Wirtschaftsausblick

11.12.2018

Wirtschaftsausblick - Belgien (Dezember 2018)

Inhalt

Importbedarf wird 2019 zunehmen / Von Torsten Pauly

Brüssel (GTAI) - Steigende Ausgaben für Investitionen, den Konsum und den Export lassen Belgiens Inlandsnachfrage 2019 um real 1,5 Prozent steigen. Auch hohe Preise eröffnen gute Geschäftschancen.

Wirtschaftsentwicklung: Breit aufgestelltes, moderates Wachstum hält an

Belgiens reales Bruttoinlandsprodukt (BIP) soll 2018 und 2019 um jeweils 1,5 Prozent wachsen, so die Prognose der EU-Kommission. Stärkster Konjunkturmotor bleibt der Export, der 2018 um 3,4 Prozent und 2019 voraussichtlich um 3,2 Prozent steigen wird. Aber auch die Investitionen und der Privatkonsum sollen 2019 um 2,3 Prozent beziehungsweise 1,4 Prozent zulegen. Mit der guten Binnenkonjunktur nehmen 2019 auch der Import (+3,3 Prozent) und die Inlandsnachfrage (+1,5 Prozent) zu.

Belgien profitiert von seiner Lage und Rolle als Drehkreuz in Nordwesteuropa. Das Land ist eine offene Volkswirtschaft, deren Warenimport 2017 etwa 82 Prozent und deren Export sogar 87 Prozent des BIP entsprochen hat. Allerdings gibt es auch viele Reexporte, denn allein Europas zweitgrößter Hafen Antwerpen hat 2017 mehr umgeschlagen als Hamburg und Bremen zusammen. Dank des sehr intensiven Austauschs mit dem Ausland hat Belgien auch die Rezession ab 2008 gut überwunden. Das BIP ist zwar 2009 um real 2,3 Prozent gesunken, seither jedoch so stark gestiegen, dass das Niveau 2017 um 9,1 Prozent höher war als vor dem Einbruch. EU-weit lag das BIP im selben Zeitvergleich nur 8 Prozent höher.

Problematisch sind die großen regionalen Unterschiede bei der Wirtschaftskraft. Belgien gliedert sich in das niederländischsprachige Flandern, das frankophone Wallonien und den zweisprachigen Hauptstadtraum Brüssel. Dabei lag das BIP pro Kopf in Brüssel 2016 um 70 Prozent über dem Landesschnitt. Zwischen den anderen beiden Regionen gab es ein Gefälle von 41 Prozent zugunsten von Flandern. Die Autonomie der Regionen hat in den letzten Jahrzehnten einen hohen Grad erreicht. Damit einhergehende Kompetenzverlagerungen haben zu einer aufgeblähten und heterogenen Verwaltung geführt. Dies ist ein wichtiger Grund dafür, dass das Niveau der belgischen Staatsverschuldung 2019 trotz eines leichten Rückgangs laut EU-Kommission mit 99,8 Prozent des BIP hoch bleibt.

MKT201812108013.14

Wirtschaftliche Eckdaten von Belgien
Indikator 2016 2017 Vergleichsdaten Deutschland 2017
BIP (nominal, Mrd. Euro) 424,7 439,1 3.277,3
BIP pro Kopf (Euro) 37.600 38.700 39.649
Bevölkerung (Mio.) 11,3 11,4 82,7

Quellen: Eurostat; Statistisches Bundesamt

Investitionen: Ausrüstungsbedarf steigt überdurchschnittlich

Die belgische Investitionstätigkeit steigt 2019 um real 2,3 Prozent, so die EU-Kommission. Die Ausrüstungsbeschaffungen nehmen dabei um 2,8 Prozent und somit stärker als die Bauinvestitionen (+1,9 Prozent) zu. Im Oktober 2018 lag war die Produktionsauslastung des verarbeitenden Gewerbes mit 80,4 Prozent höher als im Juli (79,4 Prozent) und im langjährigen Durchschnitt (79 Prozent). Deutschen Anbietern eröffnen auch Großprojekte wie Chemie- und Hafenanlagen in Antwerpen, eine neue U-Bahnlinie in Brüssel oder Klinikprojekte Geschäftschancen.

Die belgische Investitionstätigkeit war mit der Krise 2009 und 2010 um insgesamt 7,4 Prozent eingebrochen. Auch danach gab es zunächst Schwankungen. Seit 2014 wächst das Niveau jedoch wieder so kräftig, dass es 2017 preisbereinigt um 9,3 Prozent höher war als vor der Krise 2008. Im EU-Schnitt waren die Bruttoanlageinvestitionen 2017 noch um 0,8 Prozent geringer als 2008.

