Update Start-Ups

28.01.2019

Wichtigster Start-up Hub ist Santiago de Chile

Zwischen Januar und Oktober 2017 wurden 98.921 neue Firmen in Chile gegründet. Start-ups in Chile erhielten 2016 mit 5 Milliarden US-Dollar (US$) die bisher höchste Summe an Finanzierungskapital. Das waren 150 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Die Start-ups verkauften Waren im Wert von etwa 36,7 Milliarden US$ und schufen etwa 1.800 Arbeitsplätze.

Laut einer Umfrage des Nationalen Instituts für Statistik INE und des Ministerium für Wirtschaft, Entwicklung und Tourismus aus dem Jahr 2015 starten oft ein bis vier Gründer ohne Angestellte. Etwa 80,4 Prozent der 6.488 Befragten gaben an, dass ihre Unternehmung ursprünglich als Einpersonenbetrieb begonnen habe. Zum Umfragezeitpunkt befanden sich 74,4 Prozent weiterhin in diesem Stadium. Im Durchschnitt arbeiteten die Unternehmer zu ihrem Gründungszeitpunkt mit 1,4 Angestellten. Start-ups, die ins Ausland expandieren, stellen in Chile später weiterhin Mitarbeiter für Programmierungs- und Unterstützungsaktivitäten ein, um Lohnkostenunterschiede zu nutzen.

Regionale Konzentration

Regionen mit den meisten Neugründungen 2016

Region

Anteil (in Prozent)

Hauptstadtregion

84,9

Valparaíso

4,3

Los Lagos

2,0

Bío Bío

1,5

La Araucanía

1,5

Antofagasta

1,2

Coquimbo

0,9

O'Higgins

0,8

Quelle: El Mercurio

Die Hauptstadt ist das wirtschaftliche und politische Zentrum des Landes. Die meisten großen Unternehmen, Hochschulen und Forschungszentren sitzen in Santiago. Die Stadt ist eine moderne Metropole mit westlichem Standard. Doch in anderen Teilen des Landes sieht es oft anders aus. Das Stadt-Land-Gefälle ist stark ausgeprägt. Dieser Unterschied schlägt sich im Start-up-Ökosystem noch stärker nieder als in der traditionellen Wirtschaftsstruktur.

Einer Auswertung wichtiger Plattformen wie AngelList und Gust durch die Tageszeitung El Mercurio zufolge, finden etwa 85 Prozent aller Gründungen in der Hauptstadt statt. Der Fokus der neuen Firmen liegt im Norden Chiles auf dem Bergbau und im Süden auf Agrar und Tourismus.

Als weitere wichtige Stadt für Start-ups gilt Valparaíso. Die Hafenstadt beherbergt verschiedene Universitäten, aber bis jetzt nur einen Inkubator: Chrysalis ist aus der dortigen Universidad Católica hervorgegangen.

Conceptión bietet mehrere Inkubatoren

Concepción, die zweitgrößte Stadt des Landes, kann zwar weniger Gründungen als Valparaíso vorweisen, dafür aber mehrere Inkubatoren, unter anderem Incubatec UFro (Universidad de la Frontera) und Incuba UdeC (Universität von Concepción) sowie Co-Working-Spaces. Die Stadt gilt als kostengünstige Alternative zu Santiago. Auf etwa 90 Hektar entsteht ein Technologiewissenschaftspark für 12 Milliarden US$. Mindestens 40 Unternehmen sollen dort 2.000 Arbeitsplätze schaffen.

Die 18 Inkubatoren in Santiago werden überwiegend von Universitäten betrieben. Diese dürfen keine Anteile an Unternehmen besitzen. Um Finanzierungslinien aufzulegen, nutzen sie öffentliche Mittel, werden aber auch von großen nationalen oder internationalen Firmen unterstützt, darunter Family Offices, Microsoft, Telefonica und die lokale Angelini-Gruppe.

Unter den privaten Inkubatoren finden sich Wayra und Nxtp Labs, gefolgt von ImagineLab von Microsoft sowie Magical Startup. Im Jahr 2016 wurden 45 Venturecapital und Private Equity Fonds gelistet. Auch Start-ups unterstützen andere Start-ups durch Venturefonds. Ein Beispiel dafür ist Magma Ventures. Eine neue Form der Finanzierung stellt Lateinamerikas erste Crowdfundingplattform Broota dar.

Die Design- und Baufirma Crystal Lagoons ist bislang Chiles einziges Start-up mit einem Wert von über 1 Milliarde US$. Gründer Fernando Fischmann hat seine Idee, mit patentierter, umweltfreundlicher Technologie künstliche Lagunen zu bauen, immer weiter verfeinert. Seit 2007 realisierte Crystal Lagoons weltweit Immobilienentwicklungsprojekte in Milliardenhöhe. Inzwischen stellt das Unternehmen lediglich das Know-how der Wasseraufbereitung zur Verfügung und vergibt die Lizenzen.


Text: Anne Litzbarski

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