Wirtschaftsausblick

29.06.2018

Wirtschaftsausblick - Griechenland (Juni 2018)

Inhalt

Griechenland wird in die wirtschaftliche Freiheit entlassen / Von Michaela Elena Balis

Athen (GTAI) - Ende August 2018 endet das Rettungsprogramm für Hellas. Dann muss das krisengeschüttelte Land sich wieder selbst finanzieren. Die Wirtschaftsleistung soll im laufenden Jahr um 1,9 Prozent zunehmen. Zum Wachstum dürften vor allem der Tourismus, die Exporte und die Investitionen beitragen. Große Bahn-, Straßen- und Energieprojekte werden schrittweise umgesetzt.

Wirtschaftsentwicklung: Langsam erholt sich die griechische Wirtschaft

Am 20. August 2018 wird Hellas den Rettungsschirm der Europäischen Union (EU) nach acht Krisenjahren verlassen. Nach langen Verhandlungen wurde die vierte Überprüfung des dritten und letzten Hilfsprogramms am 22. Juni erfolgreich abgeschlossen. Das bedeutet aber nicht das Ende der Strukturreformen, der Rentenkürzungen und Steueranhebungen, die auch weiterhin fortgesetzt werden.

Vereinbart wurde eine letzte Tranche an Athen in Höhe von 15 Milliarden Euro aus dem laufenden Rettungsprogramm. Davon werden rund 9,6 Milliarden Euro für die Aufstockung des sogenannten "Cash Buffer", des insgesamt 24,1 Milliarden Euro schweren Liquiditätspuffers dienen. Falls die Konditionen auf den internationalen Kapitalmärkten zu schlecht sind, schreib die Zinsen zu hoch, kann Hellas auf dieses Geld zurückgreifen. Dem Land wurde außerdem eine Verlängerung der Kreditlaufzeiten um zehn Jahre zugebilligt, um die Schuldenlast zu erleichtern und damit langfristig tragbar zu machen.

Abgemacht wurde auch eine "verstärkte Beobachtung" seitens der EU-Partner, um die Einhaltung der finanzwirtschaftlichen Ziele regelmäßig zu überprüfen.

Die Ergebnisse und Aussichten für die griechische Wirtschaft sprechen für einen reibungslosen Verlauf nach den Rettungsprogrammen. Das Bruttoninlandsprodukt stieg im Jahr 2017 um 1,4 Prozent, zum ersten Mal seit 2014. Allerdings: Im Vergleich zum Vorkrisenjahr 2009 hat das Land ein Viertel seiner Wirtschaftskraft verloren.

Zum derzeitigen Wachstum trägt in erster Linie der Tourismus bei. Im Jahr 2017 wurden zum Vorjahr 8 Prozent mehr ausländische Besucher registriert, die Einnahmen kletterten sogar um etwa 11 Prozent nach oben, so die griechische Zentralbank. Die Zahl der Touristen soll im Jahr 2018 noch stärker zunehmen, um etwa 10 Prozent, so die Prognosen.

Im 1. Quartal 2018 wuchs das Bruttoinlandsprodukt um 2,3 Prozent im Vergleich zur Vorjahresperiode. Die Steigerung ist auf zunehmende Warenexporte von 7,6 Prozent zurückzuführen. Der Konsum und die Bruttoanlageinvestitionen waren rückläufig.

MKT201806288006.14

Wirtschaftliche Eckdaten Griechenlands
Indikator 2016 2017 Vergleichsdaten Deutschland 2017
BIP (nominal, Mrd. Euro) 174,2 177,7 3.263,4
BIP pro Kopf (Euro) 16.154 - 39.475
Bevölkerung (Mio.) 10,8 10,7 82,7

Quellen: Griechisches Statistisches Amt Elstat; Statistisches Bundesamt, Eurostat

Investitionen: Großprojekte geplant

Die Bruttoanlageinvestitionen werden gemäß EU-Erwartungen im Jahr 2018 real um 10,3 Prozent steigen. Damit fallen die revidierten Prognosen der Europäischen Kommission im Mai 2018 etwas niedriger als im Winter 2017 aus. Für 2019 prognostiziert die EU-Kommission einen weiteren Zuwachs um 12,1 Prozent.

