleißig und zuverlässig sind.

Ereignisse in Deutschland sind in Australien Teil der allgemeinen Berichterstattung. Der Abgasskandal der deutschen Automobilindustrie wurde jedoch kaum wahrgenommen. Deutsche Pkw sind nach wie vor beliebt und erzielen jährlich Absatzrekorde. Die Verzögerungen beim Bau des Berliner Flughafens BER wurden allerdings auch in Australien registriert. Sie sind Anlass für Schadenfreude. Diese Fehlbarkeit macht Deutschland bei den Australiern aber gleichzeitig sympathisch.

Welche Begriffe werden in Australien mit dem Label "Made in Germany" assoziiert?
1 Hohe Qualität
2 Sehr verlässlich
3 Verleiht Status
4 Innovativ
5 Gutes Design

Quelle: Recherchen von Germany Trade & Invest

Konsumgüter aus Deutschland gehören zum Alltag

Viele deutsche Produkte sind nur schwer aus dem Leben der Australier wegzudenken. So gibt es kaum eine Küche ohne deutsche Geräte. Deutsche Regalsysteme gelten als schick und gleichzeitig robust, eine Anschaffung fürs Leben. Im Büro sind deutsche Produkte, vom Bleistift bis zum Ordner, Standardausrüstung.

Auch bei Lebensmitteln spielen deutsche Erzeugnisse eine immer größere Rolle. Ihre Einfuhr stieg im Jahr 2016 im Vergleich zu 2015 um 23,8 Prozent: von 4,1 Millionen auf 5,1 Millionen US-Dollar (US$). Die Anbieter profitieren vom Erfolg und der zunehmenden Präsenz von Aldi. Der Discounter punktet mit niedrigen Preisen, aber auch mit seiner Produktpalette, die beliebte, typisch deutsche Waren wie Christstollen enthält. Wenn Kaufland als nächster deutscher Discounter Märkte in Australien eröffnet, könnte dies den Absatz deutscher Produkte zusätzlich befeuern.

Deutsche Produkte gewinnen Marktanteile

In der Medizintechnik steigerte Deutschland seinen Marktanteil von 2015 auf 2016 von 9,8 Prozent auf 9,9 Prozent und verteidigte damit Platz zwei. Mit Abstand Marktführer bleiben die USA. Auf den Plätzen drei bis fünf folgen Irland, die Schweiz und Mexiko. Für Arzneimittel war Deutschland 2015 wichtigstes Lieferland. Erstmals wurden die USA auf Platz zwei verdrängt. Allerdings stiegen 2016 die Arzneimittelimporte aus Irland um 70 Prozent auf 1,3 Milliarden US$. Irland verwies damit Deutschland (1,21 Mrd. US$) und die USA (1,18 Mrd. US$) auf die weiteren Plätze.

Deutsche Investitionsgüter haben ebenfalls hohe Marktanteile. Zwar gewinnen chinesische Produkte zunehmend an Bedeutung. Allerdings gilt dies nahezu ausschließlich für das untere Preissegment. Bei Bau- und Bergbaumaschinen erweiterte Deutschland seinen Importanteil von 4,3 Prozent im Jahr 2015 auf 5 Prozent 2016. Allerdings ging dabei das wertmäßige Volumen um 17,6 Prozent zurück. Denn die Gesamtnachfrage nach Bau- und Bergbaumaschinen brach 2016 um 71 Prozent ein.

Deutsche Kfz hatten 2016 einen Importanteil von 17 Prozent, konnten damit ihr Ergebnis gegenüber dem Vorjahr um 2 Prozentpunkte verbessern und liegen auf Platz zwei. Marktführer Japan hat einen Anteil von 32,7 Prozent. Kfz aus den USA sind von Platz drei auf Platz fünf, hinter Südkorea und Thailand zurückgefallen. Bei Luxusfahrzeugen ist Deutschland seit Jahren unangefochtener Primus. Das ist umso bedeutsamer, weil auf sie eine Luxussteuer erhoben wird und Australien mit der EU noch kein Freihandelsabkommen geschlossen hat - so wie mit den meisten Konkurrenzländern.

Wie werden deutsche Produkte und Dienstleistungen in Australien wahrgenommen?
Deutsche Produkte und Dienstleistungen? Trifft vollkommen zu Trifft teilweise zu Trifft weniger zu Trifft nicht zu
haben eine überdurchschnittlich hohe Qualität. x
sind innovativ. x
sind vergleichsweise günstig. x
sind besonders vertrauenswürdig. x
repräsentieren einen hohen Status. x
sind bekannt/werden gut vermarktet. x
sind ein gutes Gesamtpaket im Vergleich zu anderen Produkten/Dienstleistungen. x
sind leicht beschaffbar. x
haben ein attraktives Design. x

Quelle: Recherchen von Germany Trade & Invest

Kundenbetreuung ist wichtig

Ein funktionierender After-Sales-Service und eine Präsenz vor Ort sind für den Verkaufserfolg deutscher Firmen in Australien unverzichtbar. Bernd Portugall, Managing Director von Winder Controls und Vorstandsmitglied der Deutsch-Australischen Industrie- und Handelskammer (AHK) betont darüber hinaus den Nutzen des "Made in Germany"-Siegels. "Sobald Kunden erfahren, dass es sich um deutsche Maschinen oder generell ein deutsches Produkt handelt, werden sie hellhörig. Deutsche Qualitätsstandards sind ein nicht zu unterschätzendes Verkaufsargument. Auch ein gutes Design ist äußerst wichtig. Unsere Designs werden deshalb immer vom deutschen Mutterhaus in Haiger verifiziert", sagt Portugall. Winder Controls ist in Australien ein Systemanbieter, unter anderem im fördertechnischen Maschinen- und Anlagenbau.

