Investitionschancen und -risiken in Indien

Indien: Wichtige Reformen umgesetzt

Indien unternimmt gegenwärtig große Schritte, um sich als attraktiver Wirtschaftsstandort zu positionieren. Im Rahmen der "Make in India"-Kampagne will die indische Regierung - vor allem im verarbeitenden Gewerbe - ausländische ‎Investoren gewinnen. Die Zukunft der Wirtschaft hängt von der Umsetzung dauerhafter Reformen ab, die das Land benötigt, um das Potenzial von Wirtschaft und Bevölkerung ausschöpfen zu können.

02.01.2018

Indien: Mehr internationale Abkommen erhofft

Indien ist und bleibt ein wichtiger Zukunftsmarkt. Attraktiv für ausländische Investitionen macht den Subkontinent mit seinen 1,3 Milliarden Einwohnern die Größe seines potenziellen Absatzmarktes. Hinzu kommen das hohe Wirtschaftswachstum (gut 7 Prozent im Wirtschaftsjahr 2016/17 (1.4. bis 31.3.), eine wachsende, konsumfreudige Mittelschicht und eine noch geringe Marktsättigung. Trotz dieser Chancen ergeben sich aber auch viele Herausforderungen. Dazu gehören beispielsweise die regulatorische Unsicherheit, viel Bürokratie, eine unzureichende Infrastruktur und schlechte Berufsmöglichkeiten für die junge und stark wachsende Bevölkerung.

Weitere Informationen zum Wirtschaftsklima sowie zu den wichtigsten Standortvor- und -nachteilen in der GTAI-SWOT-Analyse


Entwicklung wichtiger Eckdaten (pro Monat) 1)

Indikator

2015

2016

2017

Gesamtvergütung Geschäftsführer (CEO) (in US$) 2) 3)

125.000

240.000

250.000

Miete für Büroraum (CBD, in US$ pro qm)

67

67

65

Delhi

67

67

65

Mumbai

37

36

37

Chennai

12

12

12

1) 1 US$ = 65,85 iR - Wechselkurs am 28. September 2017; 2) in den größten börsengelisteten Konzernen, "Lohn- und Lohnnebenkosten in Indien"; 3) Finanzjahre
Quelle: Cushman and Wakefield


Ein Freihandelsabkommen zwischen der EU und Indien könnte die bilaterale Kooperation deutlich voranbringen. Insgesamt gestalten sich die im Jahr 2007 begonnenen Verhandlungen allerdings sehr schwierig, da divergierende Ansichten auf beiden Seiten verhärtet sind. Zudem hat das Auslaufen des Investitionsschutzabkommens mit Deutschland für Verunsicherung gesorgt. Neuinvestitionen unterliegen bis zum Abschluss eines Nachfolgeabkommens keinem Sonderschutz mehr. Hierzu wurde aber bisher noch nicht neu verhandelt.

Indiens Investitionsklima verbessere sich eher schleppend, klagen Experten. In der globalen Rangliste der Weltbank zur Vereinfachung der Geschäftsabwicklung "Ease of Doing Business 2018" rangiert Indien noch immer auf den hinteren Rängen (Platz 100 von 190), das Land hat sich aber in diesem Index im letzten Jahr immerhin um 30 Plätze verbessert.

Die Nettozunahme an ausländischen Direktinvestitionen (FDI) erreichte laut indischen Quellen im Finanzjahr 2016/17 mit 43,5 Milliarden US-Dollar (US$) einen neuen Rekordwert. Investiert wurde vor allem im Dienstleistungssektor, in der IT-Branche, im Bauwesen, in der Telekommunikation sowie in der Kfz-Industrie. Mit Abstand größtes Investitionsland gemessen an den kumulierten FDI-Zuflüssen von April 2000 bis Juni 2017 ist Mauritius (34 Prozent), gefolgt von Singapur (17 Prozent), Japan (8 Prozent), dem Vereinigten Königreich (7 Prozent) und den Niederlanden (6 Prozent). Deutschland belegt Rang sieben (3 Prozent). Über die Steueroasen Mauritius und Singapur werden wegen Doppelbesteuerungsabkommen mit Indien ein großer Teil der Investitionen abgewickelt.


