Wirtschaftsausblick

24.01.2019

Wirtschaftsausblick - Ghana (Januar 2019)

Inhalt

Das Ölwachstum überdeckt ansonsten mäßige Konjunktur / Von Carsten Ehlers

Accra (GTAI) - Im Jahr 2019 erwarten Experten in Ghana ein zufriedenstellendes Wirtschaftswachstum. Gleichwohl stagniert für viele deutsche Unternehmen das Geschäft.

Wirtschaftsentwicklung: Ölprojekte bringen Wachstum

Für 2019 prognostiziert Economist Intelligence Unit (EIU) ein Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 6 Prozent. Im darauffolgenden Jahr 2020 werden nur noch etwa 4,8 Prozent Zunahme erwartet. 6 Prozent erscheinen nicht schlecht, reichen aber bei einem Bevölkerungswachstum von jährlich mehr als 2 Prozent nicht aus, um die Lebensverhältnisse der Bevölkerung spürbar zu verbessern. Auch resultiert das BIP-Plus recht einseitig aus der Ölproduktion.

Wenig Dynamik herrscht bei den wichtigen Devisenbringern Gold und Kakao. Der Goldbergbau leidet unter dem niedrigen Weltmarktpreis für das Edelmetall und der Kakaosektor hat mit strukturellen Problemen zu kämpfen, die eine Ausdehnung des Anbaus behindern. Wirtschaftsvertreter aus den Bereichen Bau, Handel oder Industrie schätzen die Konjunkturlage zurückhaltend ein.

In einer Umfrage der European Business Organization (EBO) unter fast 100 in Ghana ansässigen europäischen Unternehmen bewerteten 59 Prozent das Geschäftsklima als zufriedenstellend bis gut und 41 Prozent als schlecht. Mittelfristig sind die Unternehmen optimistischer. Insbesondere durch steigende Weltmarktpreise für Öl und Gold kann sich das Geschäftsklima jederzeit verbessern.

Die Regierung unter Präsident Nana Akufo-Addo (New Patriotic Party; NPP) gibt sich wirtschaftsfreundlich. Kritisiert wurde hingegen die als intransparent empfundene Einführung von Local content-Regeln zum Beispiel im Energiesektor. Auch fehlt durch die hohe Staatsverschuldung Geld unter anderem für Infrastrukturmaßnahmen. Private Beteiligungen und das Engagement der Geber sind daher gefragt. Auch die deutsche Regierung unterstützt Ghana stark. Über Programme wie den "G20 Compact with Africa" und der daraus entstandenen Reformpartnerschaft fließen 100 Millionen Euro zusätzlich.

MKT201901238001.14

Wirtschaftliche Eckdaten Ghanas
Indikator 2017 2018 Vergleichsdaten Deutschland 2017
BIP (nominal, Mrd. US$) 59,0 63,8 *) 3.702,4
BIP pro Kopf (US$) 1.663 *) 1.787 *) 44.791
Bevölkerung (Mio.) 28,8 29,5 *) 82,8
Wechselkurs (Jahresdurchschnitt, 1 Euro = ... Ghana-Cedi; GHc) 4,91 5,44 -

*) Schätzung

Quellen: EIU; Internationaler Währungsfonds (IWF); Statistisches Bundesamt

Investitionen: Aker Energy findet Öl in Cape Three Points

Positiv ragen die Aktivitäten im Öl- und Gassektor heraus, wo Tullow Oil und Eni größere Vorhaben umsetzen. Zuletzt startete die norwegische Aker erfolgreich die Suche nach Vorkommen. Die Stromversorgung wird ebenfalls stark ausgebaut. Private Investoren errichten mehrere thermische Kraftwerke. Auch die beiden Häfen in Tema und Takoradi werden derzeit umfangreich erweitert. Hingegen herrscht in den Bereichen Bergbau, Landwirtschaft, Bau und Industrie eine abwartende Haltung vor.

Unter anderem Bosch, Thyssenkrupp, Krones, Hapag-Lloyd und Kühne + Nagel gründeten zuletzt neue Präsenzen. B. Braun und Lapp Kabel planen dies. Im Gespräch ist auch ein Montagewerk von Volkswagen bei Accra. Ansonsten gibt es deutsche Investitionen von HeidelbergCement, die mehrheitlich am größten Zementhersteller Ghacem beteiligt sind, und Peelco, ein deutscher Zulieferer von Edeka-Supermärkten, der eine Farm für Tropenfrüchte betreibt.

