Infrastrukturprojekte in Frankreich

Frankreich: Neue Akzente beim Ausbau der Infrastruktur

Im internationalen Vergleich besitzt Frankreich eine sehr gut ausgebaute Infrastruktur. In den nächsten Jahren sind bei Autobahnen und den Eisenbahnstrecken Erweiterungen und Modernisierungen vorgesehen. Der Anteil erneuerbarer Energien soll bis 2030 kräftig steigen auch die Digitalisierung steht im Fokus. Die Mitgliedschaft im Konsortium mit lokalen und spezialisierten Bauunternehmen ist eine Möglichkeit, sich an einem der großen Projekte zu beteiligen.

18.05.2017

Frankreichs Infrastruktur ist von hoher Qualität

Mit 67 Millionen Einwohnern ist Frankreich nach Deutschland das bevölkerungsreichste Land der Europäischen Union. Die Landesfläche ist jedoch mit 551.500 qkm deutlich größer, die Bevölkerungsdichte folglich geringer. Etwa 18% der Einwohner leben im Großraum Paris, auf den auch die Verkehrswege des Landes ausgerichtet sind. Pro Jahr wächst die Bevölkerungszahl Frankreichs derzeit durchschnittlich um 0,4%, etwas langsamer als in den vorangegangenen Jahren. Ursächlich ist in erster Linie die im europäischen Vergleich höhere Geburtenrate. Zum Zeitpunkt der letzten Volkszählung 2007 lag der Anteil der städtischen Bevölkerung bei 77,5%.

Frankreich verfügt über eine im internationalen Vergleich sehr gute Infrastruktur. In der jüngsten Bewertung des World Economic Forum nimmt das Land diesbezüglich den siebten Rang unter 138 untersuchten Ländern ein. Insbesondere die Verkehrswege auf Straße und Schiene sowie die Elektrizitäts- und Kommunikationsnetze sind von hoher Qualität. Im innerstädtischen Bereich verfügen heute praktisch alle französischen Großstädte über Metro- oder Straßenbahnsysteme, die weiter ergänzt werden. Der Ausbau der Datenübertragung über Glasfaser wird derzeit forciert.

Die hohe Belastung der öffentlichen Haushalte durch soziale Ausgaben und Personalkosten bei gleichzeitigen Bemühungen, das Budgetdefizit zu reduzieren, schränkt indessen den Spielraum für staatliche Investitionen in die Infrastruktur ein. So werden beispielsweise nicht alle geplanten Hochgeschwindigkeitsstrecken der Eisenbahn in absehbarer Zeit umgesetzt. Neben der Bedarfsanalyse sind letztlich auch politische Entscheidungen relevant für die Prioritätensetzung.


Rahmenbedingungen

Indikator

2016

2025 (Prognose)

Bevölkerung in Mio.

67

69,1

Bevölkerungswachstum (in%)

0,4

0,3

Bevölkerung Stadt (in%)

77,5

79

Bevölkerung Land (in%)

22,5

21

BIP (nominal; in Mrd. US$)

2.463,22.815,3 *)

Investitionen (in % des BIP)

22,4

22,6

*) 2022

Quellen: GTAI Wirtschaftsdaten, Global Competitiveness Report, IWF


Qualität der Infrastruktur (2016/2017)

 

Ranking

Score

Qualität der gesamten Infrastruktur (Transport, Telefonie, Kommunikation)

8

6,0

Qualität der Straßen

6

6,0

Qualität der Schienentransportsysteme

4

5,8

Qualität der Häfen

23

5,3

Qualität der Lufttransportsysteme

13

5,9

Qualität der Elektrizitätsversorgung

7

6,7

Quelle: Global Competitiveness Report


Text: Dr. Marcus Knupp

18.05.2017

Frankreich erweitert Autobahnen und modernisiert Eisenbahnstrecken

Frankreich verfügt über gut ausgebaute Fernstraßen und ein sehr effektives Netz von Hochgeschwindigkeitsstrecken der Eisenbahn. Beide sind jedoch stark auf das Zentrum Paris ausgerichtet. Die Verbindungen zwischen peripheren Räumen sind oft nicht auf dem gleichen Niveau. Eine hohe Dichte erreicht dagegen das lokale Straßennetz. Pro 1.000 Einwohner verfügt Frankreich im europäischen Vergleich mit 16,3 km über eine überdurchschnittlich große Straßenlänge. Die Länge der Eisenbahnstrecken pro 1.000 Einwohner ist mit 480 km auf einem mit Deutschland vergleichbaren Niveau. Rund 55% der gesamten Strecken sind elektrifiziert.

