Start-Ups in den USA

Start-up-Industrie setzt ihren Höhenflug in den USA fort

Die USA setzen weiterhin die Maßstäbe in Sachen Start-ups. Das Phänomen dabei: Es läuft alles auf privater Basis ab.

28.01.2019

Gründerkultur der USA bleibt weltweiter Benchmark

Start-ups aus der gesamten Welt orientieren sich an den USA. Hier entwickelte sich das System, wonach aus einer großen Anzahl von Gründerideen eine kleine Anzahl wertvoller Firmen erwächst. Apple, HP, Microsoft oder auch Amazon, sie wurden allesamt in kalifornischen Garagen gegründet, eine Vorform der heutigen Start-ups. Die Geldgeber von damals sind inzwischen zu einem eigenen Zweig der Finanzwirtschaft herangewachsen, mit allen damit verbundenen Übertreibungen. Finanzblasen drohen zu platzen.

Gründergeist, Risikobereitschaft sowie der Wille zur permanenten Veränderung und Vervollkommnung gehören in den USA zu den Grundtugenden jeglichen Wirtschaftens. Dass insbesondere an der Westküste bahnbrechende technologische Neuerungen aus Garagen heraus entwickelt wurden, die anschließend ganze Branchen umkrempelten, ist vielfältig belegt. Wenn ein Benchmark für eine gut entwickelte Start-up-Kultur gesucht wird, dann ist er hier zu finden.

Staatliche Förderung hat wenig Tradition

Zu den Eigenheiten der USA gehört, dass sich Herausbildung, Förderung und Finanzierung von Start-ups auf rein privater Basis vollziehen. Der Staat hält sich weitgehend zurück. Zunächst wurde in den 90er- und verstärkt in den 2000er-Jahren um Universitäten und Forschungsinstitute herum eine Vielzahl von Inkubatoren gegründet, meist mit einem Branchenschwerpunkt. Hier sollten und konnten Forscher und Studenten in frei verfügbaren Laboren und Werkstätten innovative, marktfähige Produkte entwickeln. In einigen Fällen wurde Seed Capital zur Verfügung gestellt, in anderen nicht.

Inkubatoren oft mit Branchenschwerpunkt

So befinden sich in Philadelphia Inkubatoren für Healthcare, Pharma und Chemie, in New England unter anderem für BioTech und in Kalifornien für die Tech-Industrie. Je nach Zuschnitt beteiligt sich an ihnen auch die öffentliche Hand über die Förderung von kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) der Kommune oder des Bundesstaates. Teilweise engagieren sich auch staatliche Bildungseinrichtungen mit Interesse am beruflichen Fortkommen ihrer Absolventen. Jedoch nehmen staatliche Beteiligungen nur in Ausnahmefällen eine dominante Stellung ein.

Finanzindustrie hochspekulativ

Um die Start-up-Szene herum hat sich in den zurück liegenden Jahren eine hochspekulative Finanzindustrie entwickelt. Die auf Start-ups spezialisierten Geldgeber, in erster Linie Venturecapital Firmen mit ihren Start-up-Fonds, sind zu einem eigenen Zweig innerhalb der US-Finanzwirtschaft herangewachsen. Die Vielfalt der Finanzierungsangebote, vor allem aber die Vergabevolumina, haben in den zurückliegenden Jahren einen atemberaubenden Aufschwung hingelegt.

Mittelvergabe der Start-up-Fonds (in Milliarden US$)

2016

2017

Januar bis Juni 2018

75,6

81,9

57,5

Quelle: Pitch-Book-NVCA Venture Monitor

Venturecapital Firmen konkurrieren um Start-ups

Im Silicon Valley, dem weltweit anerkannten Mittelpunkt der Start-up-Szene, konzentrieren sich die Investoren im Wesentlichen auf junge Tech-Unternehmen, darunter Anbieter von Datenspeicherlösungen, von Datenanalysen im Internet, von Onlinereisebüros, von Handelsplattformen, von Portalen zum Preisvergleich, von Tauschbörsen, von Fitnessapps oder vom Verleih von E-Fahrrädern.

