Investitionschancen und -risiken in China

Chinesische Firmen schließen Innovationslücken

China bleibt als weltweit zweitgrößte Volkswirtschaft für deutsche Firmen ein zentrales Investitionsziel. Viele Unternehmen blicken aber angesichts der stärkeren lokalen Konkurrenz und des zu beobachtenden „ökonomischen Nationalismus“ nicht mehr so optimistisch in die Zukunft wie früher. Trotzdem sehen viele Firmen weiter Chancen für innovative Markenerzeugnisse. Ausländische wie inländische Hochtechnologiefirmen profitieren von gewährten Steuervergünstigungen.

02.01.2018

China ist an jeglicher Hochtechnologie sehr interessiert

China ist mit einem Bruttoinlandsprodukt (BIP) von 11,2 Billionen US-Dollar (US$) die zweitgrößte Volkswirtschaft und könnte laut Einschätzung von PWC bis 2050 die USA überrundet haben. Im Ranking des World Economic Forum (WEF) 2017/18 erreichte sie unter 137 untersuchten Ländern in puncto Marktgröße mit ihren 1,4 Milliarden Einwohnern schon jetzt den ersten Platz.

Weitere Informationen zum Wirtschaftsklima sowie zu den wichtigsten Standortvor- und -nachteilen in der GTAI-SWOT-Analyse


Entwicklung wichtiger Eckdaten (pro Monat)

Indikator

2015

2016

2017

Bruttolohn Geschäftsführer (in US$; 1 US$ = 6,64 RMB) 1)

k.A.

k.A.

13.700 bis 15.000

Miete für Büroraum in Beijing (in US$ pro qm)

 

 

 

Klasse A 2)

70,7

67,2

65,2

Klasse B 3)

56,2

52,7

51,3

Klasse C 4)

44,2

43,9

42,8

Klasse D 5)

38,5

35,9

34,8

1) diese Zahl wurde 2017 erstmals erhoben; "Lohn- und Lohnnebenkosten in China"; 2) Beijing Financial Street; 3) Central Business District; 4) Gegend um Beijing Lufthansa Center; 5) Stadtviertel Wangjing
Quellen: Labor Market and Salary Report 2017/18 der Deutschen Handelskammer in China; Colliers


China ist auf seinem Weg zur Hightech-Nation an jeglicher Hochtechnologie sehr interessiert. Angesichts der allgegenwärtigen Umweltverschmutzung sollten auch Umwelttechnologien stark gefragt sein. Allerdings bleibt dieser Markt oft hinter den Erwartungen zurück. Das wird sich erst ändern, wenn die Umweltgesetzgebung über vereinzelte Aktionen hinaus konsequenter umgesetzt wird.

Weit überdurchschnittlich wächst der Nahrungsmittelsektor mit dem Trend zu höherwertigen und gesünderen Produkten. Trotz Zulassungsschwierigkeiten entwickelt sich auch die Nachfrage nach westlichen Medikamenten gut. Treiber sind die steigenden Einkommen und die älter werdende Gesellschaft. Auch sonst wird der Verkauf von Produkten für Senioren zulegen. Generell achten chinesische Kunden zunehmend auf hohe Qualität. Produkte deutscher Herkunft profitieren allgemein vom guten Renommee des Labels „Made in Germany“.

China war 2016 laut „World Investment Report 2017“ der Vereinten Nationen mit einem Zufluss von 133,7 Milliarden US$ eines der wichtigsten Zielländer globaler Direktinvestitionen (ohne Finanzinvestitionen). Für deutsche Firmen ist China laut Bundesbank fünftwichtigstes Zielland. Die Deutsche Handelskammer in China schätzt, dass 2017 rund 5.200 Unternehmen aus Deutschland geschäftlich aktiv sind.