Während Planungen im Bereich der Autobahnen in den nächsten Jahren eher ergänzende Querverbindungen und Stadtumgehungen betreffen, wird das Streckennetz der TGV (train à grande vitesse) durch zusätzliche Routen deutlich erweitert. Im Jahr 2017 gehen Strecken nach Rennes und Bordeaux in Betrieb. Die weitere Verlängerung in den Südwesten ist ebenso geplant wie der Ausbau der Verbindung entlang der Mittelmeerküste Richtung Barcelona und eine Alpenquerung zwischen Lyon und Turin. Nach zu geringen Investitionen in den Bestand der Eisenbahnstrecken in den letzten Jahrzehnten sind in den kommenden zehn Jahren insgesamt 46 Mrd. Euro für Modernisierungen vorgesehen.

Auch bei den Flughäfen hat die Hauptstadt Paris eine hervorragende Stellung. Die beiden verkehrsreichsten Flughäfen Frankreichs sind die Pariser Airports Charles de Gaulle und Orly, gefolgt von Nizza, das aufgrund seiner Entfernung und der nicht ausgebauten Verbindung per TGV einen größeren Anteil von Inlandspassagieren verzeichnen kann, ähnlich wie Toulouse. Administrativ gibt es derzeit den Trend der Übertragung des Betriebs an private Träger, gepaart in der Regel mit Ausbauplänen, etwa erweiterten Terminals in Marseille oder Bordeaux. Der Neubau des Flughafens Notre-Dame-des-Landes bei Nantes ist stark umstritten.

Die französischen Seehäfen stehen in der Bedeutung deutlich hinter Wettbewerbern wie Hamburg oder Rotterdam zurück. Die wichtigsten sind Marseille/Fos und Le Havre. Ausbaupläne haben derzeit die Häfen in Calais, Marseille oder Nantes. Die Binnenschifffahrt ist vor allem im Norden und Nordosten Frankreichs von Bedeutung, wo sich der größte Teil der rund 8.500 km schiffbarer Wasserstraßen befindet.


Strukturdaten Verkehrsinfrastruktur

 

2015

2020 (Prognose)

Wert der Bauinvestitionen insgesamt (Mrd. Euro)

207,8

k.A.

davon Verkehrsinfrastrukturbau (Mrd. Euro)

18,1

k.A.

Straßennetz (km)

1.073.500

1.074.000

Schienennetz (km)

30.400

31.000

Flughäfen (Anzahl)

43

43

Flughäfen (Passagiere)

180.861.255

k.A.

Containerhäfen (Anzahl, ggf. Umschlag)

15 / 5.231.925 TEU

15 / 5.500.000 TEU

Quellen: Insee; Ministère de l’Environnement, de l’Energie et de la Mer


Ausgewählte Projekte

Vorhaben

Investitionssumme (Mio. Euro)

Träger

Projektstand

Grand Paris Express, Ring-U-Bahn Paris

30.000

Société du Grand Paris / 26 Teilprojekte

Bau / Planung

LGV Lyon-Turin, Hochgeschwindigkeitsstrecke und Tunnel

8.400

SNCF Réseau

Planung / Ausschreibungen

Canal Seine-Nord

4.700

Société du Canal Seine-Nord Europe

Planung

Quelle: Pressemeldungen, Projektinformationen


Text: Dr. Marcus Knupp


Weiterführende Marktinformationen von Germany Trade & Invest:

Transport und Verkehr

Bauwirtschaft

18.05.2017

Frankreich: Anteil erneuerbarer Energien wird stark ausgebaut

Im Sommer 2015 hat die französische Nationalversammlung nach langen Beratungen ein Energiewendegesetz verabschiedet. Der Anteil erneuerbarer Energien am Endenergieverbrauch soll demnach bis 2030 auf 32% steigen, was einem Anteil von rund 40% an der Stromerzeugung entspräche. Der Verbrauch an fossilen Energieträgern soll gegenüber der Basis 2012 um 30% sinken. Zudem wurde an dem Ziel festgehalten, den Anteil der Kernkraft an der Stromerzeugung bis 2025 von heute circa 75% auf 50% zu senken.