Neben einer zündenden Geschäftsidee sollte jedes Start-up die betriebswirtschaftliche Fähigkeit aufweisen, umfangreiche Finanzierungen zu absorbieren und rasch organisch zu wachsen. Letzteres kann jedoch ein Problem darstellen.

Kapitalflut kann organisches Wachstum ersticken

Das verbesserte, vor allem an großvolumigen Finanzierungen orientierte, Überangebot hat für Start-ups im Silicon Valley durchaus Konsequenzen. Sie müssen ihre Strukturen um einiges schneller aufbauen und gleichzeitig finanziell breiter und größer denken, als es ursprünglich ihr Plan war. Dadurch steigt die Gefahr, durch zu viel Startkapital zu lange abhängig von Fremdfinanzierungen zu bleiben, bevor aus eigener Kraft Gewinne erwirtschaftet werden.

Zahl der Kapitalgeber ist in die Höhe geschnellt

Nicht nur die Zahl der Investoren in Start-ups ist über die Jahre gewachsen, auch die Vielfalt und der Internationalisierungsgrad der Finanzierungsangebote hat sich dramatisch erweitert. Aus Japan ist das Konglomerat SoftBank mit seinem 93 Milliarden US$ schweren Vision Fund hinzugestoßen. Aus China zogen gleiche mehrere milliardenschwere Venturecapitalfirmen nach und aus den USA selbst sind inzwischen einige staatliche Investitionsfonds (sovereign wealth funds) dazu übergegangen, Start-ups zu finanzieren.

Die neuen Investoren begründen ihren Drang zur Start-up-Finanzierung damit, dass sie ihre Portfolios über Beteiligungen an jungen, neu entstehenden Industrien diversifizieren wollen sowie Anteile an Start-ups erwerben wollen, noch bevor diese aus eigener Kraft an die Börse gehen können. Etablierte Venture Capital Firmen wie Accel, Andreessen Horowitz, Battery Ventures, Bessemer, Greylock Ventures, Kleiner Perkins oder Sequoia Capital erweitern derweil ihre Kapitalausstattung, nehmen noch mehr Fremdmittel auf, um angesichts der steigenden Anbieterzahl überhaupt wettbewerbsfähig zu bleiben.

Mega-Rounds werden zur Routine

Start-ups, die bei sogenannten Mega-Rounds100 Millionen US$ und mehr einsammeln, sind keine Seltenheit mehr. Im Jahr 2017 wurde die Rekordzahl von 273 solcher Finanzierungsrunden gezählt, wie der Datenlieferant Crunchbase mitteilte. In den ersten sieben Monaten des Jahres 2018 belief sich ihre Zahl bereits auf 268.

Allein im Juli 2018 wurden 50 Finanzierungen im Gesamtwert von 15 Milliarden US$ abgeschlossen. Die Zahl der Start-ups, die in kürzester Zeit eine Kapitalisierung von 1 Milliarde US$ und mehr aufweist, sogenannte Einhörner (Unicorns), ist laut CB Insights von 80 im Jahr 2015 auf 258 im Jahr 2018 gestiegen.

Wie viele dieser Unicorns sich am Ende als überkapitalisiert erweisen, weiß niemand so genau. Erst wenn sie an die Börse gehen, findet eine Marktbewertung statt. Fachleute sehen daher Finanzblasen am Horizont heraufziehen, die zu platzen drohen.


Text: Ullrich Umann

28.01.2019

Software-Start-ups werden am schnellsten finanziert

Die genaue Zahl der in den USA angesiedelten Start-ups kann nur geschätzt werden. Zu hoch ist die Fluktuation auf dem Gründermarkt. Nach spätestens drei Jahren stellen bis zu 90 Prozent der Gründer ihre Firma wieder auf. Vor allem in der hochdynamischen, aber auch disruptiven Tech-Industrie, gleichen Versuche einer genauen statistischen Erfassung einem Stochern im Nebel.

