Wirtschaftsausblick

26.06.2019

Wirtschaftsausblick - Dänemark (Juni 2019)

Inhalt

Wirtschaft beschleunigt entgegen globalem Trend / Von Michal Wozniak

Stockholm (GTAI) - Dank robuster Binnennachfrage und steigenden Exporten beschleunigt das dänische Wirtschaftswachstum. Das Ergebnis der Parlamentswahl könnte für Impulse beim Privatkonsum sorgen.

Wirtschaftsentwicklung: Stabiles Wachstum

Nachdem das dänische Bruttoinlandsprodukt (BIP) 2018 mit 1,4 Prozent Wachstum eine vergleichsweise schwache Dynamik aufwies - was allerdings auf einmalige Faktoren zurückzuführen ist - soll das BIP-Wachstum 2019 und 2020 wieder auf 2 Prozent steigen.

Die Exporte werden in den nächsten Jahren voraussichtlich etwas schneller wachsen als die Importe. Die Wachstumsdynamik der Unternehmensinvestitionen wird 2019 im Vergleich zum Vorjahr sichtbar abnehmen, 2020 aber wieder anziehen. Der Privatkonsum soll mittelfristig um etwa 2 Prozent jährlich zunehmen.

MKT201906258000.14

Der Wahlsieg von Parteien links der Mitte in den Parlamentswahlen Anfang Juni 2019 könnte den Konsum weiter ankurbeln. Den Wahlsieg der Sozialdemokraten um Mette Frederiksen ermöglichte unter anderem der versprochene "velfaerdsloft" (deutsch: Wohlfahrtsschub), der Sozialtransfers von etwa 5 Milliarden Euro umfasst. Noch mehr Gewicht dürfte zukünftig auch dem Klimaschutz beigemessen werden.

Der Ausbau des Wohlfahrtsstaates soll keine großen Auswirkungen auf die Kostenseite der unternehmerischen Tätigkeit haben. Als zusätzliche Einnahmequellen des Fiskus wurden im Wahlkampf nur eine Aktiengewinne- und Dividendensteuer sowie eine Bankensteuer diskutiert. "Der dänische Staat ist solide finanziert mit geringem Schuldenstand und Haushaltsüberschüssen in den letzten Jahren", erklärt Reiner Perau, Geschäftsführer der Deutsch-Dänischen Handelskammer (AHK Dänemark). "Ohnehin wird die dänische Politik von einem großen sozialdemokratischen Konsens getragen. Deswegen erwarten wir derzeit keine größeren Auswirkungen für deutsche Unternehmen in Dänemark".

Wirtschaftliche Eckdaten Dänemarks
Indikator 2017 2018 Vergleichsdaten Deutschland 2018
BIP (nominal, Mrd. Euro) 283,8 297,6 3.388,2
BIP pro Kopf (Euro) 50.800 51.400 40.871
Bevölkerung (Mio.) 1) 5,7 5,8 82,9
Wechselkurs (Jahresdurchschnitt, 1 Euro = ... Dänische Krone) 7,4386 7,4532 -

1) jeweils zum 1. Januar des Folgejahres

Quellen: Eurostat; Deutsche Bundesbank; Statistisches Bundesamt

Investitionen: Unternehmen legen beim Ausbau Verschnaufpause ein

Das hohe Investitionswachstum der Vorjahre wird 2019 nicht fortgesetzt. Wie stark die Dynamik abnehmen wird, ist allerdings noch unklar. Laut der Danske Bank werden Unternehmensinvestitionen 2019 um rund 3 Prozent gegenüber dem Vorjahr zurückgehen, die Europäische Kommission prognostiziert hingegen nur ein Minus von knapp 1 Prozent. Der Dänische Wirtschaftsrat geht indes von einem Investitionszuwachs von rund 1 Prozent aus.

Laut einer Anfang 2019 durchgeführten Unternehmensumfrage des dänischen Statistikamtes DST rechnet die verarbeitende Industrie für 2019 mit einem geringfügigen Anstieg der Investitionsausgaben. Hersteller von Investitionsgütern sowie langlebigen Gebrauchsgütern wollen wesentlich mehr investieren als 2018. Der Sektor für Fast Moving Consumer Goods will seine Ausgaben im Vergleich zum Vorjahr um ein Zehntel reduzieren.

