Investitionschancen und -risiken in Südafrika

Südafrika: Politische Unsicherheit belastet das Geschäftsklima

Das Investitionsklima in Südafrika leidet unter der schwachen Wirtschaftsentwicklung. Ausufernde Korruption und inkonsistente Regierungsführung sorgen für einen Vertrauensverlust gegenüber der politischen Führung. Für die Privatwirtschaft sind die Signale wichtig, die sie von dem Parteitag des regierenden ANC Ende 2017 erwartete. Bei einem künftigen Reformkurs könnte sich die Investitionsbereitschaft erholen. Dabei bieten sich neue Sonderwirtschaftszonen als Standorte an.

02.01.2018

Konjunkturflaute belastet Südafrika

Südafrika befindet sich in einer wirtschaftlichen Schwächephase. Im Jahr 2016 wuchs das Bruttoinlandsprodukt (BIP) nur um 0,3 Prozent. Auch 2017 und 2018 soll das Wachstum mit 0,6 beziehungsweise 1,2 Prozent mager ausfallen. Die 2-Prozent-Marke dürfte bis mindestens 2020 verfehlt werden.

Südafrika ist nach Nigeria die zweitgrößte Volkswirtschaft des afrikanischen Kontinents (BIP 2016: 295 Milliarden US-Dollar, US$), verfügt jedoch mit 56,5 Millionen Einwohnern und einer vergleichsweise hohen Kaufkraft über einen großen Binnenmarkt. Trumpf des Standortes ist die für Afrika hohe wirtschaftliche Diversifizierung mit einer breiten industriellen Basis. Für Probleme sorgen Fachkräftemangel und Missstände in der öffentlichen Verwaltung.

Weitere Informationen zur Wirtschaftslage sowie zu den wichtigsten Standortvor- und -nachteilen in der GTAI-SWOT-Analyse


Entwicklung wichtiger Eckdaten (pro Monat)

Indikator

2015

2016

2017

Bruttolohn Geschäftsführer (in US$) *)

16.100

15.200

18.600

Miete für Büroraum in Johannesburg (in US$ pro qm)

 

 

 

Klasse A

16,2

14,4

18,0

Klasse B

8,2

7,4

8,8

*) "Lohn- und Lohnnebenkosten in Südafrika"
Quellen: JLL; 21st Century Pay Solutions


Trotz der enttäuschenden makroökonomischen Entwicklung bietet Südafrika ausländischen Investoren mehrere interessante Geschäftsfelder. So will die Automobilindustrie ihre Produktion bis 2020 auf 900.000 Kfz steigern, 2016 wurden 600.000 Fahrzeuge gefertigt. Initiativen der Industrie wollen langfristig einen Anstieg des lokalen Anteils von Originalzulieferteilen von 38 auf 60 Prozent erreichen.

Im Wassersektor hat sich ein Investitionsstau von rund 65 Milliarden US$ gebildet, der in den nächsten zehn Jahren abgebaut werden muss. Der südafrikanische Bergbau setzt auf eine verstärkte Mechanisierung. Zusammen mit der Chamber of Mines sucht die Industrie nach innovativen Lösungen für Deep Level Mining, um in Tiefen von 5.000 Meter vorzudringen. Fortwährend steigende Strompreise rücken das Thema Energieeffizienz in den Fokus. Der Markt für grünes Bauen entwickelt sich dynamisch.

Risiken ergeben sich aus der regulatorischen Unsicherheit, die viele Sektoren belastet. Eine neue Bergbaugesetzgebung ist bereits seit 2012 in der Schwebe, die unklaren Rahmenbedingungen verhindern neue Minenprojekte. Der boomende Markt für erneuerbare Energien erlebt einen Rückschlag, da sich der staatliche Versorger Eskom gegen weitere Stromabnahmeverträge mit privaten Erzeugern wehrt. Wann es zu neuerlichen Ausschreibungsrunden für regenerative Projekte kommt, ist unklar.

Bei der Entwicklung der ausländischen Direktinvestitionen (FDI) ist die schwache Wirtschaftsentwicklung am Kap bereits zu spüren. Nach einem Negativrekord 2015 legten die FDI-Zuflüsse nach Südafrika 2016 immerhin wieder um fast ein Drittel zu, blieben aber deutlich unter dem Durchschnitt der vergangenen Jahre. Nach Angola, Ägypten, Nigeria, Ghana, Äthiopien, Mosambik und Marokko rangierte Südafrika damit nur auf Rang 8 der begehrtesten Investitionsstandorte in Afrika.


