E-Commerce und Onlinehandel in Nigeria

E-Commerce in Nigeria bietet ein gutes Potenzial

Der E-Commerce boomte in Nigeria nach seiner Einführung 2012. Durch die Wirtschaftskrise ist seit 2016 vorerst Ernüchterung eingekehrt. Mittelfristig dürften die Umsätze wieder wachsen. Der Konsumgütermarkt ist mit über 190 Mio. Einwohnern groß und weitgehend unerschlossen. Dazu kommt, dass Nigeria zu den weltweit größten Internetmärkten zählt, was die Nutzerzahlen angeht. Probleme für E-Commerce-Anbieter bereiten die Transportinfrastruktur sowie die unsicheren Zahlungsabläufe.

15.09.2017

Nigeria ist ein Paradies für Konsumgüter

Trotz des niedrigen Pro-Kopf-Einkommens von knapp über 2.000 US$ weckt alleine die Größe der Bevölkerung das Interesse des Einzelhandels. Mit seinen mittlerweile über 190 Mio. Einwohnern bei einem jährlichen Bevölkerungszuwachs von annähernd 5 Mio. ist Nigeria ein Paradies für Konsumgüter. Das Land verfügt innerhalb Afrikas zudem über die mit Abstand höchste Bevölkerungsdichte; laut Weltbank betrug sie 2015 etwa 200 Einwohner/qkm. Mit Lagos, Abuja, Kano, Port Harcourt, Benin City, Ibadan, Maiduguri und Kaduna gibt es inzwischen mindestens acht Millionenstädte. Alleine in Lagos leben bereits an die 20 Mio. Menschen.

 

Kennziffern zum Handel in Nigeria

 

2015

2016

Veränderung 2016/2015 (in %)

Veränderung 2016/2015 (in %)

Einwohner (in Mio.)

182,2

187,0

2,6

-

Bruttoinlandsprodukt pro Kopf (in Euro) 1)

2.497

2.260

-9,5

-

Verfügbares Einkommen pro Kopf (in Euro) 2)

487

322

-33,8

-11,8 3)

1) umgerechnet zum Jahresdurchschnittskurs: 2015: 1 Euro = 1,11 US$; 2016: 1 Euro = 1,11 US$; 2) umgerechnet zum Jahresdurchschnittskurs: 2015: 1 Euro = 218,03 Naira (N); 2016: 1 Euro = 282,9 N; 3) auf Naira-Basis
Quellen: Economic Intelligence Unit (EIU), Weltbank, National Bureau of Statistics Nigeria, Oanda

 

Die große Konsumfreude der Nigerianer ist durch die 2016 eingetretene Wirtschaftskrise vorerst eingebrochen. Deren Hauptauslöser war der stark gesunkene Ölpreis. Als einer der weltgrößten Ölexporteure hängt Nigerias Wirtschaft und die Kaufkraft der Konsumenten stark von den Einnahmen aus diesem Sektor ab. Auch die Inflation ist von zuvor unter 10% im Jahr 2016 auf knapp 16% angestiegen. Das Konsumklima hat sich dadurch verschlechtert. Experten sind sich jedoch sicher, dass es sich dabei nur um eine vorübergehende Erscheinung handelt.

 

Gesamtwirtschaftliche Entwicklung in Nigeria (Veränderung in %)

Indikator

2016

2017 1)

2018 1)

Bruttoinlandsprodukt (BIP) 2)

-1,5

0,9

2,1

Privatkonsum 2)

-2,2 3)

0,6

1,6

Inflationsrate (CPI)

15,7

17,0

13,4

1) Prognose; 2) real; 3) Schätzung
Quelle: EIU

 

Der Einzelhandel und die Konsumgewohnheiten unterliegen seit etwa zehn Jahren einem spürbaren Wandel. Seit Jahrhunderten sind die Nigerianer offene, eher informelle Märkte gewohnt. Nun entstehen zunehmend Supermärkte und Einkaufszentren für eine sich an westlichen Gewohnheiten orientierende Mittelschicht. Als Investoren dominieren ausländische Ketten, vor allem die südafrikanische Shoprite oder Spar. Neu ist, dass ebenfalls zunehmend Discounter gegründet werden, die sich auf die untere Mittelklasse fokussieren. Eine ähnliche Zielgruppe haben die größeren Anbieter von E-Commerce im Land, weil sie Supermärkte preislich unterbieten.

