E-Commerce und Onlinehandel in Russland

Der Markt für E-Commerce in Russland wächst enorm

Der E-Commerce-Umsatz in Russland soll 2017 dem Verband der Internethändler (AKIT) zufolge um über ein Viertel auf 1,1 Bill. Rubel (etwa 19,9 Mrd. US$) zunehmen. Die Kauflaune der russischen Verbraucher verbessert sich, der Rubelkurs hat sich stabilisiert - beste Voraussetzungen für steigende Umsätze. Der grenzüberschreitende Onlinehandel wuchs im Jahr 2016 von 3,4 Mrd. auf 4,3 Mrd. $ - und steigt weiter.

15.09.2017

Russische Kunden vergleichen immer mehr zwischen Angeboten

Die russischen Konsumenten sind erstmals seit 2014 wieder positiv gestimmt. In den letzten drei Jahren waren sie wegen der Wirtschaftskrise knapp bei Kasse. Der stark gesunkene Ölpreis und die westlichen Sanktionen hatten die Preise in Rubel nach oben schnellen lassen und das Angebot an Importwaren verknappt. Seit März 2017 steigt die Kauflaune russischer Konsumenten jedoch. Sie haben sich in der „neuen Realität“ eingerichtet, die Wirtschaft wächst leicht und der Wechselkurs des Rubels hat sich stabilisiert. Zudem hatten russische Arbeitnehmer in den ersten fünf Monaten 2017 real 2,9% mehr in der Lohntüte als im gleichen Vorjahreszeitraum.

 

Gesamtwirtschaftliche Entwicklung in Russland (Veränderung in %) *)

Indikator

2017

2018

2019

Bruttoinlandsprodukt (BIP)

1,5-1,8

1,0-1,5

1,5-2,0

Verfügbares Einkommen

1,0

1,5-1,9

1,2-2,0

Umsatz des Einzelhandels

1,7-2,2

1,5-2,0

2,0-2,5

Inflationsrate (CPI; Zielvorgabe)

4,0

4,0

4,0

*) Prognose
Quellen: Zentralbank der Russischen Föderation, Ministerium für wirtschaftliche Entwicklung

 

Durch die Krise ist ein Nachholbedarf beim Konsum entstanden, der nun gedeckt wird. Seit März 2017 wächst der Absatz von Automobilen, kleinen Haushaltsgeräten und Mobiltelefonen (4G/Long Term Evolution), angetrieben von Zuversicht und von neuen Modellen und Innovationen. Die Russen sind technikbegeistert und interessieren sich stets für die neueste Gerätegeneration. 

Die Krise hat jedoch das Verhalten der russischen Kunden verändert. Sie sind stärker als früher auf Schnäppchensuche und bereit Zeit zu investieren, um die benötigten Waren billiger zu finden. Dabei nutzen sie das Internet, um Preise zu vergleichen und bei günstigen Anbietern einzukaufen, auch bei Versandhändlern aus dem Ausland. Daneben sind ihnen eine große Auswahl - größer als im stationären Einzelhandel in der russischen Provinz - und kostenfreie Lieferung wichtig. Außerdem tätigen die Russen weniger Spontankäufe.

 

Kennziffern zum Handel in Russland

 

2015

2016

Veränderung 2016/2015 (in %)

Veränderung 2016/2015 (in %) 1)

Einwohner (in Mio.)

146,3

146,5

0,2

-

Bruttoinlandsprodukt pro Kopf (in Euro) 2)

8.025

8023

-0,7

6,9

Verfügbares Einkommen pro Kopf (in Euro) 2)

445

415

-5,9

-0,3

Bruttowertschöpfung des Handels (in % der Gesamtwirtschaft)

16,4

15,9

-

-

1) auf Rubel-Basis; 2) Wechselkurs der deutschen Bundesbank 2015: 1 Euro = 68,47 Rubel; 2016: 1 Euro = 73,21 Rubel
Quelle: Föderaler Statistikdienst Rosstat


 

Text: Hans-Jürgen Wittmann und Edda Wolf

15.09.2017

In Russland surfen 70% der Bevölkerung regelmäßig im Internet

Die russische Regierung plant mit dem nationalen Programm „Digitale Wirtschaft“ die Gesellschaft bis 2025 in die digitale Zukunft zu führen. Bis dahin soll für jeden Russen ein Internetzugang verfügbar sein. Zu den Schwerpunkten gehören IT-Sicherheit, digitale Medizin, Smart Cities und E-Governance. Das Programm wird derzeit zwischen dem Industrie- und dem Kommunikationsministerium abgestimmt. Auch die Eurasische Wirtschaftsunion beschloss eine „Digitale Agenda“, die das Wachstum der digitalen Wirtschaft in den Mitgliedsstaaten ankurbeln soll. 