Entwicklung ausländischer Direktinvestitionen (in Mio. US$)

Indikator

2014

2015

2016

Bestand

253.120

282.609

318.502

Transfers

34.582

44.064

44.486

Quelle: UNCTAD, World Investment Report 2017


Entwicklung ausländischer Direktinvestitionen (in Mio. US$)

Indikator

2015/16 1)

2016/17 1)

April bis Juni 2017

Kumulierte Zuflüsse 2) 3)

288.513

331.991

342.399

Zuflüsse 2)

40.001

43.478

10.408

1) Finanzjahr; 2) Kapitalbeteiligungen ohne Reinvestitionen und sonstigem Kapital; 3) seit April 2000
Quelle: Department of Industrial Policy and Promotion, Oktober 2017


Deutsche Direktinvestitionen (in Mio. Euro)

Indikator

2013

2014

2015

Kumulierter Bestand

9.010

10.775

12.721

Nettotransfers

886

1.529

1.210

Quelle: Deutsche Bundesbank, Oktober 2017


Größte deutsche Investoren

Unternehmen

Branche

Bestand (in Mio. US$)

Siemens

Technologie

1.096

Daimler

Kfz

1.040

Volkswagen

Kfz

1.016

Bosch

Technologie

681

MAN

Kfz

315

Quelle: Deutsch-Indische Handelskammer (AHK), Mumbai, Oktober 2017


Text: Heena Nazir

02.01.2018

Indien: Vergünstigungen für ausländische Investoren vorhanden

Für mehr Wachstum muss die Regierung auf eine nachhaltige Internationalisierung der Volkswirtschaft setzen. Vor allem in Bereichen wie dem Infrastrukturausbau sollen Ausländer wichtige Wachstumsimpulse setzen. Indien wirbt bei ausländischen Investoren mit den "3Ds", die das Land zu bieten hat: Demand (Nachfrage), Demografie und Demokratie.

Kernstück der wirtschaftspolitischen Strategie von Premierminister Narendra Modi ist die „Make in India"-Kampagne. Ziel ist die Förderung des verarbeitenden Gewerbes. Der Anteil der Produktion liegt in Indien aktuell bei gut 16 Prozent des BIP und soll bis 2022 auf 25 Prozent erhöht werden.

Eine weitere Belebung der Investitionen ist aus den Bemühungen der Regierung Modi um Wirtschaftsreformen zu erwarten. So wurde im Juli 2017 die größte Steuerreform (Goods and Services Tax, GST) seit der Öffnung der Wirtschaft 1991 umgesetzt. Bislang war das Steuersystem gekennzeichnet durch eine hohe Komplexität und eine Vielzahl regional unterschiedlicher Steuern. Die GST soll ein landesweit einheitliches System der indirekten Steuern schaffen und so für mehr Transparenz und Effizienz im inländischen Warenverkehr sorgen.

Ein wichtiger Schritt, das Investitionsklima zu verbessern, war ebenfalls die Änderung des Insolvenzgesetzes, welches ein komplexes Konstrukt aus sich überschneidenden Gesetzen und Zuständigkeiten war. Entsprechend war eine effiziente Abwicklung eines in Schieflage geratenen Unternehmens kaum durchführbar. Die neue Gesetzesvorlage soll Insolvenzen künftig effizienter regeln und vor allem Gläubiger entlasten.

Zusätzlich hat die indische Regierung 2015 ein Schnellverfahren für deutsche Firmen umgesetzt: weniger Behördengänge und Genehmigungen, das ist das Ziel. Diese Bemühungen gehen Hand in Hand mit anderen Erleichterungen in der Geschäftsabwicklung. Unternehmensgründungen sollen durch eine elektronische Variante des Genehmigungsverfahrens "INC-29" unbürokratischer und sicherer werden. "eBIZ" wird künftig ein elektronisches Verfahren sein, das ursprünglich 14 Einzelgenehmigungen staatlicher Stellen in ein einziges Formular zusammenfasst. Allerdings gibt es noch keine offiziellen Daten über den Erfolg dieser Maßnahmen.