 

Text: Carsten Ehlers

15.09.2017

Übertragungsgeschwindigkeit größerer Datenmengen ist in Nigeria gering

Nigeria ist einer der größten Internetmärkte weltweit. Nach Angaben der Nigeria Communication Commission (NCC) gab es 2016 etwa 86 Mio. Internetnutzer. Die Zahl sagt zwar nichts darüber aus, wofür und wie stark diese das Netz nutzen, aber sie ist ein Indiz für großes Potenzial auch im Bereich E-Commerce. Um E-Commerce-Geschäfte zu tätigen, verwendet der überwiegende Teil der Nigerianer ein Smartphone statt eines PC oder eines Laptops. Es sind daher die vier führenden lokalen Mobilfunknetzbetreiber MTN, Globacom, Airtel und Etisalat, welche die Infrastruktur für das Internet bereitstellen. Ein Festnetz sowie ein starker Festnetzanbieter konnten sich in Nigeria nie etablieren. 

In diesem Zusammenhang wird viel von Leap-Frogging gesprochen, das heißt, dass Nigeria unter Auslassung der Entwicklungsstufe „Festnetz“ direkt auf die vermeintlich höhere Stufe „Mobilfunknetz“ gesprungen ist. Alle Mobilfunknetzbetreiber sind dabei, ihre Netzkapazitäten auszubauen. Für simple Telefonie ist das Land so gut wie erschlossen, worauf die hohe Mobilfunk-Nutzungsrate von etwa 150 Millionen bei einer Einwohnerzahl von mittlerweile über 190 Millionen hindeutet. 

Obwohl Datentransfer das neue Wachstumssegment der Mobilfunkanbieter ist, gehen sie beim Ausbau ihrer Netze zum 3G- beziehungsweise 4G-Standard vorsichtig vor. 3G gibt es bislang nur in Ballungsgebieten, 4G lediglich in sehr wohlhabenden Bezirken von Lagos oder Abuja. Die Nutzung von Smartphones steigt einhergehend mit dem Ausbau zügig an. Im Jahr 2017 dürfte die Zahl der Smartphonenutzer bei etwa 18 Mio. bis 20 Mio. liegen. 

Die Übertragungsgeschwindigkeit größerer Datenmengen ist in Nigeria im Vergleich zu Europa oder Nordamerika nach wie vor gering und schwankt innerhalb des nigerianischen Netzes stark. Hinzu kommen hohe Preise für Breitband. Für E-Commerce-Anbieter bedeutet dies zweierlei: Weil die überwiegende Anzahl von Internetnutzern Smartphones dafür verwendet, spielen „mobile“ Webseiten eine große Rolle. Aufgrund der geringen Geschwindigkeit sollten die Seiten zudem einfach gehalten sein.

 

Kennziffern zur Digitalisierung in Nigeria

Indikator

2015

2016

Internetnutzer (in Mio.)

82,1

86,2

Smartphonenutzer (in Mio.)

13,2

15,5

Quelle: Nigeria Communications Commission (NCC)

 

Text: Carsten Ehlers

15.09.2017

Typischer nigerianischer E-Commerce-Kunde kommt aus Mittelschicht

Seit der Gründung des Unternehmens Jumia im Jahr 2012 verzeichnete der E-Commerce in Nigeria ein rasantes Umsatzwachstum. Durch den konjunkturellen Einbruch ab Ende 2015 jedoch erlitt unter anderem der Einzelhandel einschließlich E-Commerce einen vorübergehenden Dämpfer. Der Anteil von E-Commerce am Einzelhandelsmarkt ist Branchenkennern zufolge immer noch gering. Die am besten verkauften Produkte sind Mobiltelefone, Bekleidung und Haushaltselektronik. Als Zahlungsmethode dominiert das kundenfreundliche „Payment on Delivery“. PayPal ist in Nigeria aufgrund von Sicherheitsproblemen immer noch nicht aktiv.

Dominiert wird der Markt von den Anbietern Jumia, der unter Beteiligung des deutschen Investors Rocket Internet gegründet wurde, und Konga. Beide betreiben derzeit in Lagos, Abuja und Port Harcourt ihre Lager. Sie variieren ihr Dienstleistungsangebot regelmäßig und unterhalten große eigene Fuhrparks bestehend aus „Okadas“ (Motorrädern), Tuktuks (Motordreirädern) oder Autos, die mit Firmenlogos versehen sind.

