Wirtschaftsausblick

31.10.2018

Wirtschaftsausblick - Botsuana (November 2018)

Inhalt

Afrikanisches Musterland dank Diamantenexport / Von Fausi Najjar

Johannesburg (GTAI) - Die Wirtschaft in Botsuana zieht wieder an. Ohnehin ist das Land mit seinen hohen Einnahmen aus dem Diamantenexport finanziell gut aufgestellt. Die Diversifizierung stagniert.

Wirtschaftsentwicklung: Abbau von Kupfer und Kohle legt zu

In Botsuana ist für 2018 ein reales Wirtschaftswachstum von rund 4,4 Prozent zu erwarten. Im Vorjahr waren es 2,4 Prozent. Wichtiger Grund für die deutlich höhere Steigerungsrate ist der Umstand, dass die Schließung der staatlichen Kupfermine BCL im Oktober 2016 zum großen Teil 2017 in die volkswirtschaftliche Rechnung eingegangen ist und sich das Folgejahr rechnerisch positiv abhebt. Eine weitere Ursache liegt in den - vor den Wahlen im Oktober 2019 - gestiegenen Staatsausgaben. Bei hohen Finanzreserven und geringem Schuldenstand stellt das erwartete Haushaltsdefizit von 4,4 Prozent nur ein geringes Risiko dar.

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Neben den gestiegenen Staatsausgaben, die ungefähr ab 2020 wieder zurückgefahren werden dürften, treten mittelfristig nachhaltige Faktoren für ein Wachstum von mehr als 4,5 Prozent auf den Plan. So gewinnt der Kupferabbau an Fahrt. Die Weltmarktpreise haben sich stabilisiert, zudem seien - so Experten - wegen der Umstellung einiger Megaminen vom Tage- auf den Untertagebau Rückgänge in der Weltproduktion zu erwarten. Ebenso wird der Kohleabbau für den (bescheidenen) Export und die Verstromung im Land zulegen. Womöglich wird der Abbau des Batterieminerals Mangan angeschoben. Im hochpreisigen Tourismus sind ebenso Zuwächse zu erwarten.

Der Diamantenexport, der wichtigste Devisenbringer des Landes, entwickelt sich hingegen schwach. Debswana, das größte Bergbauunternehmen Botsuanas, wird die Produktion aufgrund eines weltweiten Angebotsüberhangs nach unten anpassen müssen. Der kanadische Produzent Lucara Diamond mit seltenen Diamantentypen hat hingegen Steigerungen angekündigt.

Wirtschaftliche Eckdaten - Botsuana
Indikator 2016 2017 Vergleichsdaten Deutschland 2017
BIP (nominal, Mrd. US$) 15,7 17,4 3.702,4
BIP pro Kopf (US$) 6.959 7.584 44.791
Bevölkerung (Mio.) 2,25 2,29 82,8
Wechselkurs (Jahresdurchschnitt, 1 US$ = x Pula (P)) 10,90 10,35

Quellen: EIU; Internationaler Währungsfonds (IWF); Statistisches Bundesamt

Botsuana zählt in Bezug auf das Pro-Kopf-Einkommen sowie auf Entwicklungskriterien wie Regierungsführung, Rechtsstaatlichkeit und makroökonomische Stabilität zu den erfolgreichsten Ländern in Afrika. Die hohen Einkommen aus dem Rohstoffexport haben allerdings eine stark einseitige Ausrichtung der Wirtschaft gefördert. Bislang ist es nicht gelungen, die Wirtschaft zu diversifizieren.

Investitionen: Berg- und Kraftwerksbau ziehen wieder an

Für 2018 und 2019 ist ein Wachstum der Bruttoanlageinvestitionen von mehr als 3 Prozent zu erwarten. Danach dürften die Steigerungsraten noch höher werden. Staatliches Kapital fließt in den Bau von Wohnungen, Straßen und Schulen sowie in die Stromversorgung. Im Minensektor sind verstärkt Investitionen zu verzeichnen, die ab etwa 2020 nochmals zulegen könnten. Gegenwärtig weitet die Kupfermine Mowana ihre Kapazitäten aus. Bedeutender ist die laufende Reaktivierung der Kupfer-Silber-Förderung in der Khoemacau-Mine. In der Diskussion ist, die BCL-Kupfermine wieder zum Laufen zu bringen.

