E-Commerce und Onlinehandel in Japan

Japans Einzelhandel wird zunehmend per Mausklick gesteuert

Mit der Einstellung, dass der Onlinehandel weniger Anpassung erfordert, sollte ein ausländisches Unternehmen in Japan besser nicht an den Start gehen. Auch im Internet müssen die speziellen Wünsche der anspruchsvollen Konsumenten erfüllt werden. Lukrativ ist der Markt schon: Die kaufkräftigen Japaner stöbern immer öfter in den „virtuellen Regalen“, und gerade ausländische Produkte werden gerne im „World-Wide-Web“ erstanden.

15.09.2017

Japanische Verbraucher haben hohe Ansprüche

Japan ist ein sehr spezieller Konsumgütermarkt. Ein ausländisches Unternehmen, das es hier geschafft hat, muss sich im Regelfall keine Sorgen machen, in anderen asiatischen Absatzmärkten auch Fuß fassen zu können. In erster Linie ist es die im internationalen Vergleich hohe Kaufkraft, die Anbieter in die weltweit drittgrößte Volkswirtschaft lockt.

 

Kennziffern zum Handel in Japan

 

2014

2015

Veränderung 2015/2014 (in %)

Veränderung 2015/2014 (in %) 1)

Einwohner (in Mio.)

127,1

127,0

-0,1

-

Bruttoinlandsprodukt pro Kopf (in Euro) 2)

29.044

31.202

7,4

2,8

Verfügbares Einkommen pro Haushalt (in Euro)

36.216

38.172

5,4

0,9

Umsatz des Handels (in % der Gesamtwirtschaft)

14,2

13,9

-

-

1) auf Yen-Basis; 2014: 1 Euro = 140,34 Yen, 2015: 1 Euro = 134,32 Yen; 2) nominal
Quellen: Cabinet Office, Ministry of Internal Affairs and Communications (MIC)

 

Die Klischees über japanische Konsumenten sind grundsätzlich noch intakt: Qualität, Zweckmäßigkeit, Service und Kundennähe werden geschätzt und dafür wird auch ein Aufpreis in Kauf genommen. Allerdings hat in den letzten Jahren, begünstigt durch das wachsende Discounterangebot und nicht zuletzt durch die Popularität des Onlinehandels, die Preissensibilität zugenommen. Früher gab der typisch japanische Konsument Geld aus, um Zeit zu sparen. Jetzt investiert er Zeit, um Geld zu sparen. Supermärkte und Convenience Stores profitieren vom Preisbewusstsein, wenn sie mit günstigen Eigenmarken ihr Sortiment erweitern. 

Auf der anderen Seite läuft das Geschäft mit Luxusmarken gut. Der Einzelhandel profitiert von der wachsenden Zahl internationaler Touristen. Insbesondere die kaufkräftige Mittelschicht aus der VR China treibt den Absatz von hochwertigen Textilien, Accessoires, Kosmetika oder Elektrogeräten an. 

Für Nahrungsmittel geben die Haushalte traditionell einen hohen Anteil ihres Einkommens aus. Durch die vielen Senioren- und Einpersonenhaushalte ist die Nachfrage nach sehr kleinen Abfüllmengen beziehungsweise Verpackungen groß. Zudem muss alles nutzungsfreundlich sein. Generell beeinflussen die demografischen Rahmenbedingungen das Nachfrageverhalten stark. Die jüngere Bevölkerung, die in langlebige Konsumgüter investiert, schrumpft. Im wachsenden Seniorensegment steht der Dienstleistungssektor stärker im Fokus.

 

Gesamtwirtschaftliche Entwicklung in Japan (Veränderung in %) 1)

Indikator

2016

2017 2)

2018 2)

Bruttoinlandsprodukt (BIP) 3)

1,3

1,5

1,1

Privatkonsum 3)

0,7

0,8

0,9

Inflationsrate (CPI)

0,0

1,1

0,7

1) jeweils Fiskaljahr (1.4. bis 31.3); 2) Prognose; 3) real
Quellen: Cabinet Office, Daiwa Institute of Research

 

Text: Michael Sauermost

15.09.2017

Japan soll zur „Super Smart Society“ werden

Japan verfügt bei Informations- und Kommunikationstechnik (IuK) über eine ausgereifte Infrastruktur. Unter dem Schlagwort „Digital Nippon“ fasste die Regierung 2014 ihre ambitionierten Pläne für den Sektor zusammen: Japan soll bis zum Jahr 2020, wenn Tokio die Olympischen Sommerspiele austrägt, zu einer der weltweit fortschrittlichsten IT-Nationen avancieren. 