Das Potenzial der digitalen Wirtschaft ist riesig. Ihr Anteil am russischen Bruttoinlandsprodukt beträgt derzeit erst 2,8%. Zurzeit arbeiten etwa 1,1 Mio. Russen in der digitalen Wirtschaft, davon 500.000 Programmierer. Anfang 2017 wuchs der russische Markt für kommerzielle Datenspeicher- und Verarbeitungszentren auf 14,5 Mrd. Rubel. Zentren sind die IT-Cluster in Skolkowo, Sankt Petersburg, Nowosibirsk und Tatarstan. Im Alltag ist die Digitalisierung längst angekommen: Flächendeckender Mobilfunk, WiFi an öffentlichen Plätzen und in der Moskauer Metro sowie Onlinebezahlsysteme prägen den Alltag. 

Der Anteil der Haushalte mit Zugang zum Internet stieg im Zeitraum 2010 bis 2016 von 48,4 auf 74,8% (laut Rosstat). Die durchschnittliche Internetgeschwindigkeit in Russland wuchs im Jahr 2016 um 29% und liegt jetzt gleichauf mit Frankreich und Italien. Rund 87,6 Mio. Russen (71,0%) nutzen das Internet mindestens einmal im Monat, 84,4 Mio. (69,0%) mindestens einmal pro Woche und 70,8 Mio. (57,5%) jeden Tag. Etwa 56 Mio. Russen sind mit Smartphones und Tablets mobil im Netz unterwegs. 

Shopping per PC, Tablet oder Smartphone wird immer beliebter. Bereits 88% aller Einwohner tätigten 2016 online Einkäufe, das bedeutet jeder vierte zwischen 16 und 54 Jahren. Etwa 54% der aktiven Internetnutzer bestellen jeden Monat etwas online, Tendenz steigend. Einer von drei russischen Onlinekunden tätigt Einkäufe im Internet via Smartphone (laut GfK).

 

Kennziffern zur Digitalisierung in Russland

Indikator

2015

2016

Anteil der Einwohner mit Internetzugang (in %), darunter *)

70,4

74,8

.Breitband (mobil, in %) *)

43,5

46,6

Smartphoneverträge je 100 Einwohner (Zahl der aktiven SIM-Karten) *)

147,8

150

Internetbandbreite über 4 Mbit/s (in %)

90

90

Internetbandbreite über 10 Mbit/s (in %)

46

48

Internetbandbreite über 15 Mbit/s (in %)

21

21

*) Einwohner ab 16 Jahren, Internetnutzung mindestens einmal pro Monat
Quellen: GfK, J`son & Partners Consulting, Akamai Technologies, AC&M

 

Text: Hans-Jürgen Wittmann

15.09.2017

Russische Onlinekunden mögen es kurz und übersichtlich

Der E-Commerce-Markt wächst: Für 2017 erwartet der Verband der Internethändler AKIT einen Anstieg des Marktvolumens um ein Viertel von 920 Mrd. Rubel (13,8 Mrd. $) auf 1,2 Bill. Rubel (19,9 Mrd. $; Wechselkurs 2016: 1 $ = 66,83 Rubel; 1. Halbjahr 2017: 1 $ = 57,89 Rubel). Der Anteil des Onlinegeschäfts am gesamten Einzelhandelsumsatz betrug 2016 erst 3% oder inklusive grenzüberschreitendem Onlinehandel 4%. Im Jahr 2016 tätigten über 30 Mio. russische Onlinekunden fast 195 Mio. Bestellungen. Die Käufer gaben je Bestellung 2015 durchschnittlich 4.050 Rubel aus, ermittelte Data Insight.

