Wirtschaftsausblick

15.03.2019

Wirtschaftsausblick - Benin (März 2019)

Inhalt

Staat kurbelt die Wirtschaft an und verschuldet sich dafür / Von Carsten Ehlers

Cotonou (GTAI) - Benin verzeichnet einen wirtschaftlichen Aufschwung. Dieser ist vor allem durch staatliche Infrastrukturinvestitionen bedingt. Geschäftschancen nehmen erstmals seit Jahren wieder zu.

Wirtschaftsentwicklung: Deutlich zunehmende Dynamik

Benin erfreut sich einer derzeit dynamischen Wirtschaft. Die Economist Intelligence Unit (EIU) prognostiziert für das Jahr 2019 ein Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 6,2 Prozent. Für 2020 werden 6,5 Prozent erwartet. Damit liegt das Wachstum deutlich höher als noch vor einigen Jahren, als nur um die 4 Prozent erreicht wurden. Ob dies ein nachhaltiger Trend ist, darf bezweifelt werden, da es zu einem beträchtlichen Teil über schuldenfinanzierte Infrastrukturprojekte generiert wird.

Positiv wirkt sich zudem die Produktionssteigerung im Baumwollsektor auf die Wirtschaft aus, unter anderem ausgelöst durch eine vom Staat erwirkte Umstrukturierung des Sektors. Für 2018/19 wird eine Rekordernte von 700.000 Tonnen angepeilt. Die weitere Entwicklung hängt vor allem vom Weltmarktpreis des Rohstoffs ab. Förderlich ist auch die leicht verbesserte wirtschaftliche Stimmung im Nachbarland Nigeria, wo noch 2016 eine Rezession vorherrschte. Benins Wirtschaft leidet, wenn es dort kriselt, da viele im Hafen von Cotonou gelöschte Güter für den nigerianischen Markt bestimmt sind.

Starken Einfluss auf die wirtschaftliche Performance nimmt der seit dem Jahr 2016 regierende Präsident Patrice Talon. Der frühere Geschäftsmann fährt eine neoliberale Wirtschaftspolitik geprägt von wirtschaftsfreundlichen Reformen. Seine Maßnahmen werden jedoch nicht durchgehend als unternehmensfreundlich begrüßt. Einige ausländische Investoren beklagen repressive Maßnahmen und einen rüden Umgangston mit der Regierung.

Dass die Entwicklung in Benin von Seiten internationaler Geber grundsätzlich positiv gesehen wird, deutet die Aufnahme in die G20-Initiative "Compact with Africa" an. Damit könnte Benin weitere Hilfsgelder erhalten. Die in Benin sehr aktiven Geberorganisationen finanzieren zahlreiche Projekte und verfügen damit über großen wirtschaftlichen Einfluss. Die deutsche Entwicklungszusammenarbeit ist über die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) und KfW Entwicklungsbank unter anderem in den Bereichen Landwirtschaft, Wasser- und Energieversorgung aktiv.

MKT201903148003.14

Wirtschaftliche Eckdaten in Benin
Indikator 2017 2018 1) Vergleichsdaten Deutschland 2017
BIP (nominal, Mrd. US$) 9,3 9,9 3.702,4
BIP pro Kopf (US$) 830,4 1) 966,4 1) 44.791
Bevölkerung (Mio.) 11,2 11,5 82,8
Wechselkurs (Jahresdurchschnitt, 1 Euro = x CFA-Franc (FCFA)) 2) 656,0 656,0 -

1) Schätzung; 2) Wechselkurs des FCFA ist an den Euro gebunden

Quellen: EIU; Internationaler Währungsfonds (IWF); Statistisches Bundesamt

Investitionen: Staat gibt viel Geld für die Infrastruktur aus

Die Investitionstätigkeit von staatlicher Seite war zuletzt hoch. Allerdings führt die zunehmende Staatsverschuldung zur Verzögerung von Infrastrukturprojekten. Wenn möglich, versucht der Staat ausländische Geber oder private Investoren für seine Vorhaben zu gewinnen. Geplante Maßnahmen hat die Regierung in ihrem 2016 initiierten und bis 2021 laufenden Programme d'actions du Gouvernement (PAG) aufgelistet. Es dürften kaum alle Projekte realisiert werden, aber es gibt die Prioritäten der Regierung wider.

Zu den größten geplanten Vorhaben zählt der Ausbau des Hafens von Cotonou sowie der Bau eines neuen Flughafens. Dazu kommen umfangreiche Investitionen in die Asphaltierung der Straßen in den Städten Benins sowie in den Ausbau der Energie- und Wasserversorgung. Von privater Seite passiert weniger. In den Bau von Wohnungen, Hotels und Büros wird noch im Großraum Cotonou investiert, allerdings hat die Investitionsbereitschaft im Vergleich zu den vergangenen Jahren nachgelassen.

