Wirtschaftsausblick

08.04.2019

Wirtschaftsausblick - Georgien (April 2019)

Inhalt

Wirtschaft wächst dynamisch weiter / Von Uwe Strohbach

Tiflis (GTAI) - Georgiens anziehende Konjunktur stützt sich auf ein breites Fundament. Der Ausbau des Transport-, Energie- und Tourismussektors sowie der Wasserversorgung bietet Kooperationschancen.

Wirtschaftsentwicklung: Wachstum von bis zu 5 Prozent realistisch

Georgien erwartet auf mittlere Sicht ein beachtliches Wirtschaftswachstum: Für das Jahr 2019 prognostizieren die Weltbank und der Internationale Währungsfonds ein Plus von 5,0 und 4,6 Prozent. Die Regierung Georgiens rechnet mit einem Zuwachs von 4,5 Prozent. Für die Folgejahre sind ähnliche Wachstumsraten realistisch.

Die positiven Wachstumsaussichten basieren auf einer breiten Basis: einem florierenden Tourismus, regen Investitionen, einem sich belebenden Konsum, guten Aussichten für die Industrie, das Transportgewerbe, die Dienstleistungssparten Immobilien- und unternehmensnahe Dienste und nicht zuletzt den Export. Ausländische Unternehmen profitieren von der wachsenden Nachfrage nach Waren und Dienstleistungen. Die georgische Wirtschaft ist stark importlastig.

Ungeachtet des positiven Ausblicks reizt das südkaukasische Land sein Wachstumspotenzial nicht aus. In letzter Zeit lässt sich in der Entwicklung der Gesamtwirtschaft eine wachsende Abhängigkeit vom Tourismus- und Hotelgewerbe beobachten. Die Erlöse aus dem Incoming-Tourismus haben sich im Jahr 2018 mit einem Volumen von 3,2 Milliarden US-Dollar (US$) innerhalb von fünf Jahren verdoppelt.

Der Ausbau anderer Branchen, darunter vor allem der Ernährungswirtschaft und anderer wichtiger Industriezweige, kommt nicht im gewünschten Tempo voran. Die Exporte ohne Berücksichtigung von Reexporten erreichten 2018 bescheidene 2,3 Milliarden US$ und machen nur einen Bruchteil der Importe aus. Marktbeobachter begründen den schleppenden Abbau der Strukturdefizite und des beträchtlichen Handelsbilanzdefizites mit einer unzureichenden Fokussierung der Regierung auf eine wachstumstreibende und nachhaltige Wirtschaftsentwicklung.

MKT201904058004.14

Wirtschaftliche Eckdaten Georgiens
Indikator 2017 2018 Vergleichsdaten Deutschland 2018
BIP (nominal, Mrd. US$) 15,1 16,2 4.001,5
BIP pro Kopf (US$) 4.047 4.346 48.269
Bevölkerung (31.12.; Mio.) 3,7 3,7 82,9
Wechselkurs (Jahresdurchschnitt, 1 US$ = ... Lari, GEL) 2,5129 2,5403 -

Quellen: Geostat, Statistisches Bundesamt

Investitionen: Investitionsneigung bleibt hoch

Die Bruttoanlageinvestitionen entwickeln sich erfreulich. Im Jahr 2018 betrugen sie 4,8 Milliarden US$ nach 4,5 Milliarden US$ im Vorjahr. 2019 könnten sie die 5-Milliarden-US$-Marke überschreiten. Allerdings stellt die seit Anfang 2019 stärker regulierte Kreditvergabe für natürliche Personen ein Risiko für Wohnungsbauinvestitionen dar.

Die ausländischen Direktinvestitionen schrumpften 2018 gegenüber 2017 um 0,7 Milliarden US$ auf 1,2 Milliarden US$. Ursachen für den Rückgang sind der Abschluss eines Pipelineprojektes und der vollständige oder Teilerwerb von ausländischen Unternehmen durch georgische Firmen. Hinzu kommen regulative Probleme wie zum Beispiel langwierige bürokratische Verfahren und Abstimmungen, zu strenge Regularien im Baugewerbe, Kaufverbot von Agrarflächen für Ausländer und schleppende Klärung offener Fragen für den Bau von Wasserkraftwerken.

