Wirtschaftsausblick

03.01.2019

Wirtschaftsausblick - Frankreich (Dezember 2018)

Inhalt

Wachstum setzt sich 2019 auf moderatem Niveau fort / Von Peter Buerstedde

Paris (GTAI) - Trotz globaler Unsicherheiten ist die Wirtschaftslage in Frankreich positiv. Maßnahmen zur Stützung der Kaufkraft werden 2019 den Konsum antreiben. Unternehmen wollen weiter kräftig investieren.

Wirtschaftsentwicklung: Sozialmaßnahmen der Regierung werden 2019 den Konsum antreiben

Die Wirtschaftsentwicklung in Frankreich wurde in der ersten Jahreshälfte 2018 von einer globalen Konjunkturabkühlung, höheren Steuern und Streiks im Zusammenhang mit der Bahnreform ausgebremst. Im Jahresverlauf besserte sich die Lage, bis die sozialen Unruhen im Lande, die seit Ende November anhalten, erneut eine Wachstumsdelle rissen. Nach Schätzungen der Banque de France dürfte die Wirtschaft Frankreichs im Jahr 2018 um insgesamt 1,5 Prozent wachsen.

Die Aussichten für das Jahr 2019 sind zum Jahreswechsel 2018/2019 ebenfalls positiv. Die Kaufkraft wird durch höhere Löhne und Steuererleichterungen sowie durch Sozialmaßnahmen der Regierung angetrieben, was den Konsum ankurbeln dürfte. Unter anderem werden Sozialabgaben und die Wohnsteuer gesenkt, während der Mindestlohn angehoben wird. Gleichzeitig dürfte die Arbeitslosigkeit 2019 weiter zurückgehen.

Unternehmen profitieren von der Umwandlung einer Steuergutschrift in eine Senkung der Sozialabgaben. Ein Teil der dadurch gewonnenen Liquidität könnte aber durch steuerfreie Prämien zugunsten der Beschäftigten geschmälert werden. Dazu ermuntert die Regierung derzeit die Unternehmen, um den sozialen Unmut zu besänftigen.

Die Unternehmer äußerten sich Ende 2018 zuversichtlich über die Entwicklung der Investitionen im Jahr 2019. Auch staatliche Investitionen dürften 2019 zunehmen. Sollten die Proteste der Gelbwesten aber wider Erwarten über den Dezember hinaus anhalten, würde dies den Konsum und die Investitionen 2019 in Mitleidenschaft ziehen. Auch globale Unsicherheitsfaktoren haben sich zum Jahresende 2018 hin immer stärker verdichtet. Die noch unklare Form des Brexits, mögliche Auswirkungen von Zinserhöhungen in den USA auf Entwicklungsländer und die Risiken von weiteren Einschränkungen im internationalen Handel könnten die Zuversicht von Unternehmern und Verbrauchern 2019 trüben.

Im Jahr 2020 wird sich das Wachstum des Bruttoinlandsproduktes (BIP) gemäß Prognosen mit einem Plus von 1,4 Prozent wieder stärker an das langfristige Wachstumspotenzial von 1,3 Prozent annähern. Die privaten Investitionen und der Konsum dürften das Wachstum weiter stützen, während die Staatsausgaben nach Regierungsplänen sinken sollen und die globale Konjunkturlage sich eintrüben könnte.

MKT201901028000.14

Wirtschaftliche Eckdaten Frankreichs
Indikator 2017 2018 Vergleichsdaten Deutschland 2017
BIP (nominal, Mrd. Euro) 2.248 2.285 3.277,3
BIP pro Kopf (Euro) 33.550 34.000 39.649
Bevölkerung (Mio.) 67,0 67,2 82,7

Quellen: Insee; Banque de France; Statistisches Bundesamt

Investitionen: Unternehmen und Staat wollen Investitionen 2019 ausweiten

Die Investitionsbereitschaft französischer Firmen ist hoch, die Finanzierungsbedingungen mit niedrigen Zinsen weiterhin günstig. Die Auslastungsgrade in der Industrie haben 2018 den höchsten Stand seit dem Krisenjahr 2008 erreicht. Seit Anfang des Jahres liegen sie konstant über 85 Prozent (im Oktober: 85,2 Prozent). In einer Befragung des Statistikamts Insee vom Oktober 2018 gaben Unternehmer aus der Industrie an, 2019 ihre Investitionen im Durchschnitt um 3,7 Prozent ausweiten zu wollen.