Jumia und Konga bieten ein eher kleines, schnell umschlagbares Sortiment mit niedrigen Preisen an. Daneben gibt es mit MallforAfrica einen Akteur, der die obere Mittelklasse, die häufig über Auslandserfahrung verfügt, anspricht. MallforAfrica bietet in Afrika Markenprodukte aus Europa und Nordamerika an und kümmert sich vom Transport bis zur Verzollung um alles. Das Unternehmen kooperiert mit Einzelhandelsketten in Europa sowie mit Ebay. Schließlich ist die schweizerische Mediengruppe Ringier in Nigeria mit Kleinanzeigen- und Nachrichtenportalen vertreten.

Der typische E-Commerce-Kunde in Nigeria ist mit 25 bis 30 Jahren sehr jung, lebt in einer der größeren Städte, ist Student oder Angestellter und Smartphonenutzer. Der Preis spielt für diese Gruppe die wichtigste Rolle. E-Commerce-Anbieter müssen also billiger sein als die Supermärkte. Da die Anbieter auch andere Kundenkreise für E-Commerce gewinnen wollen, starten sie regelmäßig Verkaufsaktionen, die auch reichere Kunden - dann mit Luxusgütern - oder Familien ansprechen sollen. So bietet zum Beispiel Jumia Family Market jeden ersten Freitag im Monat Nahrungsmittel frei Haus an.

Die Werbung läuft in Nigeria über den Preis. Statt auf Google, das eher auf PC zugeschnitten ist, wird in sozialen Medien wie Facebook geworben. Daneben informieren sich Kunden über Produkte durch Kampagnen, Newsletter, mobile Push-Nachrichten (Jumia App), Blogs, Radio- und TV-Spots, Anzeigen im Internet sowie in Internet Communities, etwa für junge Mütter. Eine dynamische Preisgestaltung, wie sie in Europa zum Beispiel von Reiseportalen verwendet wird, spielt in Nigeria noch keine Rolle.

Text: Carsten Ehlers

15.09.2017

Trend zum „Mobile Commerce“ soll in Nigeria anhalten

Marktkenner sehen in den kommenden Jahren ein gutes Potenzial für die Weiterentwicklung des Sektors. Eine Studie von McKinsey prognostiziert für 2025 in Afrika einen E-Commerce-Anteil von 10% an den Gesamtumsätzen des Einzelhandels. Die Forschungsgruppe Euromonitor International schätzt, dass die Zahl der Mittelklassehaushalte in Nigeria von etwa 10 Mio. im Jahr 2015 auf 15 Mio. im Jahr 2030 ansteigen wird, was ein schnelles Wachstum bedeuten würde.

Da der E-Commerce-Sektor erst seit 2012 existiert und das Verhalten nigerianischer Konsumenten insgesamt noch nicht gut erforscht ist, werden auch die E-Commerce-Anbieter verschiedene Strategien ausprobieren. Der Trend zum „Mobile Commerce“ dürfte sich in den kommenden Jahren angesichts des Ausbaus der Mobilfunknetze weiter verfestigen. Hieran müssen sich die Anbieter also orientieren. Von der vorherrschenden Zahlungsmethode „Payment on Delivery“ versuchen sie wegzukommen. Der technische Fortschritt bringt schon jetzt Anbieter mit neuen Lösungen für Zahlungen auf den nigerianischen Markt. Vielversprechende lokale Anbieter sind Paystack und Flutterwave.

Einige Anbieter versuchen, den Transport oder die Lagerhaltung auszulagern und sich auf eine Dienstleistung zu spezialisieren. Andere bieten das All-Inclusive-Paket mit entsprechend höherem Preis. Neu sind auch Onlinesupermärkte, wie supermart.ng und gloo.ng, die wie ein reiner Lieferservice funktionieren. Marktplätze, wie OLX und Jiji, spielen in Nigeria zunehmend eine Rolle. Jumia und Konga probieren immer wieder Modelle aus, die einem Marktplatz ähnlich sind, indem sie zum Beispiel den Herstellern beziehungsweise Lieferanten der Produkte die Lagerung übertragen, und sich dann selbst um den Vertrieb kümmern. Der Unterschied zwischen E-Commerce und Marktplätzen verschwindet zunehmend.