In den kommenden zwei Jahren dürften die ausländischen Direktinvestitionen abhängig vom Projektfortschritt in allen Branchen 1,0 Milliarden bis 1,4 Milliarden US$ erreichen. Ein gutes Investitionsklima mit niedrigen Steuern sowie günstigen Lohn- und Lohnnebenkosten spricht für den Investitionsstandort Georgien. Nachholbedarf gibt es bei der Aus- und Weiterbildung und der Reformierung des Gerichtswesens.

Ausgewählte Großprojekte in Georgien
Projektbezeichnung Investitionssumme (Mio. US$) Projektstand Anmerkung/Kontaktpartner
Autobahn Ost-West (Gesamttrasse Tsiteli-Khidi-Sarpi: 450 km; Teiltrassen führen über sehr bergiges Relief) 3.000 bis 3.200 (Etat 2019: 353) Bauphase: 2006/2007 bis 2022 (Realisierungsquote per 1.1.19: etwa 50%; weitere Ausschreibungen in der Planung) Straßenbehörde Roads Department Georgia (http://www.georoad.ge), Finanzierung vorrangig über ausländische Kredite (ADB, EIB, JICA und Weltbank)
Petrochemiekomplex Supsa (Verarbeitung von 5 Mio. t Rohöl jährlich) bis zu 3.000 FEED und Umweltgutachten im Jahr 2019 geplant, zz. auch Suche nach Investoren Geopars Company (iranisch-georgisches Joint Venture mit Sitz in Tiflis; Kontakt über http://www.fryona.com oder l.k.@fryona.com)
Wasserkraftwerk Nenskra am Enguri (280 MW) 1.300 zz. infrastrukturelle Erschließung des Geländes (Straßen, Brücken, Stromversorgung); geplante Fertigstellung: 2025 JSC Nenskra Hydro (Partner: K Water, Korea (Rep.), 80% und Partnerschaftsfonds Georgiens, 20%, http://www.nenskrahydro.ge), Bauauftragnehmer (EPC): Salini Impreglio S.p.A.; Kofinanzierung über Kredite der EBRD, ADB, EIB und KDB (758 Mio. US$)
Wasserkraftwerk Namakhvani (333 und 100 MW) 750 voraussichtlicher Baustart: 2019, Bauzeit: vier Jahre Auftragnehmer: ENKA Insaat ve Sanay A.S., Türkei, Clean Energy Group AS, Norwegen (http://www.namakhvani.com)
Neuer Tiefseehafen Anaklia, Phase 1 (Umschlagkapazität bis zu 900.000 TEU und bis zu 1,5 Mio. Güter) 600 Bauphase: Dezember 2017 bis Ende 2021 Konsortium Anaklia Development (Hauptpartner: Conti International LLC, USA, und TBC Holding, Georgien; http://www.anakliadevelopment.com); zugesagte Kofinanzierung durch die DEG/KfW (Deutschland) und FMO (Niederlande)
Projekt Batumi Riviera, Batumi (Hochhaus-Komplex,2 Hotels, 4 Apartment-Häuser, Jachtklub, Swimming Pools, künstlicher See) 250 bis 300 (Phase 1: 65) Projekt in fortgeschrittener Vorbereitungsphase, Baustart soll in Kürze erfolgen Silk Road Group (http://www.silkroadgroup.net), Georgian Co-Investment Fund (http://www.gcfund.ge)
Projekt Green City Kobuleti an der Schwarzmeerküste auf einer Fläche von 180 ha 1) 185 (1. Phase) Bauphase: 2019 bis 2021/22; zz. Suche nach weiteren Investoren Projektmanager: Green Resort Kobuleti (Tschechien/Georgien; http://www.greenresort.cz, http://www.gr.ge)
Gas- und Dampfkraftwerk in Gardabani (TPP-2; 230 MW) 160 Bauphase: Mai 2018 bis 2020 Investor: GOGC (Georgian Oil and Gas Company; http://www.gogc.ge),Generalauftragnehmer: China TCC
Neuer Hafen und Terminal im Seehafen Poti 120 Bauphase: 2019 bis 2020/21 OPIC (USA, Kofinanzierung: 50 Mio. US$; http://www.opic.gov), Bauausführung: PEI Group

1) Hotel mit 250 Zimmern, Ferienhäuser/Bungalows, Restaurants, Sportanlagen (Fußballstadion/FIFA-Standard, Golf- und Tennisplätze, Radwege), Wellnessobjekte (unter anderem Schwimmbad), Einkaufszentrum

Quellen: Recherchen von Germany Trade & Invest; Pressemeldungen

Online-Ausschreibungsdatenbank: https://tenders.procurement.gov.ge

Informationen zu aktuellen geberfinanzierten Projekten unter http://www.gtai.de/georgien, "Ausschreibungen" und "Entwicklungsprojekte".

