Wirtschaftsausblick

07.12.2018

Wirtschaftsausblick - Australien (November 2018)

Inhalt

Steigende Investitionen stützen die Konjunktur / Von Heiko Stumpf

Sydney (GTAI) - Australiens Wirtschaft setzt ihren Aufschwung ungebremst fort. Die Unternehmen steigern ihre Investitionsausgaben, und die Regierung treibt den Infrastrukturausbau voran.

Wirtschaftsentwicklung: Langfristiger Wachstumspfad setzt sich fort

Die Wirtschaft Australiens präsentiert sich in ausgezeichneter Verfassung. Im Jahr 2018 erlebte der fünfte Kontinent einen breiten Aufschwung. Die Reserve Bank of Australia rechnet mit einer Zuwachsrate beim Bruttoinlandsprodukt (BIP) von real 3,5 Prozent, soviel wie seit fünf Jahren nicht mehr. Auch 2019 dürfte nach Erwartung der Währungshüter die 3-Prozent-Marke geknackt werden. Etwas vorsichtiger zeigt sich die OECD mit ihrer Prognose von 2,9 Prozent.

Auch langfristig sind kaum Wolken am Konjunkturhimmel zu erkennen. Der Internationale Währungsfonds (IWF) erwartet für den Zeitraum 2019 bis 2023 ein Wachstum von 2,7 Prozent pro Jahr. Einer der wenigen Unsicherheitsfaktoren ist der Immobilienmarkt. Die Häuserpreise sind nach einem langjährigen Boom in den ersten drei Quartalen 2018 um rund 4,5 Prozent gefallen. Abgefedert durch hohes Bevölkerungswachstum dürfte diese Korrektur bis 2020 aber eine weiche Landung hinlegen.

Dank der guten Wirtschaftslage könnte die Regierung bereits im laufenden Finanzjahr 2018/19 (1. Juli bis 30. Juni) einen Haushaltsüberschuss präsentieren. Die Bruttoinlandsverschuldung dürfte 2019 wieder unter einen Anteil von 40 Prozent des BIP fallen. Dadurch entsteht Spielraum für den dringend benötigten Infrastrukturausbau. Nach einem 2018 veröffentlichen Masterplan will die Regierung in den kommenden zehn Jahren rund 60 Milliarden US-Dollar (US$) investieren.

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Erfreulicherweise gehört auch die verarbeitende Industrie wieder zu den Wachstumstreibern. Die Kapazitätsauslastung ist in den vergangenen Monaten deutlich gestiegen und lag Mitte 2018 bei 80,4 Prozent. Frühindikatoren weisen auf steigende Aufträge hin. Besonders die Nahrungsmittel- und Baustoffproduktion expandieren.

Mit Spannung erwartet werden die 2019 anstehenden Parlamentswahlen. Zu einem zentralen Wahlkampfthema entwickelt sich die Energiepolitik. Die amtierende Regierung um Premierminister Scott Morrison steht beim Ausbau der erneuerbaren Energien auf der Bremse. Die oppositionelle Labour Party hat hingegen einen umfassenden Ausbauplan vorgelegt.

Wirtschaftliche Eckdaten Australien
Indikator 2016 2017 Vergleichsdaten Deutschland 2017
BIP (nominal, Mrd. US$) 1.265 1.380 3.702
BIP pro Kopf (US$) 51.861 55.693 44.791
Bevölkerung (Mio.) 24,4 24,8 82,7
Wechselkurs (Jahresdurchschnitt, 1 US$ = $A) 1,345 1,302 -

Quellen: IWF; Australian Bureau of Statistics; Statistisches Bundesamt

Investitionen: Private Unternehmen mit hoher Investitionsneigung

Der Privatsektor steigert seine investiven Ausgaben kräftig. Im Jahr 2019 könnte es nach Prognosen der National Australia Bank (NAB) einen Anstieg von 4,3 Prozent geben, für 2020 wird ein Plus von 5,7 Prozent vorhergesagt. Die Dynamik erzeugen vor allem Unternehmen außerhalb des Rohstoffsektors.

Dabei steigt insbesondere die Nachfrage nach Maschinen. Laut Umfragen des nationalen Statistikamtes zu den Investitionsabsichten der Unternehmen dürften die Ausrüstungsinvestitionen im Finanzjahr 2018/19 weiter zunehmen. Im Vorjahreszeitraum schlug bereits ein reales Plus von 6,7 Prozent zu Buche.

Die Investitionstätigkeit im Bergbausektor dürfte hingegen erst im Jahr 2020 die Talsohle durchschreiten. Erste neue Großvorhaben werden jedoch bereits bekanntgegeben. So befinden sich im Bundesstaat Western Australia Eisenerzminen mit einem Investitionsvolumen von rund 10 Milliarden US$ in der Planung. Rio Tinto genehmigte 2018 die 2,6 Milliarden US$ teure Koodaideri Mine, BHP treibt das South Flank Projekt voran (2,9 Milliarden US$).