Zwischenziel bis 2020 ist ein Anteil der Erneuerbaren am Energieverbrauch von 23%. Nach Angaben des französischen Umweltministeriums wurden 2015 erst 14,9% erreicht, die größten Teile davon entfielen auf den Energieträger Holz und auf die Wasserkraft. Die mehrjährige Programmplanung für Investitionen in die Energieerzeugung sieht für die einzelnen Energieträger jeweils Spannweiten vor, die bis zum 31.12.23 erreicht werden sollen. Die Kapazität der Windkraft an Land soll auf 21.800 bis 26.000 MW steigen, für die Photovoltaik (PV) lauten die Zielgrößen 18.200 bis 20.200 MW. Gegenüber dem Stand von 2016 bedeutet dies eine ungefähre Verdoppelung bei der Windkraft und eine Verdreifachung im Bereich PV. Wenig Änderung ist bei der Hydroenergie vorgesehen. Das Ziel für die Offshore-Windkraft lautet 3.000 MW bis 2023; bisher ist noch keine Anlage in Betrieb.

Der Übertragungsnetzbetreiber RTE verfügt landesweit über rund 105.000 km Hochspannungsleitungen, die sich relativ gleichmäßig über die Fläche verteilen. Die Lage der Küsten Frankreichs an verschiedenen Seiten des Landes und die eher weitflächige Verteilung der Wind- und Solarenergieanlagen macht akut keinen erheblichen Netzausbau nötig. Geplant sind unterdessen neue untermeerische Verbindungen zu den Nachbarländern, davon zwei nach England, eine nach Irland und eine nach Nordspanien.


Strukturdaten Energieinfrastruktur

Indikator

2015

2020 (Prognose)

Primärenergieverbrauch (mtoe)

253,4

245 *)

Stromverbrauch/Kopf (toe)

3,67

k.A.

Stromerzeugungskapazitäten (Jahr in GW)

129

130

Kohle/Öl/Gas (in %)

17

9

Atomkraft (in %)

49

49

erneuerbare Energien (in %)

34

40

Endpreis Industriestrom / Haushaltsstrom

7,57 / 16,24

k.A.

Bevölkerung mit Anschluss an das Stromnetz (%)

100,0

100,0

Quellen: RTE; IEA Key World Energy Statistics; Eurostat; Weltbank


Ausgewählte Projekte

Vorhaben

Investitionssumme (Mio. Euro)

Träger

Projektstand

Offshore-Windkraftanlagen Fécamp, Saint-Nazaire und Courseulles-sur-Mer (zus. ca. 1.500 MW)

6.000

EDF EN

Planung

Route Solaire, Prototyp eines PV-Straßenbelages

k.A.

Colas

Pilotprojekt

ITER, Kernfusionsreaktor

19.000

ITER Organization

Phasenweise Ausführung

Quelle: Pressemeldungen, Projektinformationen


Text: Dr. Marcus Knupp


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Kraftwerksbau

Energieerzeugung

Übertragung und Verteilung

18.05.2017

Frankreich: Ausbau der Kapazitäten zur Datenübertragung

Digitalisierung steht weit oben auf der Agenda der französischen Wirtschaftspolitik. Mit Initiativen wie „French Tech“ will Paris dem Land zu einer führenden Position in Bereichen wie Softwareentwicklung oder Datensicherheit verhelfen und die Entwicklung einer vielfältigen Startup-Landschaft fördern. Auch die nationale Strategie zum Aufbau einer Industrie der Zukunft, vergleichbar mit Industrie 4.0, macht einen weiteren Ausbau der Datenübertragungskapazitäten nötig, wenn ein immer größeres Datenvolumen über Cloud-Lösungen abgewickelt wird.