Ausgewählte Großprojekte in Benin
Projektbezeichnung Investitionssumme (in Mio. Euro) Projektstand Anmerkung
Benin Power Compact (MCC) 332,6 Läuft seit 2017. Der US-Geber MCC stellt das Geld unter anderem für die Umstrukturierung des Stromsektors sowie die Verbesserung der Strominfrastruktur zur Verfügung.
Diverse Küstenschutzprojekte im Rahmen von West African Coast Management (WACA) k.A. Läuft seit 2017. Durchführung unter anderem durch JDN-Group und DEME (beide Belgien). Unter anderem Verlegung neuer Buhnen mit Sandeinschüttungen.
Modernisierung Nangbéto-Wasserkraftwerk 22 Geplant. Anfang 2019 erhielt Voith Hydro den Zuschlag. Die Bauarbeiten des 1988 errichteten Kraftwerks sollen bis 2022 abgeschlossen sein.
Thermisches Kraftwerk Maria Gleta 163 Im Bau. Betriebsbeginn soll im 1. Halbjahr 2019 sein. Kapazität: 127 Megawatt, Baudurchführung durch die dänische BWSC. MAN Diesel & Turbo liefert die Turbinen. Das Kraftwerk soll später auf 400 Megawatt erweitert werden.
Projet d'aménagement du barrage hydroélectrique d'Adjarala (PABHA) 239,5 Seit 2009 geplant. Projekt verzögert sich immer wieder. China Eximbank sagte 2016 die Finanzierung zu. Sinohydro soll den Bau des 147-Megawatt-Wasserkraftwerks übernehmen.
Hafenerweiterung in Cotonou k.A. Vorbereitungsarbeiten. Erstellung von Studien. Als eine der ersten Maßnahmen ist die Vertiefung der Mole geplant. Begleitet wird der Prozess von Port of Antwerp International (PAI). PAI ist seit 2018 für den Betrieb und die Hafenausweitung zuständig.
Port pétrolier-minéralier et commercial en eau profonde k.A. Geplant. Neuer Hafen östlich von Cotonou in Sèmè-Kpodji. Public-private-Partnership (PPP) mit Pic Network (Finanzierung), einer Tochter von Petrolin.
Neuer Flughafen Glo-Djigbé 550 Geplant. Aviation Industry Corporation of China (AVIC), unterstützt von Aéroports de Paris Ingénierie (ADPI). Finanzierung größtenteils von der chinesischen Regierung.

Quellen: Recherchen von Germany Trade & Invest; Pressemeldungen

Informationen zu aktuellen geberfinanzierten Projekten unter http://www.gtai.de/benin, "Ausschreibungen" und "Entwicklungsprojekte".

Konsum: Mäßige Konsumfreude trotz guten Wachstums

Das Konsumklima wird derzeit als mäßig eingestuft. Das hohe Wirtschaftswachstum kommt zu einem beträchtlichen Teil aus dem Ausbau der Infrastruktur und tangiert die Kaufkraft der Bevölkerung nur in geringem Umfang. Bei einem Pro-Kopf-Einkommen von etwas mehr als 960 US-Dollar (US$) im Jahr verharrt der überwiegende Teil der beninischen Bevölkerung in Armut.

Durch die hohe Zunahme der Bevölkerung von jährlich mehr als 300.000 Menschen wird die Nachfrage nach Konsumgütern stetig zunehmen. Die meisten Produkte wie Nahrungsmittel, Hygiene- und Haushaltsartikel und Kraftfahrzeuge müssen importiert werden. Dominiert wird der Einzelhandel von den offenen Märkten wie der Dantokpa-Markt in Cotonou. Darüber hinaus existieren in der Hauptstadt in geringer Zahl klimatisierte Supermärkte für die Mittelschicht wie CKDo im Einkaufszentrum Erewan.

Außenhandel: 2018 erstmals wieder Anstieg der deutschen Exporte

In kaum einem anderen afrikanischen Land sind die deutschen Ausfuhren in den letzten Jahren derart eingebrochen wie in Benin. Noch 2013 lag der Wert bei 92,6 Millionen Euro. Bis 2017 sank die Zahl stetig auf 32,4 Millionen Euro. Das Statistische Bundesamt verzeichnete für 2018 erstmals wieder einen Anstieg der deutschen Exporte auf 39,2 Millionen Euro. Das entspricht einem Zuwachs von etwa 21,2 Prozent. Der Anstieg spiegelt die verbesserte Konjunktur im Land wider.

Benin ist im afrikanischen Kontext ein kleiner Absatzmarkt. Für Unternehmen, die ohnehin schon in Westafrika aktiv sind, kann es sinnvoll sein, den Markt im Blick zu haben. Produkte, die in Ghana, Côte d'Ivoire oder Nigeria erfolgreich verkauft werden, dürften auch in Benin nachgefragt werden. Darüber hinaus wird das Land als Drehscheibe für den Weitertransport nach Nigeria, Niger und Burkina Faso genutzt. Durch den geplanten Hafenausbau in Cotonou dürfte diese Drehscheibenfunktion in Zukunft gestärkt werden.

Außenhandel in Benin (in Mio. US$; Veränderung in %)
2017 *) 2018 *) Veränderung 2018/17
Importe 2.877 3.080 7,1
Exporte 2.078 2.360 13,6
Handelsbilanzsaldo -799 -720 -

*) Schätzung

Quelle: EIU

Weitere Informationen (zum Beispiel SWOT-Analyse, Branchenberichte) finden Sie unter http://www.gtai.de/benin

Dieser Artikel ist relevant für:

Benin Außenwirtschaft, allgemein, Wirtschaftslage, -entwicklung, allgemein, Sozialprodukt / Volkseinkommen / BIP / BSP, Investitionen (Inland), Investitionsklima, allgemein, Konjunktur, allgemein, Konsum / Konsumentenverhalten, Produktion / Produktivität

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