Es wird nur noch in Ausnahmefällen zwischen indischen und ausländischen Investoren unterschieden. In vielen Branchen können sich ausländische Firmen zu 100 Prozent beteiligen. In bestimmten Sektoren allerdings sind ausländische Kapitalanlagen nicht oder nur bis zu einer Höchstgrenze möglich. Dazu gehören zum Beispiel Medien und Lotterien. Dies trifft auch auf das reine Finanzinvestment zu. Für Portfolioinvestitionen von Wagniskapitalgesellschaften oder institutionellen Investoren, die außerhalb von Indien sitzen, gelten nach Besitzstrukturen angepasste Obergrenzen und Regularien. Aus strukturpolitischer Sicht sind Auslandsinvestitionen jedoch generell erwünscht, weshalb entsprechende Hemmnisse in diesem Bereich abgebaut wurden.

Fördermaßnahmen werden in Indien unter anderem in Form von erweiterten Abschreibungsmöglichkeiten, Steuerbefreiungen sowie Vergünstigungen bei direkten und indirekten Steuern gewährt. Gefördert werden sollen in erster Linie neue Industrievorhaben, Infrastrukturprojekte und die Softwareindustrie sowie Forschung, Exporte und rückständige Regionen.

Steuerbegünstigungen erhält man in Indien vorwiegend in den Special Economic Zones (SEZ). Die damit verbundene Steuergesetzgebung mit Anreizen wurde im "Special Economic Zone Act 2005" in die Rechtspraxis aufgenommen und werden seither permanent überarbeitet. Die Hoffnung der indischen Regierung ist, über diese Zonen den Anteil der Exporte an der Wirtschaft zu steigern. Die Vergünstigungen sind daher an eine Exportverpflichtung geknüpft und zielen vor allem auf produzierende Unternehmen ab, die Infrastruktur aufbauen. Umworben werden insbesondere ausländische Investoren, bei denen die Behörden davon ausgehen, dass sie sich in den Weltmärkten bereits bewährt haben.

Neben der zentralstaatlichen Förderung versucht jeder einzelne Bundesstaat durch eigene Subventionsrichtlinien und Steuererleichterungen seinerseits Investitionen anzuziehen. Die Hilfen sind meist abhängig von der Investitionssumme und der strategischen Bedeutung eines Projekts. Im Visier der Investitionsfördergesellschaften sind Vorhaben, die Infrastruktur und Bildung verbessern und Arbeitsplätze schaffen. Begünstigungen verhandeln die betreffenden Unternehmen in der Regel individuell mit den Regierungen der jeweiligen Bundesstaaten. Angeboten werden unter anderem Subventionen sowie Erleichterungen bei Landnutzungsgebühren, Stempelsteuern und Stromtarifen.

Weiterführende Informationen:

Text: Heena Nazir

02.01.2018

Indien: Bürokratie und Fachkräftemangel als größte Hürden

Potenzielle Investoren sollten sich auch der Standortnachteile und -risiken bewusst sein: Strukturelle Probleme werfen weiterhin ihren langen Schatten. Diverse Genehmigungen und bürokratische Erfordernisse bei der Gründung oder Expansion eines Unternehmens behindern die effiziente Projektumsetzung, erwähnten mehrere Geschäftsführer gegenüber GTAI. Die Beschaffung von Land stellt für viele Unternehmen weiterhin ein großes Problem dar.

Wie aus Unternehmenskreisen zu hören ist, gehört der Fachkräftemangel zu einem der größten Herausforderungen für deutsche Unternehmen in Indien. Viele Firmen haben Schwierigkeiten, geeignetes Personal zu finden. Sie fürchten ihr angestrebtes Wachstum in den kommenden Jahren wegen Personalengpässen nicht erreichen zu können. Besonders im technischen Bereich, das heißt in traditionellen Handwerks- und Lehrberufen, ist der Fachkräftemangel sehr hoch und betrifft zahlreiche Industrien.