Allerdings wird auch auf bestehende Mängel beziehungsweise Engpässe hingewiesen und in diesem Zusammenhang auf die Geschäftsmentalität der Unternehmen hingewiesen. Diese investierten weiterhin in erster Linie, um Kosten zu sparen oder Betriebsabläufe zu optimieren. Selten gehe es dabei um die Erschließung neuer Geschäftsfelder oder um die Produktentwicklung. 

Die Regierung bemängelt, dass die Bereitschaft der Unternehmen, Anwendungen beim Internet der Dinge in die Arbeitsabläufe zu integrieren im internationalen Vergleich relativ gering ist. Neue Produkte und Dienstleistungen werden zu wenig beziehungsweise zu langsam von japanischen Konsumenten angenommen. Ein wachsendes und vielleicht das größte Problem in diesem Sektor ist der Mangel an Fachkräften. Im Global Information Technology Report 2016 des World Economic Forum hielt sich Japan indes auf dem zehnten Platz. 

Eindeutiges Wachstumsfeld bleibt die mobile Kommunikationsinfrastruktur. Die Mobilfunkanbieter kümmern sich nicht nur um den Ausbau der Infrastruktur, sondern treten darüber hinaus ebenso aktiv als Partner von E-Commerce-Unternehmen auf. Beispielsweise existieren Kooperationen zwischen Yahoo! Japan sowie der Softbank Corporation oder zwischen Rakuten und NTT DoCoMo. In Bereiche wie Logistik oder die App-Entwicklung stoßen sie ebenfalls vor. 

Der Anfang 2016 vom Council for Science, Technology and Innovation veröffentlichte Fünfjahresplan für Wissenschaft und Technologie beinhaltet die Schaffung einer „Society 5.0“. Um diese „Super Smart Society“ formen zu können, sollen modernste Technologien zum Einsatz kommen. Neben Smart Factories, Internet der Dinge, Big Data oder Cyber Security wird auch die künstliche Intelligenz als fundamentaler Förderbereich betrachtet.

 

Kennziffern zur Digitalisierung in Japan

Indikator

2014

2015

Anteil der Haushalte mit Breitbandinternetzugang (in %)

97,6

96,9

Anteil der Haushalte mit Smartphoneverträgen (in %)

64,2

72,0

Internetbandbreite pro Nutzer "in" (in kbit/s)

37,9

k.A.

Internetbandbreite pro Nutzer "out" (in kbit/s)

213,5

k.A.

Quelle: Ministry of Internal Affairs and Communications (MIC)

 

Text: Michael Sauermost

15.09.2017

E-Commerce hat noch viel Luft nach oben in Japan

Trotz der rasanten Entwicklung des japanischen E-Commerce in den letzten Jahren, bleibt noch viel Luft nach oben. Dem Ministry of Economy, Trade and Industry (METI) zufolge stieg der B2C-Onlinehandel (Business-to-Consumer) 2016 um 9,9% auf rund 15,1 Bill. Yen (etwa 125,8 Mrd. Euro; 1 Euro = rund 120 Yen; im Jahresdurchschnitt 2016). Auf Produkte entfielen dabei etwas mehr als 8 Bill. Yen. Der Anteil des E-Commerce am gesamten Handel ist noch ausbaufähig: 2016 lag er bei 5,4%.

 

Wichtigste Produktgruppen im Onlinehandel in Japan 2016

Produktgruppe

Umsatz (in Mrd. Yen)

Anteil am Gesamtumsatz (in %)

Umsatz (in Mrd. Euro) *)

Bekleidung, Schmuck

1.530

19,1

12,7

Nahrungsmittel, Getränke

1.450

18,1

12,1

Elektroartikel, PC

1.428

17,8

11,9

Haushaltswaren, Möbel,

1.350

16,9

11,2

Literatur, Musik, Videos, Software

1.069

13,4

8,9

Arzneimittel, Kosmetika

527

6,6

4,4

*) Umrechnungskurs: 1 Euro = rund 120 Yen; im Jahresdurchschnitt 2016
Quelle: Ministry of Economy, Trade and Industry (METI)

 

Der Anteil der Haushalte mit mehr als zwei Personen mit Onlineshoppingerfahrung lag 2015 bei 27,6%, wobei in den mittleren Altersgruppen Werte von mehr als 40% registriert wurden. Aber auch im Segment der 60- bis 69-Jährigen lag der Anteil immerhin bei etwas mehr als 22%. 