Entwicklung ausländischer Direktinvestitionen

Indikator

2014

2015

2016

Kumulierter Bestand (in Mrd. US$)

1.513,3

1.642,3

1.768,3

Nettotransfers (in Mrd. US$)

119,6

126,3

126,0

Quelle: Investment Promotion Agency of Ministry of Commerce (CIPA)


Deutsche Direktinvestitionen

Indikator

2013

2014

2015

Kumulierter Bestand (in Mio. Euro)

48.147

63.125

69.591

Nettotransfers (in Mio. Euro)

8.142

8.468

7.759

Quelle: Deutsche Bundesbank


Größte deutsche Investoren (Stand: September 2017)

Unternehmen

Branche

Volkswagen

Kfz

Siemens

Elektrotechnik, Automatisierung, Digitalisierung

BASF

Chemie

Bayer

Chemie

Bosch

Elektrotechnik, Kfz-Teile

Quelle: Recherchen von Germany Trade & Invest

Text: Stefanie Schmitt und Corinne Abele

02.01.2018

China: Verringerung der Körperschaftsteuer möglich

Die Zeiten, in denen China mit speziellen Steuervergünstigungen um ausländische Investoren warb, sind seit 2008 vorbei. Generell stehen ausländischen Firmen landesweit die gleichen Fördermöglichkeiten wie chinesischen Unternehmen offen - zumindest auf dem Papier. Diese sind nicht mehr an den Standort innerhalb von Sonderwirtschafts- oder Hochtechnologiezonen gebunden.

Die Regierung drängt auf die Umsetzung landesweit einheitlicher industrie- oder technologiespezifischer Förderprogramme für in- wie ausländische Unternehmen. Damit steuert sie dem jahrelangen Wildwuchs lokaler Steueranreize entgegen. In den vergangenen drei Jahren hat sich der Spielraum von Lokalregierungen deutlich verringert. Auf entgegen den Vorgaben der Zentralregierung - sei es aus Unkenntnis der Lokalbehörden oder anderen Gründen - gewährte Vergünstigungen besteht generell kein rechtlicher Anspruch. Bei (überraschendem) Entzug können sie daher auch nicht eingeklagt werden.

Für deutsche Unternehmen ist vor allem die landesweite Förderung qualifizierter High-Tech-Firmen interessant. Wer als solche anerkannt wird, kann den Körperschaftsteuersatz von 25 auf 15 Prozent senken. Früher wurde die Anerkennung als High-Tech-Unternehmen trotz zentralstaatlicher Vorgaben regional unterschiedlich gehandhabt; inzwischen hat sich dies deutlich geändert.

Gefordert werden von High-Tech-Unternehmen unter anderem der Besitz geistiger Eigentumsrechte (IPR - Intellectual Property Rights), die Beschäftigung von mindestens 10 Prozent aller Beschäftigten im Bereich Forschung und Entwicklung (FuE) sowie ein Anteil der FuE- an den Gesamtausgaben von mindestens 3 bis 5 Prozent in Abhängigkeit von der Firmengröße. Nicht mehr den IPR-Anforderungen genügen seit Anfang 2016 geistige Eigentumsrechte, die länger als fünf Jahre exklusiv an das sich bewerbende Unternehmen auslizenziert wurden.

Etwas einfacher ist der Bewerbungsprozess zur Anerkennung als steuerbegünstigtes Technology Advanced Service Enterprise (TASE). Um sich dafür zu qualifizieren, muss mindestens die Hälfte der Beschäftigten einen Collegeabschluss haben, zudem muss die Hälfte des Umsatzes durch anerkannte Technologiedienstleistungen erzielt werden. TASE sind jedoch nur in zehn Provinzen und fünf durch die Zentralregierung genehmigten Sondergebieten möglich. Die Steuervergünstigungen für TASE laufen zunächst bis 2018.

Darüber hinaus gibt es einen auf 20 Prozent reduzierten Steuersatz für Kleinunternehmen (mit maximal 300.000 Renminbi/RMB zu versteuernden Einnahmen pro Jahr) sowie zunächst bis Ende 2017 de facto 10 Prozent für Kleinstunternehmen (weniger als 200.000 RMB zu versteuerndes Einnahmen). Ebenfalls kann eine Steuerbefreiung für Infrastruktur-, Umwelt- und Wasserschutzprojekte beantragt werden.

