Wirtschaftsausblick

19.04.2019

Wirtschaftsausblick - Frankreich (April 2019)

Inhalt

Privatkonsum und Steuernachlässe treiben das Wachstum an / Von Peter Buerstedde

Paris (GTAI) - Staatliche Maßnahmen stützen Konsum und Unternehmensinvestitionen. Damit dürfte die französische Wirtschaft 2019 stärker wachsen als der Durchschnitt der Länder der Europäischen Union (EU)

Wirtschaftsentwicklung: Wachstum setzt sich 2019 auf moderatem Niveau fort

Frankreich könnte 2019 trotz der globalen Konjunktureintrübung und der Unsicherheit im Zusammenhang mit dem Brexit und internationalen Handelskonflikten ein robustes Wachstum von 1,4 Prozent erreichen. Die Befürchtung, dass die Proteste der Gelbwesten Ende 2018 der Konjunkturentwicklung dauerhaft Schaden zufügen würden, hat sich nicht bewahrheitet. Die negativen makroökonomischen Auswirkungen haben sich als sehr begrenzt herausgestellt. Auch war Frankreich 2018 weniger stark von den Turbulenzen im internationalen Handel betroffen als etwa Deutschland, da es weniger vom Außenhandel abhängt. Die globale Konjunkturabkühlung und vor allem die schwächere Wirtschaftsentwicklung in der EU dürfte 2019 aber auch das französische Wachstum belasten.

Dem entgegen wirkt eine stärkere Binnennachfrage durch wachsende Konsumausgaben und höhere Unternehmensinvestitionen. Die Kaufkraft der Privathaushalte wird 2019 zunehmen. Grund dafür sind höhere Löhne und Steuererleichterungen sowie milliardenschwere Sozialmaßnahmen, welche die Regierung als Reaktion auf die Gelbwesten-Proteste zum Jahresende 2018 im Eiltempo erlassen hatte. Gleichzeitig geht die Arbeitslosigkeit weiter leicht zurück. Die Unternehmen werden 2019 einmalig niedrigere Sozialabgaben zahlen und wollen deutlich mehr investieren.

Konsum und Investitionen werden auch 2020 das Wachstum weiter stützen. Aufgrund der schwächeren Auslandsnachfrage und geplanten niedrigeren Staatsausgaben dürfte sich das Wachstum aber wieder stärker an das langfristige Potenzial von etwa 1,3 Prozent annähern.

Die starke Binnennachfrage dürfte 2019 und 2020 mögliche negative Auswirkungen durch den Brexit, durch Zinserhöhungen in den USA oder weitere Einschränkungen im internationalen Handel abfedern. Ein harter Brexit, also ein EU-Austritt des Vereinigten Königreichs ohne Abkommen, würde jedoch das Wachstum Frankreichs nach Schätzungen des nationalen Statistikamtes INSEE um 0,6 Prozentpunkte verteilt auf mehrere Quartale belasten.

MKT201904188010.14

Wirtschaftliche Eckdaten Frankreichs
Indikator 2017 2018 Vergleichsdaten Deutschland 2018
BIP (nominal, Mrd. Euro) 2.248 2.282 3.388,2
BIP pro Kopf (Euro) 33.550 34.000 40.871
Bevölkerung (Mio.) 67,0 67,2 82,9

Quellen: Insee; Banque de France; Statistisches Bundesamt

Investitionen: Unternehmen und Staat wollen mehr investieren

Nach Umfragen ist die Investitionsbereitschaft der Unternehmen 2019 ungebrochen. In der Januarumfrage des Statistikamtes INSEE hatten Unternehmer in der Industrie eine Steigerung ihrer Investitionen 2019 von 10 Prozent angekündigt. Dies ist der höchste Wert seit zehn Jahren. Die anhaltend hohen Auslastungsgrade und der große Anteil an den Unternehmen, die Produktionsengpässe beklagen, deuten ebenfalls auf einen hohen Investitionsbedarf hin.

Gleichzeitig sind die Finanzierungsbedingungen für Unternehmen weiter gut - nicht nur aufgrund niedriger Zinsen, sondern auch durch die Umwandlung einer Steuergutschrift in eine Senkung der Sozialabgaben. Auch der Staat will mehr investieren. 2019 bis 2023 sollen mit 13,7 Milliarden Euro etwa 40 Prozent mehr in den Ausbau der Infrastruktur fließen als in den Jahren 2014 bis 2018.