Auch die staatlichen Investitionen werden 2019 stärker zulegen. Dies betrifft vor allem die Infrastruktur, wo 2019 bis 2023 mit 13,7 Milliarden Euro etwa 40 Prozent mehr investiert werden soll als im Zeitraum 2014 bis 2018. Die Investitionen der Privathaushalte dürften sich 2019 zunächst kaum bewegen. Weniger Baugenehmigungen deuten auf eine Abschwächung im Wohnungsbau hin. Allerdings könnte das Gesetz zur Förderung des Wohnungsbaus (Loi Elan), das Ende November 2018 verabschiedet wurde, gekoppelt mit den Kaufkraftzuwächsen Impulse liefern.

Ausgewählte Großprojekte in Frankreich
Projektbezeichnung Investitionssumme (Mio. Euro) *) Projektstand Anmerkung/Ansprechpartner
Grand Paris Express, Region Paris 35.000 Neuer Zeitplan seit Februar 2018 Société du Grand Paris: http://www.societedugrandparis.fr/marches-publics
Grand Projet Ferroviaire du Sud-Ouest (Schnellzugtrassen Bordeaux-Toulouse und Bordeaux-Spanien) 9.000 für 1. Phase Bordeaux-Toulouse Entscheidung über neuen Zeitplan vor Jahresmitte 2018 SNCF: http://www.gpso.fr
Technische Aufrüstung des Bahnnetzes und Anpassung an Normen 4.500 Umsetzung bis 2022 Sicherheit von Bahnübergängen, Ausbau von Verkehrsleitsystemen (ERTMS), behindertengerechte Bahnsteige, Lärm- und Umweltschutz; http://www.sncf-reseau.fr
Canal Seine-Nord 4.500 Projekt im November 2018 bestätigt; Baubeginn vor 2022 107 km Kanal zwischen Compiègne und Aubencheul-au-Bac, http://www.canal-seine-nord-europe.fr
Erneuerung der Bahnstrecken Paris-Orléans-Limoges-Toulouse und Paris-Clermont 3.700 Umsetzung bis 2022 SNCF Réseau: http://www.sncf-reseau.fr
Vergnügungs- und Einkaufszentrum EuropaCity, Gonesse 3.100 Baugenehmigung ab Ende 2019 erwartet; Eröffnung 2027 mit Metroanschluss Handel, Büros, Hotels auf 79 ha, Finanziert durch Supermarktkette Auchan und Wanda (China); http://www.europacity.com
Olympische Spiele 2024, Paris 3.000 Erste Ausschreibungen laufen Unter Anderem Bau und Rückbau eines Schwimmstadions und des olympischen Dorfes; http://paris2024.org/fr/Node/1223
Disneyland, Paris 2.000 Ankündigung Anfang Februar 2018; Baubeginn 2019 Ausweitung des Parks Walt Disney Studios; http://disneylandparis-news.com
CDG Express, Paris 1.700 Zuschlag im November 2018 für Betrieb an Keolis und RATP; Ausschreibungen und Bauarbeiten ab 2019 Anbindung des Flughafens Charles-De-Gaulle an Paris; http://www.cdgexpress.com
Sanierung des Grand Palais, Paris 466 Schließung des Gebäudes und Baubeginn im Dezember 2020 http://www.grandpalais.fr
Projekt "Horizon", Raffinerie von Total in Donges 400 Genehmigung durch Gebietskörperschaft erteilt Bau einer Entschwefelungsanlage und einer Wasserstoffproduktion bis 2021; http://www.donges.total.fr

Quellen: Recherchen von Germany Trade & Invest; Pressemeldungen

Öffentliche Ausschreibungen werden im Bulletin officiel des annonces des marchés publics (http://www.boamp.fr) veröffentlicht.