Ausgewählte Großprojekte in Australien
Projektbezeichnung Investitionssumme (Mio. US$) *) Projektstand Anmerkung/Ansprechpartner
Snowy Hydro 2.0 5.000 Planung Ausbau des Snowy Wasserkraftwerks um 2.000 MW http://www.snowyhydro.com.au
South Australia-New South Wales Interconnector 1.200 Planung Hochspannungsverbindung zwischen den Bundesstaaten South Australia und New South Wales http://www.electranet.com.au
Browse Off-Shore Gas Project 21.000 Planung Erschließung des Browse Gasfeldes in Western Australia http://www.woodside.com.au
Eliwana Iron Ore Mine 1.300 Planung neue Eisenerzmine in Western Australia http://www.fmgl.com.au
North East Link 12.300 Planung Autobahnneubau in Melbourne https://northeastlink.vic.gov.au
Inland Rail 7.100 in Bau bis 2025 Bau einer Schienentrasse zwischen Melbourne und Brisbane https://inlandrail.artc.com.au
Sydney Metro 16.000 in Bau bis 2024 U-Bahn für Sydney, weitere Ausbaustufen in Planung http://www.sydneymetro.info
Suburban Rail Loop 38.400 Planung Schienenring durch die Vororte von Melbourne mit 90 km Länge https://bigbuild.vic.gov.au
Western Sydney Airport 4.100 in Bau bis 2026 neuer internationaler Flughafen HYPERLINK "https://westernsydneyairport.gov.au/"https://westernsydneyairport.gov.au

*) Umrechnung anhand des Wechselkurses 1 $A = 0,7681 US$

Quellen: Recherchen von Germany Trade & Invest; Pressemeldungen

Nationale Ausschreibungsdatenbanken:

AusTender

http://www.tenders.gov.au

NSW Procurement

https://tenders.nsw.gov.au

Buying for Victoria

http://www.tenders.vic.gov.au/tenders/index.do

Konsum: Robuster Arbeitsmarkt stützt das Verbrauchervertrauen

Der private Konsum trägt rund 57 Prozent zur BIP-Entstehung bei, dürfte 2019 jedoch nur moderate Wachstumsakzente setzen. Positiv wirkt sich der robuste Arbeitsmarkt aus. Für die Arbeitslosigkeit wird ein Rückgang unter die 5-Prozent-Marke erwartet, so dass sich Australien in Richtung Vollbeschäftigung bewegt. In den vergangenen fünf Jahren wurden in Down Under rund 1,3 Millionen neue Jobs geschaffen.

Als Konsumbremse wirkt hingegen das schwache Lohnwachstum, welches in den vergangenen drei Jahren durchschnittlich nur 2,1 Prozent betrug. Dadurch gab es kaum reale Einkommensgewinne. Positive Impulse dürfte die größte jemals beschlossene Steuerreform Australiens setzen. Im Zeitraum 2019 bis 2025 sollen die privaten Haushalte um umgerechnet etwa 111 Milliarden US$ entlastet werden.

Nach Erwartungen der NAB soll auch die Lohnentwicklung langsam an Dynamik gewinnen und bis 2020 auf ein Niveau von 2,7 Prozent klettern. Der Einzelhandel kann weiter auf gute Geschäfte hoffen, für das Finanzjahr 2018/19 liegt die Prognose für den Realzuwachs beim Umsatz bei 2,6 Prozent.

Außenhandel: Exportboom geht auch 2019 weiter

Die Rohstoffausfuhren sind eine Wachstumsstütze Australiens und tragen etwa 72 Prozent zu den Gesamtexporten bei. Im Jahr 2019 werden die Exportvolumina, getrieben vom Gassektor, ein Rekordniveau erreichen. Mit 76 Millionen Tonnen dürfte Australien zum weltweit größten Erdgasexporteur aufsteigen. Auch bei Eisenerz ist mit einem erwarteten Anstieg auf 878 Millionen Tonnen (+2,3 Prozent) der Gipfel noch nicht erreicht.

Der Übergang des Rohstoffsektors von der Investitions- in die Produktionsphase dürfte jedoch bis 2020 abgeschlossen sein, so dass die Ausfuhrvolumina langsam ein Plateau erreichen.

Das bilaterale Handelsvolumen mit Deutschland verzeichnete 2017 mit 12,4 Milliarden Euro einen Rekordwert. In den ersten neun Monaten 2018 stieg der Warenaustausch im Vergleich zum Vorjahreszeitraum weiter um 1,6 Prozent an. Dabei profitieren insbesondere die deutschen Ausfuhren von der guten Wirtschaftslage in Australien (+7,6 Prozent).

Außenhandel Australiens (in Mio. US$; Veränderung in %)
2016 2017 Veränderung 2017/2016
Importe 189,4 228,4 20,6
Exporte 189,6 230,2 21,4
Handelsbilanzsaldo 0,2 1,7 -

Quelle: UN Comtrade

Weitere Informationen (zum Beispiel SWOT-Analyse, Branchenberichte) finden Sie unter http://www.gtai.de/australien

Dieser Artikel ist relevant für:

Australien Außenwirtschaft, allgemein, Wirtschaftslage, -entwicklung, allgemein, Sozialprodukt / Volkseinkommen / BIP / BSP, Investitionen (Inland), Investitionsklima, allgemein, Konjunktur, allgemein, Konsum / Konsumentenverhalten, Produktion / Produktivität

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