Im Kraftwerksbau könnten Projekte im Rahmen von Öffentlich-Privaten-Partnerschaften umgesetzt werden. In den kommenden fünf Jahren werden Investitionen in den Diamantenabbau notwendig sein, um das gegenwärtige Produktionsniveau zu halten. Weniger wahrscheinlich ist die Umsetzung der regionalen Megaprojekte Trans-Kalahari Railway und Port Techobanine Inter-Regional Heavy Haul Railway.

Ausgewählte Großprojekte in Botsuana
Projektbezeichnung Investitionssumme (Mio. US$) *) Projektstand Anmerkung/Ansprechpartner
Tsosoloso Coal-to-Liquid Plant 2.900 Im Bau Bau eines Kohlekraftwerks (200 Megawatt), von Solaranlagen (200 Megawatt) und einer Kohleverflüssigungsanlage (20.000 Barrel pro Tag); Bauherr: Coal Petroleum Botswana (technisch: Holland & Hausberger)
BPC Northwest Electricity Transmission Line 928 Entwurf Ausbau des Stromnetzes; Anschluss an den Nordwesten und Norden; Bauherr: Botswana Power Corporation (BPC)
Sese Coal-fired Power Station 300 Entwurf Für den Stromexport Bau und Betrieb eines Kohlekraftwerks (450 Megawatt); Investoren: Joint-Venture Sese, bestehend aus African Energy Resources Ltd (AFR) und First Quantum Minerals Ltd (FQM)
Waterberg-Botswana Coal Rail Link 300 Machbarkeitsstudie 120-Kilometer-Bahnlinie; soll die Mmamabula-Kohlefelder mit den Waterberg-Kohleminen in Südafrika verbinden und damit an den Hafen von Richards Bay angeschlossen sein; Bauherren: Botswana Rail und südafrikanische Transnet
Mabesekwa Independent Power Plant k.A. Machbarkeitsstudie Für den Stromexport Bau und Betrieb eines Kohlekraftwerks (600 Megawatt) plus entsprechendem Kohleabbau; Investoren: Shumba Coal und Mulilo Group
Kasane Solaranlage (und weitere) k.A. Entwurf Bau einer Solarflächenanlage (Fotovoltaik) in Kasane und an anderen Standorten (200 Megawatt) avisiert; die Hälfte der Kapazitäten soll an das nationale Stromnetz angeschlossen werden; für Kasane ist ein Off-grid-Anteil von 50 Megawatt vorgesehen; Botswana Ministry of Environment, Natural Resources Conservation and Tourism
Kgwakge Hill-Manganese Mine 100 Explorationsphase Kanadisches Bergbauunternehmen Giyani Metals unternimmt Explorationen
New Hospital, Kasane, Northern Botswana 40 Machbarkeitsstudie Bau eines Krankenhauses (120 Betten); die Kasane- und Kazngula-Krankenstationen sollen zudem modernisiert werden; Bauherr: Botswana Ministry of Health
Trans-Kalahari Railway 14.000 Planung Bauzeit rund 5 bis 7 Jahre; Bau einer 1.500 Kilometer langen Eisenbahnlinie nach Walvis Bay in Namibia, soll für Kohleexport genutzt werden; Bau und Betrieb durch private Investoren
Port Techobanine Inter-Regional Heavy Haul Railway 7.000 bis 11.000 Planung Die Regierungen von Botsuana, Mosambik und Simbabwe haben 2016 eine Absichtserklärung zum Bau einer 1.600-Kilometer-Eisenbahntrasse unterzeichnet; die Strecke soll vom geplanten Tiefseehafen Techobanine in Mosambik über Simbabwe nach Francistown im Osten Botsuanas verlaufen

*) Aufgrund der hohen Wechselkursschwankungen und einer unübersichtlichen Datenlage handelt es sich bei den Angaben lediglich um Schätzungen.

