Wirtschaftsausblick

13.06.2019

Wirtschaftsausblick - Griechenland (Mai 2019)

Inhalt

Wirtschaft wächst um rund 2 Prozent / Von Michaela Elena Balis

Athen (GTAI) - Die Wirtschaft Griechenlands wird voraussichtlich auch in diesem Jahr nur moderat wachsen. Anfang Juli wählen die Griechen vorzeitig ein neues Parlament.

Große Herausforderungen für neue Regierung

Die Europäische Kommission sagt für das Jahr 2019 ein Wachstum des Bruttoninlandsproduktes um 2,2 Prozent voraus. Haupttreiber dürften erneut die Nettoexporte sein. Die moderate Erholung macht sich bei der Arbeitslosenquote bemerkbar, die seit 2015 kontinuierlich zurückgeht und 2019 bei 18,2 Prozent liegen wird, so die Prognose der EU-Kommission. Im Jahr 2014 war noch jeder Vierte im Land arbeitslos. Allerdings ist die Arbeitslosigkeit auch deshalb zurückgegangen, weil eine halbe Million Griechen das Land verlassen haben, um im Ausland Arbeit zu suchen.

Die Binnennachfrage nach Konsum- und Investitionsgütern bleibt weiterhin schwach. Unternehmen haben im vergangenen Jahr wegen der hohen Finanzierungskosten und den moderaten Wachstumsaussichten kaum investiert. Ob es in diesem Jahr zum prognostizierten Aufschwung bei den Bruttoanlageninvestitionen kommt, hängt auch von der weiteren politischen Entwicklung ab.

Anfang Juli wählt das griechische Volk eine neue Regierung. Der noch amtierende Premierminister Alexis Tsipras hat die Parlamentswahlen um drei Monate vorgezogen, nachdem seine Regierungspartei Syriza trotz zahlreicher Wahlgeschenke eine Niederlage bei den Europawahlen eingefahren hatte. Syriza lag rund 9,5 Prozentpunkte hinter der konservativen Partei Nea Dimokratia (ND). Zudem konnte ND auch die Regional- und Kommunalwahlen für sich entscheiden.

Die Wirtschaft setzt große Hoffnungen in einen Regierungswechsel. Die Partei ND gilt als unternehmerfreundlich. Gemäß ihrem Programm will sie die Steuerlast für Firmen senken, Fördermittel für Investitionen schaffen, Privatisierungen vorantreiben und ausländische Investitionen akquirieren.

Damit sich Griechenland nachhaltig von der Krise erholt - das Land hat in den vergangenen elf Jahren 21 Prozent seiner Wirtschaftskraft eingebüßt - müsste die Wirtschaft jährlich um 4 Prozent zunehmen. Nur mit solchen Zuwächsen wäre Griechenland zudem in der Lage, seinen finanziellen Verpflichtungen gegenüber den Gläubigern nachzukommen.

MKT201906128008.14

Wirtschaftliche Eckdaten Griechenland
Indikator 2017 2018 Vergleichsdaten Deutschland 2018
BIP (nominal, Mrd. Euro) 180,2 184,7 3.388,2
BIP pro Kopf (Euro) 16.736 17.275 40.871
Bevölkerung (Mio.) 10,8 10,8 82,9

Quellen: Griechisches Statistisches Amt Elstat; Internationaler Währungsfonds; Statistisches Bundesamt

Investitionen: Bruttoanlageinvestitionen sollen 2019 deutlich zulegen

Die Bruttoanlageinvestitionen gingen trotz optimistischer Prognosen im Jahr 2018 um rund 12 Prozent zurück, so die EU-Kommission. Dafür verantwortlich war vor allem der Nachfrageeinbruch bei Transportausrüstungen. Diese ging laut griechischem Statistikamt Elstat um 44 Prozent zurück. Allerdings gibt es Risiken, die die Dynamik dämpfen könnten. Dazu zählen die Erhöhung der Mindestlöhne sowie die Unsicherheit über den weiteren Reformkurs angesichts der anstehenden Parlamentswahlen Anfang Juli.

Große Projekte, die dieses Jahr starten sollen, sind der neue Flughafen in Kastelli auf Kreta und der Bau der IGB-Erdgaspipeline zwischen Nordgriechenland und Bulgarien. Diese Vorhaben sollen weitere Infrastrukturprojekte in den Regionen anstoßen.

