Wirtschaftsausblick

14.06.2019

Wirtschaftsausblick - Bolivien (Juni 2019)

Inhalt

Die wirtschaftliche Erfolgsgeschichte setzt sich fort / Von Johannes Vohs

Bonn (GTAI) - Boliviens starke wirtschaftliche Entwicklung hält auch im Wahljahr an. Ein kräftiger privater Konsum und hohe Erdgasexporte sorgen für positive Aussichten.

Wirtschaftsentwicklung: Öffentliche Ausgaben stärken Wachstum

Der Internationale Währungsfonds (IWF) erwartet für die Jahre 2019 und 2020 eine weiterhin positive wirtschaftliche Entwicklung. Für das Jahr 2019 prognostiziert der IWF einen Anstieg des Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 4 Prozent, womit Bolivien das höchste Wachstum für Südamerika aufweist. Die Prognose für 2020 fällt mit 3,9 Prozent nur geringfügig niedriger aus. Zu den Stützen der positiven Entwicklung zählen hohe öffentliche Ausgaben und Einnahmen aus dem Erdgasexport sowie ein starker privater Konsum. Mit einem durchschnittlichen Wirtschaftswachstum von über 4 Prozent innerhalb der letzten zehn Jahre belegt Bolivien eine Spitzenposition in Südamerika.

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In Bolivien stehen im Oktober 2019 Präsidentschaftswahlen an. Trotz nationalen Protesten gegen eine vierte Amtszeit des aktuellen sozialistischen Präsidenten Evo Morales gilt eine Wiederwahl als wahrscheinlich. Die anstehenden Wahlen sowie der Fünfjahresplan (Plan nacional de desarrollo económico y social) von 2016-2020 sorgen für hohe öffentliche Ausgaben. Diese steigen im Jahr 2019 um 6 Prozent an. Gleichzeitig wird dadurch der bereits kräftige private Konsum angekurbelt.

Trotz der aktuell positiven Aussichten könnte die bolivianische Wirtschaftsstruktur stabiler sein: Grund dafür ist die geringe Diversifizierung und die große Abhängigkeit vom Rohstoff- und Erdgasexport, deren Weltmarktpreisen sowie Abnehmerländern. Vor allem die beiden wichtigsten wirtschaftlichen Partner Brasilien und Argentinien bereiten durch politische Unsicherheiten Sorgen.

Wirtschaftliche Eckdaten Bolivien
Indikator 2018 2019 Vergleichsdaten Deutschland 2018
BIP (nominal, Mrd. US$) 41,4 *) 43,7 *) 4.001,5
BIP pro Kopf (US$) 3.682 *) 3.823 *) 48.269
Bevölkerung (Mio.) 11,2 *) 11,4 *) 82,9
Wechselkurs (Jahresdurchschnitt, 1 US$ = Boliviano Bs.) 6,96 6,96 -

*) Schätzung

Quellen: Bundesbank; Statistisches Bundesamt; IWF

Investitionen: Restriktionen für ausländische Investoren

Im Rahmen des Fünfjahresplans sind jährliche staatliche Investitionen in Höhe von 10 Milliarden US-Dollar (US$) veranschlagt. Diese konzentrieren sich auf die Bereiche Infrastruktur, Gesundheit, Energie und Rohstoffförderung. Zu den wichtigsten Großprojekten zählen der Bau der Südamerikanischen Transkontinentalbahn mit einem Gesamtvolumen von 14 Milliarden US$ sowie die Industrialisierung des Lithiumvorkommens unter Beteiligung verschiedener internationaler Projektpartner.

Auch für ausländische Investoren ist Bolivien attraktiv, vor allem aufgrund der großen Rohstoffvorkommen, einer konstanten wirtschaftlichen Entwicklung sowie einem ungesättigten Markt. Allerdings ist der Marktzugang durch Restriktionen für ausländische Interessenten beschränkt. Dies führt dazu, dass die ausländischen Direktinvestitionen mit einem Anteil von 0,9 Prozent am BIP 2018 einen Tiefstand erreichten. Nichtsdestotrotz unternimmt die bolivianische Regierung immer wieder Versuche ausländische Investoren zu erreichen, vor allem durch öffentlich-private-Partnerschaften (PPP). So wurde beispielsweise ein deutsch-bolivianisches Joint Venture zur Gewinnung und Industrialisierung von Lithium gegründet.

