Wirtschaftsausblick

14.06.2019

Wirtschaftsausblick - Australien (Juni 2019)

Inhalt

Regierung verspricht Steuersenkungen und gleichzeitigen Schuldenabbau / Von Heiko Stumpf

Sydney (GTAI) - In Australien greifen erste Konjunktursorgen um sich. Niedrigere Zinsen und Steuersenkungen sollen der Wirtschaft Auftrieb verleihen. Auch der Infrastrukturausbau wird forciert.

Wirtschaftsentwicklung: Konjunktur verliert an Dampf

In Australien kühlt sich das Wirtschaftsklima ab. Während die OECD für das Jahr 2019 noch mit einer Steigerung des Bruttoinlandsproduktes (BIP) von 2,3 Prozent rechnet, erwartet die Zentralbank nur ein Wachstum von 2 Prozent. Dies läge deutlich unter dem Durchschnitt der vergangenen fünf Jahre von 2,6 Prozent.

Im Juni 2019 wurde der Leitzins um 25 Basispunkte auf einen neuen historischen Tiefstand von 1,25 Prozent gesenkt. Ein weiterer Zinsschritt auf einen Satz von 1 Prozent soll in den kommenden Monaten folgen. Anlass ist die schwache Inflation von zuletzt nur noch 1,3 Prozent. Darüber hinaus wollen die Währungshüter Impulse für einen Rückgang der Arbeitslosigkeit (Stand Mai 2019: 5,2 Prozent) setzen, damit die schwache Lohnentwicklung in Gang kommt.

Die Immobilienpreise sind nach einem langjährigen Boom seit Ende 2017 stark eingebrochen, insbesondere in Sydney (-15 Prozent) und Melbourne (-11 Prozent). Analysten betrachten die Entwicklung als großes Konjunkturrisiko, da die australischen Haushalte gleichzeitig sehr hoch verschuldet sind. Prognosen zeigen sich jedoch vermehrt optimistisch, dass bereits in der zweiten Jahreshälfte 2019 die Talsohle durchschritten wird.

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Bei den im Mai 2019 abgehaltenen Parlamentswahlen konnte die konservative Regierung des Premierministers Scott Morrison einen knappen Sieg erringen. Der Fokus der Wirtschaftspolitik wird damit auf der Umsetzung der im Wahlkampf versprochenen Steuersenkungen liegen. Bis zum Haushaltsjahr 2024/25 (Juli bis Juni) sollen die privaten Haushalte um insgesamt 226 Milliarden US-Dollar (US$) entlastet werden. Kleine und mittlere Unternehmen kommen ab 2021 in den Genuss einer ermäßigten Körperschaftssteuer.

Gleichzeitig will die Regierung 2019/20 mit 0,4 Prozent des BIP erstmals seit zwölf Jahren wieder einen Haushaltsüberschuss erzielen. Die Nettoverschuldung soll bis 2030 von derzeit 19,2 Prozent des BIP auf null sinken. Dieser ehrgeizigen Zielvorgabe liegen jedoch sehr optimistische Wachstumsprognosen zugrunde.

Wirtschaftliche Eckdaten Australiens
Indikator 2017 2018 Vergleichsdaten Deutschland 2018
BIP (nominal, Mrd. US$) 1.386 1.418 4.002
BIP pro Kopf (US$) 55.958 56.352 48.269
Bevölkerung (Mio.) 24,8 25,2 82,9
Wechselkurs (Jahresdurchschnitt, 1 US$ = $A 1,304 1,337 -

Quellen: Internationaler Währungsfonds; Statistisches Bundesamt

Investitionen: Rohstoffunternehmen wollen wieder investieren

Die Investitionsneigung der privaten Unternehmen entwickelt sich gemäß Prognosen der National Australia Bank positiv. Nach einem moderaten Plus von 2,3 Prozent im Jahr 2019 soll es 2020 und 2021 mit 4,3 beziehungsweise 3,5 Prozent deutliche Ausgabensteigerungen geben. Erstmals seit sechs Jahren dürfte ab 2020 auch der Rohstoffsektor die investiven Gelder wieder erhöhen. Bergbaukonzerne wie BHP Billiton, Rio Tinto und Fortescue Metals starten den Bau milliardenschwerer Minenprojekte. Die Gasindustrie plant die Erschließung neuer Offshore-Felder.

Auch die Regierung schraubt ihre Investitionsausgaben nach oben. Mit dem Staatshaushalt 2019/20 wird das zehnjährige Infrastrukturprogramm um 33 Prozent auf umgerechnet 75 Milliarden US$ erhöht. Dabei werden vor allem Straßen- und Schienenprojekte vorangetrieben. Hinzu kommen die massiven Infrastrukturmaßnahmen auf Ebene der Bundesstaaten. Allein Victoria mit der schnell wachsenden Metropole Melbourne realisiert eine Projektpipeline von 80 Milliarden US$.