Zahl der Start-ups schwer erfassbar

Die Internetseite Angel.co zumindest, auf der Investoren und Start-ups auf der einen sowie Arbeitssuchende und Start-ups auf der anderen Seite aufeinander treffen, listet für die USA 186.000 Start-ups auf. Davon befinden sich 60.000 in Kalifornien und davon wiederum knapp 35.000 im Silicon Valley. Aus Kalifornien stammen zudem die bekanntesten Start-ups. Zu den weiteren Hochburgen für die Start-up-Szene gehören New York City und Boston.

Darüber hinaus wurden viele mittlere und kleine Zentren für Start-ups, insbesondere in Städten mit einer hohen Universitäts- und Forschungsdichte gegründet, darunter in Chicago, Washington, D.C., Seattle und Atlanta. Die Einrichtung von Inkubatoren und Co-Working-Spaces ist Teil der Arbeitsmarktpolitik von Kommunen und Bundesstaaten geworden, weshalb ihre Zahl landesweit steigt.

Tech-Industrie im Rampenlicht

Oft wird die Start-up-Szene allein mit der Tech-Industrie in Verbindung gebracht. Schillernde Namen wie Spotify, Uber, Dropbox, Runkeeper, Airbnb, Snapchat oder Reddit wecken Emotionen. So haben Tech-Start-ups die Art zu leben und zu arbeiten für viele Menschen verändert, haben neue Dienstleistungen oder Handelsplattformen erschaffen, die inzwischen von Millionen von Konsumenten auf der ganzen Welt genutzt werden. Um sie ist eine schillernde Aura entstanden. Vor allem sie bringen es auf ein atemberaubendes Wachstum. So bringt das ehemalige Start-up Uber es inzwischen auf eine Kapitalisierung von 72 Milliarden US-Dollar (US$).

Private Geldgeber bevorzugen Software-Start-ups

Software-Start-ups erhalten laut National Venture Capital Association die weitaus meisten privaten Finanzierungen. So halten auf Software spezialisierte Start-ups seit 2014 durchgehend einen Anteil von 40 Prozent an allen Venturecapitalfinanzierungen. Pro Jahr fließen damit etwas mehr als 30 Milliarden US$ in diesen Geschäftszweig. Start-ups mit den Schwerpunkten Pharma, BioTech, Media, Informationstechnologie-Hardware, Personaldienstleistungen, Energie, Konsum/Freizeit sowie Handel folgen in dieser Reihenfolge.

Bedeutende Förderveranstaltungen für Start-ups

Event

Internetanschrift

Termin und Ort

2019 Global Ventures Summit

www.gvsummit.co

November 2019, Los Angeles, Kalifornien
Empire Startups, FinTech Conference

https://empirestartups.com/events/ny2019

April 2019, New York City, New York
Growth Marketing Conference

https://growthmarketingconf.com/

Dezember 2019, San Francisco, Kalifornien
Global Corporate Venturing & Innovation (GCVI) Summit

www.cvent.com/events/gcvi-summit-2019/event-summary-0c09bd83271c40f98c4e4c279589f488.aspx?RefID=ove

Januar 2019, Monterey, Kalifornien
Startup Grind Global Conference 2019

www.startupgrind.com/conference/

Februar 2019, Redwood, Kalifornien
SXSW 2019, The Entrepreneurship & Startup Track

www.sxsw.com/conference/entrepreneurship-and-startups/

März 2019, Austin, Texas
Strata Data Conference

https://conferences.oreilly.com/strata

März 2019, San Francisco, Kalifornien
Empire Startups, FinTech Conference

www.empirefintechconference.com/pages/ny2019

April 2019, New York, New York
HustleCon 2019

www.hustlecon.com

Juni 2019, Oakland, Kalifornien

Quelle: Recherchen von Germany Trade & Invest


Text: Ullrich Umann

28.01.2019

Deutsche Start-ups entdecken den US-Markt

Die Anzahl der in den USA erfolgten deutschen Start-up-Gründungen ist zwar überschaubar. Doch ist sie über die vergangenen sechs Jahre stetig gestiegen: von 22 im Jahr 2014 auf 38 im Jahr 2017. Im 1. Halbjahr 2018 waren es 22. Ein Grund dafür ist, dass der Internationalisierungsgrad der deutschen Gründerszene allgemein steigt und die jungen Unternehmen auf einen größeren Erfahrungsschatz zurückgreifen können.