Ausgewählte Großprojekte in Dänemark
Projektbezeichnung Investitionssumme (Mio. Euro) *) Projektstand Anmerkung/Ansprechpartner
Bau des Fehmarntunnels von Rodby (Dänemark) nach Puttgarden (Deutschland) 7.057 Baustart Herbst 2019, Fertigstellung 2028 Femern A/S (http://www.femern.com)
Ringsted-Femern Bane, Verbindung zum zukünftigen Fehmarntunnel (120 km) 1.275 Fertigstellung 2024 Bane Danmark (http://www.bane.dk)
Metro Sydhavn - Bau U-Bahn, Kopenhagen 1.114 Fertigstellung 2024 Metroselskabet (http://www.m.dk)
Storstromsbroen; Neubau Brücke zwischen Sjaelland und Falster 550 Fertigstellung für Autoverkehr 2022, Eisenbahnverkehr 2023 Vejdirektoratet (http://www.vejdirektoratet.dk)
Projekt Universitätskrankenhaus Koge 550 Fertigstellung 2024 Region Sjaelland (http://www.regionsjaelland.dk/Kampagner/usk)
Bau Bahnstrecke zwischen Hovedgard und Hasselager 470 Fertigstellung 2032 Bane Danmark (http://www.bane.dk)
Krankenhaus Bispebjerg (Neubau Notaufnahme; Renovierung existierender Gebäude) 460 Fertigstellung 2025 Region Hovedstaden (http://www.bispebjerghospital.dk)
Neubau Krankenhaus BorneRiget, Kopenhagen 282 Fertigstellung 2024 Region Hovedstaden (http://www.rigshospitalet.dk/boerneriget)

*) Umrechnung anhand des Jahresdurchschnittskurses 2018: 1 Euro = 7,4532 Dänische Kronen (dkr)

Quellen: Recherchen von Germany Trade & Invest

Informationen zu EU-Binnenmarktausschreibungen unter http://www.gtai-EU-Ausschreibungen.de.

Konsum: Beste Voraussetzungen für höhere Ausgaben

Die dänischen Gehälter sollen 2019 und 2020 im Durchschnitt um etwa 2,5 Prozent zulegen. Die Arbeitslosenquote sinkt langsamer, aber kontinuierlich und dürfte 2019 unter die 5-Prozent-Marke rutschen. Als Antwort auf eine Abwertung der dänischen Krone (dkr) hat die Zentralbank zum Jahreswechsel 2018/2019 zudem die Leitzinsen gesenkt. Entsprechend steigt laut dem DST die Einschätzung der eigenen Finanzlage dänischer Haushalte sowie die Bereitschaft zu größeren Anschaffungen in der nächsten Zeit. Auch der Verbrauchervertrauensindex erholt sich nach dem starken Einbruch Ende 2018 kontinuierlich.

Dank des guten konjunkturellen Umfelds werden die Konsumausgaben weiterwachsen. Die Wachstumsdynamik soll 2019 bei etwa 2 Prozent liegen und im darauffolgenden Jahr weiter beschleunigen. Dafür könnte nicht zuletzt die Einlösung der Wahlversprechen der Sozialdemokraten sorgen.

Außenhandel: Importe steigen schneller als Exporte

Der Außenhandel bleibt eine wichtige Stütze der dänischen Wirtschaft, auch wenn sich das Positivsaldo seit 2016 reduziert. Experten sehen die Gründe dafür einerseits in den relativ konjunkturunabhängigen Ausfuhren. Die Nachfrage nach wichtigen Exportgütern, wie Nahrungsmitteln und pharmazeutischen Erzeugnissen, unterliegt geringen Fluktuationen. Andererseits treibt die gute Inlandskonjunktur die Importe hoch.

Die jährliche Einfuhrdynamik wird 2019 und 2020 etwas abbremsen und dürfte laut Prognosen zwischen 2 und 3 Prozent liegen. Maschinen und Fahrzeuge machen über ein Drittel der Einfuhren aus, Nahrungsmittel rund ein Achtel. Deutschland bleibt mit einem Anteil von 22 Prozent das mit Abstand wichtigste Bezugsland, gefolgt von Schweden, den Niederlanden und China.

Außenhandel Dänemarks (in Mio. Euro; Veränderung in Prozent)
2017 2018 Veränderung 2017/2018
Importe 82.561,7 86.777,5 5,1
Exporte 90.802,2 92.408,1 1,8
Handelsbilanzsaldo 8.240,5 5.630,7 -

Quelle: Eurostat

Weitere Informationen (zum Beispiel SWOT-Analyse, Branchenberichte) finden Sie unter http://www.gtai.de/Daenemark

Dieser Artikel ist relevant für:

Dänemark Außenwirtschaft, allgemein, Wirtschaftslage, -entwicklung, allgemein, Sozialprodukt / Volkseinkommen / BIP / BSP, Investitionen (Inland), Investitionsklima, allgemein, Konjunktur, allgemein, Konsum / Konsumentenverhalten, Produktion / Produktivität

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