Interessant wird sein, wie die Unternehmen mit den schwierigen Infrastrukturbedingungen im Land, allen voran der Logistik, zurechtkommen. Das schnelle Anliefern wie Same-Day-Delivery ist selbst in Lagos nur schwer machbar. Es fehlt in Nigeria an einer zuverlässigen Registrierung von Adressen sowie häufig an Straßennamen oder Hausnummern.

Das Abgeben des schwierigen Transports auf der „letzten Meile“ gilt indes nicht als Lösung. Denn in der Regel zahlt der Kunde bar bei Anlieferung. Um die Kontrolle über die Zahlungen zu behalten, wollen die E-Commerce-Anbieter das Überbringen der Ware selbst erledigen - tun dies aber auch als Werbemaßnahme. Der Kunde soll sehen: „Hier kommt jemand von der E-Commerce-Plattform, auf der ich bestellt habe und nicht irgendeine Spedition“.

Ein weiteres Problem ist die schlechte Energieversorgung. Um die Sicherheit und die Zuverlässigkeit der Webseite gewährleisten zu können, müssen Bereitstellung und Betrieb (Hosting) vom Ausland aus übernommen werden. Hieran dürfte sich kaum etwas ändern.

Text: Carsten Ehlers

15.09.2017

E-Commerce-Plattformen eignen sich für Markteintritt in Nigeria

Konsumgüter aus Deutschland, von Kfz einmal abgesehen, sind in Nigeria selten. Kaum ein deutscher Konsumgüterproduzent ist selbst präsent. Die großen Kfz-Hersteller haben Vertriebspartner, aber bei anderen Erzeugnissen wird der Markt fast ausschließlich bei Bedarf bedient. Die meisten deutschen Anbieter schrecken zurück vor den Problemen, die ein Gang nach Nigeria mit sich bringen könnte: Es wird teuer und es könnte Sicherheits- beziehungsweise Complianceprobleme geben. Auch stellt sich die Frage, inwieweit gerade hochpreisige deutsche Konsumgüter in Nigeria überhaupt über einen Markt verfügen.

Indes entgeht einigen Herstellern durch diese fehlende Präsenz ein großer Absatzmarkt. Die Nutzung von E-Commerce könnte beim Austesten des Marktes eine halbwegs kostengünstige Lösung darstellen. Interessant könnte der nigerianische Markt vor allem für günstige und haltbare Grundnahrungsmittel sowie Körperpflegemittel sein. Dort sind nigerianische Kunden offen für unbekannte Marken und No-Name-Produkte. Entscheidend ist der Preis. Halbwegs gute Produkte zu einem moderaten Preis sind in Nigeria häufig Mangelware. Oft ist Ramsch in den Regalen dominierend.

Die E-Commerce-Plattformen wären froh über einen deutschen Partner wie Aldi oder Lidl. Für deren Produkte sehen sie in Nigeria einen großen Markt. Darüber hinaus könnten auch elektrische Geräte, wie Generatoren, elektronische Stabilisatoren oder Autozubehör aus Deutschland einen Markt in Nigeria haben. Auch in diesem Segment wird häufig günstigste aber qualitativ problematische Ware aus Fernost angeboten.

E-Commerce-Plattformen eignen sich für den Markteintritt auch, weil sie bei der Aufnahme neuer Artikel in ihr Sortiment flexibler sind als Supermarktketten wie Shoprite. Letztere verfügen häufig über eine von ihrer Zentrale mehr oder weniger festgelegte Produktpalette und sind daher für neue Artikel nicht immer offen. Der Vorteil bei der Nutzung von E-Commerce-Plattformen ist zudem, dass es umfassende Vertriebsstatistiken gibt. So lernt der Anbieter seine Kunden und deren Verhalten recht schnell kennen.

Wählt ein deutsches Unternehmen diese Vertriebslösung, dann muss indes noch ein nigerianischer Vertriebspartner gesucht werden, der sich um den Import der Ware kümmert. Einen Service wie Amazon Global, der auch die Einfuhr der Waren sowie die Zollabwicklung übernimmt, bietet noch kein nigerianisches Unternehmen, da insbesondere die Zollabwicklung eine wenig planbare Dienstleistung darstellt.