Informationen zu EU-Binnenmarktausschreibungen unter http://www.gtai-EU-Ausschreibungen.de.

Konsum: Höhere Kaufkraft wird sich erst 2019 stärker auf den Konsum auswirken

Der Konsum wird 2019 von wachsender Beschäftigung sowie der Senkung von Steuern und Sozialabgaben angetrieben. Die Regierung erwartet für 2019 rund 170.000 neue Arbeitsplätze nach schätzungsweise 236.000 im Jahr 2018. Die Zentralbank ist für 2019 mit 117.000 Jobs weniger optimistisch. Aber auch sie erwartet 2019 eine Belebung der Kaufkraft durch wachsende Löhne und niedrigere Sozialabgaben. Als Reaktion auf die Protestbewegung der sogenannten Gelbwesten, die landesweit soziale Ungerechtigkeit in Frankreich anprangern, werden Steuern auf Kraftstoffe bis Ende 2019 nicht erhöht. Der Mindestlohn erfährt neben der Inflationsanpassung eine Anhebung um 100 Euro. Privatunternehmen sollen Beschäftigten Prämien erteilen, auf die der Staat keine Abgaben erheben will. Dies wird der Kaufkraft einen weiteren Schub verleihen. Ein Teil des Privatkonsums wird sich vom Jahresende 2018 ins neue Jahr verschieben.

Außenhandel: Importe werden 2019 anziehen

Die Konjunkturschwäche in der ersten Jahreshälfte 2018 hat die Importe belastet. Sie haben sich aber im Jahresverlauf wieder erholt und dürften im Gesamtjahr real um 1,6 Prozent zulegen. Im Zeitraum Januar bis Oktober 2018 stiegen die Importe nominal um 3,2 Prozent und die Exporte um 4,4 Prozent. Trotz der Unwägbarkeiten des Brexits und der globalen Konjunkturabkühlung erwartet die Banque de France 2019 ein Importwachstum von 3,4 Prozent nach lediglich 1,6 Prozent 2018. Die robusten Unternehmensinvestitionen und der Privatkonsum treiben die Einfuhren an.

Die Exporte sollen ihr Tempo 2019 etwa beibehalten mit einem Plus von real 3,6 Prozent. Durch das stärkere Importwachstum werden sie aber nicht mehr zum Wirtschaftswachstum beitragen. Die Exporte sind nicht nur wegen des ungewissen Brexit-Ausgangs 2019 mit großer Unsicherheit behaftet. Das Ende der Niedrigzinspolitik in den USA und der EU könnte die Konjunkturentwicklung in Schwellenländern belasten.

Außenhandel Frankreichs (in Mio. Euro; Veränderung in %) *)
2016 2017 Veränderung 2017/2016
Importe 509.647 545.671 +7,0
Exporte 442.934 463.836 +4,5
Handelsbilanzsaldo -66.713 -81.835 -

*) CIF ohne militärische Güter

Quelle: Direction Générale des douanes et des droits indirects

Weitere Informationen (zum Beispiel SWOT-Analyse, Branchenberichte) finden Sie unter http://www.gtai.de/frankreich

Dieser Artikel ist relevant für:

Frankreich Außenwirtschaft, allgemein, Wirtschaftslage, -entwicklung, allgemein, Sozialprodukt / Volkseinkommen / BIP / BSP, Investitionen (Inland), Investitionsklima, allgemein, Konjunktur, allgemein, Konsum / Konsumentenverhalten, Produktion / Produktivität

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