Quellen: Recherchen von Germany Trade & Invest; Pressemeldungen

Informationen zu aktuellen geberfinanzierten Projekten unter http://www.gtai.de/botsuana,

"Ausschreibungen" und "Entwicklungsprojekte".

Konsum: Kleiner Markt mit hohem Pro-Kopf-Einkommen

Vor den Wahlen im Oktober 2019 ist mit einem Wachstum der Konsumnachfrage von rund 3,8 Prozent zu rechnen. Für einen echten Höhenflug wirken steigende Importkosten bremsend. Rund 44 Prozent der formell Beschäftigten sind beim finanziell gut ausgestatteten Staat angestellt. Die hohen Staatsgehälter und der hierdurch verursachte Lohndruck in anderen Sektoren sorgen für einen stabilen Konsum und haben zur Bildung einer kaufkräftigen Mittelschicht geführt.

Mit den Städten Gaborone und Francistown ist der Osten dichter besiedelt als die anderen Landesteile. Dort gibt es zahlreiche Shopping Malls. Mit Choppies verfügt Botsuana über eine lokale Supermarktkette, die auch in die Region expandiert. Der Konsumgütermarkt bleibt mit 2,2 Millionen Einwohnern eher begrenzt interessant. Da die hohen Einnahmen aus den Rohstoffexporten den Ausbau arbeitsintensiver Branchen blockieren, gibt es eine hohe Sockelarbeitslosigkeit (offiziell 17 bis 18 Prozent). Die Landwirtschaft arbeitet zudem häufig im Subsistenzmodus.

Außenhandel: Trotz fallender Exporte weiterhin positive Leistungsbilanz

Botsuana ist wertmäßig der weltweit wichtigste Produzent von Diamanten. Allerdings sind die Diamantenexporte 2017 mit 3,95 Milliarden US-Dollar (US$) gegenüber dem Vorjahr um 19 Prozent zurückgegangen. Auch 2018 und 2019 dürfte der Absatz schwach ausfallen. In den kommenden Jahren werden jedoch die Exporte von Kupfer und Kohle zulegen. Botsuana muss seine Nahrungsmittel und gewerblichen Produkte nahezu komplett importieren. Hohe Importpreise und schwache Exporte werden 2018 und 2019 die Handelsbilanzüberschüsse auf jährlich weniger als 200 Millionen US$ reduzieren.

Außenhandel Botsuana (in Mrd. US$; Veränderung in %)
2016 2017 Veränderung 2017/2016
Importe 5,9 5,0 -14,8
Exporte 7,4 5,9 -19,4
Handelsbilanzsaldo 1,5 0,9

Quelle: EIU

Trotz starkem Luxustourismus spielt der Dienstleistungssektor nur geringe Überschüsse ein. Die Leistungsbilanz wird 2018 und 2019 ein Plus von rund 5,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) aufweisen. Demgegenüber lag der Anteil des Leistungsbilanzüberschusses am BIP 2013 bis 2017 bei 11,6 Prozent. Die von Botsuana eingenommenen Gelder aus der Zollunion des südlichen Afrika (SACU) werden als externes Einkommen verbucht und tragen wesentlich zur Leistungsbilanz bei.

Weitere Informationen (zum Beispiel SWOT-Analyse, Branchenberichte) finden Sie unter http://www.gtai.de/botsuana

Dieser Artikel ist relevant für:

Botsuana Außenwirtschaft, allgemein, Wirtschaftslage, -entwicklung, allgemein, Sozialprodukt / Volkseinkommen / BIP / BSP, Investitionen (Inland), Investitionsklima, allgemein, Konjunktur, allgemein, Konsum / Konsumentenverhalten, Produktion / Produktivität

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