Kostenüberlegungen spielen beim Onlineeinkauf die größte Rolle. Durch die großzügigen Öffnungszeiten des Einzelhandels vor allem in den Ballungsgebieten ist der Zeitfaktor vielleicht weniger von Bedeutung als anderswo. Bei einkommensschwächeren Haushalten werden tendenziell höhere Zuwachsraten erzielt. 

Neben dem Kostenaspekt wissen Haushalte die Bequemlichkeit des Onlineeinkaufs zu schätzen. Diese Einstellung ist jedoch beim wachsenden Anteil der Einpersonenhaushalte schwächer. Ausländische Produkte, die nicht im Einzelhandel verbreitet sind, werden besonders häufig online gesucht. 

Im Gesamtdurchschnitt gaben die Haushalte im Jahr knapp 104.000 Yen im Internet aus. Werden allerdings lediglich die Haushalte berücksichtigt, die bereits über E-Commerce-Erfahrung verfügen, ergab sich ein Durchschnitt von 375.720 Yen. Dieser Wert nimmt auch bei den höheren Altersgruppen nicht ab.

 

Die gefragtesten Anbieter in Japan 2015

Anbieter

Umsatz (in Mrd. Yen)

Anteil am Gesamtumsatz (in %)

Umsatz (in Mio. Euro) *)

Amazon.co.jp

930

12,8

6.924

Yodobashi.com

79

1,1

588

Belle Maison

77

1,1

573

Dinos

57

0,8

424

Dell

55

0,8

409

Joshin Netshopping

55

0,8

409

Rakuten

55

0,8

409

Nissen Online

51

0,7

380

IY Net

50

0,7

372

Japanet SenQua

47

0,6

350

*) Umrechnungskurs: 1 Euro = 134,32 Yen (2015)
Quelle: Top 200 Online Retailers Research Report 2017/Impress

 

Insbesondere der Handel über Smartphones wächst: Laut METI erreichten die Geschäftsabschlüsse über Mobiltelefone 2016 einen Anteil von 31,9% am Onlinehandel. Während die großen Händler bereits ihr Sortiment über Apps platziert haben, folgen mittelgroße Händler teilweise zögerlich.

 

Text: Michael Sauermost

15.09.2017

Alternde Bevölkerung in Japan hemmt Wachstum des E-Commerce nicht

Der grenzüberschreitende E-Commerce wird weiter rasant zunehmen. Im trilateralen Onlinehandel Japans mit der VR China und den USA weist der Inselstaat einen deutlichen Handelsüberschuss auf. Der Statistik des Ministry of Economy, Trade and Industry (METI) zufolge stieg das E-Commerce-Volumen zwischen den drei Nationen untereinander 2016 um knapp 25%. Die aus den USA und der VR China registrierten Internetbestellungen in Japan erhöhten sich um fast 24% auf rund 1,7 Bill. Yen (etwa 14,2 Mrd. Euro; 1 Euro = rund 120 Yen; im Jahresdurchschnitt 2016). 

Dadurch, dass Japans Bevölkerung schrumpft, muss sich auch der Onlinehandel noch intensiver auf die anspruchsvollen Kunden einstellen. So wird versucht, das wachsende Seniorengeschäft sowie die generell zunehmenden Einpersonenhaushalte als Kunden zu gewinnen. Weiterhin gilt die alternde Bevölkerung weniger als Wachstumsbremse, als angenommen werden könnte. Onlinehändler passen ihr Onlineproduktsortiment entsprechend an und entwickeln altersgerechte Onlinefeatures. Das „Omni Channel Retailing“ als Verknüpfung zwischen traditionellem Einkauf und Onlinehandel wird in unterschiedlichen Variationen praktiziert und dürfte auch in Zukunft an Bedeutung gewinnen. 