Freihandelsabkommen mit der EU in Verhandlung

Laut Plan soll Ende 2019 ein Freihandelsabkommen zwischen der Europäischen Union (EU) und Australien beschlossen werden. Damit würden zwischen deutschen Herstellern und ihren wichtigsten Konkurrenten aus den USA, Japan, China, Südkorea, Malaysia und Thailand gleiche Ausgangsbedingungen entstehen. Neben dem Wegfall von Zöllen ist die Anerkennung europäischer Normen und Standards ein wichtiger Verhandlungspunkt. Das Abkommen würde mit hoher Wahrscheinlichkeit zu einem Nachfrageschub nach deutschen Produkten führen. Die in Australien niedergelassenen deutschen Firmen stehen im engen Austausch mit den Verhandlungsführern beider Seiten. Moderiert werden die unregelmäßigen Treffen von der AHK in Sydney.

Wie hilfreich ist das Label "Made in Germany" in Australien?
Branche Bewertung *) Begründung
Maschinenbau 3 Deutschen Herstellern wird hohe Kompetenz zugesprochen. Geschätzt werden vor allem die Verlässlichkeit, die Qualität und das Design der Produkte.
Umwelttechnik 2 Deutschland gilt (noch) als Vorreiter im Umweltschutz. Das "grüne" Image fördert den Verkauf entsprechender Produkte.
Informations- und Kommunikationstechnik 1 "Made in Germany" steht hier nicht so im Vordergrund, wie in anderen Bereichen. Von einigen großen deutschen Anbietern wissen die Kunden nicht unbedingt, dass es deutsche Firmen sind.
Energietechnik 2 Anbieter profitieren vom guten Ruf deutscher Umwelttechnik, allerdings sind sie unter anderem durch China einer starken Konkurrenz ausgesetzt.
Gesundheitswesen 3 Deutsche Produkte sind beliebt und bestechen durch Innovation. Pharmazeutische Produkte aus Deutschland haben einen hohen Marktanteil.
Consulting (Architektur- und Ingenieur-dienstleistungen) 1 Sehr starkes Konkurrenzumfeld. "Made in Germany" ist kein entscheidender Faktor.
Kfz 3 Australier lieben deutsche Autos. Design, Liebe zum Detail und Qualität sind die wichtigsten Merkmale.
Möbel 3 Eine australische Küche ohne deutsche Geräte ist nahezu undenkbar.
Nahrungsmittel 2 Deutsche Nahrungsmittel werden immer beliebter, auch durch den Erfolg von Aldi. Durch den geplanten Markteintritt von Kaufland rückt das deutsche Angebot weiter in den Fokus.

*) 0 = kontraproduktiv, 1 = neutral (keine Wirkung), 2 = bedingt hilfreich, 3 = sehr hilfreich

Quelle: Recherchen von Germany Trade & Invest

Deutschlands wichtigste ausländische Konkurrenten auf dem australischen Markt
Branche Wichtigste Konkurrenten Begründung/Erläuterung
Maschinenbau Südkorea, USA, China Die Hauptkonkurrenten profitieren von bilateralen Freihandelsabkommen mit Australien.
Energietechnik USA, China, Japan Gerade bei erneuerbaren Technologien haben chinesische Produkte enorm aufgeholt, beziehungsweise eine ähnlich gute Qualität wie deutsche Produkte erreicht. Sie sind jedoch deutlich günstiger.
Gesundheitswesen Irland, USA, Schweiz Die weltweit größten Pharmakonzerne kommen aus Deutschland, der Schweiz und den USA. Diese konkurrieren auf allen Weltmärkten miteinander.
Kfz Japan, Südkorea, USA Alle drei genannten Konkurrenten zahlen durch ihre Freihandelsabkommen keine Zollabgaben. Deshalb sind ihre Produkte zum Teil deutlich günstiger.
Möbel Billigsegment: China, Malaysia, Vietnam; gehobene Klasse: Italien, USA, Vereinigtes Königreich (VK) Einfache Möbel aus China oder Südostasien sind unschlagbar günstig. Bei Möbeln aus Italien und dem VK besticht das Design.
Nahrungsmittel Neuseeland, USA, China Neuseeland ist der weltweit größte Erzeuger von Molkereiprodukten und der direkte Nachbar von Australien.
Körperpflegemittel/Kosmetik USA, Frankreich, Thailand Französische Produkte gelten als besonders edel. Thailand besticht durch den Preis.

Quelle: Recherchen von Germany Trade & Invest

Germany Trade & Invest hat 2018 seine Auslandsmitarbeiter in 43 Ländern gefragt, wie das Label "Made in Germany" in ihrem Standortland wahrgenommen wird. Die vollständigen Texte zu allen untersuchten Ländern finden Sie unter www.gtai.de/made-in-germany

Weitere Informationen zu Australien finden Sie unter www.gtai.de/australien

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