Ausgewählte Großprojekte in Belgien
Projektbezeichnung Investitionssumme (in Mio. Euro) Projektstand Anmerkung/Ansprechpartner
Nördliche U-Bahn-Verlängerung in Brüssel 1.600 Planung Realisierung bis 2024 geplant; https://metro3.be
Ausbau der Total- Raffinerie in Antwerpen 1.000 Planung http://www.total.be
neue PDH-Anlage von Borealis in Antwerpen *) 1.000 Planung Realisierung bis 2022 geplant; http://www.borealisgroup.com
Saeftinghe-Containerterminal in Antwerpen 660 Planung Realisierung bis 2021 geplant; http://www.portofantwerp.be
neue Klinik "Grand Hopital de Charleroi" 500 Planung 900 Betten; Realisierung bis 2024 geplant; http://www.ghdc-demain.be
neue Klinik im "Saint Luc"-Komplex in Brüssel 400 Planung 77.000 qm; Realisierung bis 2025 geplant; http://www.saintluc.be
"Closing-the-Circle"-Projekt in Altdeponie Houthalen-Helchteren 230 Planung, teilweise Umsetzung Wiederverwertung und Energiegewinnung aus deponiertem Abfall; http://www.elfm.eu
Erweiterung Bankzentrale BNP Paribas Fortis, Brüssel 19ß Planung 100.000 qm; geplante Fertigstellung 2021; Hauptauftragnehmer ist Eiffage; http://www.bnpparibasfortis.com
Wohn-, Einkaufs-, Freizeitareal Neo, Brüssel k.A. (öffentliche Hand: 335; Mall: 550) Planung in Phase 1 entstehen unter anderem 590 Wohnungen, Kino und 81.000 qm Einkaufsfläche von 2019 bis 2021; PPP-Projekt der Stadt Brüssel mit Konsortium Uniball-Rodamco-Besix-CFE; http://www.neobrussels.be, http://www.mallofeurope.com
8.300 öffentliche Ladestationen für Elektroautos k.A. schrittweise Realisierung bis 2020 davon 7.400 in Flandern, 688 in Wallonien und 200 in der Region Brüssel; http://www.febiac.be

*) PDH: Propandehydrogenierung

Quellen: Recherchen von Germany Trade & Invest; Pressemeldungen

Belgiens Föderalregierung hat mit der Homepage http://www.publicprocurement.be ein Portal für Ausschreibungen öffentlicher Institutionen eingerichtet. Entsprechende Internetinformationen haben auch die Regionen Flandern (https://overheid.vlaanderen.be/overheidsopdrachten-en-raamcontracten), Wallonien und Brüssel (http://marchespublics.cfwb.be).

Informationen zu EU-Binnenmarktausschreibungen unter http://www.gtai-EU-Ausschreibungen.de.

Konsum: Steigende Beschäftigung fördert Kauflaune

Belgiens Einzelhandel hat in den ersten drei Quartalen 2018 jeweils weniger umgesetzt als vor Jahresfrist und zwischen Juli und September betrug das Minus 0,8 Prozent. Der Konsum wird laut EU-Kommission 2019 um 1,5 Prozent steigen. Die Kauflaune fördert 2019 der Beschäftigungsanstieg (+0,7 Prozent), während die Reallöhne um 0,1 Prozent fallen sollen. Der Konsum war 2017 real um 9,6 Prozent höher als im Jahr 2008. Das Preisniveau für Endverbraucher lag 2017 um 10,7 Prozent über dem EU-Schnitt, während es in Deutschland nur 5 Prozent darüber lag.

Viele Verbraucher kaufen auf Kredit. Von den 8 Millionen Konsumdarlehen waren im Oktober 2018 etwa 524.000 Verträge in Zahlungsverzug, ein Rückgang um 3,4 Prozent gegenüber Jahresfrist. Die Kaufkraft variiert regional, denn das verfügbare Einkommen pro Kopf war 2014 laut neuesten Zahlen in Flandern (19.860 Euro) höher als in Wallonien (17.064 Euro) und Brüssel (16.898 Euro).

Außenhandel: Warenaustausch mit dem Ausland bleibt starker Konjunkturtreiber

Strukturelle Ausfuhrüberschüsse tragen stark zu Belgiens Wohlstand bei. Das Plus ist 2017 um 10,2 Prozent gewachsen und hat 4,3 Prozent des BIP entsprochen. Allerdings reexportiert Belgien auch einen Teil der Einfuhr ohne bedeutende Weiterverarbeitung, da es ein ausgesprochenes Transitland ist. Generell ist das Land als relativ kleine Volkswirtschaft bei vielen Waren auf Importe angewiesen, was deutschen Lieferanten viele Chancen eröffnet.

Belgiens Einfuhr aus Deutschland ist 2017 um 8,7 Prozent gestiegen. Die Bundesrepublik ist mit einem Importanteil von 14 Prozent zweitwichtigster Lieferant, nach den Niederlanden (17,2 Prozent) und vor Frankreich (9,5 Prozent). Belgien erwirtschaftet aber auch im Handel mit Deutschland einen Exportüberschuss, der sich 2017 leicht um 0,5 Prozent auf 13,1 Milliarden Euro erhöht hat. Im Jahr 2017 gingen 16,7 Prozent aller belgischen Ausfuhren nach Deutschland. Zweitwichtigster Auslandsmarkt ist Frankreich (14,9 Prozent) vor den Niederlanden (12 Prozent).

Außenhandel von Belgien (in Mio. Euro; Veränderung in %)
2016 2017 Veränderung 2017/2016
Importe 342.530,7 362.326,5 5,8
Exporte 359.828,9 381.389,3 6,0
Handelsbilanzsaldo 17.298,2 19.062,8 -

Quelle: Eurostat

Weitere Informationen (zum Beispiel SWOT-Analyse, Branchenberichte) finden Sie unter http://www.gtai.de/belgien

Dieser Artikel ist relevant für:

Belgien Außenwirtschaft, allgemein, Wirtschaftslage, -entwicklung, allgemein, Sozialprodukt / Volkseinkommen / BIP / BSP, Investitionen (Inland), Investitionsklima, allgemein, Konjunktur, allgemein, Konsum / Konsumentenverhalten, Produktion / Produktivität

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