 

Onlinehandel in Russland (nur physische Waren)

 

2015

2016

Onlinehandel (in Mrd. Rubel) *)

650

800

Veränderung (nominal, in %)

16,1

23,1

Onlinehandel (in Mrd. US$) *)

10,5

12,0

Veränderung (nominal, in %)

-27,6

14,3

*) ohne grenzüberschreitenden Onlinehandel, Lieferungen fertigen Essens, Tickets für Transport und Veranstaltungen, Kupons, C2C, MLM
Quellen: Data Insight, NAMO

 

Bei der regionalen Verteilung des Umsatzes im Onlinehandel liegt Moskau mit einem Anteil von 30,9% vor Sankt Petersburg und der Region Leningrad mit zusammen 10,6%. Mit sinkenden Lieferkosten wird E-Commerce auf billigere Produktkategorien ausgedehnt und auch in kleinen Städten und abgelegenen Regionen verfügbar.

 

Wichtigste Produktgruppen im Onlinehandel in Russland 2016

Produktgruppe

Onlinehandel innerhalb Russlands (Anteil am Gesamtumsatz in %)

Grenzüberschreitender Onlinehandel (Anteil am Gesamtumsatz in %)

Elektronik und Haushaltsgeräte

33

32

Bekleidung

22 *)

24

Schuhe

-

12

Kfz-Teile und -Zubehör

4

7

Parfümerie und Kosmetika

3

7

Waren für das Haus

2

3

Sportartikel

2

3

Lebensmittel

2

-

*) Bekleidung und Schuhe
Quelle: Russischer Verband der Internethändler (AKIT)

 

Aufgrund der geringeren Marktgröße erzielen russische Onlinehändler kleinere Verkaufsvolumina im Vergleich zu ausländischen Anbietern: Der Umsatz von Wildberries.ru erreichte 2016 nicht einmal 1 Mrd. $, während in Deutschland allein Amazon 14,1 Mrd. $ einnahm.

 

Die gefragtesten Anbieter in Russland 2016

Anbieter

Umsatz (in Mrd. Rubel)

Anteil am Gesamtumsatz (in %)

Umsatz (in Mio. Euro) *)

Wildberries

45,6

5,7

623

Ulmart

38,8

4,9

530

Citilink

31,6

4,0

432

M.Video

25,9

3,2

354

Eldorado

23,2

2,9

317

Lamoda

22,3

2,8

305

Ozon

18,0

2,3

246

Exist

17,8

2,2

243

Svyaznoy

15,4

1,9

210

KupiVip

15,1

1,9

206

*) Wechselkurs Jahresdurchschnitt 2016: 1 Euro = 73,21 Rubel; 1 $ = 66,83 Rubel
Quelle: Data Insight

 

Russische Onlinekunden mögen es kurz und übersichtlich. Sie sind zu maximal vier Arbeitsschritten von der Anmeldung bis zur Bezahlung der Bestellung bereit. Die entscheidenden Buttons sollten in Kontrastfarben hervorgehoben sein. Mit dem WebVisor der Suchmaschine Yandex.ru (https://metrika.yandex.ru/promo/webvisor, in russischer Sprache) kann eine Internetseite analysiert werden, um sie so mit den Augen russischer Kunden zu betrachten. 

Zur Werbung empfehlen Experten segmentierte E-Mails und Instagram. Der Zugang über soziale Netzwerke funktioniert dagegen vor allem bei russischen Frauen nicht. Sie möchten nicht, dass ihr Umfeld sehen kann, wo und was sie kaufen. 

Die meisten Onlinekunden (70%) zahlen am liebsten bar bei Übergabe der Ware. Rund 62% möchten ihre Kreditkartendaten Onlineshops nicht anvertrauen und 57% zweifeln an der Datensicherheit im Internet. Dabei akzeptierten drei Viertel von 88.000 untersuchten Onlineshops Zahlungen über Bankkarten, ergab eine Marktstudie des Market Adjustment Research Center im 4. Quartal 2015. Bei über der Hälfte der Onlineshops waren Zahlungen über das elektronische Bezahlsystem Yandex.dengi möglich. Auch Webmoney (47%), Qiwi (45%) und PayPal (13%) gehören zu den häufiger angebotenen Zahlungsoptionen.

 

Text: Edda Wolf und Hans-Jürgen Wittmann

15.09.2017

Russische Onlinekonsumenten kaufen immer häufiger im Ausland

Vor allem Russinnen kaufen immer öfter mit ihrem Smartphone ein. Am häufigsten bestellen sie Kinderwaren (30%), Waren für Schönheit und Gesundheit (24%) sowie Elektronik und Haushaltsgeräte (16%), ermittelte der Verband der Internethändler AKIT. Im Mobile Commerce am wenigsten gefragt waren Möbel und Gebrauchsgüter (9%), Gartengeräte (8%) und Essen (5%). 