Mehr als jedes zweite Unternehmen hat mittlerweile eine Strategie zur Digitalisierung aufgestellt, wie eine Umfrage im Auftrag des Wirtschaftsmagazins Usine Nouvelle im Dezember 2016 zeigte. Ein Viertel gab an, bereits kommunizierende Produktionsmaschinen im Einsatz zu haben. Nach Einschätzung von Experten werden in den kommenden drei Jahren zahlreiche Unternehmen mit Pilotprojekten starten. Mit einem Zeithorizont von fünf bis zehn Jahren kommt es dann zu einer Welle der breiteren Anwendung.

In einigen Bereichen der Telekommunikation kann Frankreich bereits heute eine Spitzenposition besetzen. So liegt das Land in der Ausstattung mit Festnetzleitungen nach dem Global Competitiveness Index auf Platz eins. Diese sollen bis 2022 weitgehend auf Glasfaser umgestellt werden. Bislang sind bereits 7,7 Mio. der rund 29 Mio. Haushalte Frankreichs mit extrem schnellen Datenleitungen ausgestattet. Der „Plan France Très Haut Débit“ sieht vor, im Zeitraum 2012 bis 2022 rund 80% der Bevölkerung an das Glasfasernetz anzuschließen und hierfür circa 20 Mrd. Euro zu investieren, 14 Mrd. davon aufgebracht durch private Akteure.


IKT-Infrastruktur

Indikator

2015

2020 (Prognose)

Durchschnittliche Geschwindigkeit der Internetanschlüsse (in kbps)

38.700

k.A.

Festnetzanschlüsse (in % der Einwohner)

59,9

58

Mobile Netzabdeckung (in % der Einwohner)

74,7

80

Anteil der Haushalte mit Internetzugang (in %, Wachstum)

82,6 (-0,48)

84

Breitbandpreise (in % des Bruttonationaleinkommen)

0,65

k.A.

M2M subscriptions per 100 mobile-cellular subscriptions 1)

13

35

1) Machine-to-Machine-Communication (digitale Vernetzung von Maschinen und Geräten über das Internet)
Quelle: ITU


Ausgewählte Projekte

Vorhaben

Investitionssumme (Mio. Euro)

Träger

Projektstand

Glasfasernetz

3.000 (2015-2018)

Orange

Ausführung

Glasfasernetz

2.000 (pro Jahr)

SFR

Ausführung

Glasfaserleitung unter Metrolinie

k.A.

Société du Grand Paris

Planung

Quelle: Pressemeldungen, Projektinformationen


Text: Dr. Marcus Knupp

Weiterführende Marktinformationen von Germany Trade & Invest

18.05.2017

Frankreich: Effizienz von Kläranlagen steht im Fokus

Versorgungsunternehmen stehen in Frankreich wie in anderen europäischen Ländern vor steigenden Ansprüchen an die Trinkwasserqualität. Seit 2011 muss zum Beispiel Wasser aus Wasseraufbereitungsanlagen auf Mikroverschmutzungen getestet werden. Es besteht bislang zwar keine Verpflichtung ihrer Behandlung, Fachleute rechnen damit aber für die nähere Zukunft. Für die Entfernung lassen sich verschiedene Verfahren anwenden, die die bestehende Wasseraufbereitung ergänzen.

Vom kleinen Reinigungsbecken bis zur Großkläranlage gibt es in Frankreich nach Angaben des Umweltministeriums insgesamt 19.688 Einrichtungen zur Abwasseraufbereitung. Abgesehen von sporadischem Erneuerungsbedarf sind es vor allem veränderte Anforderungen an die Gewässergüte oder den Energieverbrauch, die Anpassungen und Investitionen im Bestand erfordern. Aktuell gewinnt vor allem die Effizienz der Anlagen mehr Aufmerksamkeit. Im Mittelpunkt steht dabei der Klärschlamm als Rohstoff und Energieträger.