Entwicklung ausländischer Direktinvestitionen

Indikator

2014

2015

2016

Kumulierter Bestand (in Mio. US$)

145.384

124.940

136.837

Nettotransfers (in Mio. US$)

5.771

1.729

2.270

Quelle: UNCTAD


Der FDI-Bestand konzentriert sich stark auf die Sektoren Finanzen und Bergbau. Von deutscher Seite dominiert die Automobilindustrie mit den Werken von Mercedes-Benz (East London), BMW (Rosslyn) und VW (Port Elizabeth).


Deutsche Direktinvestitionen

Indikator

2014

2015

2016

Kumulierter Bestand (in Mio. Euro)

5.969

5.314

k.A.

Nettotransfers (in Mio. Euro)

924

295

30

Quelle: Deutsche Bundesbank

Text: Heiko Stumpf

02.01.2018

Südafrika hat etliche Steuererleichterungen eingerichtet

Den Großteil der Fördermittelprogramme verwaltet das Department of Trade and Industry (DTI). Eine weitere wichtige Förderinstitution ist die Industrial Development Corporation (IDC).

Bei Industrieinvestitionen in Neu- oder Erweiterungsvorhaben wird nach der „S12I Tax Incentive“ eine steuerlich wirksame Investment Allowance gewährt. Demnach können 35 bis 55 Prozent der Investitionssumme von der steuerlichen Bemessungsgrundlage abgezogen werden. Der maximale Abzugsbetrag beläuft sich bei Neuinvestitionen auf 550 Millionen bis 900 Millionen Rand (R; 1 R = rund 0,08 US$; Stand: August 2017), bei Erweiterungsinvestitionen sind es 350 Millionen bis 550 Millionen R.

Für die Gewährung der Steuervergünstigung ist eine Mindestinvestitionssumme von 50 Millionen R bei Neuinvestitionen sowie von 30 Millionen R bei Erweiterungsmaßnahmen erforderlich. Zusätzlich kann auch eine Training Allowance für die Qualifizierung von Mitarbeitern gewährt werden.

Eine steuerliche Förderung ist weiterhin für Ausgaben im Bereich Forschung & Entwicklung möglich. So können 150 Prozent der entstandenen Kosten direkt als Betriebsausgabe geltend gemacht werden. Zudem besteht eine beschleunigte Abschreibungsmöglichkeit für zu Forschungszwecken beschaffte Kapitalgüter über drei Jahre (50:20:30). Besondere Regelungen zur steuerlichen Absetzbarkeit gelten unter anderem auch für Investitionen in innerstädtische Immobilien (Neubau, Renovierung) und Energieeffizienz (0,95 R pro Kilowattstunde eingesparter Energie).


Förderprogramme des Department of Trade and Industry (DTI), Auswahl

Programm

Zielgruppe

Anreiz

AIS (Automotive Investment Scheme)

Unternehmen der Automobilindustrie einschließlich Zulieferer

Zuschuss von 20 bis 25% der Investitionskosten für Anlagen und Ausrüstungen, Sonderzuschuss von weiteren 5 bis 10% möglich

Agro-Processing Support Scheme (APSS)

Unternehmen der Nahrungsmittelindustrie

Investitionszuschüsse in Höhe von 20 bis 30% bis zum Maximalbetrag von 20 Mio. R, Sonderzuschuss von 10% möglich

SPII (Support Programme for Industrial Innovation) – Process Development Scheme

Investitionen zur Entwicklung innovativer Produkte und Verfahren von Kleinunternehmen bis 13 Mio. R Umsatz

Zuschuss in Höhe von 50% der Projektkosten, bei hohem B-BBEE Status *) bis zu 85%, maximale Förderung 2 Mio. R

SPII (Support Programme for Industrial Innovation) – Matching Scheme

Investitionen zur Entwicklung innovativer Produkte und Verfahren für mittlere und größere Unternehmen

Zuschuss in Höhe von 50% der Projektkosten, bei hohem B-BBEE Status bis zu 75%, maximale Förderung 5 Mio. R

*) Broad-Based Black Economic Empowerment = Programm zur Gleichstellung von Bevölkerungsgruppen, die während der Apartheid benachteiligt waren
Quelle: DTI


Einen Schwerpunkt setzt die Regierung auf die Entwicklung neuer Sonderwirtschaftszonen (Special Economic Zones, SEZ)


Sonderwirtschaftszonen in Südafrika

Ort

Provinz

Anmerkung

Coega (Port Elizabeth)

Eastern Cape

Direkter Anschluss an den Tiefseehafen Ngqura, 11.000 ha Fläche

East London

Eastern Cape

Nähe zur Automobilindustrie (Mercedes-Benz) und Verschiffungshafen

Richards Bay

KwaZulu-Natal

Anschluss an eigenen Tiefseehafen, Schwerpunkt auf Verarbeitung mineralischer Rohstoffe und Lebensmittel, IKT