Eine Perfektionierung des bislang bereits gut funktionierenden Systems der Belieferung nach Hause steht weiter auf der Agenda der Hersteller. Auch in Bezug auf die zukünftige Belieferung mit Drohnen wird experimentiert. Im Vergleich zu anderen Industriestaaten ist Bargeld als Zahlungsmethode immer noch sehr populär. Auch beim Lieferservice besteht im Regelfall die Möglichkeit der Zahlung bei Anlieferung. Ein erheblicher Anteil der Konsumenten macht von der Möglichkeit Gebrauch, seine Onlineeinkäufe in Convenience Shops zu begleichen. Die Scheu der Japaner vor dem Bezahlen mit Kreditkarte hat tendenziell aber abgenommen und wird nicht mehr so häufig als Hürde für die E-Commerce-Expansion bewertet. 

Anwendungen der künstlichen Intelligenz werden zunehmend die Onlineeinkäufe beeinflussen beziehungsweise unterstützen. Dies betrifft auch sprachbasierte Dienstleistungen. Anbieter nutzen verstärkt die künstliche Intelligenz zur Vermarktung. Mittlerweile ist auch der Amazon Dash Button in Japan angekommen. Der Einkauf per Knopfdruck kommt gut an. Japanische Hersteller sind dabei, weitere vergleichbare Technologien zu entwickeln. 

Auch in Japan bedienen sich Onlineanbieter eines Punktesystems, um die Loyalität der Kunden zu belohnen. Rakuten hat beispielsweise die Rakuten Super Points eingeführt, mit denen danach weiter eingekauft werden kann. 

Im japanischen Einzelhandel spielen saisonale Feiertage sowie Thementage wie Halloween eine sehr große Rolle. Ausländische Produkte erfreuen sich dabei großer Beliebtheit. Anbieter haben dann Sonderaktionen am Start und Onlineanbieter können ebenfalls davon profitieren. Am Jahresende und zur Jahresmitte finden ebenfalls Promotionsaktionen statt, da dann die zweifache jährliche Auszahlung der Gehaltsboni ansteht.

 

Text: Michael Sauermost

15.09.2017

Im E-Commerce in Japan ist Servicequalität wichtig

Deutsche Markenprodukte, die eine hohe Qualität sowie Funktionalität aufweisen, könnten in Japan auch im Onlinegeschäft Erfolg haben. Der japanische Markt gilt als Trendsetter in Asien und eignet sich somit als Sprungbrett für andere Märkte der Region. 

Das Erscheinungsbild - und dabei spielt die Verpackung mit eine Schlüsselrolle - ist von großer Bedeutung. Dies sollte in Betracht gezogen werden, wenn ein externes Logistikunternehmen beauftragt wird. Erst seit geraumer Zeit spielen auch Preisüberlegungen für japanische Kunden eine Rolle. Allerdings dürfte dies bei hochwertigen Produkten „made in Germany“ nicht so stark ins Gewicht fallen. 

Im Prinzip ist für den erfolgreichen Markteinstieg die Erstellung einer Webseite auf Japanisch dringend zu empfehlen. Wer in Japan erfolgreich sein will, sollte auch auf die Servicequalität achten. After-Sales-Kundenbetreuung spielt eine große Rolle. Ein Kunde sollte die Möglichkeit erhalten, in irgendeiner Form mit dem Hersteller Kontakt aufnehmen zu können. 

Es empfiehlt sich, die Onlinepräsenz anzupassen: Japanische Webseiten sehen bereits auf den ersten Blick anders aus als europäische, und das liegt nicht nur an der Sprache. Sie sind vom Aufbau viel komplexer, diffuser und farbenfroher. Gute Beispiele von Anpassungen deutscher Anbieter sind Triumph oder adidas. Suchkategorien sollten speziell auf die japanischen Kunden ausgerichtet sein. 

Der Onlinehandel wird zwar von wenigen großen Anbietern dominiert, allerdings tummeln sich auch zahlreiche japanische Kleinanbieter im Internet, die speziell ausländische Produkte anbieten. Teilweise sind dies spezialisierte Handelshäuser beziehungsweise Importeure. Auch das Product-Placement in spezifischen Blogs stellt für ausländische Anbieter eine Alternative dar. 

Einige ausländische Unternehmen weiten auch ihre firmeninternen E-Commerce-Aktivitäten aus. Beispielsweise ist dies bei Ikea Japan der Fall. Ab 2018 sollen zu dem bestehenden Logistikzentrum in der Präfektur Aichi (bislang 54.000 qm) weitere 31.000 qm hinzukommen. Bis 2020 soll dann die Hälfte der Ikea-Verkäufe in Japan online abgewickelt werden. 