Die Entsorgungsinfrastruktur für Abfall umfasste in Frankreich 2014 für den Haushaltsmüll 228 Deponien für ungefährliche Abfälle, 410 Sortier-, 626 Kompostier- und 126 Verbrennungsanlagen. Von letzteren erzeugen 114 Energie. Hinzu kommen 12 Methanisierungsanlagen für Hausmüll. Die Recyclingquote betrug 2014 für mineralische Abfälle 70,5%, für nicht-gefährliche organische Abfälle 50,3% und bei Gefahrstoffen 31,6%. Die Planung der Regierung sieht eine Abfallreduzierung pro Einwohner bis 2020 um 10% vor. Die durchschnittliche Recyclingquote der nicht-gefährlichen organischen Abfälle soll bis 2025 einen Anteil von 65% erreichen.

Die im Dachverband Fnade organisierten Unternehmen der Abfallwirtschaft investierten 2015 zusammen 632 Mio. Euro, davon 321,6 Mio. Euro in Infrastrukturen und 310,4 Mio. Euro in Maschinen und Ausrüstungen. Die Investitionen der französischen Recyclingindustrie beliefen sich 2015 nach Angaben des Verbandes Federec auf 476,2 Mio. Euro. Die Investitionsneigung dürfte mittelfristig hoch bleiben, da immer mehr Abfälle in den Stoffkreislauf einbezogen werden und die technischen Anforderungen steigen.


Rahmendaten Umweltinfrastruktur

Indikator

2014

2020

Investitionen in Umweltinfrastruktur (Mrd. Euro)

47,6

51,5

Improved sanitation facilities 1) (% der Bevölkerung mit Zugang)

99,5

k.A.

Anschluss an Trinkwassernetz (% der Bevölkerung)

99,8

99,8

Müllaufkommen (kg/Einwohner/Jahr)

509

450

organisch (Anteil in %)

27,8

k.A.

Spezialmüll (mineralische Abfälle, Gefahrstoffe, %)

72,2

k.A.

Recyclingquote (alle Abfallarten, in %)

64

68

1) Verbesserte Sanitäreinrichtungen, Kategorie der WHO
Quellen: Insee, WHO, Französisches Umweltministerium


Ausgewählte Projekte

Vorhaben

Investitionssumme (Mio. Euro)

Träger

Projektstand

Müllverbrennungsanlage Carhaix

30

Suez Environnement

Planung, Inbetriebnahme 2020

Müllverbrennungsanlage Saône

34

Bonnefoy

Umsetzung

Quelle: Pressemeldungen, Projektinformationen


Text: Dr. Marcus Knupp

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Wasserversorgung

Umweltschutz, Entsorgung, Klimaschutz

18.05.2017

Frankreich: Großer Markt für öffentliche Aufträge bei AusbiIdung und Gesundheit

Frankreich verfügt über ein hervorragend ausgebautes Gesundheitssystem mit.1.416 öffentlichen und 1.695 privaten Krankenhäusern im Jahr 2014. Nach internationaler Abgrenzung erreichten die Ausgaben für Gesundheit 2015 mit 11,0% des BIP in etwa dasselbe Niveau wie in Deutschland (11,1%) und lagen damit über dem EU-Durchschnitt von 9,9%. Die angespannte Haushaltslage zwingt die Regierung allerdings zu Einsparungen. Das gesamte jährliche Investitionsvolumen der öffentlichen Krankenhäuser hat sich seit 2012 von circa 7,0 Mrd. Euro auf derzeit nur noch rund 5,0 Mrd. Euro pro Jahr verringert. Neue Krankenhausprojekte sind daher eine Ausnahme.

Praktisch alle Kinder ab dem Alter von drei Jahren gehen in Frankreich in die Vorschule, gefolgt von der Grundschule und verschiedenen weiterführenden Schulen. Das Netz der Erziehungseinrichtungen ist dementsprechend dicht. Die Ausgaben bewegen sich in etwa im Durchschnitt der OECD-Länder und werden weit überwiegend durch die öffentliche Hand getragen. Im Jahr 2015 besuchten 12.398.900 Schüler insgesamt 63.600 Schulen, davon 54.800 öffentliche und rund 8.800 private. Im Lauf der zehn Jahre zwischen 2005 und 2015 hat sich die Zahl der Schulen um rund 4.500 verringert, wobei die Schülerzahl pro Klasse in etwa konstant blieb.