Die meisten großen Offlinehändler und Hersteller treiben die Entwicklung ihrer Onlinevertriebskanäle voran und investieren in große Abhol- und Logistikzentren. Dazu gehören die Supermarktketten Perekrestok (X5 Group), Magnit, Lenta und O´key, sowie IKEA, Mars, H&M, Vans, Furla, L´Oreal und Yves-Rocher. 

Außerdem zieht es russische Konsumenten immer häufiger zu ausländischen Onlineshops. Der Umsatz mit Bestellungen im Ausland hat sich mehr als verdreifacht - von 1,3 Mrd. $ im Jahr 2013 auf 4,3 Mrd. $ im Jahr 2016. Der durchschnittliche Bestellwert lag 2015 bei 31 $. Kunden aus Russland suchen bei ausländischen Shops vor allem nach bestimmter Bekleidung und Schuhen, Babywaren, Kosmetika sowie Haus- und Gartenbedarf.

 

Bestellungen russischer Kunden in ausländischen Onlineshops (grenzüberschreitende Onlineverkäufe)

 

2015

2016

2017*)

Marktvolumen (Mrd. Rubel, laut AKIT)

219

302

420

Marktvolumen (Mrd. US$, laut NAMO)

3,4

4,3

k.A.

Mio. Postsendungen (AKIT/NAMO)

135

233 / 245

400

*) Prognose
Quellen: Russischer Verband der Internethändler (AKIT), Nazionalnaja Assoziazija Distanzionnoj Torgowli (NAMO)

 

Am häufigsten besuchen Russen chinesische Onlineshops. Deren Marktanteil an den  grenzüberschreitenden Lieferungen hat sich seit 2013 verdoppelt - von 40% auf 80 bis 90%. Dagegen kommen nur 4% der Lieferungen aus der EU und 2% aus den USA. Der Anteil der VR China am Umsatz beträgt 52%, die EU kommt auf 23% und die USA auf 12%. Der durchschnittliche Auftragswert aus der VR China ist mit 22 $ (2015) nur halb so hoch wie bei Bestellungen aus Europa. AliExpress, ein chinesischer Onlinemarktplatz, hat sich seit 2014 sogar an die Spitze des russischen Onlinehandels gesetzt. 

Das heißt aber nicht, dass europäische Anbieter chancenlos sind. Seit Anfang 2017 verzeichnen westliche Onlineshops wieder einen Anstieg der Verkäufe nach Russland. Die Zahl der Postsendungen dorthin hat sich im 1. Halbjahr 2017 nahezu verdoppelt auf 120.000, berichtet der Versanddienstleister Shiptor. Beispielsweise steigerte der britische Modeshop Asos seine Umsätze in Russland in sechs Monaten um mehr als 200%. Asos bietet russischen Kunden jetzt an, Waren innerhalb von 14 Tagen in einer der Ausgabestellen von Boxberry kostenlos zurückzugeben. 

Ein kleiner Boom lässt sich auch an den russischen Besucherzahlen der Websites westlicher Onlineshops ablesen. Bei der Onlinedrogerie iHerb (USA) kommt sogar der größte Teil der Kunden aus Russland (18,8%), während es bei den Fashionstores Yoox (Italien) 15%, Farfetch (USA) 10% und Asos (UK) 7,7% sind.

 

Text: Edda Wolf

15.09.2017

Aufbau eines russischen Onlineshops erfordert lokales Team

Sechs von den Top-100 Onlineshops in Russland gehören deutschen Unternehmen: Lamoda (gehört zu Zalando), Otto Group (Bonprix, Otto, Quelle), Metro Group (Mediamarkt) und Adidas. Chancen für deutsche Onlinehändler eröffnen sich weniger im Massensegment als in bestimmten Nischen im höheren Preissegment, etwa bei Markenkleidung und -schuhen, hochwertigen Elektronikwaren, Kosmetika, Parfüms und Sportnahrung. 