Ausgewählte Großprojekte in Australien
Projektbezeichnung Investitionssumme (Mio. US$) *) Projektstand Anmerkung/Ansprechpartner
Snowy Hydro 2.0 3.800 Planung Ausbau des Snowy Wasserkraftwerks um 2.000 MW; http://www.snowyhydro.com.au
South Australia-New South Wales Interconnector 1.100 Planung Hochspannungsverbindung zwischen den Bundesstaaten South Australia und New South Wales; http://www.electranet.com.au
Browse Off-Shore Gas Project 21.000 Planung Erschließung des Browse Gasfelds in Western Australia; http://www.woodside.com.au
Koodaideri Iron Ore Mine 2.000 Planung neue Eisenerzmine in Western Australia; http://www.riotinto.com
North East Link 11.800 Planung Autobahnneubau in Melbourne; https://northeastlink.vic.gov.au
Inland Rail 7.500 in Bau bis 2025 Bau einer Schienentrasse zwischen Melbourne und Brisbane; https://inlandrail.artc.com.au
Sydney Metro West 15.000 Planung Neubau einer zweiten U-Bahn für Sydney; http://www.sydneymetro.info
Suburban Rail Loop 37.400 Planung Schienenring durch die Vororte von Melbourne mit 90 km Länge; https://bigbuild.vic.gov.au
Western Sydney Airport 4.000 in Bau bis 2026 neuer internationaler Flughafen; https://westernsydneyairport.gov.au

*) Umrechnung anhand des Wechselkurses 1 Australischer Dollar ($A) = 0,7478 US$

Quellen: Recherchen von Germany Trade & Invest; Pressemeldungen

Nationale Ausschreibungsdatenbanken:

AusTender

http://www.tenders.gov.au

NSW Procurement

https://tenders.nsw.gov.au

Buying for Victoria

http://www.tenders.vic.gov.au/tenders/index.do

Konsum: Geringes Lohnwachstum bereitet Sorge

Die Entwicklung der Konsumausgaben ist ein großer Unsicherheitsfaktor für die Konjunktur. Die nominalen Löhne steigen nur langsam, in den vergangenen fünf Jahren gab es ein Plus von durchschnittlich 2,2 Prozent. Dadurch erzielen die Beschäftigten fast keine Reallohngewinne mehr. Zwar entstanden im Jahr 2018 insgesamt rund 270.000 neue Arbeitsplätze, gleichzeitig gelten aber auch 8,7 Prozent der erwerbstätigen Bevölkerung als unterbeschäftigt.

Zur Befriedigung der Konsumbedürfnisse reduzierten die Haushalte deshalb ihre Sparquote: So gab es in den vergangenen fünf Jahren einen Rückgang von 8,3 auf 2,5 Prozent. Auch mittelfristig dürfte die Lohnentwicklung nur langsam an Fahrt gewinnen, sodass die Verbraucherausgaben nur schwache Wachstumsakzente setzen können.

Die Einzelhandelsumsätze dürften 2019 real um 1,6 Prozent zulegen (2018: 2,2 Prozent). Für deutsche Einzelhändler bleibt der australische Markt attraktiv. Aldi Süd will 2019 insgesamt 20 neue Geschäfte eröffnen. Kaufland arbeitet am Markteintritt, wobei als erster Schritt sechs Märkte in Melbourne geplant sind.

Außenhandel: Rohstoffexporte florieren

Dank steigender Rohstoffexporte erzielte Australien im Jahr 2018 einen deutlichen Handelsbilanzüberschuss. Wichtigste Ausfuhrgüter waren mit Abstand Kohle (49,7 Milliarden US$) und Eisenerz (47,2 Milliarden US$). Volumenmäßig erleben die Rohstoffausfuhren einen weiteren Aufschwung. Bis 2024 dürften die Eisenerzexporte 902 Millionen Tonnen erreichen (2018: 836 Millionen Tonnen). Zudem ist Australien mittlerweile der weltweit größte Erdgaslieferant. Der Export dürfte sich mittelfristig bei etwa 82 Millionen Tonnen einpendeln (2018: 69,5 Millionen Tonnen).

Der bilaterale Handel zwischen Australien und Deutschland erreichte mit 12,6 Milliarden Euro (+1,6 Prozent) einen neuen Rekord. Die deutschen Exporte auf den fünften Kontinent stiegen dabei um 5,4 Prozent auf rund 10 Milliarden Euro. Auf der Rangliste der wichtigsten deutschen Exportabnehmer in Übersee lag Australien damit an achter Stelle, knapp hinter Kanada, aber vor Brasilien. Wichtigste deutsche Ausfuhrgüter waren Kfz (3,2 Milliarden Euro), Maschinen und Anlagen (2,1 Milliarden Euro) sowie Arzneimittel (0,9 Milliarden Euro).

Außenhandel Australiens (in Mrd. US$; Veränderung in Prozent)
2017 2018 Veränderung 2018/2017
Importe 228,4 235,5 3,1
Exporte 230,2 252,8 9,8
Handelsbilanzsaldo 1,8 17,3 -

Quelle: UN Comtrade

Weitere Informationen (zum Beispiel SWOT-Analyse, Branchenberichte) finden Sie unter http://www.gtai.de/australien

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Australien Außenwirtschaft, allgemein, Wirtschaftslage, -entwicklung, allgemein, Sozialprodukt / Volkseinkommen / BIP / BSP, Investitionen (Inland), Investitionsklima, allgemein, Konjunktur, allgemein, Konsum / Konsumentenverhalten, Produktion / Produktivität, Immobilienmarkt

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