Frankreich verfügt über eine vergleichsweise geringe Zahl kommunaler Schwimmbäder, weshalb in diesem Bereich eine relativ große Aktivität zu beobachten ist. So plant zum Beispiel Paris den Neubau von vier Schwimmbädern und die Modernisierung mehrerer bestehender. Als weltweit beliebtestes Reiseziel verfügt Frankreich über eine große Zahl touristischer Einrichtungen wie Museen, Besucherzentren an historischen Monumenten wie Schlössern oder Orten wie dem Mont Saint Michel sowie etliche Freizeitparks wie Disney Land Paris oder Parc Astérix.


Ausgewählte Projekte

Vorhaben

Investitionssumme (Mio. Euro)

Träger

Projektstand

Modernisierung der Pariser Schwimmbäder, drei Neubauten, fünf umfangreiche Renovierungen

150

Stadt Paris

Planung

Heroicland Calais, Vergnügungspark

k.A.

Stadt Calais u.a.

Ausschreibungen

Quelle: Pressemeldungen, Projektinformationen


Text: Dr. Marcus Knupp

Weiterführende Marktinformationen von Germany Trade & Invest:
Gesundheitswesen

 

18.05.2017

Frankreich: Kritik an überteuerten PPP-Projekten

Die Aktivitäten der öffentlichen Hand sind in Frankreich weitreichender als im Durchschnitt der OECD-Staaten. Die Staatsquote in Bezug zum Bruttoinlandsprodukt beträgt rund 57%. Es existiert folglich ein großer Markt für öffentliche Aufträge. Wesentliche Auftraggeber wie die Eisenbahngesellschaft SNCF oder der Stromversorger EDF sind weiterhin überwiegend in staatlicher Hand. Verbreitet ist daneben die Vergabe von Konzessionen. Dabei übernimmt der Konzessionär, in der Regel ein privates Unternehmen, den Betrieb, die Unterhaltung und die Investitionen einer Einrichtung und finanziert dies mit den erzielten Einnahmen.

Die Kommunen vergeben Konzessionen oft in den Bereichen Wasserver- und Abwasserentsorgung, Elektrizitäts- und Gasversorgung, zunehmend auch bei Kommunikationsnetzen. Auf staatlicher Ebene ist der Betrieb wesentlicher Teile des französischen Autobahnnetzes ein typisches Beispiel. Nach dem geltenden Gesetz von 2001 bleibt der Staat der Eigentümer der Verkehrswege, die der Konzessionär aus den Mautgebühren finanziert. Die Laufzeiten sind sehr lang, bei neuen Autobahnprojekten zwischen 50 und 80 Jahre. Verhandlungen für die Verlängerung der Konzessionen für bestehende Strecken sind an Investitionszusagen der Konzessionäre gebunden. Konzessionäre sind in den meisten Fällen die großen französischen Baukonzerne.

In der Ausführung von öffentlichen Infrastrukturprojekten kann seit 2004 auch das Modell der Public Private Partnerships (PPP) eingesetzt werden. Dieses überträgt einem privaten Investor über zumeist 25 Jahre die Errichtung, Instandsetzung und Betriebsführung. In letzter Zeit wurde vermehrt Kritik an dem Ansatz laut. PPP-Projekte hätten sich in einigen Fällen als erheblich teurer herausgestellt als herkömmlich vergebene Vorhaben. Der Bau des Kanals Seine-Nord wurde beispielsweise im Herbst 2014 erneut lanciert, diesmal aber nicht als Beteiligungsmodell.