Im vergangenen Jahr sorgten vor allem die Investitionen des Tourismussektors in neue Transportmittel für einen Anstieg bei den Bruttoanlageinvestitionen. Diese haben sich zum Vorjahreszeitraum fast verdoppelt.

Für das öffentliche Investitionsprogramm hat die griechische Regierung rund 6,8 Milliarden Euro veranschlagt. Etwa 5,8 Milliarden Euro sind für Projekte vorgesehen, die von der EU kofinanziert werden. Im Jahr 2017 wurden rund 6,2 Milliarden Euro dafür genutzt, ein halbe Milliarde Euro weniger als geplant. Im Mittelpunkt stehen Infrastrukturprojekte sowie die Förderung des verarbeitenden Gewerbes, des Tourismus, der Gesundheitsbranche und des Umweltschutzes.

Aus dem griechischen Privatisierungsprogramm sollen im Jahr 2018 etwa 2,7 Milliarden Euro in die Staatskasse fließen. Auf dem Plan stehen unter anderem die Veräußerung eines Anteils von 17 Prozent an der Stromgesellschaft PPC sowie die Privatisierungen der Erdölgesellschaft Hellenic Petroleum und der Erdgasgesellschaft Depa.

Ausgewählte Großprojekte in Griechenland
Projektbezeichnung Investitionssumme (Mio. Euro) Projektstand Anmerkung/Ansprechpartner
"Egnatia Railway", Bau einer Bahnstrecke Alexandroupolis-Igoumenitsa 10.000 Projektstart für 1. Quartal 2019 geplant; voraussichtliche Bauzeit: 15 Jahre Erga OSE S.A., Tel. 0030 210/528 31 10;E-Mail: info@ergose.gr; Internet: https://www.ergose.gr/wp-content/uploads/2018/04/Sidirodromiki_Egnatia.pdf
Bau einer doppelten Hochgeschwindigkeitsbahnstrecke Tithorea-Domokos, (106 km) 1.800 Fertigstellung voraussichtlich bis Ende 2018; Bau des Abschnitts Lianokladi-Domokos Erga OSE S.A., Tel. 0030 210/528 31 10;E-Mail: info@ergose.gr, Internet: http://www.ergose.gr/view_32#sthash.qsjw4XzE.dpuf Finanzierung: Connecting Europe Facility
"Western Peloponnese Railway, Ports and Roads", Bau und Ausbau der Bahnstrecke, der Autobahnen und der Häfen im westlichen Peloponnes 850 Projektstart 2018 geplant; Bauzeit: 15 Jahre Erga OSE S.A., Tel. 0030 210/528 31 10;E-Mail: info@ergose.gr; Internet: https://www.ergose.gr/wp-content/uploads/2018/04/Dytikos_axonas_pelloponissou.pdf
Ausbau der Athener Ringstraße "Attiki Odos" von der Ringstraße Ymittos bis zur Vouliagmenis Straße (3 km) 450 Verhandlung des griechischen Ministeriums mit der EU über die Finanzierung soll 2019 abgeschlossen werden Ministerium für Infrastruktur und Transport, Abteilung für die Planung der Infrastruktur und der Konzessionsverträge, Direktor, Herr Yannis Bakoyannis, Tel. 0030 210/699 22 98, E-Mail: dpysp@ggde.gr; Internet: http://www.yme.gr
Modernisierung, Verbesserung, Ausbau von 14 regionalen Flughäfen 330 Arbeiten im Gang Fraport Greece, Herr Yannis Papazoglou (Public Relations Manager), Tel. 0030 211/212 11 91; E-Mail: Y.Papazoglou@fraport-greece.com; Internet: http://www.fraport-greece.com/eng
Anbindung Kretas an das kontinentale Stromnetz im Peloponnes 324 Aufteilung in zwei Projekte; Ausschreibungen liefen bis zum 26. Juni 2018; Fertigstellung bis 2020 geplant. Admie S.A., Tel. 0030 210/519 28 02, E-Mail: info@admie.gr; Internet: http://www.admie.gr/diakiryxeis/diakiryxi/article/3203/ und http://www.admie.gr/diakiryxeis/diakiryxi/article/3202/
Ausbau des Hafens von Lavrio (Attika) und Anbindung an das Bahn- und Straßennetz 285 Projektstart für 2018 geplant; Bauzeit: 48 Monate Erga OSE S.A., Tel. 0030 210/528 31 10;E-Mail: info@ergose.gr; Internet: https://www.ergose.gr/wp-content/uploads/2018/04/Koropi_Lavrio.pdf