Konsum: Verbraucher lassen mehr Geld im Einzelhandel

Das Verbrauchervertrauen wächst durchschnittlich seit Mitte 2017, bleibt aber insgesamt schwach. Vom Wirtschaftsaufschwung profitiert nur ein kleiner Teil der Bevölkerung. Bis zu zwei Drittel der Einwohner gelten als arm. Die Arbeitslosenrate beträgt offiziell 12,7 Prozent und inoffiziell mehr als 20,0 Prozent (2018). Dennoch legt der Einzelhandel zu, 2018 gegenüber 2017 nominal um 17,0 Prozent und real um 15,5 Prozent. Das Handelsvolumen betrug 5,6 Milliarden US$ (Angaben ohne Kfz-Handel).

Treiber sind gestiegene Geldüberweisungen der georgischen Gastarbeiter aus dem Ausland (2018: 1,6 Milliarden US$), der boomende Incoming-Tourismus, die im Trend zunehmende Beschäftigung sowie das steigende Verbraucherinteresse an Einkäufen in modernen Geschäften. Der wachsende Einzelhandel spiegelt auch das hohe Gewicht der Schattenwirtschaft wider. Der positive Trend im Handel dürfte sich 2019 etwas gedrosselt fortsetzen. Strengere Vergaberegeln für Verbraucherdarlehen bremsen kreditfinanzierte Käufe von langlebigen Konsumgütern.

Außenhandel: Ein- und Ausfuhren steigen weiter

Georgiens 2018 erzielter Exportzuwachs geht auf das Konto gestiegener Pkw-Reexporte, höherer Preise für Kupfer und Ferrolegierungen sowie gewachsener Ausfuhren von Getränken und Agrargütern. Letztere legten gegenüber 2017 um 23 Prozent auf 959 Millionen US$ zu. Für 2019 erwarten Marktkenner ein nominales Exportplus von 12 bis 16 Prozent.

Der Importzuwachs basierte auf Mehreinfuhren von Pkw (für den Reexport) sowie von Computer- und Telekommunikationstechnik und höheren Preisen für mineralische Produkte. Die Importe aus der EU stiegen 2018 im Vergleich zu 2017 um fast ein Fünftel auf 2,6 Milliarden US$. Für 2019 wird ein nominales Plus von 8 bis 12 Prozent prognostiziert. Hierfür sprechen neue Investitionsprojekte in vielen Branchen und eine steigende Nachfrage nach Konsumgütern.

Die Importe übersteigen die Exporte traditionell um ein Mehrfaches. Georgien muss das Gros seines Bedarfs an strategischen Ressourcen (Energieträger/Rohstoffe), Nahrungsgütern und Ausrüstungen einführen. Die Exporte konzentrieren sich auf wenige Positionen wie Kupfererze und -konzentrate, Pkw (Reexport), Ferrolegierungen, Wein, Spirituosen und Mineralwasser sowie Tabakwaren. Hauptbezugsländer waren 2018 die Türkei (1,5 Milliarden US$), Russland (936 Millionen US$) und China (834 Millionen US$). Deutsche Firmen lieferten Waren für 431 Millionen US$. Unter den Ausfuhrländern dominierten Aserbaidschan (503 Millionen US$), Russland (437 Millionen US$) und Armenien (285 Millionen US$).

Außenhandel Georgiens (in Mio. US$; nominale Veränderung in %)
2017 2018 Veränderung 2018/2017
Warenimporte 7.937 9.121 14,9
Warenexporte 2.736 3.355 22,6
Handelsbilanzdefizit 5.203 5.766 10,8

Quelle: Geostat

Weitere Informationen (zum Beispiel SWOT-Analyse, Branchenberichte) finden Sie unter HYPERLINK "http://www.gtai.de/georgien

" http://www.gtai.de/georgien

Dieser Artikel ist relevant für:

Georgien Außenwirtschaft, allgemein, Wirtschaftslage, -entwicklung, allgemein, Sozialprodukt / Volkseinkommen / BIP / BSP, Investitionen (Inland), Investitionsklima, allgemein, Konjunktur, allgemein, Konsum / Konsumentenverhalten, Produktion / Produktivität

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