Ausgewählte Großprojekte in Bolivien
Projektbezeichnung Investitionssumme (Mio. US$) Projektstand (aktuellen Projektstand genau prüfen und die genaue Projektphase angeben) Anmerkung/Ansprechpartner
Südamerikanische Transkontinentalbahn (Corredor Ferroviario Bioceánico Central) durch Brasilien, Bolivien und Peru 14.000 Geplanter Baubeginn 2019, geplante Inbetriebnahme 2024 Durchquert Brasilien, Bolivien, Peru; Ministerio de obras públicas, servicios y viviendas, https://www.oopp.gob.bo
Wasserstraße Paraguay-Paraná 7.600 In Planung; Verhandlungen zwischen beteiligten Ländern Beteiligte Länder Argentinien, Brasilien, Bolivien, Paraguay, Uruguay; Planungskomitee Comité intergubernamental hidrovía Paraguay-Parana, hipse@cancilleria.gob.ar
Wassekraftwerk Angosto del Bala 6.000 Überprüfung auf Umwelt- und Sozialverträglichkeit; Fertigstellung 2025 Region Beni; Empresa Nacional de Electricidad S. A., ende@ende.bo
Autobahn Charazani-Porvenir(560 km) 1.800 Durchführbarkeitsprüfung und Planung Regionen Pando und La Paz; Administradora Boliviana de carreteras, abc@abc.gob.bo
Ausbau und Harmonisierung des Übertragungsnetzes zwischen Kolumbien, Ecuador, Peru, Bolivien und Chile 1.500 Durchführbarkeitsprüfung Beteilige Länder Kolumbien, Ecuador, Peru, Bolivien, Chile; Ministerio de Hidrocarburos, info@hidrocarburos.gob.bo
Bolivianisch-deutsches Joint Venture zur Lithiumgewinnungund -verarbeitung 1.300 Kooperation beschlossen, in Planung Geplanter Lithiumabbau und Aufbau einer Batterieproduktion; Region Potosi; Yacimientos de litio bolivianos, ylb@ylb.gob.bo
Geothermiekraftwerk Laguna Colorada 613 Warten auf Baugenehmigung; Fertigstellung 2023 Region Potosi; Empresa Nacional de Electricidad S. A., ende@ende.bo
3 Onshore Windparks in Departamento Santa Cruz 582 (insgesamt) Durchführbarkeitsprüfung Region Santa Cruz; Empresa Nacional de Electricidad S. A., ende@ende.bo

*) Umrechnung mit dem Wechselkurs 1 US$ = 6,96 Bs.

Quellen: Recherchen von Germany Trade & Invest; Pressemeldungen

Informationen zu aktuellen geberfinanzierten Projekten unter http://www.gtai.de/bolivien, "Ausschreibungen" und "Entwicklungsprojekte".

Konsum: Wirtschaftliche Entwicklung stärkt Privatkonsum

Hohe öffentliche Ausgaben und eine starke Wirtschaftsentwicklung kurbeln den privaten Konsum an. Zudem kam es zu einer doppelten Lohnauszahlung für staatliche Angestellte Ende 2018 und einer Erhöhung des Mindestlohns. Somit erwartet der Marktbeobachter Economist Intelligence Unit (EIU) einen Anstieg des privaten Konsums um 4,5 Prozent im Jahr 2019. Generell zeigen die Sozialprogramme der Regierung Morales Erfolg. Die Reallöhne und die Beschäftigung stiegen an, die Arbeitslosigkeit liegt bei rund 3,9 Prozent im Jahr 2019.

Nach den Präsidentschaftswahlen ist jedoch mit einem leichten Rückgang des Konsums zu rechnen, da eine Reduktion der öffentlichen Ausgaben und Subventionen zu erwarten ist. Dies könnte laut EIU dazu führen, dass der private Konsum 2020 auf 3,8 Prozent sinkt.

Außenhandel: Exporte steigen an

Im Jahr 2018 stiegen Boliviens Exporte auf 8,9 Milliarden US$, womit sich das Außenhandelsdefizit deutlich verringerte. Der Anstieg konnte vor allem durch höhere Exporte von Erdgas (+42,2 Prozent auf 223 Millionen US$) und anderen Rohstoffen (+13,6 Prozent auf 203,1 Millionen US$) erzielt werden. Diese legten in der Menge, aber vor allem im Wert zu. Es ist jedoch damit zu rechnen, dass niedrigere Erdgas- und Rohstoffpreise den Zuwachs ab 2019 dämpfen. Zudem erwartet die EIU eine geringere Nachfrage der Hauptabnehmer von bolivianischem Erdgas Brasilien und Argentinien, was insgesamt zu einem geringeren Anstieg der Gesamtexporte um 2,6 Prozent 2019 führt. Durch eine geringe Diversifizierung der Wirtschaft besitzt Bolivien wenig Möglichkeiten, niedrigere Weltmarktpreise durch andere Sektoren zu kompensieren.

Bezüglich der Importe ist für das Jahr 2019 mit einem Anstieg um 3,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr zu rechnen, die 2020 jedoch mit lediglich 1,5 Prozent schwächer zulegen dürften. Die wichtigsten Importe aus Deutschland sind dabei verarbeitete und hochwertige Produkte wie Maschinen (29,9 Prozent), Kfz und -Teile (9,8 Prozent) sowie chemische Erzeugnisse (12,7 Prozent).

Außenhandel Boliviens (in Mio. US$; Veränderung in Prozent)
2017 2018 Veränderung 2017/2018
Importe 9.302 9.994 7,4
Exporte 7.852 8.965 14,2
Handelsbilanzsaldo -1.450 -1.029 -

Quelle: UN Comtrade

Weitere Informationen zu Bolivien finden Sie unter http://www.gtai.de/bolivien

Dieser Artikel ist relevant für:

Bolivien Außenwirtschaft, allgemein, Wirtschaftslage, -entwicklung, allgemein, Sozialprodukt / Volkseinkommen / BIP / BSP, Investitionen (Inland), Investitionsklima, allgemein, Konjunktur, allgemein, Konsum / Konsumentenverhalten, Produktion / Produktivität

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