Die Schuhmarke Salamander hat im Juni ihren eigenen Onlineshop in Russland eröffnet. Der Einzelhändler SPAR stellt sein komplettes Sortiment auf eine Onlineplattform. Bei der Otto-Group bestellen Kunden aus allen Einkommensschichten und Altersgruppen aus Moskau und den Regionen Bekleidung im Internet. Mit der Verteilung der Pakete beauftragt Otto die Russische Post und Logistikdienstleister wie DPD oder PickPoint. Damit werden 99% aller Orte in Russland abgedeckt. Selbstabholer nehmen ihre Waren in PickPoint-Automaten in Empfang. Otto verlagerte im Jahr 2015 sein SAP-gestütztes IT-Kundensystem nach Russland. Damit trägt der Onlinepionier den strengen gesetzlichen Anforderungen in Bezug auf die Speicherung von Kundendaten in Russland Rechnung.

 

Deutsche Anbieter von Onlineshopping in Russland im Jahr 2016

Onlineshop

Onlineverkäufe (in Bill. Rubel)

Veränderung 2016/2015 (in %)

Bestellungen (in 1.000 Stück)

Veränderung 2016/2015 (in %)

Durchschnittlicher Rechnungsbetrag (in Rubel)

Veränderung 2016/2015 (in %)

Lamoda.ru

22,3

39

5.870

33

3.800

4

Bonprix.ru

13,7

22

3.240

13

4.240

8

Mediamarkt.ru

7,5

17

556

5

13.410

12

Otto.ru

4,0

55

611

54

6.570

1

Adidas.ru

3,4

56

522

55

6.460

1

Quelle.ru

2,8

-1

611

-13

4.650

13

Quelle: Data Insight

 

Für deutsche Firmen, die in den russischen Markt eintreten möchten, bieten sich Onlineplattformen wie Yandex Market, Lamoda oder KupiVip an, um ihre Waren zu präsentieren. Interessenten sollten die finanziellen (Kommissionsgebühren), technischen und rechtlichen Konditionen genau prüfen. Diese können teils noch anspruchsvoller sein als bei Amazon. Wenn das Produkt die Neugier der russischen Kunden geweckt hat und einen preislichen oder qualitativen Mehrwert bietet, ergibt der Aufbau eines eigenen Shops Sinn. Ein lokales Team ist dazu unerlässlich, qualifizierte Mitarbeiter zu finden jedoch schwierig. Die bereits vorhandene Konkurrenz auf dem russischen Markt ist groß. 

Auch die Erwartungen und Bedürfnisse russischer Kunden sollten einer genauen Analyse unterzogen werden. Die Erwartungshaltung der Kunden wächst. Die Umstellung von Vorkasse auf Cash-on-Delivery wirkt sich auf den Geldfluss des Händlers aus. Die steigende Tendenz Waren zu reklamieren, bedeutet zusätzlichen Aufwand bei Logistik und Buchhaltung. Auch benutzerfreundliche Oberflächen machen einen Unterschied. AliExpress erklärt dem Benutzer in einem Animationsfilm, wie er bei der Bestellung vorgehen soll. Andere Händler bieten ihren Kunden nicht nur die Lieferung des Produkts, sondern gleich den Aufbau mit an, zum Beispiel bei Küchen. 

Daneben müssen sich deutsche Firmen beim E-Commerce in Russland auf neue gesetzliche Regelungen einstellen. Es ist im Gespräch, die Wert- und Gewichtsgrenzen zur zollfreien Einfuhr von Paketen aus dem Ausland ab 2018 zu senken. Außerdem sollen ausländische Onlinehändler eine juristische Person (ein Unternehmen) in Russland gründen und sich bei der Steuerbehörde registrieren. Damit würden sich Lieferungen aus dem Ausland schlagartig um den russischen Mehrwertsteuersatz von 18% verteuern.

 

Text: Hans-Jürgen Wittmann

15.09.2017

Russland: Rechtliche Grundlagen

Beim E-Commerce in Russland sind die folgenden föderalen Gesetze zu beachten: Nr. 2300-I „Über den Verbraucherschutz“ vom 7.2.92, Nr. 149-FZ „Über Information, Informationstechnologien und Informationsschutz“ vom 27.7.06, Nr. 152-FZ „Über personenbezogene Daten“ vom 27.7.06, Nr. 38-FZ „Über die Werbung“ vom 13.3.06, Nr. 63-FZ „Über die elektronische Signatur“ vom 6.4.11 sowie die Regierungsverordnung Nr. 612 vom 29.9.07 zum „Fernabsatz von Waren“ (jeweils in der Fassung späterer Änderungen).