Die Kunden sind, was die Belieferung (Zeit und Kosten) angeht, außerordentlich verwöhnt. Anlieferung am gleichen Tag ist in Ballungsgebieten Standard. Es sollte daher versucht werden, Zeit und Kosten zu minimieren, beziehungsweise auch unmissverständlich zu kommunizieren. Zwar ist die Zahlung per Kreditkarte mittlerweile sehr verbreitet, jedoch dürfte es für einen ausländischen Anbieter ein Vorteil sein, alternative Zahlmethoden zu anzubieten. 

Die Organisation der Logistik für den Onlinehandel in Japan ist ein kompliziertes Unterfangen. Eine Grundsatzentscheidung für einen ausländischen Onlineanbieter besteht darin, zwischen einer lokalen oder einer internationalen Belieferung zu wählen. Im Anfangsstadium dürfte zunächst eine internationale Verschiffung auf dem Plan stehen, um Fixkosten zu vermeiden. Außerdem wird die Kontrolle über die organisatorische Abwicklung behalten. 

Wer ein längeres oder größer angelegtes Geschäftsmodell verfolgt, sollte über die zunächst aufwendigere, lokale Lösung nachdenken. Vor allem die kurze Lieferzeit, die in Japan wertgeschätzt wird, ist ein nicht zu unterschätzender Vorteil. Daneben sinkt das Risiko, dass die Ware beim Transport Schaden nimmt. Der größte Aufwand dürfte darin bestehen, die Logistik vor Ort bereitzustellen beziehungsweise das Outsourcing zu steuern. Allerdings existieren zunehmend Unternehmen, die derartige Logistikzentren betreiben und Erfahrungen mit ausländischen Kunden aufweisen.

 

Text: Michael Sauermost

15.09.2017

Japan: Rechtliche Grundlagen

Im japanischen Rechtssystem besteht Vertragsfreiheit. Die den Onlinehandel betreffenden Regelungen hinsichtlich Datenerhebung und -weiterverarbeitung lassen den Vertragsparteien darüber hinaus weitgehenden Gestaltungsfreiraum. Es bestehen generell wenige Vorschriften hinsichtlich E-Commerce, sodass überwiegend generelle zivilrechtliche Vorschriften wie der Consumer Contract Act und der Civil Code anzuwenden sind. 

Seit 2000 besteht das E-Notification Law, wonach digitale Signaturen ermöglicht werden. Um dem hohen Sicherheitsbewusstsein japanischer Konsumenten gerecht zu werden und damit Onlinetransaktionen attraktiver zu machen, wurde die E-Signatur im Act on Electronic Signatures and Certification Business geregelt. Japans Einwohner können diese nunmehr in Verbindung mit ihrer Sozialversicherungs- und Steuernummer erhalten und so die händische Unterschrift ersetzen. 

Weitere Vorgaben erfolgten durch das Ministry of Economy, Trade and Industry (METI), welches 2015 mit den Interpretative Guidelines on Electronic Commerce Richtlinien herausgab, die jedoch keine Gesetzeskraft entfalten können. 

Beim Vertragsschluss ist zu beachten, dass ein Onlineverkauf an einen Endverbraucher diesem zu bestätigen ist, das heißt er ist darauf hinzuweisen, mit welchem Schritt er einen kostenpflichtigen Auftrag erteilt. Dazu muss der Käufer eine gesonderte Bestätigungs-E-Mail oder -meldung im Browser erhalten, anderenfalls gilt der Kauf als nicht abgeschlossen. Üblicherweise erscheint eine separate Bildschirmeinblendung mit der Möglichkeit, die Angaben zu ändern und einer abschließenden Bestätigung mittels Anklicken. 

Für den Betreiber eines Onlineshops kann eine erweiterte Haftung gegenüber dem Markeninhaber für eine Markenverletzung bestehen. Diese kommt in Betracht, wenn er nicht nur den Rahmen für die Einrichtung der Webseite von Verkäufern bereitstellt, sondern auch den Zugang kontrolliert. 