Berliner FinTech visiert US-Markt an

Erste Start-ups expandieren aus Deutschland heraus in Richtung USA. In diese Kategorie fällt die 2013 in Berlin gegründete Bank N26, die sich auf Bankdienstleistungen ausschließlich über mobile Plattformen, darunter das Smartphone, spezialisiert hat. Bis 2019 will N26 über alle Genehmigungen der US-Finanz- und Bankenaufsicht verfügen, um auch dort Kunden bedienen zu können.

Seit seiner Gründung hat N26 von Venturecapitalfunds 215 Millionen US-Dollar (US$) einsammeln können und bedient inzwischen mehr als 1 Million Kontoinhaber aus 17 europäischen Ländern. Der Markteintritt in den USA würde N26 ein riesiges Wachstumsfeld eröffnen, zumal es sich um die erste reine Smartphonebank in den USA handeln würde.

Babbel bringt Amerikanern Fremdsprachen bei

Ein weiteres Berliner Start-up, die Internetplattform zum Erlernen von Fremdsprachen, Babbel, hat im Januar 2015 ein Büro in New York City bezogen. Zwei Jahre später ging das US-Tochterunternehmen Babbel, Inc. offiziell an den Geschäftsstart. Zuvor hatte das Start-up in einer weiteren Finanzierungsrunde 22 Millionen US$ vom Konsortialführer Scottish Equity Partners eingesammelt.

Wurzeln schlagen als Voraussetzung

Eine der wohl wichtigsten Erfahrungen der vergangenen Jahre ist, dass deutsche Start-ups ihren Hauptsitz in die USA verlegen oder dort zumindest eine eigene juristische Person gründen sollten. Unter anderem gewinnen sie dadurch schneller Geldgeber. Denn erst wenn US-Investoren wissen, dass keine länderübergreifenden rechtlichen und steuerlichen Konflikte auftreten, sind sie zur Finanzierung bereit.

Wie die Beispiele N26 und Babbel zeigen, vergehen zwischen der Büroöffnung, der Gründung einer US-Tochter und der eigentlichen Geschäftsaufnahme mehrere Monate oder gar Jahre. Diese Zeit variiert aber je nach Regeldichte und Zugangsbeschränkungen für den entsprechenden Markt. Der Bankenmarkt ist dabei ein Extrembeispiel, was die Lizenzerlangung angeht. Auch muss das Geschäftsmodell an die Gegebenheiten und Kundenwünsche in den USA genau angepasst werden.

Deutsche Start-ups erfahren spezielle Förderung

Für deutsche Start-ups existieren in den USA spezielle Fördermöglichkeiten. Dazu gehört der „German Accelerator Tech“ mit Niederlassungen in San Francisco, im Silicon Valley, in Boston und in New York. Start-ups mit Interesse können sich auf der Internetseite des Accelerators für eine Förderung bewerben.

AHK als Anlaufstelle für Start-ups

Die Deutsch-Amerikanische Handelskammer in New York bringt zusammen mit dem Accelerator VentureOutNY und anderen Partnern unter dem Projektnamen STEP USA viermal im Jahr bis zu 15 deutsche Start-ups für ein fünftägiges Förderprogramm nach New York City, Boston oder ins Silicon Valley.

Die AHK in San Francisco, in deren Einzugsbereich das Silicon Valley liegt, bietet zusätzliche Dienstleistungen für deutsche Start-ups an und organisiert für zahlreiche Delegationen aus Deutschland Veranstaltungen im Valley. Darüber hinaus kann bei der AHK USA, unter anderem in Chicago, eine spezielle Start-up-Mitgliedschaft erworben werden.


Text: Ullrich Umann

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