Saldanha Bay

Western Cape

Soll Servicecenter für die Offshore-Öl- und Gasindustrie werden

Dube Tradeport

KwaZulu-Natal

Anschluss an den King Shaka International Airport in Durban, Schwerpunkt auf Logistik und Agrobusiness

O.R. Tambo International Airport, Johannesburg

Gauteng

Soll „Aerotropolis“ für Luftfahrt, Logistik und Platinverarbeitung werden

Maluti-a-Phofung (Harrismith)

Free State

Liegt am Transportkorridor Durban – Johannesburg, Schwerpunkt auf Logistik

Musina-Makhado

Limpopo

Liegt am Transportkorridor Südafrika – Simbabwe, Schwerpunkt auf Logistik und Rohstoffverarbeitung

Quelle: Recherchen von Germany Trade & Invest


Die Planungen für eine weitere SEZ in Atlantis bei Kapstadt sind weit fortgeschritten, diese soll vor allem Unternehmen für erneuerbare Energien anziehen.

In den SEZ gilt ein reduzierter Körperschaftsteuersatz von 15 statt der regulären 28 Prozent. Zudem gibt es für neu errichtete Gebäude eine Sonderabschreibung von 10 Prozent. Bei der Einstellung von Mitarbeitern können Lohnzuschüsse in Anspruch genommen werden. Ein weiterer Anreiz sind die Customs Controlled Areas, die innerhalb der SEZ eingerichtet werden können. Diese bieten Zoll- und Umsatzsteuerbefreiungen für Exportunternehmen. Ein zusätzlicher Vorteil der SEZ sind die One-Stop-Genehmigungsverfahren.

Ob die SEZ zum Erfolg werden, bleibt abzuwarten. Die bisherige Bilanz ist eher enttäuschend. So steht die seit 17 Jahren existierende Coega SEZ noch in weiten Teilen leer. Nur 40 Unternehmen sind bislang auf dem riesigen Areal aktiv. Allerdings fehlte es unter dem Vorgängermodell der Industrial Development Zones an den jetzt geltenden Fördermitteln, sodass das Interesse steigen dürfte.

Zusätzlich bieten auch die neun Provinzen des Landes Anreize, etwa zinsgünstige Kredite, reduzierte Mieten für Grundstücke und Gebäude oder Beratung und Hilfe bei der Standortsuche. Fördermittelberatung kann durch die Abteilung Trade & Investment South Africa des DTI in Anspruch genommen werden. Investoren können sich auch direkt an die regionalen Förderstellen wenden. Auf regionaler Ebene wird dann ein Förderpaket geschnürt, das auch die nationalen Maßnahmen enthält.

Weiterführende Informationen:


Text: Heiko Stumpf

02.01.2018

Vertrauensverlust lähmt Südafrika

Die in Südafrika tätigen Unternehmen leiden derzeit unter dem massiven Vertrauensverlust, der die gesamte Wirtschaft des Landes erfasst. Unter Staatspräsident Jacob Zuma kam es in den vergangenen Jahren zu ausufernder Korruption und einer Unterwanderung des Staates durch private Interessengruppen. Berufungen auf Positionen in Ministerien oder Staatsunternehmen erfolgen im Kontext eines großen Patronage-Netzwerkes. Insbesondere der eng mit Zuma befreundete Unternehmerclan der Guptas nutzte die Beziehungen zum Präsidenten, um sich durch Einflussnahme auf staatliche Stellen eine Reihe von Aufträgen zu sichern.

Bei wichtigen Staatsunternehmen wie dem Stromversorger Eskom oder dem Hafen- und Schienenbetreiber Transnet gibt es zahlreiche Korruptionsskandale. Dem Kampf über den Zugang zu staatlichen Ressourcen fielen auch die beiden sehr respektierten Finanzminister Nhlanhla Nene und Pravin Gordhan zum Opfer. Als direkte Folge von deren Absetzung stuften die Agenturen Standard & Poor's und Fitch das Bonitätsranking Südafrikas auf Ramschstatus herab.

Zuma gerät innerhalb der Regierungspartei ANC und in der südafrikanischen Öffentlichkeit immer stärker in die Kritik. In diesem Umfeld fehlt es der Regierung an einer klaren Linie zur Umsetzung wichtiger Strukturreformen. Seit der Amtsübernahme 2009 bis Mitte Oktober 2017 nahm der Präsident 68 Ministerwechsel vor.