Ausgewählte Großprojekte in Frankreich
Projektbezeichnung Investitionssumme (Mio. Euro) *) Projektstand Anmerkung/Ansprechpartner
Grand Paris Express, Region Paris 35.000 Neuer Zeitplan für Ausschreibungen seit Anfang 2019 Société du Grand Paris: http://www.societedugrandparis.fr/marches-publics
Grand Projet Ferroviaire du Sud-Ouest (Schnellzugtrassen Bordeaux-Toulouse und Bordeaux-Spanien) 9.000 für 1. Phase Bordeaux-Toulouse Planung Bis 2022 Ausschreibung zum Ausbau der Knotenpunkte Bordeaux und Toulouse; SNCF: http://www.gpso.fr
Olympische Spiele 2024, Paris 5.000 Erste Ausschreibungen laufen Bau und Rückbau eines Schwimmstadions und des olympischen Dorfes; http://www.paris2024.org/fr/appels-doffres-et-consultations-en-cours/
Canal Seine-Nord 4.500 Finanzierung steht noch nicht; Baubeginn vor 2022 107 km Kanal zwischen Compiègne und Aubencheul-au-Bac, http://www.canal-seine-nord-europe.fr
Technische Aufrüstung des Bahnnetzes und Anpassung an Normen 4.500 Umsetzung bis 2022 Sicherheit von Bahnübergängen, Ausbau von Verkehrsleitsystemen (ERTMS), behindertengerechte Bahnsteige, Lärm- und Umweltschutz; http://www.sncf-reseau.fr
Erneuerung der Bahnstrecken Paris-Orléans-Limoges-Toulouse und Paris-Clermont 3.700 Umsetzung bis 2022 SNCF Réseau: http://www.sncf-reseau.fr
Vergnügungs- und Einkaufszentrum EuropaCity, Gonesse 3.100 Baugenehmigung ab Ende 2019 erwartet; Eröffnung 2027 mit Metroanschluss Handel, Büros, Hotels auf 79 ha, finanziert durch Supermarktkette Auchan und Wanda (China); http://www.europacity.com
Ausbau der Metro in Toulouse 2.400 Streckenführung 2018 entschieden, öffentliche Anhörung ab Mitte 2019 3. Linie: 27 km, 21 Stationen; Tisséo: http://www.tisseo.fr
Renovierung des Bahnhofs Nord, Paris 600 Baubeginn Ende 2019 SNCF Gare & Connexions: http://www.gares-sncf.com
Sanierung des Grand Palais, Paris 466 Schließung des Gebäudes und Baubeginn im Dezember 2020 http://www.grandpalais.fr

Quellen: Recherchen von Germany Trade & Invest; Pressemeldungen

Öffentliche Ausschreibungen werden im Bulletin officiel des annonces des marchés publics (http://www.boamp.fr) veröffentlicht.

Informationen zu EU-Binnenmarktausschreibungen finden Sie unter http://www.gtai-EU-Ausschreibungen.de.

Konsum: Maßnahmen zur Stützung der Kaufkraft befeuern Privatkonsum

Die Senkung von Steuern und Sozialabgaben, zusätzliche Sozialmaßnahmen der Regierung und steigende Löhne bei verhaltener Inflation dürften der Kaufkraft der Privathaushalte 2019 einen kräftigen Schub verleihen. Die Banque de France erwartet, dass die Kaufkraft 2019 um 2 Prozent pro Kopf zulegt. Das Verbrauchervertrauen hatte Ende 2018 stark unter den Gelbwesten-Protesten gelitten.

Der Konsum dürfte 2020 weiter von den staatlichen Stützungsmaßnahmen profitieren. Allerdings könnte sich die Entwicklung am Arbeitsmarkt 2019 abschwächen. Fördermaßnahmen wie staatlich geförderte Jobs oder die Senkung der Lohnnebenkosten hatten noch 2018 die Schaffung vieler neuer Stellen befördert. Diese Effekte werden 2019 weitgehend abklingen.

Außenhandel: Investitionen treiben Importe an

Die starke Binnennachfrage wird 2019 und 2020 die Importe antreiben. Die starke Investitionsneigung in der Industrie dürfte die Einfuhren von Kapitalgütern forcieren. Die Exporte profitieren zunächst noch von einigen Großaufträgen im Schiffbau sowie der Auslieferung von Flugzeugen durch Airbus, die auf Hochtouren läuft.

Ab Jahresmitte 2019 dürfte sich aber die globale Konjunktureintrübung stärker bemerkbar machen und auf die Ausfuhren drücken. 2020 könnte sich die Exportnachfrage im Einklang mit der globalen Konjunkturentwicklung wieder erholen. Die Banque de France erwartet 2019 eine reale Steigerung der Importe und Exporte von jeweils 3,3 Prozent. 2020 sollen die Importe mit 4,2 Prozent stärker zulegen als die Exporte mit 3,9 Prozent. Die Entwicklung des Außenhandels ist allerdings 2019 durch den Brexit und internationale Handelskonflikte mit besonderer Unsicherheit behaftet.

Außenhandel Frankreichs (in Mio. Euro; Veränderung in %) *)
2017 2018 Veränderung 2018/2017
Importe 539.536 560.782 +3,9
Exporte 464.015 482.252 +3,9
Handelsbilanzsaldo -75.521 -78.530 -

*) CIF ohne militärische Güter

Quelle: Direction Générale des douanes et des droits indirects

Weitere Informationen (zum Beispiel SWOT-Analyse, Branchenberichte) finden Sie unter http://www.gtai.de/frankreich

Dieser Artikel ist relevant für:

Frankreich Außenwirtschaft, allgemein, Wirtschaftslage, -entwicklung, allgemein, Sozialprodukt / Volkseinkommen / BIP / BSP, Investitionen (Inland), Investitionsklima, allgemein, Konjunktur, allgemein, Konsum / Konsumentenverhalten, Produktion / Produktivität

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