Zu beachten ist die Besteuerung von Importen. Die Consumption Tax ist auch für ausländische Anbieter einschlägig. Dabei erfolgt eine Unterscheidung zwischen Verkäufen an Geschäftskunden (Business-to-Business, B2B) sowie an Endverbraucher (Business-to-Consumer, B2C). Im Warenverkehr zwischen Unternehmen wird die Steuer von dem japanischen Käufer abgeführt. Bei Verkäufen an Endverbraucher ist die Steuer inkludiert und muss von dem ausländischen Unternehmen an die japanische Steuerbehörde abgeführt werden. Dies ist den EU-Bestimmungen vergleichbar.

 

Text: Robert Herzner

15.09.2017

Japan: Zollverfahren

Bei Sendungen aus der EU in Nicht-EU-Länder sind dort grundsätzlich Zölle und Einfuhrumsatzsteuern zu zahlen. Dies erledigt in der Regel das Transportunternehmen. Dieses stellt dem Empfänger dann die Eingangsabgaben in Rechnung und führt sie an die dortige Zollverwaltung ab. Wenn bestimmte Wertgrenzen überschritten werden oder wenn Verbote oder Beschränkungen zu beachten sind, erhält der Empfänger eine Benachrichtigung und muss die Sendung dann bei der zuständigen Zollstelle abholen. 

Die Höhe des anzuwendenden Zollsatzes kann mit Hilfe der Market Access Database der EU-Kommission ermittelt werden. 

Sofern die Sendung in ein Land geht, mit dem die EU ein Freihandelsabkommen unterhält, kann die Sendung auch zollfrei sein, wenn bestimmte Wertgrenzen nicht überschritten werden oder die Ware von einem gültigen Präferenznachweis begleitet wird. 

Generell gelten in allen Ländern Kleinbetragsgrenzen, sodass Sendungen, die diesen Wert nicht überschreiten, zollfrei bleiben. Mehr zu den Kleinbetragsgrenzen siehe unten. 

Bei der Einfuhr von Waren im E-Commerce gelten in Japan grundsätzlich die normalen Zoll- und Einfuhrvorschriften. Diese sind unabhängig vom gewählten Transportweg. Für Waren von geringem Wert kann jedoch die Kleinbetragsregel in Betracht kommen. Diese greift für Waren mit einem Zollwert von nicht mehr als 10.000 Yen (circa 80 Euro; Stand 24.5.17). In diesen Fällen bleibt die Sendung zollfrei. 

Paketsendungen, für die kein Zoll anfällt, werden dem Empfänger durch das Transportunternehmen direkt zugestellt. Sofern ein Zollbetrag von bis zu 10.000 Yen zu zahlen ist, wird die Sendung ebenfalls direkt zugestellt. Die Eingangsabgaben sind beim Empfang zu entrichten. Bei einem Abgabenbetrag von mehr als 10.000 Yen bis maximal 300.000 Yen erhält der Empfänger eine Benachrichtigung. Er kann dann wählen, ob er sich das Paket direkt zustellen lässt und die Abgaben bei der Übergabe bezahlt oder ob er das Paket beim zuständigen Postzollamt abholt und die Abgaben dort entrichtet. Wenn der Abgabenbetrag 300.000 Yen übersteigt, muss die Sendung in jedem Fall beim Postzollamt abgeholt werden. 

Verboten sind Drogen, Waffen, Munition und Explosivstoffe, Vorläufersubstanzen für Chemiewaffen, gefährliche Keime, gefälschte Wertpapiere, Pornografie und Waren, die geistiges Eigentum verletzen. Sendungen mit Waren dieser Art werden konfisziert.

 

Text: Klaus Möbius

15.09.2017

Japan: Internetadressen

 

Portale, Verbände, Behörden, Messen und Konferenzen

Internetadresse

Ministry of Economy, Trade and Industry (METI)

www.meti.go.jp/english/

Ministry of Internal Affairs and Communications (MIC)

www.soumu.go.jp/

Consumer Affairs Agency, Government of Japan

www.caa.go.jp/en/

Personal Information Protection Commission Japan

www.ppc.go.jp/en/

Japan Information Processing Development Center (JIPDEC)

https://english.jipdec.or.jp/

Japan Foundation for Electronic Commerce (J-FEC)

www.j-fec.or.jp/

Japan Direct Marketing Association (JADMA)

www.jadma.org/

EC Network

ecnetwork.jp/en/

Retailtech Japan

https://messe.nikkei.co.jp/en/rt/

 

Text: Michael Sauermost

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