Wirtschaftsausblick

01.07.2019

Wirtschaftsausblick - Angola (Juni 2019)

Inhalt

Liberalisierung schiebt Wachstum nur langsam an / Von Fausi Najjar

Luanda (GTAI) - Trotz schwachen oder gar negativen Wachstums gibt es Möglichkeiten zu investieren. Angola hat weitgehende Maßnahmen ergriffen, um das Geschäftsklima zu verbessern.

Wirtschaftsentwicklung: Gefallene Förderraten bei Erdöl drücken das Wachstum

Der Internationale Währungsfonds (IWF) rechnet für 2019 und 2020 mit einem Realwachstum von 0,4 und 2,9 Prozent und damit mit einer moderaten Erholung. Die Economist Intelligence Unit (EIU) geht hingegen von wohl zu pessimistischen Rückgängen von jeweils 4,5 und 4,8 Prozent aus.

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Hauptursache für die bestenfalls nur langsame Erholung ist zum einen der hohe Schuldendienst: Dieser verschlang allein 2018 rund 12,4 Milliarden US Dollar (US$). Das entspricht rund 12,6 Prozent des BIP. 2019 werden Schuldentilgung und Zinsen einen ähnlich hohen Betrag aufweisen. Ab 2020 ist mit einer Halbierung zu rechnen. Mit dem Schuldendienst geht eine Kürzung der staatlichen Ausgaben einher. Diese werden 2019 um rund 20 Prozent schrumpfen. Dabei ist der angolanische Staat mit seiner zentralen Rolle für den Konsum und Investitionen wichtigster Wachstumsmotor.

Zum anderen geht die Erdölproduktion aufgrund fehlender Investitionen und zunehmend ausgeschöpfter Felder zurück. Auch wenn weitere Rückgänge wohl gestoppt sind, wird die Erdölförderung nicht so schnell wieder zulegen können. Trotz ermutigende Schritte, den Sektor für Investitionen attraktiver zu gestalten. Angola zählt zu den Volkswirtschaften, die einseitig auf den Erdölexport ausgerichtet sind.

Wirtschaftliche Eckdaten Angola
Indikator 2018 1) 2019 2) Vergleichsdaten Deutschland 2018
BIP (nominal, Mrd. US$) 98,7 88,8 4.001,5
BIP pro Kopf (US$) 3.205 2.792 48.269
Bevölkerung (Mio.) 30,8 31,8 82,9
Wechselkurs (Jahresdurchschnitt, 1 US$ = x Kwanza (Kz)) 308,6 340,8 -

1) Schätzung; 2) Prognose

Quellen: EIU; Statistisches Bundesamt

Für 2019 ist wetterbedingt mit einem Minuswachstum in der Landwirtschaft zu rechnen. Dennoch ist in den folgenden Jahren eine langsam, aber stetig steigende Produktion zu erwarten. Im Zuge der Diversifizierungsbemühungen und angekündigter Privatisierungen wird es Einzelprojekte etwa in der Fischerei, Nahrungsmittelverarbeitung, Baustoffindustrie und im Energiesektor geben.

Mit einer sich langsam verbessernden Infrastruktur geht der Ausbau eines kleinen lokalen und regionalen Handels einher. Der Bausektor insgesamt und der Ausbau der Infrastruktur im Speziellen dürften allerdings erst an Fahrt gewinnen, sobald sich die Einkommenslage verbessert hat. 2021 wird die wachsende Förderung von Diamanten das Wachstum anschieben können.

Investitionen: Geschäftschancen für private Investoren

Nach einer dreijährigen Rezession liegen die Hoffnungen vor allem auf ausländischen Privatinvestitionen. Zu prüfen sind Möglichkeiten vor allem im Bergbau, in der Landwirtschaft und im Energiesektor. Für 2019 und 2020 ist dennoch nur mit einem moderaten Investitionswachstum zu rechnen. Der Grund liegt im geringen Entwicklungsstand der Landwirtschaft und des verarbeitenden Gewerbes. Trotz Fortschritten, werden Korruption und eine schwerfällige Bürokratie auch mittelfristig eine relevante Größe bleiben. Staatsnahe Wirtschaftsakteure werden, wenn auch in geringerem Maße, weiterhin Einfluss ausüben.

Die von Präsident Joao Lourenco (seit September 2017) angeschobenen Reformen gelten als mutig und weitgehend. Darunter fallen ein Wettbewerbsgesetz, die Aufhebung der Beteiligung nationaler Partner bei ausländischen Investitionen und die Liberalisierung des Kapitalverkehrs. Zudem entflechtet die Regierung den staatlichen Energiekonzern Sonagol und privatisiert Teile davon. Politisch geht es darum, die Seilschaften des ehemaligen Präsidenten José Eduardo dos Santos (1979 - 2017) zu zerschlagen.