Ausgewählte Großprojekte in Ghana
Projektbezeichnung Investitionssumme (in Mrd. US$) Projektstand Anmerkung/Ansprechpartner
Erweiterung des Hafens Tema 1,5 In der Durchführung. Großteil der Aufträge ist bereits vergeben. Mitte 2015 erhielt Meridian Port Services (MPS) eine über 35 Jahre laufende Konzession für den Ausbau und Betrieb des Hafens in Tema. Mit 70% sind Bolloré Africa Logistics (BAL) und APM Terminals beteiligt.
Early Power Independent Power Producer (IPP); vorher Bridge Power 1,0 Im Bau. Bau eines Combined-Cycle-Gaskraftwerks bei Tema. Kapazität: 200 Megawatt (MW). Investor: privates Konsortium mit Endeavor Energy und GE.
Rotan Power IPP k.A. Geplant. Fertigstellung soll bis 2025 erfolgen. Baugenehmigung von der Regierung für den Bau in Aboadze erhalten. Kapazität: 300 MW. Mehrheitseigner: Endeavor Energy. Siemens ist im Gespräch als Zulieferer von Technologie.
MCC "Power Compact" rund 0,5 Befindet sich in der Durchführung und läuft bis 2021. Projektinitiator ist die US-amerikanische Millennium Challenge Corporation (MCC). Ziel ist die strukturelle Stärkung des Stromsektors. Beschaffungen werden durch die extra gegründete Millennium Development Authority (MiDA) durchgeführt.
Exchange Project 0,150 Derzeit Baustopp. Fertigstellung verzögert sich immer wieder. In Accra werden auf circa 60.000 Quadratmeter exklusive Büros, ein Einkaufszentrum sowie Wohnungen errichtet. Finanzierung kommt von Mabani Holdings und Actis. Baudurchführung durch MSF Construction.
Ahafo-Mine-Extension-Project von Newmont 0,3 Wird durchgeführt und soll 2019 abgeschlossen werden. Erschließung der Subika-Mine für den Untertagebau sowie Kauf von neuen Goldverarbeitungsanlagen.

Quellen: Recherchen von Germany Trade & Invest; Pressemeldungen

Informationen zu aktuellen geberfinanzierten Projekten unter http://www.gtai.de/ghana, "Ausschreibungen" und "Entwicklungsprojekte".

Konsum: Bevölkerungswachstum sorgt für steigenden Bedarf

Bei einer Bevölkerungszunahme von jährlich mehr als 600.000 Menschen ist der Konsumgütermarkt auch bei mäßiger Gesamtkonjunktur von Interesse. Gerade weil die stagnierende lokale Landwirtschaft die stetig steigende Nachfrage nach Nahrungsmitteln nicht bedienen kann, muss viel importiert werden. Auch andere Konsumsparten wachsen, wie Beauty/Hygiene oder Mobilfunk. Hingegen verzeichnete der Kfz-Markt zuletzt Einbußen. Statt Neuwagen wurden verstärkt gebrauchte Pkw gekauft.

Die lokale Konsumgüterindustrie investiert nach einigen schlechteren Jahren wieder in die Modernisierung ihrer Anlagen. Getränkehersteller Kasapreko baut eine Fabrik in Kumasi. Hier bestehen für deutsche Unternehmen gute Lieferchancen. Abgeflaut hat sich die Stimmung im Einzelhandel, der in den Jahren 2005 bis 2016 einen Investitionsboom durchgemacht hatte. Viele Geschäfte haben derzeit Probleme, sich über Wasser zu halten.

Außenhandel: Zuletzt gingen die Lieferungen aus Deutschland deutlich zurück

Für die deutsche Wirtschaft bleibt Ghana trotz zuletzt deutlich rückläufiger Exportzahlen einer der größten Absatzmärkte in Subsahara-Afrika. Laut Angaben des Statistischen Bundesamtes wurden von Januar bis Oktober 2018 Waren im Wert von 199,8 Millionen Euro aus Deutschland ausgeführt. Das entspricht einem Rückgang von knapp 10 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Bereits 2017 ging das Ausfuhrvolumen um mehr als 12 Prozent zurück. Geliefert werden nach Ghana vor allem Maschinen, Kfz, Chemikalien, technische Komponenten und Nahrungsmittel.

Als Warenverteilungszentrum für die Region Westafrika eignet sich Ghana nur eingeschränkt. Das liegt unter anderem daran, dass der Warenverkehr innerhalb der westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft ECOWAS immer noch nicht reibungslos über die Grenzen abläuft. Ghana ist von frankofonen Ländern umgeben, mit denen sich die wirtschaftlichen Verflechtungen in Grenzen halten.

Außenhandel Ghanas (in Mio. US$; Veränderung in %)
2017 2018 *) Veränderung 2018/17
Importe 12.647 13.943 10,2
Exporte 13.835 14.965 8,2
Handelsbilanzsaldo 1.188 1.022 -

*) Schätzung

Quelle: EIU

Weitere Informationen (zum Beispiel SWOT-Analyse, Branchenberichte) finden Sie unter http://www.gtai.de/ghana

Dieser Artikel ist relevant für:

Ghana Außenwirtschaft, allgemein, Wirtschaftslage, -entwicklung, allgemein, Sozialprodukt / Volkseinkommen / BIP / BSP, Investitionen (Inland), Investitionsklima, allgemein, Konjunktur, allgemein, Konsum / Konsumentenverhalten, Produktion / Produktivität

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Samira Akrach

‎+49 228 24 993 238

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