Ausgewählte Großprojekte in Griechenland
Projektbezeichnung Investitionssumme (Mio. Euro) Projektstand Anmerkung/Ansprechpartner
Egnatia Railway, Bahnstrecke Alexandroupoli-Igoumenitsa 10.000 Projektstart steht noch nicht fest; Bauzeit: 15 Jahre; soll aus dem Juncker Plan kofinanziert werden Erga OSE S.A., Tel. 0030 210/528 31 10;E-Mail: info@ergose.gr; Internet: https://www.ergose.gr/wp-content/uploads/2018/04/Sidirodromiki_Egnatia.pdf
Transadriatic Pipeline (TAP) 1.500 Arbeiten im Gang; fast 90 Prozent der 550 km langen Leitung ist fertig gestellt Trans Adriatic Pipeline (TAP) AG, E-Mail: tapgreece@tap-ag.com; Internet: http://www.tap-ag.gr
Neuer Internationaler Flughafen in Kastelli, Kreta 1.500 (davon 520 für Bauarbeiten) Konzessionsvertrag soll vom griechischen Parlament ratifiziert werden, Bauarbeiten sollen 2019 beginnen Projekt beinhaltet unter anderem Bau und Betrieb des Flughafens sowie die Errichtung von Straßenverbindungen zum Airport; Ariadne Airport Group, Konsortium aus ?erna und GMR Airports (Indien); http://www.terna.gr/media-center/Ariadne-Airport-Group/
Anbindung des Hafens von Kavala an die Bahnstrecke Thessaloniki-Alexandroupoli 250 Studien werden vorbereitet http://www.ergose.gr/project/syndesi_emporikou_limena_kavalas/
Gas Interconnector Greece-Bulgaria (IGB Pipeline, 182 km) 240 Das griechische Bauunternehmen AVAX erhielt Zuschlag für den Bau; das griechische Unternehmen Corinth Pipeworks übernahm die Lieferung der Pipeline. Fertigstellung bis Ende 2020. Projektträger: IGI Poseidon und Bulgarian Energy Holding; http://igi-poseidon.com, http://www.icgb.eu

Quellen: Recherchen von Germany Trade & Invest; Pressemeldungen

Informationen zu EU-Binnenmarktausschreibungen unter http://www.gtai-EU-Ausschreibungen.de.

Konsum: Impulse geben höhere Mindestgehälter und geringere Mehrwertsteuer

Die griechische Regierung hat im Wahljahr 2019 mehrere Maßnahmen beschlossen, um die Einkommen der Haushalte und damit den Konsum zu stärken. Im Februar 2019 hob die Regierung das monatliche Mindesteinstiegsgehalt um knapp11 Prozent auf 650 Euro brutto an. Im Mai kündigte sie unter anderem eine Rentenzulage an, außerdem die Senkung der Mehrwertsteuer auf Lebensmittel und in der Gastronomie von 24 auf 13 Prozent.

Für das Jahr 2019 prognostiziert die EU-Kommission ein Wachstum des privaten Konsums um 1,3 Prozent. Dieses könnte allerdings etwas stärker ausfallen, da manche Maßnahmen nach Veröffentlichung der Frühjahrsprognose beschlossen wurden.

Außenhandel: Deutschland nicht mehr wichtigster Handelspartner

Im 1. Quartal 2019 stiegen die griechischen Wareneinfuhren um 5,8 Prozent im Vergleich zur Vorjahresperiode. Die Exporte legten im gleichen Zeitraum um 1,6 Prozent zu. Im 1. Quartal 2018 gab es bei den Ausfuhren noch ein Wachstum von 13 Prozent. Grund für die nachlassenden Lieferungen in diesem Jahr sind die geringeren Exporte von Erdölprodukten sowie von Eisen und Stahl.

Italien löste Deutschland im Jahr 2018 als wichtigsten Handelspartner Griechenlands ab. An dritter und vierter Stelle folgten der Irak und China. Italien ist größter Abnehmer griechischer Produkte. An zweiter Stelle steht Deutschland.

Deutschland exportiert hauptsächlich Kfz, Stromgeneratoren, Milchprodukte, chemische Erzeugnisse und Arzneimittel nach Griechenland.

Die deutschen Ausfuhren legten 2018 um 9,9 Prozent zu. Die griechischen Lieferungen nach Deutschland stiegen um 4,2 Prozent.

Außenhandel Griechenlands (in Millionen Euro; Veränderung in Prozent)
2017 2018 Veränderung 2018/2017
Importe 50.342,9 55.187,6 9,6
Exporte 28.877,1 33.456,1 15,8
Handelsbilanzsaldo -21.465,8 -21.731,5 -

Quelle: Eurostat

Weitere Informationen (zum Beispiel SWOT-Analyse, Branchenberichte) finden Sie unter http://www.gtai.de/Griechenland

Dieser Artikel ist relevant für:

Griechenland Außenwirtschaft, allgemein, Wirtschaftslage, -entwicklung, allgemein, Sozialprodukt / Volkseinkommen / BIP / BSP, Investitionen (Inland), Investitionsklima, allgemein, Konjunktur, allgemein, Konsum / Konsumentenverhalten, Produktion / Produktivität

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