Wirtschaftsausblick

17.05.2019

Wirtschaftsausblick - Hongkong, SVR (Mai 2019)

Inhalt

Konsumenten halten sich in Zeiten des Zollkonfliktes mit den USA zurück / Von Roland Rohde

Hongkong (GTAI) - Trotz einer stetigen Konjunktureintrübung ist in Hongkong von einer Krise nur relativ wenig zu spüren. Das könnte sich ändern, wenn es keine baldige Einigung im Handelsstreit gibt.

Wirtschaftsentwicklung: Mittelfristiges Wachstum von 3 Prozent erwartet

Die Handels- und Finanzdrehscheibe Hongkong, deren Wirtschaft eng mit der des chinesischen Festlandes verbunden ist, leidet zunehmend unter dem Zollkonflikt. So trübte sich die Konjunktur der SVR rasch und stetig ein. Nach einem Wirtschaftswachstum (auf Jahresbasis) von real 4,6 Prozent zwischen Januar und März 2018 stellte sich laut dem lokalem Statistikamt im 1. Quartal 2019 nur noch ein Plus von 0,5 Prozent ein.

Dabei handelt es sich um den schlechtesten Wert der vergangenen zehn Jahre. Dennoch ist in Hongkong - vor allem dank des robusten Arbeitsmarktes - nicht sonderlich viel von einer Krisenstimmung zu spüren. Die Erwerbslosigkeit verharrte auch zum Jahresbeginn 2019 bei unter 3 Prozent. Ökonomen sprechend anhand solcher Werte von Vollbeschäftigung. Tatsächlich herrscht in vielen Branchen Fachkräftemangel.

Insgesamt hat sich Hongkong während des Handelskonfliktes mit den USA besser geschlagen als von den meisten Landeskennern und Ökonomen erwartet wurde. Eine Rezession blieb bislang aus. Das hat seinen Grund: Die Unternehmer der ehemaligen britischen Kolonie sind extrem anpassungsfähig. In Windeseile haben sie Produktionsschritte verlagert und etablierte Handelsströme umgeleitet.

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Dass sich Hongkong in schwierigen Zeiten behaupten konnte, hängt auch mit den einmaligen Standortbedingungen zusammen. So wurde die SVR 2019 von der US-amerikanischen Heritage Foundation zum 25. Mal in Folge zur freiesten Volkwirtschaft der Welt gekürt. Zusammen mit der hohen Rechtssicherheit punktet die Metropole mit nicht zu unterschätzenden Wettbewerbsvorteilen insbesondere gegenüber China.

Für 2019 geht die Regierung von einem Wirtschaftswachstum zwischen 2 und 3 Prozent aus. Sie dürfte damit nur noch richtigliegen, falls es zu einer raschen Beilegung des Handelsstreites kommt. Inzwischen wagen aber nur noch wenige, eine ernsthafte Prognose in dieser Hinsicht abzugeben. Trotzdem schauen die Verantwortlichen positiv in die weitere Zukunft. Für den Zeitraum 2020 bis 2023 erwarten sie ein durchschnittliches BIP-Wachstum von real 3 Prozent per anno.

Wirtschaftliche Eckdaten Hongkongs
Indikator 2017 2018 Vergleichsdaten Deutschland 2018
BIP (nominal, Mrd. US$) 341,4 364,8 4.001,5
BIP pro Kopf (US$) 46.150 48.960 48.269
Bevölkerung (Mio.) 7,4 7,5 82,9
Wechselkurs (Jahresdurchschnitt, 1 US$ = HK$) *) 7,8 7,8 -

*) Währung ist fest an den US-Dollar gekoppelt.

Quellen: Statistikamt Hongkong; Statistisches Bundesamt

Investitionen: Immer mehr internationale Firmen kommen in die SVR

Es gibt im Prinzip nur noch zwei Sparten der verarbeitenden Industrie, die im nennenswerten Umfang in Hongkong produzieren und investieren: Das Druck- sowie das Nahrungsmittel- und Getränkegewerbe. Beide habe in den letzten Jahren eine kleine Renaissance erlebt und ihren Maschinenpark modernisiert und erweitert. Die Investitionen in den Bausektor sind vor dem Hintergrund großer Infrastrukturvorhaben kräftig gestiegen. Künftig dürfte der Hochbau Treiber der Entwicklung sein.

Hongkong ist als internationales Handels- und Finanzzentrum ein wichtiger Investitionsstandort für ausländische Firmen. Praktisch alle Global Player sind vor Ort vertreten. Das lokale Statistikamt zählte 2018 rund 4.800 Niederlassungen internationaler Mutterhäuser, eine Steigerung von über einem Viertel gegenüber 2014. Deutsche Firmen unterhielten fast 160 Zweigstellen.

