Update Start-Ups

28.01.2019

Italienische Gründer zieht es ins Ausland

Die italienische Start-up-Szene wird internationaler. Gründe hierfür sind einerseits der Reichtum an kreativen und innovativen Jungunternehmern, die ihre Ideen über die Grenzen Italiens hinaus weiterentwickeln wollen; andererseits die Beschränkungen des italienischen Standorts und die verbesserungsdürftigen Rahmenbedingungen für junge Unternehmen.

Mangelnde Finanzierungsmöglichkeiten treiben Start-ups in die USA

Ein Faktor, der viele italienische Start-ups ins Ausland treibt, ist der Zugang zur Finanzierung. Große internationale Wagniskapitalgeber sind in Italien wenig präsent und öffentliche Fördermittel vergleichsweise gering. Hinzu kommt die überbordende Bürokratie, die das Leben für Jungunternehmer schwer macht.

Das Eldorado für italienische Start-ups sind die USA, insbesondere Silicon Valley und New York. Der Schritt in die Vereinigten Staaten ist nicht leicht, doch einige italienische Unternehmer haben es geschafft. Cuebiq, ein erfolgreiches Business Intelligence Start-up, hat in New York seinen Sitz, ist jedoch ein Spin-off-Unternehmen des italienischen Beintoo. Ein weiteres Erfolgsbeispiel ist BioBeats, ein Technologieunternehmen für Gesundheit und menschliches Wohlbefinden mit Büros in San Francisco, London und Pisa.

Manche Unternehmen - wie Depop, eine E-Commerce-Plattform für Mode - wurden in Italien gegründet und haben im zweiten Schritt ihren Sitz ins Ausland verlegt. Im Fall von Depop liegt der Hauptsitz in London, von dort aus konnte das Unternehmen auch den amerikanischen Markt erschließen.

 

Die Anzahl von italienischen Jungunternehmen in London ist am höchsten. Sie decken ein breites Spektrum von Anwendungen und Marktnischen ab. Einige Erfolgsbeispiele sind Aggrade, ein italienisch-britisches Start-up im Bereich Arzneimittel; Bid to Trip, eine Onlineplattform für den Luxustourismus; oder Buzzmyvideos, ein Dienstleister für Videoersteller.

Auch Städte wie Berlin und Amsterdam sind beliebt. In Berlin sitzen erfolgreiche italienische Start-ups wie Urbi, Coureon, Skysense und Spreaker. In den Jahren zwischen 2010 und 2014 gab es einen Boom von italienischen Neugründungen in der deutschen Hauptstadt, allerdings hat dieser Trend in den letzten Jahren nachgelassen.

Internationale Start-ups suchen Verbindung zum italienischen Luxus

Italien hat viele Stolpersteine für internationale Start-ups, aber das Land bietet durch die hohe Kaufkraft (vor allem im Norden) viel Potenzial für innovative Gründer.

Internationale Gründer sind hauptsächlich im Bereich hochwertiger Konsumgüter erfolgreich. Italienische Konsumenten legen viel Wert auf Design und Qualität. Dies gilt unter anderem für Modeartikel, Möbel und Autos. Vor diesem Hintergrund haben Unternehmen wie Adzuki aus Kopenhagen den italienischen Markt erschlossen. Das Start-up ist ein Vorreiter im Bereich E-Commerce und Internetwerbung für Modeartikel. Ein weiteres Beispiel ist Right Shoes, ein Jungunternehmen aus der Schweiz, welches das Einscannen der Fußgröße ermöglicht, um Onlineshopping zu erleichtern.

Die italienische Tourismusbranche bietet viel Potenzial für ausländische Start-ups. Die steigende Anzahl von Reisenden aus der ganzen Welt eröffnet neue Marktchancen. Insbesondere der Luxustourismus wächst. Lodgify, eine Onlineplattform für Anbieter von Ferienwohnungen wurde in Barcelona gegründet, hat aber schnell die große Nachfrage in Italien erkannt. Auch das Yachtcharterunternehmen Sailogy aus der Schweiz ist in Italien erfolgreich.


Text: Robert Scheid

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