Energieeffizienz im Gebäudebau

17.11.2016

Britischer Gebäudebestand bietet großes Potenzial für Energieeffizienzsanierungen

Wenn es um den Gebäudebestand geht, ist das Vereinigte Königreich ein Land der Extreme. Einerseits entstehen in den großen Städten und ganz besonders in London ständig neue hochmoderne Bürotürme nach dem allerneuesten Stand der Technik.

Doch andererseits ist der Großteil des britischen Wohnungsbestandes immer noch mit einfach verglasten Fenstern ausgerüstet. In einer normalen Londoner Wohnung zieht es in der kalten Jahreszeit durch sämtliche Fugen, Ritzen und Fenster. Genauso übrigens auch in einigen Gebäuden der Königsfamilie, wie dem Buckingham Palace oder dem Kensington Palace.

Der hohe Altbaubestand mag für deutsche Beobachter auf den ersten Blick ein ganz gewaltiges Potenzial an Energieeinsparmöglichkeiten darstellen. Nicht wenige Briten möchten jedoch schon allein aus ästhetischen Gründen an ihren einfachverglasten Holzfenstern festhalten, anstatt sie durch moderne, energiesparende Kunststofflösungen zu ersetzen.

Deutsche Firmen sollten ästhetische Vorlieben der Briten berücksichtigen

Deutsche Firmen und Handwerksbetriebe sollten britische Kunden also nicht nur von dem finanziellen und dem praktischen (klimafreundlichen) Nutzen von Energieeffizienzmaßnahmen überzeugen. Sie sollten  vor allem auch die Liebe der Briten zu ihren alten Gebäuden sowie den etwas anderen Geschmack bezüglich der Optik berücksichtigen. Wer den britischen Baubestand und insbesondere die typischen Fenstertypen kennt, weiß, dass dies zwar einfach klingt, aber in der Praxis nicht immer leicht umzusetzen ist.


Altersstruktur britischer Wohnungen (Anteil in %)

Baujahr

Anteil 2012

Baujahr vor 1919

20

Baujahr 1919 bis 1990

66

Baujahr nach 1990

14

Quelle: Department for Communities and Local Government


Bei denkmalgeschützten Häusern ist die Herausforderung besonders hoch. Die extrem strengen britischen Denkmalschutzauflagen sehen vor, dass die ursprünglich verwendeten Materialen wieder eingesetzt werden, auch original Pferdehaar und echter angerührter Knochenleim. Zu ersetzende Fenster von denkmalgeschützten Häusern müssen ebenso wieder einfach verglast werden. Hier liegt die Priorität also eindeutig beim Denkmal- und nicht beim Klimaschutz.

Doch auch wenn britische Haus- und Wohnungseigentümer zum Teil bewusst an ihren Einfachverglasungen festhalten, gelten die Briten insgesamt gesehen als äußerst aufgeschlossen gegenüber neuen Entwicklungen. An britischen Universitäten wird zum Thema Energieeffizienz geforscht, derzeit beispielsweise an der Newcastle University zum Thema „smart bricks“.


Bauwirtschaft Vereinigtes Königreich: Entwicklung und Prognosen (reales Wachstum gegenüber Vorjahr in %)

 

2015

2016

2017

Bauwirtschaft insgesamt

4,2

0,4

-0,6

Wohnungsbau

3,2

1,2

-2,0

Privater Wohnungsbau

8,3

3,0

-2,0

Öffentlicher Wohnungsbau

-16,9

-8,0

-2,0

Industriebau

10,6

-5,3

-4,5

Geschäftsbau (Büros, Handel  etc.)

1,3

1,8

-2,8

Quelle: Construction Products Association (CPA); Stand: 7.9.16


Bauwirtschaft in Großbritannien (Auftragswert in Mio. £; nominale Veränderung in %) 1)

 

2015

2. Quartal 2016

Veränderung 2. Quartal 2016 / 2. Quartal 2015

Bauaufträge insgesamt (inklusive Reparaturen und Instandhaltung)

144.769

37.362

3,2

Neubauprojekte insgesamt

93.910

24.722

3,9

Öffentlicher Wohnungsbau

4.892

1.152

-15,2

Privater Wohnungsbau

26.312

7.769

12,2

Infrastrukturbau

20.501

4.800

-7,0

sonstiger öffentlicher Bau 2)

10.527

2.725

5,8

Industriebau

4.735

1.178

2,3

Geschäftsbau

26.942

7.098

7,1

Reparatur und Instandhaltung

50.860

12.640

2,0

1) Baudaten für Großbritannien (Vereinigtes Königreich ohne Nordirland); zu laufenden Preisen; 2) ohne Infrastrukturbau
Quelle: Office for National Statistics (ONS); Jahresdurchschnittskurs der Bank of England 2015: 1 £ = 1,3782 Euro


Sämtliche Anforderungen an die Energieeffizienz von Neubauten werden in den Building Regulations erläutert (siehe Abschnitt „Gesetzliche Grundlagen“). Detaillierte Informationen zu den energetischen Anforderungen für Neubauten (U-values) befinden sich in dem „approved Document L1A“, Seite 15, Link siehe ebenfalls Abschnitt „Gesetzliche Grundlagen“.


Text: Annika Pattberg

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