Ausgewählte Großprojekte in Hongkong (Investitionen in Mrd. US$ *)
Projektbezeichnung Investition Projektstand Anmerkung/Ansprechpartner
East Lantau Metropolis / Lantau Tomorrow Vision Um 100 Planung bis 2030/40; Regierung steht hinter dem Projekt Bau einer Stadt mit 400.000 Wohnungen; https://www.hk2030plus.hk/document/ELM_EN.pdf
Hong Kong Airport Expansion Plan 18,5 Teilweise im Bau; Fertigstellung bis 2024 Ausbau und Modernisierung des bestehenden Flughafens; https://www.threerunwaysystem.com/en/
Sha Tin - Central Link Über 11,0 Fortgeschrittene Bauphase; Inbetriebnahme bis 2021/22 Bau einer 17 km langen U-Bahn durch MRT Corp; (http://www.mtr-shatincentrallink.hk/en/home/)
Lohas Park Um 5,0 Erste Gebäude fertiggestellt; Komplette Fertigstellung bis 2025 Bau von 21.500 Wohnungen; Verschiedene Bauherren. https://www.mtr.com.hk/en/corporate/properties/tkol_lohaspark.html
Sport Park Kai Tak Über 4,0 Baubeginn 2019; Inbetriebnahme 2023/24 Sportkomplex auf 28 ha mit Arenen für 50.000, 10.000 und 5.000 Zuschauer

*) Umrechnung anhand des Wechselkurses 1 US$ = 7,8 HK$

Quellen: Recherchen von Germany Trade & Invest; Pressemeldungen

Konsum: Von 9 auf 0 in fünf Quartalen

Für viele Hongkonger fand der Zollkonflikt zunächst nur in den Medien statt. Im 1. Halbjahr 2018 zeigten sie sich von der ausgabefreudigen Seite. Schließlich hatten viele Angestellte in jüngster Zeit ihre Stelle gewechselt und verdienten nun mehr. Das zusätzliche Geld floss vor allem in den Konsum. Doch anschließend verloren sie fast schon schlagartig die Lust am Shoppen. Während der private Verbrauch im 1. Quartal 2018 auf Jahresbasis um real nahezu 9 Prozent zulege, kam es in den ersten drei Monaten 2019 zu einer Stagnation.

Touristen, insbesondere aus der benachbarten Volksrepublik, stellen für den Einzelhandel eine wichtige Kundengruppe dar. Über 50 Millionen chinesische Besucher kamen 2018 nach Angaben des Tourism Board in die SVR. Viele verbinden ihren Aufenthalt mit ausgiebigen Shoppingtouren. Sie bevorzugen Markenwaren mit einem günstigen Wert-Gewicht-Verhältnis wie Uhren, Schmuck, Kosmetika oder edle Stifte.

Außenhandel: Beschaffungsbüros kaufen verstärkt in Südostasien ein

Was für den Konsum gilt, trifft praktisch 1:1 auf den Außenhandel zu. Zwar legten die Warenexporte und -importe 2018 in der Durchschnittsbetrachtung um knapp 8 Prozent auf über 1,1 Billionen US$ zu. Doch einem lebhaften 1. Halbjahr folgte eine stetige Eintrübung. Im 1. Quartal 2019 sanken die Ausfuhren und Einfuhren auf Jahresbasis um knapp 3 Prozent. Beleben dürften sie sich erst nach einer Beilegung des Handelskonfliktes.

Dass die ehemalige britische Kolonie damit immer noch mit einem blauen Auge davongekommen ist, verdankt sie der hohen Anpassungsfähigkeit ihrer Unternehmen. Die Produzenten verlagerten Fertigungsschritte von China nach Südostasien. Dort kauften auch zunehmend die internationalen Beschaffungsbüros der Stadt ein. Die Wareneinfuhren Hongkongs aus den zehn Mitgliedsstaaten der ASEAN stiegen zwischen 2013 und 2018 um nominal rund 40 Prozent, diejenigen aus China nur um 13 Prozent.

Außenhandel Hongkongs (in Mrd. US$; Veränderung im Vergleich zum Vorjahr in %)
2017 2018 Veränd.
Importe 558,6 605,3 8,4
Exporte 496,6 533,1 7,3
Handelsbilanzsaldo -62,0 -72,2 16,5

Quelle: Statistikamt Hongkong

Weitere Informationen (zum Beispiel SWOT-Analyse, Branchenberichte) finden Sie unter http://www.gtai.de/Hongkong

Dieser Artikel ist relevant für:

Hongkong, SVR Außenwirtschaft, allgemein, Wirtschaftslage, -entwicklung, allgemein, Sozialprodukt / Volkseinkommen / BIP / BSP, Investitionen (Inland), Investitionsklima, allgemein, Konjunktur, allgemein, Konsum / Konsumentenverhalten, Produktion / Produktivität

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