Quellen: Recherchen von Germany Trade & Invest; Pressemeldungen

Informationen zu EU-Binnenmarktausschreibungen unter http://www.gtai-EU-Ausschreibungen.de.

Konsum: Vermögenswerte werden aufgebraucht

Das verfügbare Einkommen der griechischen Haushalte reicht nicht aus, um den Konsum zu finanzieren. Das zeigt eine aktuelle Studie der Analyseabteilung Eurobank Research der gleichnamigen Bank. Zwischen 2011 und 2017 hätten die Griechen Vermögenswerte von 33 Milliarden Euro verflüssigt, um ihre Ausgaben zu finanzieren, heißt es in dem Papier, das am 8. Mai 2018 veröffentlicht wurde. Gleichzeitig sind die Konsumausgaben zwischen 2008 bis 2017 jedoch um etwa ein Viertel eingebrochen.

Für das Jahr 2018 prognostiziert die EU-Kommission ein moderates Wachstum des privaten Konsums von real 0,5 Prozent. Im vergangenen Jahr stagnierte der Verbrauch wegen höherer Steuerausgaben und der niedrigen Gehälter. Hat ein Arbeitnehmer in der Privatwirtschaft im Jahr 2013 noch durchschnittlich 1.113 Euro pro Monat verdient, waren es 2016 nur noch knapp 960 Euro.

Außenhandel: Wachsende Exporte für Deutschland

Gemäß den EU-Prognosen sollen die griechischen Importe und Exporte von Waren und Dienstleistungen im Jahr 2018 um 5,5 Prozent beziehungsweise um 5,7 Prozent zulegen. Für 2019 sollen es jeweils 4,4 und 4,6 Prozent sein.

Im 1. Quartal 2018 gingen die Wareneinfuhren um rund 2 Prozent im Vergleich zur Vorjahresperiode zurück, so das europäische Statistikamt Eurostat. Die griechischen Exporte legten im gleichen Zeitraum um rund 13,3 Prozent zu, so Eurostat.

Wichtigster Handelspartner Griechenlands bleibt Deutschland. Dicht auf den Fersen folgt Italien, größter Abnehmer griechischer Produkte. An dritter Stelle steht die Russische Föderation. Auch mit der Türkei hat Hellas einen regen Warenaustausch: Das Nachbarland landet auf dem vierten Platz. China steht auf Platz acht.

Aus Deutschland stammen etwa ein Drittel der importierten Kfz sowie ein Viertel der Milchprodukte, der Metallverarbeitungsmaschinen und der Arzneimittel. Die deutschen Ausfuhren legten im 1. Quartal 2018 um 9,2 Prozent zu. Die griechischen Lieferungen nach Deutschland fielen um 1,2 Prozent.

Außenhandel Griechenlands (in Mrd. Euro; Veränderung in %)
2016 2017 Veränderung 2017/2016
Importe 44,2 50,3 13,9
Exporte 25,5 28,9 13,3
Handelsbilanzsaldo -18,7 -21,4 -

Quelle: Eurostat

Weitere Informationen (zum Beispiel SWOT-Analyse, Branchenberichte) finden Sie unter http://www.gtai.de/griechenland

Dieser Artikel ist relevant für:

Griechenland Außenwirtschaft, allgemein, Wirtschaftslage, -entwicklung, allgemein, Sozialprodukt / Volkseinkommen / BIP / BSP, Investitionen (Inland), Investitionsklima, allgemein, Konjunktur, allgemein, Konsum / Konsumentenverhalten, Produktion / Produktivität

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