Auch für qualifizierte Energieeinsparungs-Dienstleistungsfirmen ESCO (Energy Saving Company) und für IT- sowie Mikrochip-Unternehmen ist auf Antrag eine Reduzierung beziehungsweise Befreiung von der Körperschaftsteuer möglich. Darüber hinaus versucht China weiterhin, Unternehmen in die Westprovinzen zu lenken. Wer sich qualifiziert, kann eine Senkung des Körperschaftsteuersatzes auf 15 Prozent erwarten.

Der Zugang zu staatlichen Forschungsgeldern wird für ausländische Unternehmen zwar besser, bleibt aber schwierig. Vorrangig kommen chinesische Firmen und Institutionen zum Zug. Bei gemeinsamen Projekten erhält daher in der Regel der chinesische Partner die Unterstützung. Ausnahmen bestätigen bislang eher die Regel. Auch die staatlich unterstützten und geförderten knapp über 2.500 Inkubatoren landesweit haben primär chinesische Technologie-Start-up-Firmen im Visier.

Zwar gibt es landesweit seit Oktober 2016 für ausländische Unternehmen, deren Geschäftsbereich nicht auf der Negativliste für ausländische Investoren steht, keinen Genehmigungsvorbehalt mehr, sondern lediglich eine Registrierungspflicht. Und auch Zusammenschlüsse und Aufkäufe, an denen ausländischen Investoren beteiligt sind, müssen in diesen Fällen seit 30. Juli 2017 nur noch registriert und nicht mehr genehmigt werden. Gleichzeitig macht die Existenz dieser Negativliste (neuester Stand: Juli 2017) aber deutlich, dass China weiterhin zwischen aus- und inländischen Firmen unterscheidet.

Weiterführende Informationen:


Text: Stefanie Schmitt und Corinne Abele

02.01.2018

Konkurrenz durch chinesische Firmen immer bedeutender

Dass China kein leichter Markt ist, bekam fast jede Firma - vom Konzern bis zum mutigen Kleinunternehmer - irgendwann einmal zu spüren, trotz beeindruckenden Wachstums und mitunter sehr gut laufenden Geschäften. Um hier erfolgreich zu sein, bedarf es guter Vorbereitung, des passenden Produktes, eines langen Atems - und Präsenz, Präsenz, Präsenz. Durchaus berechtigt belegte die Volksrepublik im aktuellen „Ease of Doing Business Index“ der Weltbankgruppe unter 190 Ländern lediglich Platz 78 (Deutschland: 20).

Neuerdings erschwert jedoch eine Vielzahl weiterer Faktoren die Geschäftstätigkeit: So will die Politik das Land in eine High-Tech-Nation umformen und forciert mit Programmen wie „Made in China 2025“ die Entwicklung eigener „Global Player“. In der Folge dürften die Reibungspunkte mit bestehenden Wettbewerbern sowohl auf dem Binnenmarkt als auch international zunehmen. Zugleich tut sich die Regierung schwer, die angekündigten Neuerungen hin zu mehr Marktöffnung umzusetzen.

Ausländische Unternehmen sehen sich derweil immer innovativeren lokalen Wettbewerbern gegenüber. Bei der jüngsten „Business-Confidence“-Umfrage der Deutschen Handelskammer in China 2016 nannten 67 Prozent der befragten Firmen die einheimische Konkurrenz als wichtiges Problem. Und 35 Prozent hielten es für wahrscheinlich oder sogar sehr wahrscheinlich, dass ein chinesischer Wettbewerber innerhalb der nächsten fünf Jahre in ihrer jeweiligen Branche die Innovationsführerschaft übernimmt.