Möchte ein Unternehmen den Onlinevertrieb selbst in die Hand nehmen und nicht an eine E-Commerce-Plattform abgeben, dann sollte die Webseite auf die lokalen Bedürfnisse zugeschnitten sein: smartphonefähig und die Nutzung wegen der geringen Datenkapazität nicht zu komplex. Wichtig ist darüber hinaus das Nutzen von sozialen Medien wie Facebook, Instagram und Twitter für die Bewerbung.

Sich selber einen Onlinevertrieb in Nigeria aufzubauen, ist aufwändig. Schon bei der lokalen Konzipierung und Betreuung der Webseite ist das Angebot an Dienstleistern begrenzt. Die nigerianische Filiale des Ringier-Verlags offeriert derartige Dienstleistungen als einer von sehr wenigen Anbietern. Ringier hat auch deutschsprachige Mitarbeiter in Nigeria, die entsprechend beraten können.


Text: Carsten Ehlers

15.09.2017

Nigeria: Rechtliche Grundlagen

Wer denkt beim E-Commerce im Geschäftsverkehr mit Nigeria nicht unwillkürlich an die sogenannte Nigeria Connection. Mails, die viel versprechen, aber nichts halten - schlimmer noch: es handelt sich dabei um Betrug, den sogenannten Vorschussbetrug. Dieser ist auch als „four-one-niner“ bekannt, was für Section 419 des nigerianischen Strafgesetzbuches steht. Jenseits dieser Assoziation lässt sich festhalten: E-Commerce ist im Geschäftsleben Nigerias zwar angekommen, doch halten die nationalen Gesetze mit dem digitalen Wandel bislang nicht Schritt.

 

Internationale Übereinkommen 

Nigeria ist Mitglied der Vereinten Nationen (UN), hat aber weder das „UNCITRAL-Modellgesetz über den elektronischen Handel (1996)“ noch an das „UNCITRAL-Modellgesetz über elektronische Signaturen (2001)“ als Grundlage für nationale Gesetzesreformen genutzt (siehe dazu aber Nationale Gesetzgebung). Auch hat es bislang weder das „UN-Übereinkommen über den Einsatz elektronischer Kommunikation in internationalen Verträgen“ (2005) noch das „Übereinkommen des Europarates vom 23.11.01 über Computerkriminalität“ unterzeichnet. Das von der Afrikanische Union (AU) Mitte 2014 verabschiedete Rahmenwerk „Convention on Cyber Security and Personal Data Protection“ hat Nigeria bislang ebenfalls nicht ratifiziert.

 

Nationale Gesetzgebung 

Im Mai 2017 kam Bewegung in das nationale Recht. Am 18.5.17 passierte der Gesetzentwurf über elektronische Transaktionen („Electronic Transaction Bill, 2017“) den Senat. 

Das zukünftige Gesetz soll den rechtlichen Rahmen zum Abschluss von Verträgen auf elektronischem Weg schaffen und sieht Bestimmungen über den Verbraucher- sowie Datenschutz vor. Zudem enthält es Vorschriften über die elektronische Signatur und die Haftung von Anbietern. Allerdings werden voraussichtlich erst Durchführungsbestimmungen dem Gesetz Leben einhauchen. Eine wichtige Rolle spielt hier die „National Information Technology Development Agency“ (NITDA), die - gegebenenfalls in Abstimmung mit der „Nigerian Communications Commission“ (NCC) - durch das Gesetz mit dem Erlass solcher Regelungen beauftragt ist. 

Bis zum Inkrafttreten des Gesetzes wird man damit leben müssen, dass es in Nigeria kein ausgewiesenes Daten- oder Verbraucherschutzgesetz oder gar E-Commerce-Recht gibt. Lediglich NITDA, NCC oder auch das „Consumer Protection Council“ (CPC) halten Guidelines beziehungsweise Codes of Practice in Teilbereichen vor. Aussagen, die in computergenerierten Dokumenten enthalten sind, sind gemäß Section 84 des „Evidence Act, 2011“ zudem bislang nur unterbestimmten Voraussetzungen vor Gericht zulässig. 

Mit dem „Cybercrime (Prevention, Prohibition etc.) Act 2015“ liegt ein Gesetz gegen Cyberkriminalität vor.