Gemäß Art. 26.1 Verbraucherschutzgesetz können Verbraucher Fernabsatzverträge innerhalb von sieben Tagen nach Erhalt der Ware widerrufen und die Ware zurückgeben. Der Verkäufer muss dann den Kaufpreis binnen zehn Tagen erstatten. Fehlt eine schriftliche Widerrufsbelehrung, ist die Warenrückgabe innerhalb von drei Monaten möglich. Es sind umfassende Informationspflichten vorgesehen, darunter zur Beschaffenheit der Ware, Adresse des Herstellers, Herstellungsort, Garantiefrist, Anleitung zur sicheren Nutzung - jeweils in russischer Sprache.

Für einen grenzüberschreitenden Vertrag ist eine Rechtswahl zugunsten ausländischen Rechts möglich. Unabhängig davon sind zwingende Normen der russischen Rechtsordnung zu Verbraucherschutz, Datenschutz und Werbung zu beachten. Vertragliche Schiedsklauseln mit Verbrauchern werden in der Regel für unwirksam erklärt, mit der Folge, dass Verbraucher auch vor russischen Gerichten an deren Wohnsitz Klagen gegen ausländische Lieferanten erheben können. Zu beachten ist, dass russische Gerichtsurteile in Deutschland und deutsche Urteile in Russland nicht anerkannt und nicht vollstreckt werden können.

Die Erhebung, Speicherung und Nutzung von personengezogenen Daten setzen die Zustimmung der jeweiligen Person voraus. Seit 1.9.15 müssen personenbezogene Daten von russischen Kunden auf einem Server auf dem Gebiet der Russischen Föderation gespeichert werden. Anbieter, die gegen diese Anforderungen verstoßen, riskieren Geldbußen und eine Sperrung der Internetplattform durch die russische Telekombehörde Roskomnadzor.

Seit 1.1.17 wird das Bestimmungslandprinzip bei E-Commerce-Dienstleistungen (Werbung im Internet, Herunterladen von E-books, Musik, Software und PC-Spielen, Cloud-Datenspeicherung etc.) angewendet. Sofern solche Dienstleistungen gegenüber Firmen und Personen in Russland erbracht werden, fällt die russische Umsatzsteuer von 18% an. Ausländische Unternehmen müssen sich bei B2C-Dienstleistungen auf dem Internetportal der russischen Steuerbehörde registrieren. Am 1.7.17 sind Änderungen des Gesetzes 54-FZ „Über die Verwendung von Registrierkassen“ in Kraft getreten. Alle Onlinehändler seither sind verpflichtet, ihren Kunden elektronische Quittungen zu senden und Informationen über die getätigten Verkäufe an den Föderalen Steuerdienst zu übermitteln.

Russland gehört seit dem 1.8.14 zu den Mitgliedstaaten des UN-Übereinkommens über die Nutzung elektronischer Kommunikation beim Abschluss grenzüberschreitender Verträge (seit 1.3.13 in Kraft). Zu beachten ist, dass das Übereinkommen keine Anwendung auf Verträge für persönliche Zwecke (Familie, Haushalt) findet. Elektronische Signaturen werden in Russland bei Abschluss von Verträgen und bei Korrespondenz mit Steuerbehörden, jedoch nicht im Internethandel verwendet.

Der Schutz von Warenzeichen (Marken) und Domainnamen erfolgt gemäß dem Vierten Teil des russischen Zivilgesetzbuches (Art. 1477 ff.).

Text: Dmitry Marenkov

15.09.2017

Russland: Zollverfahren

Bei Sendungen aus der EU in Nicht-EU-Länder sind dort grundsätzlich Zölle und Einfuhrumsatzsteuern zu zahlen. Dies erledigt in der Regel das Transportunternehmen. Dieses stellt dem Empfänger dann die Eingangsabgaben in Rechnung und führt sie an die dortige Zollverwaltung ab. Wenn bestimmte Wertgrenzen überschritten werden oder wenn Verbote sowie Beschränkungen zu beachten sind, erhält der Empfänger eine Benachrichtigung und muss die Sendung dann bei der zuständigen Zollstelle abholen. 

Die Höhe des anzuwendenden Zollsatzes kann mit Hilfe der Market Access Database der EU-Kommission ermittelt werden. 