Text: Dr. Marcus Knupp

18.05.2017

Frankreich: Beteiligung an Ausschreibungen oder Konsortien

Dominiert wird der Bau von Infrastrukturvorhaben durch die drei Baukonzerne Vinci, Bouygues und Eiffage, die sich im Wettbewerb fast alle großen öffentlichen Ausschreibungen sichern, zumeist im Konsortium mit lokalen und spezialisierten Bauunternehmen. Die Mitgliedschaft in einem solchen Konsortium ist eine Möglichkeit für ausländische Unternehmen, in der Regel Anbieter spezieller Dienstleistungen oder Kenntnisse, bei einem der großen Projekte beteiligt zu werden.

Die eigene Teilnahme an Ausschreibungen ist ein weiterer Weg, um bei größeren Projekten in Frankreich zum Zuge zu kommen. Wie in Deutschland hat das französische Recht Vorgaben der EU integriert, so dass sich Verfahren und Schwellenwerte wenig unterscheiden. Kernpunkte sind der freie Zugang, die Gleichbehandlung aller Bewerber und die Transparenz der Verfahren. Im öffentlichen Sektor sind alle Bauvorhaben nach den Bestimmungen des „Code des Marchés Publics" zu vergeben. Einzelheiten über das öffentliche Vergaberecht finden sich im Ausschreibungsportal der Regierung.

Autorisiert zu öffentlichen Ausschreibungen sind der Staat, seine diversen Einrichtungen und die Gebietskörperschaften. Die Bewerbung umfasst verschiedene Dokumente und Unterlagen, zusammengefasst im „Dossier de Consultation des Entreprises". Dazu gehören die technische Spezifikation, eine Verpflichtungserklärung über die Leistung und den Angebotspreis und eventuell auch der Durchführungsplan. Die für Verträge mit öffentlichen Bauträgern geltenden Bedingungen (Cahiers des Clauses Administratives Générales, CCAG) sind auf der Webseite des französischen Wirtschaftsministeriums einsehbar.

Bei einigen großen Vorhaben, wie dem Pariser Metroprojekt Grand Paris Express, ist ausdrücklich vorgesehen, einen Teil des Auftragsvolumens an KMU zu vergeben. Hierbei handelt es sich oft um Planungstätigkeiten oder die Ausführung technischer Details. Zu beachten ist, dass die Gewährleistungspflicht für Bauleistungen in Frankreich zehn Jahre beträgt. Alle am Bau Beteiligten sind daher zum Abschluss einer Bauhaftpflichtversicherung verpflichtet, die diese sogenannte „responsabilité décennale“ abdeckt, was praktisch nur mit einer französischen Versicherung zu erreichen ist. Die Eröffnung einer französischen Filiale oder die enge Zusammenarbeit mit einem französischen Partner ist daher in der Regel sinnvoll.


Text: Dr. Marcus Knupp

18.05.2017

Frankreich: Kontakte, Veranstaltungen, Internetadressen

Institution / Name

Internetadresse

Öffentliche Ausschreibungsseite / Bulletin officiel de annonces des marchés publics (BOAMP)

www.boamp.fr

Informationsportal zur Bauwirtschaft / Batiactu (hier: Ausschreibungen)

http://marches.batiactu.com

Informationsportal zur Bauwirtschaft / Batiweb

www.batiweb.com

Umweltministerium / Ministère de l’Environnement, de l’Energie et de la Mer

www.developpement-durable.gouv.fr

Direction générale des infrastructures, des transports et de la mer (DGITM, beim Umweltministerium)

www.developpement-durable.gouv.fr/direction-generale-des-infrastructures-des-transports-et-mer-dgitm

Verband der französischen Bauwirtschaft / Fédération Française du Batiment (FFB)

www.ffbatiment.fr

Verband der Tiefbauindustrie / Fédération Nationale des Travaux Publics (FNTP)

www.fntp.fr

Zentrum für Bautechnik / Centre Scientifique et Technique de Bâtiment (CSTB)

www.cstb.fr

Vereinigung für Normung / Association française de normalisation (Afnor)

www.afnor.org

Investitionsförderagentur / Business France

www.businessfrance.fr

Baumesse / BatiMat (Paris)

www.batimat.com

Immobilien- und Projektmesse / Mipim (Cannes)

www.mipim.com

Quelle: Recherche von Germany Trade & Invest

Text: Dr. Marcus Knupp

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