 

Text: Helge Freyer

 

15.09.2017

Nigeria: Zollverfahren

Bei Sendungen aus der EU in Nicht-EU-Länder sind dort grundsätzlich Zölle und Einfuhrumsatzsteuern zu zahlen. Dies erledigt in der Regel das Transportunternehmen. Dieses stellt dem Empfänger dann die Eingangsabgaben in Rechnung und führt sie an die dortige Zollverwaltung ab. Wenn bestimmte Wertgrenzen überschritten werden oder wenn Verbote oder Beschränkungen zu beachten sind, erhält der Empfänger eine Benachrichtigung und muss die Sendung dann bei der zuständigen Zollstelle abholen. 

Die Höhe des anzuwendenden Zollsatzes kann mit Hilfe der Market Access Database der EU-Kommission ermittelt werden. 

Sofern die Sendung in ein Land geht, mit dem die EU ein Freihandelsabkommen unterhält, kann die Sendung auch zollfrei sein, wenn bestimmte Wertgrenzen nicht überschritten werden oder die Ware von einem gültigen Präferenznachweis begleitet wird. 

Waren, die nigerianische Kunden über eine E-Commerce-Plattform bestellen, werden meist aus einem Distributionslager geliefert, das der Anbieter mit importierten Waren vor Ort betreibt. Nur ein geringer Anteil der online bestellten Waren wird direkt aus dem Ausland als Paketsendung per Kurier- oder Expressdienst oder im internationalen Postversand geliefert.

 Für die Zollabfertigung von Sendungen im internationalen Postversand wird eine Zollinhaltserklärung (CN22, CN23) benötigt. Eine Handelsrechnung, versehen mit der korrekten Zolltarifnummer und den Kosten für Fracht und Versicherung, ist beizulegen. Kurier- oder Expressdienste übernehmen gebührenpflichtig die Zollabwicklung für die von ihnen beförderten Paketsendungen. 

Bei der Einfuhr von Waren im Onlinehandel gelten grundsätzlich die normalen Zoll- und Einfuhrvorschriften. In Nigeria existiert bislang keine Kleinbetragsregelung, so dass unabhängig vom Wert der Sendung sämtliche Einfuhrabgaben wie Zoll, Verbrauchsteuern und Einfuhrumsatzsteuer zu zahlen sind. 

Nahezu alle Industrieprodukte unterliegen einer SONCAP- Zertifizierungspflicht der Normenbehörde. Davon ausgenommene Erzeugnisse wie Kosmetika, Lebens- und Arzneimittel bedürfen einer Registrierung und Einfuhrgenehmigung der Aufsichtsbehörde NAFDAC. Einzelne Produkte für den persönlichen Gebrauch können von den Regelungen ausgenommen sein. 

Wertgegenstände wie Mobiltelefone dürfen nur in Wertsendungen nach Nigeria geliefert werden. 

Einfuhrverboten sind als gefährlich eingestufte Waren, bestimmte Nahrungsmittel, Getränke, Medikamente, Tabak, Schuhe, Taschen, Koffer, Hohlglasflaschen, Teppiche und Kugelschreiber. Weitere Informationen enthält die Internetseite der nigerianischen Zollbehörde.


Text: Klaus Möbius, Andrea Mack

15.09.2017

Nigeria: Internetadressen

 

Portale, Verbände, Behörden, Messen und Konferenzen

Internetadresse

Regulierungsbehörde für den ITK-Sektor Nigerian Communications Commission (NCC)

www.ncc.gov.ng/

Dienstleister beim Aufbau eines eigenen Onlinevertriebs Ringier

www.ringier.ng/en

Führende E-Commerce-Plattform Jumia

https://jumia.com.ng

Zweitgrößte E-Commerce-Plattform Konga

https://www.konga.com/

E-Commerce-Anbieter mit Direktvertrieb aus Europa MallforAfrica

www.mallforafrica.com/

Nigerianischer Onlinemarktplatz Jiji

https://jiji.ng

Nigerianischer Onlinemarktplatz OLX

https://www.olx.com.ng/

Anbieter von Onlinezahlungsabwicklung Paystack

https://paystack.com

Anbieter von Onlinezahlungsabwicklung Flutterwave

https://www.flutterwave.com/

 

Text: Carsten Ehlers

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