In Unternehmenskreisen werden politische Unsicherheit und eine inkonsistente Regierungsführung beklagt. Vielerorts sei es schwierig, auf lange Sicht angelegte, vorausschauende Entscheidungen zu treffen. Der Geschäftsklimaindex der South African Chamber of Commerce & Industry fiel im August 2017 auf den tiefsten Stand seit Mitte der 1980er-Jahre.

Die Bruttoanlageinvestitionen sanken 2016 um real 3,9 Prozent, für 2017 prognostiziert Investec ein Minus von 0,8 Prozent. Gleichzeitig erreichen die Rücklagen der 50 größten an der Johannesburger Börse gelisteten Unternehmen mit 112 Milliarden US$ neue Rekordwerte, so eine Studie des Centre for Competition Regulation and Economic Development der University of Johannesburg.

Als richtungsweisend galt der ANC-Parteitag im Dezember 2017, auf dem ein neuer Parteivorsitzender als Nachfolger für Jacob Zuma zu wählen war. Der neue Vorsitzende wird auch als ANC-Präsidentschaftskandidat in die Wahl 2019 gehen. Korruptionsgegner formieren sich vor allem um den amtierenden Vizepräsidenten Cyril Ramaphosa.

Im Global Competitiveness Report des World Economic Forum musste Südafrika 2017 einen Absturz um 14 Plätze auf Rang 61 hinnehmen. Dies ist die schlechteste Platzierung seit 2007. Im afrikanischen Vergleich steht Südafrika damit aber noch an dritter Stelle hinter Mauritius und Ruanda. Passend zu den Negativentwicklungen der jüngsten Vergangenheit werden vor allem Korruption, Kriminalität und ein instabiles Regierungsumfeld als Probleme für die Geschäftstätigkeit genannt.


WEF-Länderrating 2017-18, Südafrika (wirtschaftlicher Rang von insgesamt 137 Ländern)

Kriterien 1)

Südafrika

Deutschland

Gesamtrang

61

5

1 Institutionen 2)

76

21

2 Infrastruktur

61

10

3 Gesundheit und Grundbildung

121

13

4 Höhere Bildung und Ausbildung

85

15

5 Effizienz der Gütermärkte 3)

54

11

6 Effizienz des Arbeitsmarkts

93

14

7 Entwicklung des Finanzmarkts 4)

44

12

8 Qualität des Geschäftsumfeldes

37

5

9 Korruption 5)

64

10

1) bewerten unter anderem: 2) Eigentumsrechte, Unabhängigkeit der Justiz, Auditierung, 3) benötigte Zeit für die Unternehmensgründung, Wettbewerbsintensität, Besteuerung, Zollvorschriften, 4) Beschränkungen der Kapitalströme; 5) Rang bei Transparency International (TI)
Quellen: World Economic Forum, Global Competitiveness Report; Transparency International

Während starke und unabhängige Institutionen lange als Standortvorteil Südafrikas galten, werden diese gegenwärtig aus korrupten Regierungskreisen teilweise gezielt angegriffen oder von innen heraus ausgehöhlt. Der Begriff „State Capture“ ist in der politischen Diskussion allgegenwärtig. Deshalb verzeichnet Südafrika gerade in dieser Kategorie den größten Absturz, von Rang 40 im Vorjahr auf Platz 76 im aktuellen Ranking. Positive Noten bekommt die Kaprepublik für den hoch entwickelten Finanzsektor, die Größe des Binnenmarktes sowie die reifen Strukturen in der Privatwirtschaft.


Text: Heiko Stumpf

02.01.2018

Südafrika: Kontakte, Internetadressen

Bezeichnung

Internetadresse

Anmerkungen

Germany Trade & Invest

www.gtai.de/suedafrika

Außenhandelsinformationen für die deutsche Exportwirtschaft

AHK südliches Afrika

www.germanchamber.co.za

Anlaufstelle für deutsche Unternehmen

Department of Trade & Industry (DTI)

www.thedti.gov.za/

Wirtschaftsministerium, Vergabe von Fördermitteln

Industrial Development Corporation (IDC)

www.idc.co.za/

Wirtschaftsförderung, Finanzierung und direkte Beteiligung an Projekten

Gauteng Growth and Development Agency

www.ggda.co.za

Wirtschaftsförderung der Provinz Gauteng mit den Metropolen Johannesburg und Pretoria

WESGRO

www.wesgro.co.za

Wirtschaftsförderung der Provinz Western Cape mit der Metropole Kapstadt

Trade & Investment KwaZulu-Natal

www.tikzn.co.za

Wirtschaftsförderung der Provinz KwaZulu-Natal mit der Hafenstadt Durban

South African Chamber of Commerce & Industry (SACCI)

www.sacci.org.za/

Südafrikanische Industrie- und Handelskammer


Text: Heiko Stumpf

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