Sofern die Sendung in ein Land geht, mit dem die EU ein Freihandelsabkommen unterhält, kann die Sendung auch zollfrei sein, wenn bestimmte Wertgrenzen nicht überschritten werden oder die Ware von einem gültigen Präferenznachweis begleitet wird. 

Generell gelten in allen Ländern Kleinbetragsgrenzen, sodass Sendungen, die diesen Wert nicht überschreiten, zollfrei bleiben. Mehr zu den Kleinbetragsgrenzen siehe unten. 

In Russland wird für die Zwecke der Zollanmeldung unterschieden, ob die Waren im internationalen Postversand oder per Kurier-/Expressdienst befördert werden. Mit internationalem Postversand sind Paketsendungen gemeint, die durch die Postunternehmen der Mitgliedsländer des Weltpostvereins befördert werden. In Deutschland gehört dazu die Deutsche Post AG, in Russland die russische Post „Potschta Rossii“. 

Für die Zollabfertigung von Sendungen im internationalen Postversand wird eine Zollinhaltserklärung (CN22, CN23) benötigt. Dieses Papier dient dem Beförderer als Zollanmeldung. Die Zollanmeldung von Paketen, die per Kurier- oder Expressdienst befördert werden, übernimmt entweder der Kurier- und Expressdienst selbst oder der Empfänger. Eine Zollanmeldung erfolgt wie bei der regulären Wareneinfuhr. Es können aber andere Vordrucke verwendet werden. In beiden Fällen ist eine Rechnung in Englisch beizufügen. 

Wertmäßig gelten einheitliche Vorschriften für den Post-, Kurier- oder Expressversand. Ist der Empfänger eine natürliche Person, kann diese zoll- und steuerfrei innerhalb eines Monats Waren im Wert von 1.000 Euro und im Gesamtgewicht von 31 Kilogramm empfangen. Werden diese Grenze überschritten, wird eine Pauschale von 30% des Warenwertes, jedoch mindestens 4 Euro pro Kilo des Überschussanteils erhoben. 

Zur Einfuhr in die Eurasische Wirtschaftsunion verbotene Waren dürfen auch nicht an Privatpersonen versandt werden.

 

Text: Klaus Möbius, Nelli Lüzinger

15.09.2017

Russland: Internetadressen

 

Portale, Verbände, Behörden, Messen, Konferenzen

Internetadresse

Ministerium für Telekommunikation und Massenkommunikation

http://minsvyaz.ru/

Russischer Verband der Internethändler (AKIT)

www.akit.ru/

Nationaler Verband für Fernabsatz (NAMO)

www.namo.ru/

Nationaler Verband der Teilnehmer am elektronischen Handel (NAUET)

www.nauet.ru/

Verband der russischen Internet-Geschäfte (ARIM)

www.arim.ru/

Russischer Verband für elektronische Kommunikation (RAEK)

raec.ru/

Studie Digitale Wirtschaft 2016 in russischer Sprache (RAEK)

http://files.runet-id.com/2016/presentation-research/presentations/itogy2016-booklet.pdf

East-West Digital News

www.ewdn.com/

East-West Digital News (Studie E-Commerce in Russia)

www.ewdn.com/files/ecom-rus-download.pdf

Data Insight (Marktforschung)

datainsight.ru/

Institut für Internetstudien

internetinstitute.ru/

Fachzeitschrift Internet in Ziffern

in-numbers.ru/

GfK (Konsumforschung)

www.gfk.com/ru/

J`son & Partners Consulting (Consulting, Marktforschung)

http://web.json.ru/

AC&M (Consulting, Telekom-Marktforschung)

www.acm-consulting.com

New Retail (Portal für Einzelhandel)

https://new-retail.ru/

Yandex-Market (Suchsystem für Konsumgüter)

https://market.yandex.ru/

ECOM Expo (Messe für E-Commerce-Technologien und Innovationen)

expo.oborot.ru/

E-Retailforum/GoAnalytics (Messe für E-Commerce-Technologien, Konferenz für Branchenspezialisten)

https://www.eretailforum.ru/, www.goanalytics.ru/

Distree Russia & CIS (Messe für Handel, Unterhaltungselektronik und IT)

www.distree-russia.com/

Fachkonferenz Elektronnaja Torgowlja

conf.oborot.ru

Sankt Petersburger Internet-Konferenz

2017.sp-ic.ru/

 

Text: Hans-Jürgen Wittmann

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