Ausgewählte Großprojekte in Angola
Projekt-bezeichnung Investitions-summe (Mio. US$) Projektstand Anmerkung/Ansprechpartner
Angola-Zambia Oil Pipeline 5.000 In Planung. Pipeline zum Transport von 100.000 Barrel raffinierten Öls von der Sonaref im Bau befindlichen Lobito Ölraffinerie.
Caculo Cabaca Hydro Power Project 4.500 Im Bau; Realisierung bis 2022. Wasserkraftwerk am Kwanza-Fluss für 2.170 Megawatt (MW), Bau durch China Gezhouba Group Corporation (CGGC). Mit dem Bau wurde im Juni 2017 begonnen. Das Vorhaben ist bislang kaum vorangekommen. Im Juli 2018 hat der angolanische Präsident zwei Unternehmen aus dem Konsortium für das Großvorhaben ausgeschlossen.
Luanda Internatio-nal Airport 3.800 In Bau bis voraussichtlich 2022/23. Neuer Hauptstadtflughafen 40 km außerhalb des Stadtzentrums (Bom Jesus). Umsetzung hat sich wegen Bau- und Planungsmängel erheblich verzögert. Generalunternehmen: China International Fund Limited (CIF); Ausrüstung: China National Aero-technology International Engineering Corporation.
Düngemittelfabrik in Soyo 2.000 Im Bau. 2 Mio. Tonnen im Jahr; Inbetriebnahme Ende 2020; Ausführung: dänische Gruppe Haldor Topsoe (http://www.topsoe.com).
Porto Barra do Dande 1.500 Neue Ausschreibung geplant. Entlastungshafen für Luanda; den Vertrag hat die Regierung Lourenco wegen Korruptionsvorwürfen wieder aufgehoben (http://www.portoluanda.co.ao).
Baynes Hydropower Project 1.300 Planung. 600 MW-Wasserkraftwerk am Cunene-Fluss, Gemeinschaftsprojekt mit Namibia. Namibische und angolanische Regierung halten an dem Projekt fest.
Luaxe Kimberlite Project 1.000 Probebohrungen. Diamantenmine in der Provinz Lunda Sul; geplante Produktion: 350 Mio. Karat; Joint Venture aus dem angolanischen Staatsbetrieb Endiama und der russischen Alrosa (http://eng.alrosa.ru).
Porto de Caio 780 Teilweise im Bau, Neuausschreibung geplant. Tiefseehafen für die Erdölregion Cabinda. Konzessionsvertrag mit dem Betreiber Caioporto wegen Korruptionsverdacht aufgehoben. Angeschlossen ist eine Reparaturwerft und eine Freihandelszone. Die China Road and Bridge Corporation (CRBC) hat gute Chancen, Hauptauftragnehmer zu bleiben: 1 Mio TEU (Twenty-foot Equivalent Unit) im Jahr (http://www.portocaio.com).

Quelle: GTAI-Recherche 2019

Konsum: Bevölkerung leidet unter Einkommensverlusten

Der private Konsum wird erst 2021 anziehen können. Aufgrund der schwachen Nationalwährung (Kwanza) wird die durchschnittliche Inflationsrate 2019 und 2020 im Jahresschnitt bei mehr als 17 Prozent liegen. Die Währungsdynamik wird Maßnahmen zur Inflationsbekämpfung, wie Preisobergrenzen bei Grundnahrungsmitteln, untergraben. Vor allem das schwache Wachstum schränkt den Konsum ein; selbst die positiveren Prognosen des IWF bleiben problematisch. Denn: die angolanische Bevölkerung wächst jährlich um 3 Prozent.

Die Einkommensverluste sorgen für sozialen Konfliktstoff: Armuts- und Arbeitslosenquoten sind nach wie vor hoch. Insgesamt bleibt die Nachfrage haltbarer Konsumgüter im Wesentlichen auf die Hauptstadt Luanda mit 7,7 Millionen Einwohnern beschränkt. In den letzten Jahren ist das Pro-Kopf-Einkommen bis 2015 vor allem in den Metropolregionen gestiegen. Die Armut in ländlichen Gebieten ist dominanter (58 Prozent der Bevölkerung) als in städtischen Gebieten (19 Prozent).

Außenhandel: Außenhandelsbilanz bleibt positiv

Die 2019 gefallene Erdölproduktion wird die Ausfuhren um mehr als 10 Prozent reduzieren. Angola führt fast ausschließlich Rohöl (2018: 89,6 Prozent der Gesamtausfuhren) und Erdgas (6 Prozent) aus. Drittes relevantes Ausfuhrgut sind Diamanten (2,8 Prozent), hier sind deutlich steigende Exporte zu erwarten. Prognosen zufolge wird die Außenhandelsbilanz 2020 positiv ausfallen. Dies unterstreicht die im Grunde genommen starke außenwirtschaftliche Position des Landes. Wichtigste Abnehmerländer sind China und Indien. Zu den wichtigsten Lieferländern zählen China und Portugal.

Außenhandel in Angola (in Mrd. US-Dollar; Veränderung in Prozent)
2017 2018 Veränderung 2018/2017
Importe 14,5 15,8 +9,0
Exporte 34,6 40,8 +17,9
Handelsbilanzsaldo 20,1 25,0 -

Quelle: EIU

Angola ist nach Südafrika und Nigeria die drittgrößte Wirtschaft in Subsahara-Afrika. Dennoch belegte Angola 2018 als Abnehmerland von Waren aus Deutschland weit abgeschlagen den neunten Platz. Wichtigste Abnehmerländer waren im gleichen Jahr Südafrika (9 Milliarden Euro), Nigeria (865 Millionen Euro) und Kenia (370 Millionen Euro). 2018 beliefen sich die deutschen Lieferungen auf 137 Millionen Euro. In den letzten drei Jahren betrugen sie im Schnitt rund 215 Millionen Euro.

Weitere Informationen (zum Beispiel SWOT-Analyse, Branchenberichte) finden Sie unter http://www.gtai.de/angola

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Angola Außenwirtschaft, allgemein, Wirtschaftslage, -entwicklung, allgemein, Sozialprodukt / Volkseinkommen / BIP / BSP, Investitionen (Inland), Investitionsklima, allgemein, Konjunktur, allgemein, Konsum / Konsumentenverhalten, Produktion / Produktivität

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