Bei der Geschäftsklima-Umfrage der European Union Chamber of Commerce in China im Frühjahr 2017 erwartete über die Hälfte der befragten Unternehmen, dass lokale Firmen in der Lage seien, die Innovationslücke zum internationalen Wettbewerb bis 2020 zu schließen. Vor diesem Hintergrund wirkt sich umso gravierender aus, dass sich nur 36 Prozent im Vergleich zum lokalen Wettbewerb als gleichbehandelt fühlten, aber 54 Prozent angaben, von Seiten der Politik diskriminiert zu werden.

„Wo sonst wird so strikt nach lokalen Firmen und Unternehmen mit ausländischer Kapitalbeteiligung unterschieden?“, fragt eine deutsche Führungskraft. Bei allem Verständnis für den Wunsch der chinesischen Seite, die eigene Wirtschaft voranzubringen, müsse den Firmen doch „die Luft zum Atmen“ gelassen werden.

Vor diesem Hintergrund häufen sich Einzelbeschwerden über nichttarifäre Handelshemmnisse wie den erzwungenen Tausch von Genehmigungen gegen Technologie. Auch sonst sind die Spielräume der Behörden groß. Unternehmervertreter klagen über verzögerte Produktzulassungen, das lange Aufhalten von Ware beim Zoll, Local-Content-Empfehlungen, das Ignorieren von Schiedsgerichtsurteilen, die Nicht-Übernahme oder Nicht-Anerkennung internationaler Normen oder schärfere/engmaschigere Kontrollen beispielsweise im Umweltbereich als bei lokalen Firmen am Standort.

Dessen ungeachtet zieht China allein wegen seiner Marktgröße weiterhin deutsche und andere internationale Investoren an. Selbst bei nachlassender Dynamik wächst die Wirtschaft in absoluten Zahlen stark. Darüber hinaus besteht für viele Produkte großer Nachholbedarf.


WEF-Länderrating 2017-18, VR China (Rang von insgesamt 137 Ländern)

Kriterien 1)

VR China

Deutschland

Gesamtrang

27

5

1 Institutionen 2)

41

21

2 Infrastruktur (Infrastructure)

46

10

3 Gesundheit und Grundbildung

40

13

4 Höhere Bildung und Ausbildung

47

15

5 Effizienz der Gütermärkte 3)

46

11

6 Effizienz des Arbeitsmarkts

38

14

7 Entwicklung des Finanzmarkts 4)

48

12

8 Qualität des Geschäftsumfeldes

33

5

9 Korruption 5)

79

10

1) bewertet werden unter anderem: 2) Eigentumsrechte, Unabhängigkeit der Justiz, Auditierung, 3) benötigte Zeit für die Unternehmensgründung, Wettbewerbsintensität, Besteuerung, Zollvorschriften, 4) Beschränkungen der Kapitalströme; 5) Rang (von 176 Ländern) bei Transparency International (TI)
Quellen: World Economic Forum, Global Competitiveness Report; Transparency International

Text: Stefanie Schmitt und Corinne Abele

02.01.2018

China: Kontakte, Internetadressen

Bezeichnung

Internetadresse

Anmerkungen

Ministry of Commerce of China (MOFCOM)

www.mofcom.gov.cn

Außenwirtschaftspolitik (Import-/Exportregularien, ausländische Direktinvestitionen)

Investment Promotion Agency of Ministry of Commerce (CIPA)

www.cipa.gov.cn

Förderagentur für ausländische Direktinvestitionen in China und chinesische im Ausland

Delegation of German Industry & Commerce

www.china.ahk.de

Anlaufstelle für deutsche Unternehmen; jährliche Business-Confidence-Umfrage

European Union Chamber of Commerce in China

www.europeanchamber.com.cn

Anlaufstelle für europäische Unternehmen; jährliches Business Confidence Survey

Deutsche Botschaft in China

www.china.diplo.de

Diplomatische Vertretung; Wirtschaftsdienste


Text: Stefanie Schmitt und Corinne Abele

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