Aber auch im akademischen Bereich wird die Suche nach qualifiziertem Personal schwieriger. Dies zeigt die Personalsuche deutscher Maschinenbauer. "Obwohl Indien über eine große Anzahl englischsprachiger, junger Ingenieure verfügt, ist ihre ´Beschäftigungsfähigkeit` gering", erklärt Rajesh Nath, Managing Director des Verbindungsbüros des Verbands Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) in Indien. Angaben von deutschen Maschinenproduzenten zufolge müssten Absolventen der Ingenieursstudiengänge in der Regel zwei weitere Jahre im Unternehmen ausgebildet werden, bis sie voll einsatzfähig sind.

Dass Indien als Investitionsstandort Luft nach oben hat, belegt auch der aktuelle Geschäftsklimaindex der auf Indien spezialisierten Unternehmensberatung Wamser und Batra (WB): 29 Prozent der befragten deutschen Unternehmen beurteilen die aktuelle Geschäftslage als gut, 21 Prozent finden sie hingegen schlecht. Ein wenig besser sehen die Prognosen aus: Fast jedes zweite Unternehmen erwartet in den kommenden zwölf Monaten einen günstigeren Geschäftsverlauf. Der IGCC Business Monitor, der Geschäftsklimaindex der AHK, kommt zu ähnlichen Ergebnissen, wenn es um die Aussichten geht. Langfristig wird auch hier von einer Besserung der Geschäftsbedingungen in Indien ausgegangen.

Das World Economic Forum (WEF) sieht Indien bei der Wettbewerbsfähigkeit auf dem Weg der Besserung. Das Land ist ins Mittelfeld aufgestiegen, von Rang 59 (im Report 2012-13) auf Rang 40 von 137 Ländern im Bericht 2017-18. Im Wettlauf der beiden asiatischen Bevölkerungsgiganten Indien und VR China liegt der Subkontinent 13 Plätze hinter China.

Das WEF sieht Infrastrukturmängel als eines der größten Hemmnisse für die Wettbewerbsfähigkeit Indiens. So sei die Infrastruktur in den Bereichen Transport, Energie sowie Information und Kommunikation zumeist unzureichend an die Erfordernisse der Wirtschaft angepasst. Ursache für eine geringe Produktivität seien schlechte Standards bei Bildung und Gesundheitsversorgung. Die Macher der Studie betonen außerdem, dass das makroökonomisches Umfeld, die Ineffizienz des Arbeitsmarkts sowie die geringe technologische Reife zu einer schlechten Bewertung geführt haben.


WEF-Länderrating 2017-18, Indien (wirtschaftlicher Rang von insgesamt 137 Ländern)

Kriterien 1)

Indien

Deutschland

Gesamtrang

40

5

1 Institutionen 2)

39

21

2 Infrastruktur

66

10

3 Gesundheit und Grundbildung

91

13

4 Höhere Bildung und Ausbildung

75

15

5 Effizienz der Gütermärkte 3)

56

11

6 Effizienz des Arbeitsmarkts

75

14

7 Entwicklung des Finanzmarkts 4)

42

12

8 Qualität des Geschäftsumfeldes

39

5

9 Korruption 5)

79

10

1) bewerten unter anderem: 2) Eigentumsrechte, Unabhängigkeit der Justiz, Auditierung, 3) benötigte Zeit für die Unternehmensgründung, Wettbewerbsintensität, Besteuerung, Zollvorschriften, 4) Beschränkungen der Kapitalströme; 5) Rang (von 176 Ländern) bei Transparency International (TI)
Quellen: World Economic Forum, Global Competitiveness Report; Transparency International

Text: Heena Nazir

02.01.2018

Indien: Kontakte, Internetadressen

Bezeichnung

Internetadresse

Anmerkungen

Germany Trade & Invest

www.gtai.de/indien

Informationen für die deutsche Exportwirtschaft

AHK Indien

http://indien.ahk.de

Anlaufstelle für deutsche Unternehmen

VDMA

http://india.vdma.org/vdma-indien

Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau e.V.

Text: Heena Nazir

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